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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Heinz Mack, Ohne Titel (N 9471), 2021 / Heinz Mack

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Das Bild vom Menschen prägt die Fotografie-Auktion bei Bassenge in Berlin

Ufos über Monets Seerosen



Carl Gustav Oehme,  Biedermeierliche Szene, um 1844

Carl Gustav Oehme, Biedermeierliche Szene, um 1844

Seit die Fotografie vor gut 180 Jahren als neue Technik aufkam, war die Darstellung von Personen eine ihre wichtigsten Aufgaben. Der Porträtfotograf trat nun in Konkurrenz zum Porträtmaler. Louis Jacques Mandé Daguerre, der als einer der Erfinder der Fotografie gilt, war ausgebildeter Maler, hielt ab 1840 mit dem jungen Medium zunächst vor allem Personen fest und gab dieser Gattung mit der „Daguerreotypie“ sogar seinen Namen. Eine Daguerreotypie aus der Frühzeit ist daher auch einer der Höhepunkte in der Fotografie-Auktion bei Bassenge in Berlin. Der damals noch nicht einmal 30jährige Carl Gustav Oehme, der bei Daguerre in Paris in die Lehre gegangen war, verewigte in seinem Berliner Studio acht reizvoll um einen Tisch in Szene gesetzte junge Frauen und Mädchen, die teils lesen, der Handarbeit nachgegen oder sich unterhalten. Mit solchen sorgfältig aufgebauten Gruppenbildnissen galt Oehme als einer der besten Daguerreotypisten der 1840er Jahren in Berlin. Seine „Biedermeierliche Szene“ von etwa 1844 soll nun 5.000 Euro einspielen.


Die Versteigerung der Fotografie schließt wie immer die Saison bei Bassenge ab und bietet mit den gut 350 Positionen einen Querschnitt durch die Geschichte der Lichtbildnerei von den Anfängen bis in die Gegenwart. Beim 19. Jahrhundert ist die Reisefotografie Strak vertreten. Francis Frith nimmt uns etwa nach Ägypten, Palästina und Nubien und präsentiert uns in 145 Albuminabzügen in acht Bänden antike Monumente, Kultur, Land und Leute, die er in drei Expeditionen zwischen 1856 und 1860 fotografiert hat (Taxe 5.000 EUR). Den Charme des Improvisierten und Zerfallenen fing Dimitri Ermakov in den 1880er Jahren mit alten Häusern in seiner Geburtsstadt Tiflis unter den Ruinen der Festung Nariqala ein (Taxe 1.200 EUR). Der Franzose Jean Raoul eröffnete in den 1860er Jahren in Odessa ein Studio und dokumentierte den Süden des großen russischen Reiches. Bassenge offeriert aus seinem dortigen Schaffen zwölf Bilder mit Soldaten, Kosaken, Bauersleuten, der Eskorte Zaren oder einem betenden jüdischen Mann aus dem Kaukasus, der Ukraine und Bessarabien für 3.000 Euro.

In fünf aneinandergereihten Albuminabzügen von fast eineinhalb Metern Länge haben James Robertson und Felice Beato um 1857 ein atemberaubendes Panorama von Istanbul entfaltet (Taxe 7.000 EUR). Nach Fernost geht es mit einem Album, in dem 50 kolorierte Bilder aus Japan mit pittoresken Landschaften, Tempeln und Menschen, teils genreartig inszeniert, von Kusakabe Kimbei und anderen unbekannten Fotografen versammelt sind (Taxe 2.000 EUR). Ein über zwei Meter langes schwarzweißes Panorama aus dem Studio Kung Tai mit einer Ansicht von Shanghai aus den 1880er Jahren, auf der Barken, Hausboote, Schiffe und Dampfer vor der Stadtsilhouette tuckern, soll 5.000 Euro einspielen. Der Engländer Charles Clifford war vor allem in Spanien tätig. Neben zahlreichen Ansichten des Landes hielt er als Hoffotograf unter Königin Isabella II. auch Staatsinsignien fest, darunter das Zeremonialschild Philipps II. von 1543 oder den Prachthelm Philipps III. (Taxe je 2.500 EUR).

Die Fotografie illustrer Personen aus Kunst, Gesellschaft und Politik nimmt im Katalogkapitel des 20. Jahrhunderts breiten Raum ein. Zu Stelldichein treffen sich etwa Marilyn Monroe und Marlene Dietrich mit Kussmund 1955 auf einem Abzug von Milton H. Greene (Taxe 900 EUR), die Dietrich allein mit Abendrobe in der eleganten Inszenierung des Filmfotografen A.L. Whitey Schafer am Set der etwas seichten Filmkomödie „The Lady Is Willing“ von 1941 (Taxe 1.800 EUR), der doch arg schielende Philosoph Jean-Paul Sartre mit Zigarette in einem Vintage Fritz Eschens von 1950 (Taxe 300 EUR), John Lennon in Frontalansicht und Licht-Schattenspielen von Astrid Kirchherr aus dem Jahr 1962 (Taxe 1.000 EUR), der bei Lotte Jacobi feinsinnige und verträumt blickende Architekt Eckart Muthesius um 1930 oder der eher handfeste und burschikose Maler Willi Baumeister vor der Staffelei bei Regina Relang aus dem Jahr 1946 (Taxe je 500 EUR).

Dan Budnik verewigte in den 1950er und 1960er Jahren amerikanische Künstler auf seinen Farbbildern mit Motiven ihrer Arbeit: Robert Rauschenberg im Atelier mit einer typischen Collagemalerei, Roy Lichtenstein hinter einem Siebdruckgitter und Jasper Johns mit mehreren seiner Flaggenbilder (Taxe je 1.200 EUR). Eine klare Sicht auf das eigene Ich tat Paul Citroen 1932 mit einem ausdrucksvollen Selbstbildnis neben seiner Kamera kund; den späteren Abzug aus dem 1970er Jahren gibt es für 500 Euro. Als Vintage von 1924 tritt Man Rays Wesensschau auf Jean Cocteau an, der seinen beseelten Blick ins Ungefähre lenkt (Taxe 6.000 EUR), während der Jubilar Joseph Beuys bei Christian Skrein auf der Documenta des Jahres 1968 streng und kantig sein Ziel nicht aus den Augen verliert (Taxe 1.800 EUR). Ein bildliches Manifest der Surrealismus ist William Kleins Vintage „Surrealist Group and Models“: Für die Vogue hat er 1960 in der „Exposition internationale du Surrealisme“ der Pariser Galerie Daniel Cordier André Breton und andere Protagonisten der Bewegung mit Mannequins in feiner Robe um einen aus Lebensmitteln gebildeten Leichnam versammelt (Taxe 1.800 EUR).

Einen surrealistischen Einschlag weisen auch die vier Männerbilder von Vincenzo Laera auf, wenn der Italiener ihren tätowierten halbnackten Körpern seltsame Masken aufsetzt (Taxe 3.500 EUR). Albert Watson legt seinem farbigen weiblichen Akttorso dann einen „16th Century Aztec Fan“ in die Scham (Taxe 2.500 EUR). Der Darstellung unbekannter Menschen widmen sich zudem Brassaï in der fülligen anrüchigen Dame, die 1932 des Nachts allein und rauchend am Place d’Italie wartet (Taxe 4.000 EUR), Gundula Schulze Eldowy in dem abgemagerten älteren „Lothar“ in seiner spartanischen Stube, einer sozialkritischen und anrührenden Perspektive aus ihrer Serie „Aktportraits“ von 1983 (Taxe 1.800 EUR), und Loretta Lux mit ihren seltsam distanzierten Kinderbildern, die immer recht erwachsen wirken, wie „The Irish Girls“ von 2005 (Taxe 4.800 EUR). Thomas Florschuetz tut seine gesellschaftspolitische Ansicht mit vier geballten Fäusten auf rotem Grund kreuzförmig um das titelgebende „Pink Square VII“ kund (Taxe 2.000 EUR). Für die erste Foto-Weltausstellung „Was ist der Mensch“ im Jahr 1964 wurde das Kriegsbild „Leid“ des Russen Dmitri Baltermants ausgewählt: In einer öden matschigen Landschaft liegen verstreut Opfer eines Massakers, das die deutschen Besatzer vor ihrem Rückzug aus der Stadt Kertsch auf der Krim verübt hatten, während Frauen und Mütter unter den Toten verzweifelt nach Angehörigen suchen (Taxe 1.200 EUR).

Ohne Menschen kommt etwa die Architekturfotografie aus. Eine Ikone der Baukunst, Ludwig Mies van der Rohes berühmten deutschen Pavillon der Weltausstellung in Barcelona, holte Sasha Stone 1929 vor seine Linse und stellte dem geometrischen Kubus zwei wehende Flaggen gegenüber (Taxe 3.000 EUR). Den charakteristischen Trinkhallen in den Städten des Niederrheins und Ruhrgebiets galt das Interesse Tata Ronkholz’, die sie im sachlichen Stil der Becher-Schule meist frontal ohne erzählerische Komponente in Schwarz-Weiß einfing. Zwei Kioske von 1983 aus Köln-Nippes und Leverkusen liegen bei Bassenge für jeweils marktgerechte 2.200 Euro vor. Mit dem unspektakulären Alltag in den amerikanischen Vorstädten beschäftigte sich William Eggleston in seinen Farbfotos und blickte 1969 etwa auf eine abgewrackte Tankstelle in „Webb. Mississippi“ und 1996 auf einen roten Einkaufswagen in „Memphis. Tennessee“ (Taxe je 3.000 EUR). Die Farbe ist auch bei Harold Edgerton ein bestimmender Faktor seines Vintage „Milk Drop Coronet“ von 1957, aber zugleich auch das Einfrieren der Bewegung; gilt er doch als Pionier der Hochgeschwindigkeitsfotografie (Taxe 4.500 EUR).

Wieder zurück ins Schwarzweiß geht es mit den ungegenständlichen Fotogrammen von Kurt Wendlandt aus den 1950er und 1960er Jahren. Einige seiner fünf spielerischen Lichtgrafiken hat er aber nachträglich noch koloriert (Taxen zwischen 1.200 und 2.000 EUR). Dem erhabenen Naturbild hat sich der Japaner Koyo Okada verschrieben und in den 1950er Jahren zweimal den schneebedeckten Vulkan Fuji samt Wolken- und Dunstmeer in den Mittelpunkt gerückt (Taxe je 1.500 EUR). Ein verwirrendes Spiel mit der Perspektive treibt Elger Esser bei den „Nocturnes à Giverny“; hat er doch Monets Seerosenteich im Abendrot auf den Kopf gestellt und lässt so einige Seerosenblätter wie Ufos durch den Himmel schweben (Taxe 1.200 EUR). Der 1979 in Halle an der Saale geborene Ulf Saupe interessiert sich für analoge fotografische Verfahren des 19. Jahrhunderts und kombiniert sie mit moderner digitaler Technik. So hat er für den „Golden Forest #7“ Kohlebriketts zu feinen Partikeln zerrieben und nutzt sie im Druckprozess. In mehreren dünnen Schichten überträgt er das Motiv des dichten Waldes auf die vergoldete Holzplatte und greift sogar noch mit Pinsel und Sprühflasche ein, um das Bild zu formen.

Die Auktion beginnt am 16. Juni um 14 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 14. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr in der Rankestraße 24, 10789 Berlin, am 15. Juni von 10 bis 15 Uhr. Das Auktionshaus bittet wegen der Corona-Lage und den damit verbundenen Einschränkungen um vorherige Anmeldung. Der Internetkatalog ist unter www.bassenge.com abrufbar.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com

Startseite: www.bassenge.com



14.06.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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16.06.2021, Fotografie des 19. – 21. Jahrhunderts

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