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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Vor 350 Jahren kam der Ingenieur und Baumeister Maximilian von Welsch im fränkischen Kronach zur Welt. Eine Ausstellung in seiner Geburtsstadt zeichnet nun Leben und Werk nach

Ein barocker Allrounder



Maximilian von Welsch, Längsschnitt von Orangerie und Schlosspark Fulda, 1721

Maximilian von Welsch, Längsschnitt von Orangerie und Schlosspark Fulda, 1721

Beim Bauen wollen immer viele mitreden. Das war schon vor über 300 Jahren so. Auch Maximilian von Welsch musste dies leidvoll erfahren. Adelige Auftraggeber nebst Familienclan, Höflinge oder andere Architekten drängten stets auf Mitbestimmung, so dass er kaum freie Hand hatte. Große Projekte konnten nur in einem Team vieler Beteiligter realisiert werden. Taktvolles Agieren und kluge Kompromisse führten dazu, dass von Welschs Anteil an Entwürfen und Ausführungen verwässerte und nicht mehr konkret greifbar erscheint. Experten zählen ihn jedoch zu den fähigsten Baumeistern des 18. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Anlässlich seines 350. Geburtstages unternimmt nun eine vom Museologen Alexander Süß arrangierte Schau den verdienstvollen Versuch, Person und Werkschaffen verifizierter vorzustellen.


Schon im ersten der sieben Abschnitte wird sein außergewöhnlicher Ausbildungs- und Schaffensweg offenbar. Getauft am 23. Februar 1671 in Kronach, besuchte Maximilian von Welsch in Bamberg die Lateinschule und studierte anschließend dort kurzzeitig Philosophie an der von Jesuiten geführten Academia Ottoniana, bevor er sich ab 1693 über elf Jahre hinweg im Militär hochdiente. Auf Feldzügen im Pfälzischen Erbfolgekrieg, im Großen Türkenkrieg oder im Großen Nordischen Krieg bereiste er weite Teile Europas, unterbrochen von Studienaufenthalten in Brüssel, London oder Paris um 1700.

Grundlagen für Welschs Vorstellungen von der Zivil- und Militärarchitektur bildeten die auf den Reisen gewonnenen Erkenntnisse. Diese verhalfen dem Autodidakten westlich zu späteren Erfolgen. Zudem erwiesen sich neu geknüpfte Bekanntschaften als folgenreiche Türöffner. So berief ihn im Jahr 1704 der Kurfürst und Erzbischof Lothar Franz von Schönborn als Ingenieuroffizier in die Dienste des Kurfürstentums Mainz. Unter der Ägide dieses mächtigen und den Künsten zugewandten Herrschers waren Maximilian von Welsch und sein Mitarbeiterstab für den Bauunterhalt, die Modernisierung, Erweiterung oder Vermessung teils weit entfernter Objekte verantwortlich. Daneben konzipierte er zivile und sakrale Bauvorhaben für andere Auftraggeber. 1706 wurde er zum Direktor des Kurmainzer Militärbauwesens ernannt und 1731 gar zum Kommandanten der Mainzer Garnison.

Bereits 1714 erhob ihn Kaiser Karl VI. in den Adelsstand als „Edler von Welsch“. Nach der Eheschließung mit der Tochter des Mainzer Hofapothekers lebte er im Haus zum Boderam am Mainzer Marktplatz, das er zu einem repräsentativen Anwesen ausbaute. Weltläufig ausgerichtet und mit einem ausgeprägten Sendungsbewusstsein versehen, verkehrte er hier mit den Größen der Zeit weit über seinen Stand hinaus und verstand es, mit seinem enormen Wissen zu überzeugen. Oft wurde er bei Problemen befragt, als Berater in Anspruch genommen, bei singulären Bauabschnitten eingebunden. Dies lässt es heute zur Herausforderung werden, sein Werk griffig zu fassen. Im Alter von 74 Jahren verstarb er am 14. Oktober 1745 in Mainz.

Breiten Raum nehmen in der Ausstellung einige persönliche Gegenstände ein; ein Porträt ist leider nicht überliefert. Erhalten hat sich sein prunkvoller Reißzeug- und Messinstrumentenkoffer mit 90 auf drei Böden verteilten Werkzeugen. Über Jahre auch teils im Ausland erworben und mit den Gravuren seines Namens versehen, lassen die geringfügigen Gebrauchsspuren vermuten, dass sie speziell der Repräsentation dienten. Heute wird die üppige Zusammenstellung aus Handzirkeln, Winkelmessern, Peil- und Nivelliergeräten bis hin zum seltenen Halbkreisdiopter im Mainzer Landesmuseum verwahrt. Einblicke in Maximilian von Welschs Leseplan und Wissen offenbaren 47 erhaltene Bände seiner Bibliothek, die aus der Mainzer Stadtbibliothek ausgeliehen werden konnten. Zumeist in Französisch, der von ihm fließend beherrschten Sprache der höfischen Gesellschaft abgefasst, kreisen sie um die Themen Kriegsbaukunst, Festungsbau, Architektur und Geschichte. Ein eigener Raum ist der Ausstattung des Mainzer Domizils gewidmet. Sein Haus zum Boderam wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf die Fassade zerstört und ist nur partiell in Innenaufnahmen überliefert. Vorbild für den mit goldverzierten Ledertapeten ausgestatteten „Raum der Künste“ in der Beletage bot das Tessinsche Palais, das von Welsch in Stockholm besichtigte. Hier wie auch an anderen Ausstellungsstationen ermöglichen interaktive Medien mittels Tabletts ein Eintauchen in die noble Kultiviertheit des Bewohners.

Nach den Annäherungsversuchen an die Person Maximilian von Welsch widmen sich die restlichen Kabinette seinem Bauschaffen. Architektur auszustellen, ist bekanntlich immer schwer, da Originalobjekte nicht mobil, Zeichnungen oft fragil und Modelle rar und teuer sind. So begnügte man sich in Kronach auch mit Reproduktionen von Plänen und einigen Modellen, die exemplarisch grundlegende Projekte vorstellen. Als besonders instruktiv erweist sich ein Zeitstrahl mit der Auflistung aller vielseitigen Bauvorhaben und deren Auftraggeber. Deutlich wird, wie zurecht Maximilian von Welsch oft als „Schönborn-Architekt“ oder „Erzbaumeister“ betitelt wurde, denn über zwei Drittel aller Projekte waren von den Schönborns veranlasst. Mit dem Ableben Lothar Franz von Schönborns im Jahr 1729 ebbte spürbar die Auftragswelle ab.

Zu den frühen Bauvorhaben gehörte ab 1706 der Unterhalt der Festung Rosenberg in seiner Heimatstadt Kronach. Das um 1709 errichtete und nicht mehr existente Pulvermagazin war eine der nachweislich von ihm geplanten und ausgeführten Maßnahmen. Eine kolorierte Bleistiftzeichnung von Lorenz Kaim aus dem Jahr 1880 vermittelt heute einen Eindruck von dem wehr- und blockhaften Haus. Die Entwürfe und die Bauleitung für die Zitadelle Petersberg in Erfurt schlossen sich an, darauf Pläne und Umbauten für die Festungen in Mainz und Marienberg in Würzburg. Von kunsthistorischer Bedeutung sind Maximilian von Welschs Zivilbauten. Ab 1707 oblagen ihm die Konzeption und der Bau großer Teile der Biebricher Schlossanlage bei Wiesbaden sowie die in einem Modell präsente grandiose Anlage des Lustschlosses Favorite am gegenüber gelegenen Mainzer Rheinufer. Ab 1714 entwarf er für Schloss Weißenstein in Pommersfelden erneut eine ausgedehnte barocke Gartenanlage, die seine Reputation als überragender Landschaftsplaner unterstreicht.

Während sich Maximilian von Welsch im Frühwerk an der strengen, klassisch-kühlen Variante des französischen Barock orientierte, näherte er sich nach einer Studienreise nach Wien im Jahr 1714 stark den italienisch-österreichischen Vorbildern an, was eine deutlich opulentere Schmuck- und Ornamentfülle zur Folge hatte. Als seine reifste Leistung sowie als eine der gelungensten Werke deutscher Barockarchitektur gilt die Orangerie in Fulda. Wie Maximilian von Welsch in mehreren prächtig illustrierten, repräsentativen Farbzeichnungen die Bauherrschaft zu überzeugen versuchte, stellen eindrucksvolle Faksimile vor. Ab 1730 konzentrierte er sich auf militärische Funktionen und war baukünstlerisch nur in der Sakralarchitektur aktiv. Die Abteikirche Amorbach konnte er 1741/45 noch im Rohbau realisieren; seine Entwürfe für die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen aus dem Jahr 1744 blieben Konzepte.

Die Ausstellung kann die Fülle der begleitenden beratenden Tätigkeiten und marginalen Projekte wie Grabstätten, Innenausstattungen, Altäre, Chorgestühle oder Wappenentwürfe nur kurz streifen. Deutlich wird aber, an wie vielen großen Bauvorhaben des 18. Jahrhunderts Maximilian von Welsch maßgeblich beteiligt war, gleichauf mit Größen wie Balthasar Neumann, Johann Lucas von Hildebrandt oder Johann Dientzenhofer. Als lohnend erweist sich ein Gang von der Festung Rosenberg hinunter in die Stadt Kronach vorbei am Elternhaus am Marktplatz zum überaus bescheidenen Heim seiner Großeltern in der Unterstadt, in dem Maximilian von Welsch zur Welt kam. Wer dann die steilen gewundenen Buckelpflasterstraßen wieder zur Festung emporgeht, wird ein wenig erahnen können, wie hart und schwer sein Aufstieg zur anerkannten Autorität in vielen baulichen Genres vor über 300 Jahren gewesen sein muss.

Die Ausstellung „Einer für alle(s). Maximilian von Welsch – Ingenieur und Architekt des Barock“ ist bis zum 28. November im Fürstenbau der Festung Rosenberg zu besichtigen und hat täglich außer montags von 9:30 bis 17:30 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, für Familien 13 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 29,95 Euro kostet.

Kontakt:

Festung Rosenberg

Festung 1

DE-96317 Kronach

Telefon:+49 (09261) 60 410



20.07.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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11.07.2021, Einer für alle(s). Maximilian von Welsch – Ingenieur und Architekt des Barock

Bei:


Festung Rosenberg

Kunstsparte:


Architektur

Stilrichtung:


Barock

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Im Haus zum Boderam am Markt in Mainz lebte Maximilian von Welsch von 1708 bis zu
 seinem Tod
Im Haus zum Boderam am Markt in Mainz lebte Maximilian von Welsch von 1708 bis zu seinem Tod

Variabilder:

Der Reißzeug- und Messinstrumentenkoffer Maximilian von Welschs
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Variabilder:

Maximilian von Welsch, Projekt für die Zitadelle Petersberg in Erfurt
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Variabilder:

Für das Schloss Biebrich lieferte Maximilian von Welsch Entwürfe
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Maximilian von Welsch: die Orangerie in Fulda gilt als seine reifste Leistung
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Im Haus zum Boderam am Markt in Mainz lebte Maximilian von Welsch von 1708 bis zu seinem Tod

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Der Reißzeug- und Messinstrumentenkoffer Maximilian von Welschs

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Maximilian von Welsch, Projekt für die Zitadelle Petersberg in Erfurt

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Für das Schloss Biebrich lieferte Maximilian von Welsch Entwürfe

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Maximilian von Welsch: die Orangerie in Fulda gilt als seine reifste Leistung

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Maximilian von Welsch war am Bau des Lustschlosses Favorite in Mainz beteiligt

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in der Ausstellung „Einer für alle(s). Maximilian von Welsch – Ingenieur und Architekt des Barock“

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Halbkreiswinkelmesser Maximilian von Welschs, vor 1714

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Maximilian von Welsch, Querschnitt von Orangerie und Schlosspark Fulda, 1721

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Lorenz Kaim, Pulvermagazin der Festung Rosenberg, 1880

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Das Geburtshaus Maximilian von Welschs in Kronach

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