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Journal

Ohne die Fabriken um Eberswalde wäre der Aufstieg Berlins zur Metropole undenkbar gewesen. Gründerzeitliche Industriedenkmale und Artefakte anderer Epochen zeugen von einer eindrucksvollen Historie

Im ignorierten Land der Kunstgeschichte



Carl Blechen, Walzwerk Neustadt-Eberswalde, um 1830

Carl Blechen, Walzwerk Neustadt-Eberswalde, um 1830

Recht beeindruckt kehrte der Romantiker Carl Blechen im Jahr 1830 von einer Reise nach Eberswalde zurück. Zehn Skizzen hatte er vor Ort gefertigt. Besonders das Eisenwalzwerk hatte ihn inspiriert. Erbaut wurde es zwischen 1816 und 1818 nach Plänen von Preußens führendem Industriebaumeister Johann Friedrich Wedding nach englischen Vorbildern mit klassizistischer Fassade. Aus der Sicht eines Spaziergängers hielt es Blechen später in einem Gemälde fest. Mit aufsteigendem Rauch und dem verstellten Fernblick steigerte er den romantischen Duktus der Fabrikbauten. Experten zählen Blechens Werk zu den ersten deutschen Industriedarstellungen.


Heute steht das als „Blechenhaus“ bezeichnete einstige Industriegebäude im „Familiengarten Eberswalde“. Hier, wo früher in zwei Öfen das Stabeisen vor dem Walzen vorgeglüht wurde, hat der Künstler Eckhard Herrmann sein Atelier eingerichtet. Ausgebildet an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle an der Saale, spezialisierte sich der Metallbildhauer auf architekturbezogene figurative Arbeiten aus Stahl, Messing oder Aluminium, die man in zahlreichen öffentlichen Bauten oder auf Plätzen bewundern kann.

1992, als das Walzwerk die Produktion von Blechen, Hufeisen oder Schienenfedernägeln nach 222 Jahren endgültig einstellte, erlangte die Industriebrache durch die Umwandlung zur Landesgartenschau neue Attraktivität. Besonderer Anziehungspunkt und Wahrzeichen der Region ist der 1954 errichtete Montagekran „Eber“. Schon von weitem gerät die 56 Meter hohe Eisenkonstruktion ins Blickfeld. Von der Aussichtsplattform bietet sich eine grandiose Aussicht auf die älteste Industrieregion Preußens.

Lebensader Finow

Die Flussläufe von Finow und Schwärze rund um Eberswalde wurden zur Energieerzeugung und als Transportwege genutzt. Holzreichtum und Eisenerzvorkommen begünstigten außerdem die Entwicklung der Gegend zur Industrieregion. Bereits im 14. Jahrhundert dienten hier Wassermühlen der Textilproduktion. Ab 1532 kamen Papiermühlen hinzu, die den Berliner Hof belieferten. Die Geldscheine des Deutschen Reiches wurden bis zuletzt ausschließlich hier gedruckt. Ab 1700 trugen weitere industrielle Sparten zu einer blühenden ökonomischen Entwicklung bei.

Als großer Fortschritt erwies sich die Anlage des Finowkanals als erster künstlicher Wasserstraße in Deutschland. Im Jahr 1620 vollendet und nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder hergestellt, rückte der Kanal ab 1646 für 250 Jahre zur industriellen Lebensader auf. Wie an einer Perlenschnur reihten sich Betriebe an den Ufern der heute denkmalgeschützten Wasserstraße. Erst mit der 1914 eröffneten, parallel dazu verlaufenden Großschifffahrtsstraße des ehemaligen Hohenzollernkanals und heutigen Oder-Havel-Kanals verlor der Finowkanal an Bedeutung.

Zu den herausragenden technischen Denkmalen Deutschlands gehört das immer noch voll funktionstüchtige Schiffshebewerk Niederfinow. Entstanden 1926 bis 1934, können bis zu 750 Tonnen schwere Schiffe in fünf Minuten über die Staustufe von 36 Metern befördert werden. Der alte Finowkanal gewinnt nach Restaurierung der alten Kesselschleusen zunehmend Bedeutung für die Sportschifffahrt. Ufernahe Treidelwege wurden zwischenzeitlich zu Radwegen ausgebaut. Auf dieser Route passiert man heute zahlreiche Denkmäler der frühen Industrialisierung. Dazu zählt die 1847/49 von August Borsig für seine Maschinenfabrik in Berlin-Moabit konzipierte „Borsighalle“. Nach Verlegung der Berliner Fabrik wurde sie 1899 demontiert und im Eberswalder Eisenwalzwerk wieder aufgebaut. Konstruiert aus gigantischen halbkreisförmigen Eisengitterbögen kommt die neun Meter Höhe und 21 Meter Spannweite messende Konstruktion ohne Stützen aus. Beliebig erweiterbar, gilt sie als Prototyp aller nachfolgenden Ausstellungs-, Bahnhofs- und Werkhallen. Unlängst aufwendig restauriert, harrt sie nun einer neuen Nutzung.

Auf dem weitläufigen Gelände der alten Rohrleitungsfabrik Mannesmann-Seiffert bemühen sich mit viel Engagement private Eigentümer um neue Nutzungen. Unter dem Label „Rofin Gewerbepark“ ist das Ensemble aus architektonisch anspruchsvoll gestalteten Fabrikhallen nun Standort von 50 Unternehmen. Auch die Künste haben Quartiere bezogen. Mit seiner Werkstatt „Akanthus Restaurierungen“ hat sich Eberhard Roller hier eingerichtet. Gerade arbeitet er an der Restaurierung einer um 1780 vom Berliner Hofuhrmacher Louis George gefertigten Flötenuhr. Das „Ensemble Quillo“ verwandelte die große „Halle 54“ mit skurrilen, aus alten Rohren gelöteten Installationen in einen berauschenden Klangkörper.

Expressionistischer Siedlungsbau und geschichtsträchtige Klöster

Als städtebauliches Ensemble von besonderem kunsthistorischem Reiz gilt in Eberswalde die Messingwerksiedlung. Geradezu majestätisch erhebt sich über dem Gelände der 1917/18 im Stil des frühen Expressionismus nach Plänen von Paul Mebes errichtete Wasserturm. Aus 49 Metern Höhe lässt sich das Nebeneinander von Werkshallen, Verwaltungs- und Wohnbauten gut überblicken. Bis 2012 wurden hier über fast 300 Jahre hinweg Messinggeräte wie Bleche, Rohre, Drähte, Kessel, Nägel, Haken, Ketten, Beschläge, Haushaltsgeräte, Eimer oder Kannen produziert. Kern des Ensembles ist das Torbogenhaus. Einst von der Verwaltung und als Laboratorium genutzt, sind hier heute Wohnungen eingerichtet. Innen besticht die künstlerische Ausstattung. Der Windfang wurde mit aufwendig gestalteten Mosaiken verkleidet. Auch die Entwürfe der farbig verglasten Fensterbahnen des Treppenhauses stammen vom Bühnenbildner, Maler und Grafiker César Klein, einem prominenten Vertreter des deutschen Expressionismus. Zeugnisse für Experimente mit Kupferblech im Hausbau liefern ebenfalls denkmalgeschützte acht Musterhäuser gleich nebenan. Geplant von Robert Krafft und Walter Gropius, bestehen sie aus einem Holzskelett, das mit wellenförmig gepressten Kupferblechen verkleidet ist.

Sieht man sich die Ziegelsteine in unterschiedlichen Farben und Formen an, offenbart sich rasch deren unterschiedliche Provenienz. Die alte Klosterruine Chorin bei Eberswalde diente lange Zeit als günstiger Baustofflieferant. Kein geringerer als Karl Friedrich Schinkel bot dem Abbau Einhalt, als er 1823 die im Zerfall begriffene Ruine besuchte und sich für deren Restaurierung einsetzte. Heute lohnt ein Besuch des ab 1270 errichteten Zisterzienserklosters, eines der großartigsten Beispiele norddeutscher Backsteingotik. Bis zu 80 Priestermönche und 400 Laienbrüder lebten hier. Überraschend ist die jenseits von zisterziensischen Armutsidealen angesetzte Pracht. Sie hing damit zusammen, dass der Landesherr die Abtei zum Hauskloster und zur Grablege auserkor. Geometrische Formen, stilisiertes Blatt- und Rankendekor sowie Fabelwesen sind für die Choriner Schule charakteristisch. Als ein Wahrzeichen Brandenburgs gilt die imposante Westfassade mit prachtvoller Maßwerkrose und gestaffelten, das Bild einer Dreiturmgruppe vermittelnden Abschlüssen.

Als prächtigster Maßwerkgiebel norddeutscher Backsteingotik allerdings ist der Ostgiebel der Prenzlauer Marienkirche bekannt. Zwischen sechs Filialen entfaltet sich vor der Wand ein freistehendes Stab- und Maßwerk. Seine sattroten und rotschwarz glasierten Ziegel verstärken das eindrucksvolle Licht- und Schattenspiel. Erst kürzlich konnte in der größten gotischen Hallenkirche der Uckermark das Kreuzrippengewölbe wieder eingezogen werden, bevor nun mit dem Einbau der Westempore, der Orgel und des Hochaltars die nächsten Schritte anstehen. Wenn man schon einmal in Prenzlau zu Gast ist, sollte man einen Blick in das benachbarte Dominikanerkloster nicht versäumen. Der Komplex zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen in Deutschland, wobei zu hoffen bleibt, dass dies auch bei den anstehenden Ausbauarbeiten zum Museum angemessen gewürdigt wird.

Zurück in Eberswalde entdeckt der aufmerksame Spaziergänger im Stadtpark am Weidendamm die Bronzefigur einer reitenden Amazone. Die Skulptur von Franz von Stucks gehörte einst zur Ausstattung des nahe gelegenen Landguts Carinhall von Hermann Göring in der Schorfheide. Hier hat sich nichts mehr erhalten, im Gegensatz zum angrenzenden alten kaiserlichen Jagdhaus und späteren DDR-Gästehaus Schloss Hubertusstock. Diese und weitere Ziele führen in die jüngere Vergangenheit, aber das ist schon ein anderes Kapitel in der so geschichtsreichen Gegend.

Empfehlenswerte Lektüre: „Zukunft der Vergangenheit – Industriekultur in Bewegung“. Herausgeber: Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, Kulturland Brandenburg, Verlag lesen lokal, Berlin 2021, Preis 20 Euro



02.08.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Carl Blechen, Walzwerk Neustadt-Eberswalde, um 1830
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im Kloster Chorin
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Die ehemalige gotische Zisterzienserabtei Chorin
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gotische Wandmalereien im alten Prenzlauer Dominikanerkloster
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Ostfassade der Marienkirche in Prenzlau
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Im Schiffshebewerk Niederfinow

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im Kloster Chorin

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Carl Blechen, Kupferhammer in Eberswalde, um 1830

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Die wiederaufgebaute Borsighalle in Eberswalde

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Ostfassade der Marienkirche in Prenzlau

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In der Restaurierungswerkstatt „Akanthus“ von Eberhard Roller

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Blick in den Dachraum der Marienkirche in Prenzlau mit den neuen Gewölbekappen

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Die ehemalige gotische Zisterzienserabtei Chorin

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Torbogenhaus der Messingwerksiedlung in Eberswalde: Mosaike von César Klein

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Die alte, im Verfall begriffene Papierfabrik Wolfswinkel am Finowkanal

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Ein Kupferhaus in der Messingwerksiedlung in Eberswalde

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im Kloster Chorin

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Blick in die Halle 54 im „Rofin Gewerbepark“ mit den Klanginstallationen des „Ensemble Quillo“

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