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Thüringer Landesstipendien vergeben

Judith Rautenberg und Gökçen Dilek Acay erhalten das Thüringer Stipendium für Bildende Kunst 2021

Die Thüringer Landesstipendien für Bildende Kunst 2021 gehen an Judith Rautenberg und Gökçen Dilek Acay. Die beiden Künstlerinnen erhalten jeweils eine zwölfmonatige Förderung in Höhe von 10.000 Euro der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen und der SV Sparkassenversicherung. Rautenberg überzeugte die Jury mit ihren begehbaren, interaktiven, teils raumbezogenen, teils raumunabhängigen Video- und Lichtinstallationen, in denen sie Fotografie, Video- und Audioebenen kombiniert, Kunst, Forschung und Wissenschaft verknüpft und Mensch, Licht und Raum in Beziehung zueinander setzt. Die Begründung hebt die „Offenheit, Neugier und Experimentierlust gegenüber alten wie neuen Techniken und Technologien“ hervor und führt weiter aus: „Kunsthistorische Referenzen und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse liefern ihrer Arbeit, die sich mit unserer Wahrnehmungsfähigkeit, dem Zusammenspiel menschlichen Sehens, Hörens und Fühlens, auseinandersetzt, weitere Anhaltspunkte. Charakteristisch für Judith Rautenbergs künstlerische Praxis ist ihr Interesse am Raum als Medium und als Bild-, Erfahrungs- und Konzeptträger.“ Rautberg selbst bezeichnet ihre Raumerlebnisse als „immersive Environments, die inhaltliche Konzepte über einen multisensorischen Zugang vermitteln“.

Ausgangspunkt ihres Projekts „Papercuts in neuem Licht“ ist die Selbstreflexion und Bestandsaufnahme künstlerischer Produktion. Hierbei will Judith Rautenberg alte und neue Medien miteinander zu einer multidisziplinären Arbeit verbinden und neue Wege mit traditionellem Papierschnitt beschreiten. Diese klassische Technik will sie auf unterschiedliche Weise mit diversen Lichtformen in einem Raum in Beziehung bringen. Derart möchte sie das Nervengeflecht des Menschen wiedergeben. Die 1982 geborene Rautenberg studierte bis 2005 zwei Jahre lang Ethnologie, Philosophie und Religionswissenschaft an der Ludwig- Maximilians-Universität in München, bevor sie von 2009 bis 2015 an die Bauhaus-Universität nach Weimar wechselte, wo sie mit einer Unterbrechung zum Studium an der Wiener Kunstakademie seither lebt und arbeitet.

Gökçen Dilek Acay sicherte sich die Unterstützung der Jury mit ihrer Arbeit an der Schnittstelle darstellender und bildender Kunst. Sie lote in ihrem performativ-installativen Werk Gegensätze aus und führe sie in poetisch-inspirierender wie kritisch-verstörender Form zusammen. Das Interesse gelte gesellschaftlich-politischen Bedingungen, innerhalb derer das Menschsein möglich ist. Oppressive Machtstrukturen, normierende Körperpolitik und einengende Geschlechterrollen analysiert Acay dabei mit künstlerischen Mitteln. Die Jury schreibt weiter: „Dabei bildet – in ihren Worten – das ‚menschliche Tier‘ häufig eine Gegenfigur zum ‚brutalen Menschen‘.“ In ihren Arbeiten will die Künstlerin Genregrenzen verschieben und Sehgewohnheiten hinterfragen: Feine Gebilde aus Haar wirken wie dreidimensionale Zeichnungen, der vierfach geteilte Split Screen eines Videos wird zum Bild, und Porzellangeschirr verwandelt sich zur Plastik.

Ihr Vorhaben für das Landesstipendium basiert auf einem transkulturellen Ansatz. Gökçen Dilek Acay befasst sich schon länger mit Stickerei und will diese mit den für sie neuen Techniken des Klöppelns und des Blaudrucks erweitern. Ziel ist eine großformatige Textilarbeit, kombiniert mit einer Audio- und Videoinstallation. „Dabei begreift sie das schaffende, meist von Frauen ausgeübte Tun mit der Hand als eine Länder und Kulturen überschreitende Praxis, die so etwa bislang nicht bekannte Verbindungen zwischen der Türkei und Deutschland aufzuzeigen vermag“, so die Jury. Die 1983 in Istanbul geborene Gökçen Dilek Acay studierte zunächst Geige an der Yildiz Technical University in Istanbul. Anschließend nahm sie den Diplomstudiengang Freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar auf und schloss hier ihr Studium 2016 mit einem Master of Fine Arts in Medienkunst und Design ab.

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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 Rautenberg und Gökçen Dilek Acay erhalten das Thüringer Stipendium für Bildende Kunst 2021
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Gökçen Dilek Acay

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