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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Zufriedenstellende Ergebnisse und einzelne unerwartete Ausreißer für die Fotografie bei Bassenge in Berlin

Goldener Herbstwald



Carl Gustav Oehme, Biedermeierliche Szene, um 1844

Carl Gustav Oehme, Biedermeierliche Szene, um 1844

In der Mitte der 1840er Jahre inszenierte Carl Gustav Oehme in seinem Berliner Studio acht reizvolle junge Frauen und Mädchen. Der damals noch nicht einmal 30jährige Fotograf, der eigentlich Gerätebauer und nach Paris gegangen war, um bei dem berühmten Louis Jacques Mandé Daguerre die junge Technik der Lichtbildnerei zu erlernen, gruppierte die Personen um einen Tisch und ließ sie der Handarbeit, dem Lesen oder der Unterhaltung nachgegen. Die Aufnahme, die wie ein natürlicher spontaner Schnappschuss erscheint, wird wohl kein leichtes Unterfangen gewesen sein; denn die Frauen mussten wegen der langen Belichtungszeit ihre Positur strikt beibehalten. Dennoch gibt es kaum Unschärfen oder verwackelte Stellen. Auch die weiche und doch gerichtete Beleuchtung zeugt vom Können Oehmes, der damit zu den wichtigsten frühen Daguerreotypisten in Berlin gehörte. Das honorierten nun auch die Sammler bei Bassenge in Berlin. Geschätzt auf 5.000 Euro, katapultierten sie das Gruppenportrait mit 17.000 Euro einsam an die Spitze der Fotografie-Auktion.


Mit fast Zweidrittel verkaufter Positionen schloss die Versteigerung auf einem guten Level ab. Allerdings kam nur noch selten eine solche Kauflaune wie bei Oehme auf, am ehesten noch bei Arno Fischers Reportragestrecke aus Äquatorialguinea. Die 37 Vintages von Landschaften, Gebäuden und Menschen des kleinen afrikanischen Staats, die der bekannte DDR-Fotograf 1972 auf unprätentiöse Weise einfing, schossen von 1.800 Euro auf 12.000 Euro. Auch seine beiden Vintages einer erstaunt und fassungslos blickenden Kindermenge um 1957 und abendlich gekleideter Frauen auf dem Kurfürstendamm von 1958 erfreuten sich mit 1.300 Euro und 1.000 Euro einiger Beliebtheit (Taxen 1.200 und 750 EUR). Auf der anderen Seite ließ das Interesse am 16. Juni bei einigen höher bewerteten Bildern merklich nach. Zurück an die Einlieferer gingen etwa die beiden Abzüge mit dem Zeremonialschild Philipps II. von 1543 und dem Prachthelm Philipps III. von Charles Clifford um 1855 (Taxe je 2.500 EUR), Man Rays weichgezeichneter Portraitvintage von Jean Cocteau aus dem Jahr 1924 (Taxe 6.000 EUR) oder die vier Männerbilder Vincenzo Laeras mit surrealistischem Einschlag von 2012/21 (Taxe 3.500 EUR).

Höchster Ausfall beim 19. Jahrhundert waren die 7.000 Euro für das Panorama von Istanbul, das James Robertson und Felice Beato um 1857 in fünf aneinandergereihten Albuminabzügen von fast eineinhalb Metern Länge festhielten. Mit 4.500 Euro kam das achteilige, in den 1880er Jahren entstandene Stitching des Shanghai-Bund aus dem dortigen Studio Kung Tai nicht ganz an die Preisvorstellungen von mindestens 5.000 Euro heran. Mehr Bieteifer riefen dann Buffalo Bill und seine Wild West Show hervor. Die 20 Silbergelatineabzüge und 20 Negative von Mitwirkenden dieses frühen Ablegers des modernen Showbusiness, darunter von Sitting Bull, John Nelson, Annie Oakley und Buffalo Bill, die zwischen 1895 und 1910 vor den Kameras von John C. H. Grabill, Elliott & Fry und weiterer Fotografen standen, legten von 500 Euro auf 3.000 Euro zu.

Auf der Habenseite standen zudem die zwölf Bilder mit Soldaten, Kosaken, Bauersleuten, Zaren-Eskorte oder einem betenden jüdischen Mann aus dem Kaukasus, der Ukraine und Bessarabien von Jean Raoul um 1875 für 3.500 Euro (Taxe 3.000 EUR) oder die beiden Albuminabzüge mit dem Schatzhaus des Atreus und dem Löwentor in Mykene von Ausgrabungen Heinrich Schliemanns aus den 1870er Jahren für 1.600 Euro (Taxe 750 EUR). An die Antike knüpfte auch Wilhelm von Gloeden an und stellte im Jahr 1900 die erotisch-arkadische Szene eines jungen Mannes in Toga und eines Knabenrückenakts in felsiger sizilianischer Hügelgegend nach, die sich mit 3.000 Euro wiederum gut behauptete (Taxe 1.400 EUR).

Den Anfang der Fotografie des 20. Jahrhunderts hatte Bassenge mit einer Suite von Architekturbildern bestückt. Hier überzeugte vor allem Ludwig Mies van der Rohes berühmter deutscher Pavillon der Weltausstellung in Barcelona bei 5.000 Euro. Dem strengen geometrischen Kubus des Baus stellte Sasha Stone 1929 zwei wehende Flaggen gegenüber (Taxe 3.000 EUR). Fast wie eine Farbfeldmalerei wirkt Will McBrides nun 2.800 Euro teure Brandmauer an der Bernauer Straße in Berlin von 1956, wäre da nicht der kleine Mann, der vor dem Backsteinmeer gebückt dahinschreitet (Taxe 1.500 EUR). Auch für Joel Meyerowitz’ Farbfoto einer Veranda am Meer in Provincetown aus dem 75 Mal aufgelegten Portfolio „Bay, Sky, Porch“ von 1977/79 ging es bei 1.600 Euro leicht bergauf (Taxe 1.000 EUR). Als früher Befürworter der Farbfotografie gilt zudem William Eggleston, der sich häufig mit dem unspektakulären Alltag in den amerikanischen Vorstädten beschäftigte. Während seine abgewrackte Tankstelle in „Webb. Mississippi“ von 1969 auf 3.800 Euro kletterte, blieb sein dreißig Jahre jüngerer roter Einkaufswagen in „Memphis. Tennessee“ liegen (Taxe je 3.000 EUR).

Immer wieder zog es Tata Ronkholz zu den charakteristischen Trinkhallen in den Städten des Niederrheins und Ruhrgebiets, die sie im sachlichen Stil der Becher-Schule meist frontal ohne erzählerische Komponente in Schwarz-Weiß einfing. Ihr Kiosk in der Kempener Straße in Köln-Nippes traf mit 2.200 Euro genau die Preisvorstellungen, ihre ebenfalls 1983 entstandene Trinkbude in der Wupperstraße in Leverkusen musste einen Abschlag auf 1.800 Euro hinnehmen (Taxe je 2.200 EUR). Ebenso erging es Harold Edgertons Hochgeschwindigkeitsfotografie „Milk Drop Coronet“ von 1957 mit einem deutlichen Rabatt auf 3.000 Euro (Taxe 4.500 EUR). Gemischt war der Zuspruch für die fünf ungegenständlichen, teils schwarzweißen, teils kolorierten Fotogramme von Kurt Wendlandt aus den 1950er und 1960er Jahren: Nur die beiden spielerischen Lichtgrafiken „Transparente Schichten I“ und „Reve d’amour“ wurden für jeweils 1.800 Euro übernommen (Taxe je 2.000 EUR). Auch Heinrich Heidersberger experimentierte damals mit ungegenständlichen „Rhythmogrammen“, bei denen er das Licht mit Hilfe eines „Rhythmographs“ direkt auf das Fotopapier bannte. Drei dieser schwungvollen aufgefächerten Lichtzeichnungen verbesserten sich von 900 Euro auf 2.200 Euro. Nicht ganz so hoch strebte Floris Michael Neusüss’ Fotogramm mit mehreren hellen Scheiben auf schwarzem Grund. Die Gebote für seinen unikaten Vintage „Tellerbild“ von 1968 stoppten schon bei 2.000 Euro (Taxe 3.000 EUR).

Der Mensch war das bestimmende Thema in der jüngeren Fotoabteilung von Bassenge. Er machte etwa in Gestalt einer jungen Frau, die mit großen Augen durch einen aufgerissenen Maschendraht zum Betrachter blickt, auf sich aufmerksam. Peter Keetmans Vintage „(Augen-)Blick“ von 1961 stieß bei 4.200 Euro auf rege Gegenliebe (Taxe 2.200 EUR), ebenso Werner Weigls jüdische Hochzeitsfeier von 1955 in der Berliner Synagoge in der Rykestraße am Prenzlauer Berg bei 1.300 Euro (Taxe 900 EUR). Brassaïs füllige Dame, die 1932 des Nachts allein und rauchend am Place d’Italie auf ihre Freier wartet, wanderte schon bei 3.600 Euro zu ihrem neuen Besitzer (Taxe 4.000 EUR). Köperfragmente nahm 1991 Thomas Florschuetz her, um sein gesellschaftspolitisches Anliegen mit vier geballten Fäusten auf rotem Grund kreuzförmig um das titelgebende „Pink Square VII“ kundzutun. 2.600 Euro waren sein Lohn (Taxe 2.000 EUR).

Nicht durchweg positiv waren die Reaktionen auf Dan Budniks Künstlerportraits, die er in den 1950er und 1960er Jahren mit Motiven ihrer Arbeit kombinierte. Während Robert Rauschenberg im Atelier mit einer typischen Collagemalerei und Roy Lichtenstein hinter einem Siebdruckgitter durchfielen, konnte sich Jasper Johns, der hinter mehreren seiner Flaggenbilder hervorlugt, über 1.900 Euro freuen (Taxe je 1.200 EUR). Auch Marlene Dietrich bezauberte die Sammler nicht immer: In der mondänen Inszenierung des Filmfotografen A.L. Whitey Schafer als Leinwandgöttin mit Abendrobe am Set der Filmkomödie „The Lady Is Willing“ von 1941 wurde sie verschmäht (Taxe 1.800 EUR), als schlicht gewandete Frau mit eiskalten Charme in „Dishonored“ sahnte die Dietrich dann aber 3.600 Euro ab (Taxe 400 EUR). Nicht ganz so erfolgreich waren die beiden „Irish Girls“ von 2005 aus der Reihe der seltsam distanzierten Kinderbilder Loretta Lux’ bei 4.500 Euro (Taxe 4.800 EUR).

O. Winston Link war eigentlich ein erfolgreicher Werbefachmann in New York. Sein Herz schlug in den 1950er und 1960er Jahren aber für die aussterbende Rasse der Dampfzüge in den USA. Überwiegend in Virginia dokumentierte er den schleichenden Untergang einer technischen Welt. Dabei sind die Eisenbahnen auf seinen wohl komponierten Aufnahmen eher im Hintergrund zu sehen; im Vordergrund spielt sich meist eine alltägliche Situation ab, so auch 1963 die Badefreuden in und um den „Swimming Pool, Welch, West Virginia“, während auf dem hinteren Bahndamm die ratternde Lokomotive eher einen skurrilen Kontrapunkt setzt. 2.800 Euro war einem Käufer der spätere Abzug aus dem Jahr 1984 wert (Taxe 3.000 EUR). Es müssen noch weitere Eisenbahnliebhaber in der Auktion bei Bassenge gewesen sein; denn der Ausschnitt einer alten Dampflokomotive, den Frank Heidtmann in den 1980er Jahren als Gummidruck mit weichzeichnerischen Qualitäten anlegte, verdoppelte seinen Wert auf 1.600 Euro. Für eine der jüngsten Arbeiten der Auktion kam noch ein hoher Preis zustande. Erst im vergangenen Jahr schuf Ulf Saupe, der sich ebenso für analoge fotografische Verfahren des 19. Jahrhunderts interessiert und sie mit moderner digitaler Technik kombiniert, seinen „Golden Forest #7“ und hat die aufragenden Baumstämme aus feinen Partikeln von Kohlebriketts auf einer vergoldeten Holzplatte ebenfalls als Gummidruck erstellt. Hierfür erhielt er nun 7.000 Euro (Taxe 8.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com



24.08.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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