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In einer versierten Ausstellung erhellt das Stadtmuseum Düsseldorf das Leben und Wirken des jüdischen, von den Nazis verfolgten Kunsthändlers Max Stern

Es war, als würde man zweimal leben



Der Student Max Stern in Bad Nenndorf, um 1926

Der Student Max Stern in Bad Nenndorf, um 1926

In der Geschichte des Kunsthandels gibt es eigentümliche Kuriosa. Dazu gehört bis heute, dass viele Galeristen, Auktionatoren oder Händler zuvor als Industrielle tätig waren. So war es auch in der Familie Stern. Julius Stern gehörte zu den führenden jüdischen Textilfabrikanten in Mönchengladbach. Der angesehene Inhaber einer „Mechanischen Kleiderfabrik“ widmete sich neben dem Hauptberuf der bürgerlichen Kultur des Kunstsammelns. Seine Gemälde mit damals populären Motiven, wie Landschaften, Seestücken oder bäuerlichen Genreszenen, ferner Porzellane und Gläser waren auf Ausstellungen gefragte Leihgaben. Am 18. April 1904 wurde in Mönchengladbach Julius’ einziger Sohn Max in das Spannungsfeld zwischen Kunst und Fabrik hineingeboren. Nach erfolglosen Versuchen der Expansion musste das Unternehmen 1913 Konkurs anmelden.


Umgehend zog die Familie nach Düsseldorf und eröffnete einen Kunsthandel. Seine junge Kunstgalerie etablierte Julius Stern im Jahr 1918 im neu erworbenen Haus auf der Königsallee. Sohn Max führte sie nach dem Tod ab 1934 weiter. Über 20 Jahre waren die Sterns wichtige Akteure in der kulturbeflissenen Düsseldorfer Stadtgesellschaft. Aus seiner deutschen Heimat als Jude vertrieben und vergessen, stieg Max Stern ab 1942 zu einer hoch geschätzten Persönlichkeit und zu einem der führenden Galeristen in seiner neuen kanadischen Heimat auf. Nun beleuchtet das Stadtmuseum Düsseldorf in der Ausstellung „Entrechtet und beraubt. Der Kunsthändler Max Stern“ das Leben und Wirken des Galeristen, der ein Opfer des Nationalsozialismus und 1937 gezwungen wurde, seinen Kunsthandel an der Königsallee zu schließen und zu emigrieren.

Die von dem Gastkurator Dieter Vorsteher, dem ehemaligen stellvertretenden Direktor am Deutschen Historischen Museum in Berlin, konzipierte Schau führt wesentliche Stationen im Leben des Kunsthändlers vor Augen. Gemälde, Dokumente, Fotografien und viele Archivalien werfen Schlaglichter über die Galerie Stern hinaus auf die Familiengeschichte und den Kunsthandel in Düsseldorf. Einzelne Gemälde gewähren detaillierte Einblicke in die Provenienzforschung. Vor dem Hintergrund von Restitutionsverfahren, aber auch bedingt durch erhebliche Forschungsdesiderate auf deutscher Seite sahen sich die Verantwortlichen in der Düsseldorfer Stadtspitze im Jahr 2017 gezwungen, die eigentlich für 2018 geplante Ausstellung abzusagen. Das brüskierte damals die Dr. Max und Iris Stern Stiftung als Erbin des Kunsthändlers und das dazu gehörige Max Stern Art Restitution Project, die eine weitere Beteiligung auch an der nunmehrigen Neukonzeption der Ausstellung ablehnten. Erfreulich ist, dass trotz dieser Verwerfungen, nach einem großen medialen Wirbel und einem wissenschaftlichen Symposium nunmehr eine instruktive Präsentation zustande gekommen ist, die den Besuch lohnt.

Max Stern, dem eigentlich die Weiterführung des Textilunternehmens zugedacht war, begann nach dem Abitur 1923 das Studium der Kunstgeschichte, das er 1927 in Bonn mit der Promotion abschloss. Nach Erfahrungen im Pariser Kunsthandel stieg er ins väterliche Geschäft ein. Ein Düsseldorfer Galerienplan vermittelt die günstige Lage der Galerie Stern an der Achse prominenter Mitbewerber wie den Galeristen Leo Pauly, Joseph Schönemann, Johanna Ey, Alfred Flechtheim oder Hans und Georg Paffrath. Wie extrem gut vernetzt die Sterns waren, dokumentieren unter anderem über 1000 erhaltene Kundenkarteikarten mit Angaben zum gesellschaftlichen Status, Beruf, Notizen zu Vorlieben oder erworbenen Werken samt Preisen.

Im Fokus des Galerieangebots standen die deutsche Malerei des späten 18. und 19. Jahrhunderts, seltener Kunst nach 1910, sowie die Düsseldorfer Malerschule. Gehandelt wurde unter anderem mit Werken von Max Slevogt, Franz von Defregger, Carl Spitzweg oder Franz von Stuck. Die Galerieware rekrutierten die Sterns von Künstlern, auf Auktionen oder aus Privatsammlungen. Als „Zierde für den Plüschmöbelstil“ verspottete Alfred Flechtheim das aus seiner Sicht verstaubte Angebot der Sterns. Zu ihren engen Kontakten gehörten auch die Städtischen Kunstsammlungen. Im Stadtmuseum und dem heutigen Museum Kunst Palast, dem vormaligen Kunstmuseum der Stadt Düsseldorf, befinden sich 36 Gemälde und 208 Grafiken, die durch die Hände von Max Stern gegangen sind. Der tiefen Finanzkrise war zeitweise die Abhaltung von Auktionen geschuldet. Zwischen 1931 und 1933 bot das „Stern-Kunstauktionshaus“ über 1.200 Werke auf diesem Weg an.

Die in der Ausstellung einsehbare Gestapo-Akte verdeutlicht die massiven Schikanen in den Jahren vor der erzwungenen Galerieschließung am 15. Dezember 1937. Schon zuvor hatte die Familie Vermögenswerte und Werke ins Ausland gebracht. Ein Teil der Gemälde ging nach London, wo Max Stern bis 1940 mit den „West’s Galleries“ seine Berufstätigkeit fortsetzen konnte. Mit dem Kriegsausbruch im September 1939, der Einstufung als „Enemy Alien“ und der erneut erzwungenen Schließung der Galerie im Mai 1940 verschiffte Max Stern die wertvollsten Gemälde zu Verwandten nach New York. Die deutsche Staatsbürgerschaft wurde ihm ebenso aberkannt wie der Doktortitel.

Nach Internierungen in Lagern in England und Kanada trat Stern Ende 1942 in die Montrealer „Dominion Gallery of Fine Arts“ als Mitarbeiter ein und avancierte bereits zwei Jahre später zum Mitinhaber, bevor seine Ehefrau Iris fünf Jahre später alle restlichen Geschäftsanteile der Galerie erwerben konnte. Zunächst stand auf Betreiben Max Sterns die Förderung zeitgenössischer kanadischer Künstler im Fokus wie Goodridge Roberts oder die von ihm entdeckte Künstlerin Emily Carr. Neben Alten und Neueren Meistern sowie der Klassischen Moderne kümmerte sich die Sterns ab 1957 um den Verkauf von Skulpturen europäischer Bildhauer, darunter insbesondere von Henry Moore, Eduardo Paolozzi, Emilio Greco und Hans Arp. Später erhielt Max Stern vom Musée Rodin die Alleinvertretungsrechte in Kanada für den Handel mit Abgüssen Auguste Rodins.

Daneben trugen Iris und Max Stern über Jahre eine ansehnliche Privatsammlung zusammen. Daraus spendeten sie eine Reihe von Arbeiten an kanadische Museen in Montreal, Toronto, Ottawa oder Vancouver, aber auch an Museen in Haifa, Jerusalem oder Tel Aviv. Dies trug dazu bei, dass Max Stern zu den anerkanntesten Kunsthändlern Kanadas und zum respektablen Sponsor aufstieg. Hier und in Israel ereilten ihn höchste Ehrungen und Auszeichnungen. Neun Jahre nach dem Ableben seiner Frau starb Max Stern am 30. Mai 1987 während einer Auslandsreise in Paris. Schon zuvor hatte er seinen Nachlass testamentarisch drei Universitäten in Kanada und Israel vermacht. Als Rechtsnachfolgerin wurde dann die private Dr. Max und Iris Stern Stiftung gegründet.

Die Ausstellung lässt auch den langwierigen Kampf um Entschädigung und Rückerstattung nicht aus. Vom ersten, im Dezember 1948 gestellten Rückerstattungsantrag bis in das Jahr 1963 datieren Rechtsstreitigkeiten gegen die Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin des Dritten Reichs, in denen Max Stern finanzielle Ausgleiche für eingezogene Bankguthaben, beschlagnahmte Gemälden oder zwangsverkaufte Immobilien erstritt. Exemplarisch erläutert die Ausstellung auch die Provenienzforschung anhand zweiter Gemälde. Ein Selbstporträt Wilhelm von Schadows wurde 2013 aus dem Stadtmuseum Düsseldorf an die Stern Stiftung zurückgegeben. Für das 1830 von Wilhelm von Schadow geschaffene „Bildnis der Kinder des Künstlers“ legen die Forschungsergebnisse bislang keine Restitution nahe. Max Stern bemerkte 1966 in einem Interview: „Ich wusste genau, was ich tat. Alles, was ich in Kanada gemacht habe, hatte ich zuvor in Europa gesehen. Es war, als würde man zweimal leben.“

Die Ausstellung „Entrechtet und beraubt. Der Kunsthändler Max Stern“ ist bis zum 30. Januar 2022 zu sehen. Das Stadtmuseum Düsseldorf hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 24,90 Euro kostet.

Kontakt:

Stadtmuseum Düsseldorf

Berger Allee 2

DE-40213 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 899 61 70

Telefax:+49 (0211) 899 40 19

Startseite: www.duesseldorf.de/stadtmuseum



03.09.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Der Kurator
 Dieter Vorsteher
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Der Kurator Dieter Vorsteher

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Präsentierten die Ausstellung über Max Stern im Stadtmuseum Düsseldorf

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in der Ausstellung „Entrechtet und beraubt. Der Kunsthändler Max Stern“

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in der Ausstellung „Entrechtet und beraubt. Der Kunsthändler Max Stern“

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in der Ausstellung „Entrechtet und beraubt. Der Kunsthändler Max Stern“

in der Ausstellung „Entrechtet und beraubt. Der Kunsthändler Max Stern“

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Wilhelm von Schadow, Selbstportrait

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Max und Iris Stern betrachten ihre Suchanzeige nach verlorenen Kunstwerken in der „Weltkunst“

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