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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Der Orden der Prämonstratenser feiert seinen 900. Geburtstag. Das Kulturhistorische Museum in Magdeburg erinnert nun in einer umfangreichen Schau an die vielgestaltige Ordensgeschichte

Von Rhein und Elbe in die weite Welt



Peter Paul Rubens, Der heilige Norbert besiegt den Ketzer Tanchelm, 1622/23

Peter Paul Rubens, Der heilige Norbert besiegt den Ketzer Tanchelm, 1622/23

Viele Bewegungen verdanken ihre Existenz dem willensstarken Wirken charismatischer Idealisten. Zu ihnen gehört auch Norbert von Xanten. Um das Jahr 1080 am Niederrhein geboren und aus der Adelsfamilie von Gennep stammend, trat er schon als Kind in das Xantener Stift St. Viktor ein und erhielt eine geistliche Ausbildung. Klug, begabt und auf der zentralen Stellung des Stiftes basierend, war Norbert gern gesehener Gast am Königs- und Kaiserhof. Nachdem er gemäß seiner Heiligenvita einen Blitzschlag überlebte, ließ er sich zum Priester weihen, entsagte dem weltlichen Leben und zog als Wanderprediger umher, zumeist barfüßig und in der ärmlichen Gewandung aus ungefärbter weißer Wolle, die sich deutlich von den schwarzen Kutten der Mönche unterschied. Mit seinen kritischen Reden über kirchliche Missstände sprach Norbert viele Gläubige an.


In seiner Heimat war er daher bei einigen Mächtigen nicht gut gelitten und zog nach Frankreich. Wohl um den unbequemen Prediger zu zähmen, erlaubte ihm der Bischof von Laon die Gründung eines Klosters, das er 1120 mit dreizehn Gefährten im nahen Tal von Prémontré aufbaute. Am Weihnachtstag 1121 legten sie die ersten Ordensgelübde ab. Auf Grundlage der Augustinusregel verschrieb sich die nach dem Ursprungsort „Prämonstratenser“ genannte Gemeinschaft dem Ideal des gemeinsamen Lebens im Stil der Urkirche. Rasch breitete sich der Orden mit seinen Ideen aus. Umso überraschender mutet es an, dass schon bald darauf im Jahr 1126 der Aussteiger und unnachgiebige Reformer Norbert zum Kirchenfürsten aufstieg: Ein Hoftag in Speyer bestimmte ihn zum Erzbischof von Magdeburg. Norbert holte Mitbrüder aus Prémontré an die Elbe und vertraute ihnen das Kloster Unserer Lieben Frau an. Dieses stieg nun zum zweiten Mutterkloster auf und war Ausgangspunkt für eine umfassende Christianisierung des Ostens. Wohl in der Folge einer Malariaerkrankung starb Norbert am 6. Juni 1134 in Magdeburg.

Sein Werk, der Orden der Prämonstratenser, existiert bis heute in weltweit 40 autonomen Häusern mit rund 1500 Männern und Frauen, davon dreizehn in Europa sowie in Indien, im Kongo, den USA oder Brasilien. Bei den Prämonstratenser handelt es sich immer um eine Gemeinschaft geweihter Priester mit Armuts-, Enthaltsamkeits- und Gehorsamsgelübde und nicht um in abgeschotteten Klöstern lebende Mönche. Ihr Leben nach Regeln beinhaltet nicht nur das Feiern der Messe oder Stundengebete, sondern auch festgelegte Aufgaben in der Seelsorge, Krankenbetreuung oder Ausbildung bis hin zur Bewirtschaftung von Gütern oder der Erstellung prächtiger Handschriften.

Wohl kaum ein Ort als Magdeburg eignet sich besser, um das Jubiläum zu feiern, schließlich ist der heilige Norbert Patron des Bistums Magdeburg und Schutzpatron des Magdeburger Landes. Bis 1626 war Norbert in der Kirche des Liebfrauenklosters beigesetzt, bevor gegen den Widerstand der Bürger seine sterblichen Überreste ins Kloster Strahov in Prag umgebettet wurden. Zum Schutz der prächtigen Grabstätte wurde um 1628 von Jakub Ernst eine grandiose Gitterkapelle geschmiedet, die als größtes Exponat die Jubiläumspräsentation im Magdeburger Kulturhistorischen Museum ziert.

Chronologisch in sieben Themenkreise griffig konzipiert, versammelt die Schau über 160 kunsthistorisch bedeutsame Exponate, die das Auf und Ab der Ordensgeschichte über 900 Jahre hinweg illustrieren. Zum Auftakt besticht das Cappenberger Kopfreliquiar aus der Zeit um 1160. Die goldene Portraitbüste aus der ehemaligen Klosterkirche des Prämonstratenserstiftes Cappenberg ist Kaiser Friedrich I. Barbarossa nachgebildet und nahm ursprünglich Reliquien des Evangelisten Johannes auf. Sie steht für die Prachtentfaltung und vielen Zustiftungen an die Kirche, ebenso wie ein zeitgleich aus Walrosszahn geschnitztes Reliquienkästchen aus dem Kloster Sayn in der Form einer doppeltürmigen Basilika oder der Reliquienschrein des heiligen Simon, ein Hauptwerk spätromanischer Schatzkunst. Handschriften, Urkunden, Architekturspolien oder kirchliches Gerät führen in der Folge anschaulich die generelle Geschichte von Orden vor Augen, etwa die bauchige Silberkanne der heiligen Elisabeth aus den Jahren um 1230.

Ein Schwerpunkt der Auswahl konzentriert sich auf das Wirken Norberts in und um Magdeburg. Sein nicht unumstrittenes Wirken als Kirchenfürst, vor allem die Missionierung der slawischen Gebiete zwischen Oder und Elbe mitsamt der Neugründung von Klöstern in diesem Gebiet signalisieren zahlreiche Objekte, darunter Evangeliare, Paramente oder Interieurs, wie die an romanische Bauplastik erinnernden Wangen des Ratzeburger Chorgestühls, die zu den ältesten erhaltenen ihrer Art zählen. Ergänzend zur Ausstellung bietet sich der Besuch zahlreicher ehemaliger Niederlassungen der Prämonstratenser in der Region an: Die Dome von Brandenburg, Havelberg oder Jerichow ergänzen als Korrespondenzorte mit eigenen Veranstaltungen die Hauptschau.

Schwer belasteten die Ereignisse der Reformation auch die Ordensgeschichte. Deren Anhänger in eigenen Reihen scherten aus, über ein Drittel an Mitgliedern ging verloren. Verwüstungen und Plünderungen im Zuge des Dreißigjährigen Krieges kamen hinzu. Die Konzentration auf katholische Gebiete Europas unterstreicht augenfällig eine von Filialen bestückte Scheibenmonstranz aus dem Kloster Steinfeld in der katholisch geprägten Eifel. Im Jahr 1597 wurde im Magdeburger Liebfrauenkloster ein lutherischer Stiftsherr eingesetzt, das Kloster war nun für den Orden verloren.

Neben den Erneuerungen innerhalb einer Ordensreform widmet sich der fünfte Abschnitt dem Bauboom zu Zeiten barocker gegenreformatorischer Bestrebungen. Den Auftakt bildet eine Ölskizze Peter Paul Rubens, die den Triumph des heiligen Norbert über den Antwerpener Ketzer Tanchelm illustriert. Mit dieser Vorstudie zu der Alabasterfigur eines Hochaltars stellt das Museum erstmals ein Werk des flämischen Barockmalers aus. Pontifikalien, liturgische Gerätschaften, mit Edelsteinen besetzte Brustkreuze von Äbten und Entwürfe der Brüder Dominikus und Johann Baptist Zimmermann zur bedeutenden Rokoko-Wallfahrtskirche in Steinhausen, einem Ableger der Prämonstratenserabtei Schussenried, verdeutlichen den großen künstlerischen Aufwand jener Epoche.

Doch schon mit der Französischen Revolution, der Säkularisation sowie der damit verbundenen Zwangsauflösung vieler Klöster kündigte sich ein neues Tief an. Pläne zeigen Umnutzungen von Klöstern und beißend kritische Karikaturen über den angeblichen Lebenswandel der Chorherren. Das letzte Kapitel ist der jüngsten Vergangenheit gewidmet. Seit 1921 gibt es wieder Prämonstratenser in Deutschland. Während des Kalten Kriegs mussten im Ostblock viele Ordensmitglieder im Untergrund leben. Eine aus dem Blech einer Gurkendose geschnittene Monstranz der 1950er Jahre gehört zu den kuriosesten Exponaten der Schau. Beklemmende Gefühle entfachen Fotos von Schauprozessen in der CSSR, bei denen Äbte wegen Spionage und Hochverrates angeklagt wurden. Eine 70 Jahre alte Figur zeigt den heiligen Norbert mit Spaten, einem nur im Magdeburger Bistum verwendeten Symbol für kirchliche Werte in schweren ideologisch-politisch dominierten Zeiten. Seit 1991 sind in Magdeburg wieder Prämonstratenser zugegen. Mit ihrem neuen Konvent in den Ökumenischen Höfen entsteht derzeit einer der wenigen Klosterneubauten nördlich der Alpen.

Die Ausstellung „Mit Bibel und Spaten. 900 Jahre Prämonstratenser-Orden“ ist bis zum 9. Januar 2022 zu besichtigen. Das Kulturhistorische Museum Magdeburg hat täglich von 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Zur Ausstellung ist ein Führer für 9 Euro erhältlich; darüber hinaus wird ein wissenschaftlicher Tagungsband für 48 Euro angeboten.

Kontakt:

Kulturhistorisches Museum Magdeburg

Otto-von-Guericke-Straße 68-73

DE-39104 Magdeburg

Telefon:+49 (0391) 540 35 30

Telefax:+49 (0391) 540 35 10

E-Mail: museen@magdeburg.de



14.09.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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08.09.2021, Mit Bibel und Spaten. 900 Jahre Prämonstratenser-Orden

Bei:


Kulturhistorisches Museum Magdeburg

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Peter Paul Rubens, Der heilige Norbert besiegt den Ketzer Tanchelm, 1622/23
Peter Paul Rubens, Der heilige Norbert besiegt den Ketzer Tanchelm, 1622/23

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Schauprozess um die Äbte
 Augustinus Machalka vom Kloster Neureisch und Vitus Tajovsky vom Kloster Selau, 1950
Schauprozess um die Äbte Augustinus Machalka vom Kloster Neureisch und Vitus Tajovsky vom Kloster Selau, 1950

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Reliquienkästchen aus dem Kloster Sayn, Köln, um 1180/1200
Reliquienkästchen aus dem Kloster Sayn, Köln, um 1180/1200

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Brustkreuz des
 Abtes Bernhard Kempter aus dem Kloster Obermarchtal, Süddeutschland, Ende 18. Jahrhundert
Brustkreuz des Abtes Bernhard Kempter aus dem Kloster Obermarchtal, Süddeutschland, Ende 18. Jahrhundert

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Verkündigung Mariens, Westfalen, um 1480
Verkündigung Mariens, Westfalen, um 1480

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Egon Sellin, Norbert-Reliquiar, 1999
Egon Sellin, Norbert-Reliquiar, 1999

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Brandenburger Evangelistar, wohl Magdeburg, Anfang 13. Jahrhundert
Brandenburger Evangelistar, wohl Magdeburg, Anfang 13. Jahrhundert







Schauprozess um die Äbte Augustinus Machalka vom Kloster Neureisch und Vitus Tajovsky vom Kloster Selau, 1950

Schauprozess um die Äbte Augustinus Machalka vom Kloster Neureisch und Vitus Tajovsky vom Kloster Selau, 1950

Reliquienkästchen aus dem Kloster Sayn, Köln, um 1180/1200

Reliquienkästchen aus dem Kloster Sayn, Köln, um 1180/1200

Brustkreuz des Abtes Bernhard Kempter aus dem Kloster Obermarchtal, Süddeutschland, Ende 18. Jahrhundert

Brustkreuz des Abtes Bernhard Kempter aus dem Kloster Obermarchtal, Süddeutschland, Ende 18. Jahrhundert

Verkündigung Mariens, Westfalen, um 1480

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Egon Sellin, Norbert-Reliquiar, 1999

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Brandenburger Evangelistar, wohl Magdeburg, Anfang 13. Jahrhundert

Brandenburger Evangelistar, wohl Magdeburg, Anfang 13. Jahrhundert

in der Ausstellung „Mit Bibel und Spaten. 900 Jahre Prämonstratenser-Orden“

in der Ausstellung „Mit Bibel und Spaten. 900 Jahre Prämonstratenser-Orden“

Cappenberger Kopf, Niedersachsen. Hildesheim, 1150-1171

Cappenberger Kopf, Niedersachsen. Hildesheim, 1150-1171

in der Ausstellung „Mit Bibel und Spaten. 900 Jahre Prämonstratenser-Orden“

in der Ausstellung „Mit Bibel und Spaten. 900 Jahre Prämonstratenser-Orden“

Monstranz der internierten Geistlichen, sogenannte „Gurken‐Monstranz“, 1950er Jahre

Monstranz der internierten Geistlichen, sogenannte „Gurken‐Monstranz“, 1950er Jahre




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