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Vermeers stilles Verharren in Dresden

Jan Vermeer, Frau mit der Waage, 1662/65

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden präsentieren seit dem Wochenende in der Gemäldegalerie Alter Meister die Schau „Johannes Vermeer. Vom Innehalten“. Nach eigenen Angaben handelt es sich hierbei um die bisher größte Ausstellung zu dem holländischen Barockmaler in Deutschland. Das Herz der Exponate bildet Dresdens frisch restauriertes „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ um 1657/59. Aus dem schmalen Œuvre Vermeers sind insgesamt zehn Gemälde zu sehen, darunter die „Stehende Virginalspielerin“, die „Häuseransicht in Delft“, die „Frau mit der Waage“, der „Der Geograph“, das „Mädchen mit dem Perlenhalsband“ oder „Die unterbrochene Musikstunde“. Sie alle besitzen einen engen Bezug zum „Brieflesenden Mädchen“. Ergänzend erlauben 50 Werke der holländischen Genremalerei aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit Hauptwerken von Pieter de Hooch, Gerrit Dou, Frans van Mieris d.Ä., Gerard Houckgeest, Daniël Vosmaer oder Gerard ter Borch einen umfassenden Einblick in das künstlerische Umfeld Vermeers.

Die Kuratoren Stephan Koja, Uta Neidhardt und Arthur Wheelock haben die Schau in neun Bereiche unterteilt, deren Zentrum je ein Werk Vermeers bildet. Nach einer Einführung in seine künstlerischen Anfänge und sein Umfeld in Delft folgen Kapitel, die sich der „Spiegelungen der Seele“, „Wirklichkeit und Täuschung“, „Vom Stillstehen der Zeit“, „Die Sprache der Liebe“ oder „Botschaften des Herzens“ widmen. Finale des Rundgangs ist das „Brieflesende Mädchen am offenem Fenster“, auf dessen übermaltem Teil im Hintergrund bei der Restaurierung das Bild einer Amor-Darstellung freigelegt wurde. Ein Dokumentations- und ein Filmraum befassen sich ausführlich mit der Restaurierung und den vorgenommen naturwissenschaftlichen Untersuchungen.

Jan Vermeers frühe Bilder waren der Historie gewidmet, bekannt ist er jedoch vor allem für seine Genreszenen. Sein kleines Gesamtwerk mit etwa 35 Gemälden umfasst genau zwei Stadtansichten seines Heimatortes Delft. Sein 1656 geschaffenes, dicht gedrängtes Interieur „Bei der Kupplerin“ gilt als sein erstes Genrebild. Die in leuchtendes Gelb gekleidete junge Prostituierte öffnet ihre Hand für die Münzen, die der übereifrige junge Herr gleich hineinfallen lassen wird. Die Kupplerin beobachtet das Geschehen, und der schwarz gekleidete Begleiter macht den Betrachter zum Mitwisser. Dabei erzählt Jan Vermeer die Szene deutlich dezenter als seine Zeitgenossen in ähnlichen Werken.

In Gemälden mit Frauen organisiert Vermeer die Darstellung oft in genau verteilten Elementen, sei es die schwangere und offensichtlich wohlhabende „Briefleserin in Blau“ um 1663, die scheinbar durch das Erscheinen des Betrachters „Unterbrochene Musikstunde“ von 1660/61 oder die ganz auf das präzise Abwiegen fokussierte „Frau mit der Waage“ von 1662/65. Letztere verweist wohl am deutlichsten auf den Reichtum der Handelsnation Holland. Die Wissenschaften thematisierte Vermeer unter anderem im 1669 gemalten „Geographen“. Oft sind seine Gestalten dabei in ihr Tun vertieft und konzentriert auf sich selbst, was eine Atmosphäre des Innehaltens und der Zeitlosigkeit evoziert.

Die Ausstellung „Johannes Vermeer. Vom Innehalten“ läuft bis zum 2. Januar 2022. Die Gemäldegalerie Alte Meister hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, freitags bis 20 Uhr geöffnet. Der Besuch ist nur mit einem zuvor gebuchten Zeitfensterticket möglich. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren ist er kostenlos. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 48 Euro.

Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Gemäldegalerie Alte Meister
Zwinger
Theaterplatz 1
D-01067 Dresden

Telefon: +49 (0)351 – 49 14 20 00
Telefax: +49 (0)351 – 49 14 20 01


14.09.2021

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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