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Wilhelm Kohlhoff in Frankfurt an der Oder

Wilhelm Kohlhoff, Kathrin, um 1917

Das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst hat am Wochenende eine Ausstellung zum spätexpressionistischen Schaffen von Wilhelm Kohlhoff an seinem Standort in Frankfurt an der Oder eröffnet und macht damit auf einen unbekannten Künstler der „Verschollenen Generation“ aufmerksam. Zu sehen sind knapp 50 Gemälde und circa 20 grafische Arbeiten, die sich aus Figurenbildnissen, Stillleben sowie ausgewählten Landschafts- und Stadtdarstellungen zusammensetzen, von kompositionskonstruierender und bildimmanenter Lichtführung getragen und einem expressiven Realismus zugeordnet können werden. Wie schon der Titel „Dunkles Leuchten“ andeutet, definiert Kohlhoff im Zusammenspiel zwischen dunklen, aber intensiven Farben und präzise gewählten Lichtsetzungen das Verhältnis von Figur oder Objekt zum Raum. So umspielen blaue, grüne, gelbe und weiße Farbflächen auf seinem Gemälde „Obstbäume im Frühling“ von etwa 1920 die dunklen, kurvigen Holzstämme. Die weißen Farbtupfen sind als Blüten erkennbar und bestimmen die Blickführung.

Sein um 1917 entstandenes Portrait „Kathrin“ zeigt die Frontalansicht einer Frau, die in sich gekehrt einen Gegenstand betrachtet, den sie in Händen hält. Den Hintergrund, ihre Haare und ihr Gewand hat Wilhelm Kohlhoff in dunklem Kolorit gehalten. Zugleich hat er zahlreiche Lichtpunkte auf die Falten der Kleidung, einen hellgrünlichen Schein um den Kopf oder einen Glanzpunkt im Haar gesetzt. Die am meisten durch Helligkeit betonten Flächen des Gemäldes sind jedoch das Gesicht der Frau, ein Lichtkegel neben ihrem Kopf und das Objekt in ihren Händen, die dadurch zu den drei Bildmittelpunkten werden. Neben der Konstante in der Farbgebung zeichnet sich Wilhelm Kohlhoffs Werk durch vielfältige Reminiszenzen an Albrecht Dürer, Matthias Grünewald, Peter Paul Rubens und Rembrandt Harmensz van Rijn aus. Genauso machen expressionistische oder symbolistische Elemente und Anleihen an den Realismus einen Teil seines Schaffens aus.

Wilhelm Kohlhoff, 1883 in Berlin geboren, bildete sich autodidaktisch fort und hatte seine künstlerische Blütezeit in den 1920er Jahren. Unterstützung erhielt von Künstlerkolleg*innen wie Lovis Corinth, Max Liebermann, Alfred Kubin und Käthe Kollwitz sowie von zahlreichen Sammler*innen und wurde mit Ausstellungen in etablierten Kunsthäusern und Preisen geehrt. Die Nationalsozialisten stuften sein Schaffen 1937 als „entartet“ ein und entfernten mehrere Gemälde aus den Museen, woraufhin er sich als Künstler zurückzog. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vernichtung des größten Teils seines Œuvres konnte Kohlhoff nie wieder an die Erfolge seiner früheren Zeit anknüpfen. Er starb zurückgezogen 1971 in Schweinfurt.

Die Ausstellung „Wilhelm Kohlhoff. Dunkles Leuchten – Werke aus Privatsammlungen und der Sammlung des BLMK“ ist im Packhof in Frankfurt an der Oder bis zum 14. November zu sehen. Das Brandenburgische Landesmuseum hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. An den Feiertagen zum Jahreswechsel gelten verkürzte Öffnungszeiten. Der Eintritt beträgt jeweils 4 Euro, ermäßigt 3 Euro, bis 18 Jahre ist er frei.

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst – Packhof
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11
D-15230 Frankfurt an der Oder
Telefon: +49 (0)355 – 40 15 629


15.09.2021

Quelle: Kunstmarkt.com/Felice Ernst

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Tiere und Menschen auf der Zeitenwende

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Wilhelm Kohlhoff, Kathrin, um 1917
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Wilhelm Kohlhoff, Junge auf der Fensterbank, um 1917
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Wilhelm Kohlhoff, Obstbäume im Frühling, um 1920
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