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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Deutsche Historische Museum durchleuchtet in Berlin die Wechselwirkungen von Kunst und Politik nach 1945 am Beispiel der Documenta

Das Ende hehrer Illusionen



Bundespräsident Theodor Heuss auf der ersten Documenta

Bundespräsident Theodor Heuss auf der ersten Documenta

Die Nähe der Künste zur Politik gehört zu den permanenten Kontinua. Kunst wurde und wird missbraucht und gebraucht, ist gefügig oder widerspenstig, soll als Referenz oder Alibi dienen. Stets im Strom der Zeit sich bewegend, reproduzieren sich gesellschaftliche, machtpolitische oder wirtschaftliche Gegebenheiten im Duktus der allermeisten Kunstwerke. Vieles allerdings wird erst spät im Nachhinein treffend gedeutet. In den letzten Jahren deckten viele Analysen belastende nahtlose Übergänge zwischen dem Nationalsozialismus und der jungen Bundesrepublik nach 1945 auf, wovon Wirtschaft, Unternehmen, Ministerien, Hochschulen oder Kultureinrichtungen betroffen waren. Warum sollten da Museen eine Ausnahme bilden?


Unter der Maßgabe, dass ästhetische Urteilskraft auch von historischem Wissen bestimmt wird, hat sich das Deutsche Historische Museum (DHM) vorgenommen, das Verhältnis von Kunst und historischen Ausstellungen zu beleuchten. Dabei rückte die Documenta als wohl international bedeutendste deutsche Großausstellung rasch ins Visier. Zusätzlich befeuert durch Enthüllungen über den Gründungsdirektor der Berliner Nationalgalerie und vormaligen maßgeblichen Mitakteur der Documenta, Werner Haftmann, hat das Berliner DHM in seiner aktuellen Schau die historischen Hintergründe der ersten zehn Veranstaltungen von 1955 bis 1997 untersucht.

Bei der Initiierung neuer Formate sorgen Zweifel, Skepsis und Bedenken oft für einen holprigen Beginn. Bei der Documenta war dies nicht anders, wie die von Julia Voss, Lars Bang Larsen und Dorothee Wierling chronologisch arrangierte Präsentation gleich zu Beginn illustriert. Filme, Plakate, Dokumente, historische Schriftstücke zeigen in enger Verzahnung mit berühmten, einst ausgestellten Gemälden und Plastiken zudem, wie sehr man sich bei der Documenta von Anbeginn im Fahrwasser allgemeiner politischer Entwicklungen bewegte. Arnold Bode, studierter Maler und Grafiker, Professor an der Werkakademie in Kassel und als Sozialdemokrat gut vernetzt, stellte bereits 1954 den Plan einer „Europäischen Kunstausstellung des 20. Jahrhunderts“ vor. Ausgelegt war sie als Beiprogramm zur Bundesgartenschau. Als weiteres zugkräftiges Argument für die monetäre wie fiktive Akquise erwies sich die Lage im Zonenrandgebiet. Nur zögerlich gestaltete sich das Einwerben von Mitteln, bis der Kunsthistoriker und Bundespräsident Theodor Heuss die Schirmherrschaft zusagte.

Auch wenn die vormals diffamierte moderne abstrakte Kunst nicht dem Begehr von Akteuren Adenauerscher Politik entsprach, so konnte sie die Anbindung an den Westen und die Überwindung einst verfemter Kunst nur gutheißen. Als Kopf des Unternehmens und Leiter der ersten drei Ausgaben suchte sich Arnold Bode ein Team. Zum heimlichen Drahtzieher stieg dabei Werner Haftmann auf, der auch den prägnanten Titel „Documenta“ erfand. Von den 21 im Leitungsgremium agierenden Personen waren allein zehn vor 1945 in der NSDAP, der SS oder SA aktiv. Haftmann war in Italien unmittelbar an Folterungen und Erschießungen beteiligt und wurde nach dem Krieg von den Behörden als Kriegsverbrecher zur Fahndung ausgeschrieben.

Die Vergangenheit der Macher spiegelte sich auch in der Werkauswahl: Die erste Ausgabe von 1955 enthielt ausgenommen von Marc Chagall kein Werk jüdischstämmiger Künstler. Ihr wichtigster Ideengeber Werner Haftmann zielte auf ein Vergessen der 1930er Jahre. Er interpretierte die NS-Kunstpolitik als Bildersturm und Geschichtsunterbrechung. Trotz allem war der ehemalige Nationalsozialist Emil Nolde vertreten, der von Haftmann zum Künstler der „inneren Emigration“ verklärt wurde. Wider besseres Wissen behauptete Haftmann, „nicht ein einziger der deutschen modernen Maler“ sei Jude gewesen. So wurde der Name des deutsch-jüdischen Künstlers und Matisse-Schülers Rudolf Levy, den Haftmann kannte, aus der Vorauswahlliste gestrichen. Künstler wie Otto Freundlich, Lotte Laserstein oder Lesser Ury wurden ebenfalls ausgesondert. Star der ersten Documenta war hingegen Pablo Picasso.

Die Ruine des Fridericianums in Kassel zu nutzen, war Bodes Idee. Zentral in der Treppenrotunde präsentierte er die Bronzefassung von Wilhelm Lehmbrucks „Kniender“. Damit zielte er auf die Symbolik: Die Moderne sollte rehabilitiert werden und für eine weltoffene BRD stehen. Fritz Winters abstrakte Gemälde zählten in diesem Sinne zu den Schlüsselwerken der Schau. Von den sechs ausgestellten Werken stellt die Berliner Schau nun exemplarisch die „Große Komposition“ von 1953 vor. Sich als Gegenpol zum Sozialistischen Realismus verstehend und die Westanbindung demonstrierend, nahmen abstrakte Künstler aus den USA in der 1959 bei der zweiten Documenta breiten Raum ein. Unter den 150 Werken von 37 amerikanischen Künstlern wie Franz Kline oder Ellsworth Kelly war Jackson Pollock der Star, dessen großformatiges Bild „Number 32“ Werner Schmalenbach für einen exorbitanten Preis der Kunstsammlung NRW einverleiben konnte. Die abstrakte Kunst avancierte zur „Leitkunst“ der Freiheit. Trotzdem: Im Arbeitsausschuss der II. Documenta wirkte auch der Kunsthistoriker Ernst Holzinger, der während der NS-Zeit als Gutachter für geraubte jüdische Sammlungen arbeitete.

Bei der auf internationale Kunst der 1950er und 1960er Jahre konzentrierten Documenta im Jahr 1964 offenbarte sich mit der Beifügung figurativer Werke der Pop Art als Folge der prosperierenden Jugendkultur subtil eine Wende. Scheinbar keine Notiz von den dramatischen Ereignissen im Jahr 1968 nahm die nächste, zeitgleich stattfindende Ausgabe, die nicht mehr von Bode und seinem Kreis, sondern von einem 24köpfigen „Documenta-Rat“ geprägt wurde. Die Aufbaugeneration löste dann 1972 der Schweizer Harald Szeemann ab, der mit provozierenden und politischen Werken bei neuen Partizipationsmöglichkeiten des Publikums die kritische Wendung hin zu kuratorischen und künstlerischen Freiheiten verkörperte. Sein Nachfolger Manfred Schneckenburger sorgte 1977 auf der sechsten Weltkunstausstellung für eine Sensation: Während sein Vorgänger noch vergeblich versucht hatte, Kunst aus dem Ostblock auszustellen, konnte er erstmals Arbeiten von Künstlern aus der DDR zeigen. Erst jetzt drangen die Vergehen der NS-Zeit in die Documenta vor, zum Ausdruck gebracht etwa durch Werner Tübkes Triptychon „Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze“.

Joseph Beuys’ Kasseler Projekt „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ ist wohl am nachhaltigsten bei der vom Niederländer Rudi Fuchs 1982 kuratierten Documenta in Erinnerung geblieben. Als Manfred Schneckenburger fünf Jahre später erneut die künstlerische Leitung übernehmen durfte, hatte sich die Ausstellung als Event fest etabliert; Proteste fielen nahezu ganz aus. Nach der unspektakulären, vom Belgier Jan Hoet 1992 geleiteten Ausgabe wandte sich 1997 die Französin Catherine David mit Impetus gegen seichte Events und nahm die internationale Politik in den Fokus. Die Zahl der Besucher war von 130.000 auf der ersten Documenta auf nun 600.000 angestiegen.

Mit der vermeintlichen Hauptrolle des Westens bei der Kunstproduktion räumte dann 2002 Okwui Enwezor gründlich auf, indem er internationale Verflechtungen, High and Low, eine gegen Abschottung gereichtet Vielfalt zu fokussieren versuchte. Aber dies ist schon nicht mehr Thema der partiell textlastigen Schau im DHM, die historisch adäquat politisch-gesellschaftliche Großwetterlagen abbildet. Mit Besucheranalysen, dem Aufzeigen der Professionalisierung bei der Kunstvermittlung, öffentlichen Reaktionen oder der Vorstellung von Begleitveranstaltungen sowie wirtschaftlichen Bilanzen klingt die Ausstellung dann auf der zweiten Ebene aus. Was bleibt, ist die bittere Bürde, nach Nazi-Zeit und Zweitem Weltkrieg den Mut zu einem glaubhaften Neuanfang mit unbelastetem Personal nicht aufgebracht zu haben.

Die Ausstellung „documenta. Politik und Kunst“ ist bis zum 9. Januar 2022 zu sehen. Das Deutsche Historische Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro; bis 18 Jahre ist er kostenlos. Der Ausstellungskatalog kostet im Museumsshop 28 Euro.

Kontakt:

Deutsches Historisches Museum

Unter den Linden 2

DE-10117 Berlin

Telefax:+49 (030) 20 30 45 43

Telefon:+49 (030) 20 30 40



23.09.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


18.06.2021, documenta. Politik und Kunst

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Deutsches Historisches Museum

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Jackson
 Pollock, Number 32, 1950
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Zweites Marathon-Gespräch in Weimar zur Vorbereitung der Documenta 9,
 13. und 14. April 1991
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Jackson Pollock, Number 32, 1950

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Zweites Marathon-Gespräch in Weimar zur Vorbereitung der Documenta 9, 13. und 14. April 1991

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Rudolf Levy, Stillleben mit Madonnenlilien und Buch, 1942

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bei der ersten Documenta: Arnold Bode platziert Wilhelm Lehmbrucks „Kniende“ zentral im Fridericianum

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Werner Haftmann und Arnold Bode bei der Eröffnungsfeier der Documenta 3, 1964

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Hans Haacke, Hommage à Marcel Broodthaers, 1982

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