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Ohne Titel - Chromatische Konstellation, 2015 / Heinz Mack

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Aktuellzum Archiv:Museumsportrait

Der Erweiterungsbau des Züricher Kunsthauses von David Chipperfield ist eröffnet. Damit steigt das Haus zum größten Kunstmuseum der Schweiz auf. Doch die Diskussionen um belastete Sammlungsteile nehmen kein Ende

Wirbel hinter dem Vorhang



Der neue Chipperfield-Bau des Kunsthauses Zürich

Der neue Chipperfield-Bau des Kunsthauses Zürich

Inmitten der verkehrsreichen Betriebsamkeit des Züricher Heimplatzes schlängelt sich ein gelb- und pinkfarbener Stängel weit empor. Oben mündet er in einem Trichter, so als gäbe es etwas aufzusaugen. Nachts treten installierte farbige Lichtspots in Aktion, die suchend die Umgebung ausleuchten. Wie eine skurrile Blume oder Tütenlampe gebärdet sich die Installation „Tastende Lichter“ der in Zürich lebenden Künstlerin Pipilotti Rist und steht damit in starken Kontrast zum Kunsthaus-Neubau gegenüber.


Klar und streng gibt sich äußerlich die Kubatur der vom Briten David Chipperfield geplanten Erweiterung des Kunsthauses Zürich. Etwas aufgelöst wird die kompakte Kastenstruktur durch zahlreiche vertikale Rippen zwischen den horizontalen Leisten der einzelnen Etagen. Die schmalen, eng gestellten und deutlich vorkragenden Lisenen sind vorn leicht gerundet und verschleiern ähnlich einem Vorhang das harte Aufeinandertreffen von geschlossenen und durchfensterten Abschnitten. Mehrere Intervalle verraten durch dunkle Tönung die Fensterscheiben in den schmalen Schlitzen. Lisenen und Wandflächen bestehen aus heimischen Jurakalkstein, der die Fertigbauteile aus Recyclingbeton des Rohbaus verdeckt.

Etwas ungelenk gelangt das Publikum durch einen seitlichen Windfang in die imposante, bis zum Dach reichende breite Halle, das Herzstück des Neubaus. Sie ist einer von drei durchgehenden, vom Heimplatz bis zum hinteren Garten reichenden Fluchten, die das Haus durchziehen und sogleich eine exzellente Orientierung vorgeben. Großzügige zweiläufige Treppen geleiten auf die Emporen der beiden Obergeschosse, von denen die Sammlungssäle aus erschlossen sind. Bei der Großzügigkeit und Weite fällt der scharfe Materialkontrast zwischen den grauweißen Marmorböden, den aus Messing bestehenden goldenen Handläufen, Portalen oder Stangenwänden einerseits und den nackten Betonwänden und -decken kaum ins Gewicht, auch nicht, dass die Hallenachse nicht mittig, sondern leicht nach links verschoben verläuft. Besonders im unten angrenzenden Festsaal, aber auch an anderen Stellen tangiert den Besuchter die Unruhe eng gestellter wie unterschiedlich dicker Messingstäbe der Wandverkleidung, hinter denen sich im dunklen Nichts die technischen Einrichtungen nur erahnen lassen.

Unter dem monumentalen Mobile „Cinq blancs, un rouge“ von Alexander Calder aus dem Jahr 1972 schreitet man am Hallenende empor und passiert auf dem Zwischenpodest den rückwärtigen Hanggarten vor der ehemaligen Kantonsschule. Die Oase der Ruhe mit altem Baumbestand, Rondell für Veranstaltungen und rund geschnittenen Buchenhecken gestalteten die belgischen Landschaftsarchitekten Wirtz; der Garten ist, wie auch das gesamte Foyer, kostenlos zu betreten.

In den Obergeschossen entfaltet sich dann ein Parcours aus 33 wohl proportionierten Sälen. Auch hier kontrastieren Naturmaterialien wie warme Eichendielen mit dem nackten Beton der Deckenträger. Teils künstlich belichtet, teils direkt von schmalen raumhohen Fensterbahnen oder Oberlichtern erhellt, ergeben sich adäquat der Struktur der Exponate einzelne Cluster. Sogenannte „Interventionsräume“ sollen besonders inhaltstiefe Korrespondenzen provozieren, in denen junge, kontroverse Positionen aufregende Bezüge zu den eher tradierten kunstgeschichtlichen Themen und Beständen aufnehmen.

Dank des überragende Engagements der mittlerweile stolze 24.000 Mitglieder zählenden Züricher Kunstgesellschaft konnte fast die Hälfte der Baukosten von 206 Millionen Schweizer Franken von privater Seite aufgebracht werden. Stadt und Kanton Zürich steuerten die restlichen Teile bei. Über 20 Jahre hinweg, beginnend mit ersten im Jahr 2001 formulierten Ideen, einem 2008 ausgelobten Architekturwettbewerb, der 2015 erfolgten Grundsteillegung und der baulichen Vollendung Ende 2020, galt es, beharrlich das Projekt zu verfolgen. Dabei hat sich David Chipperfield an für ihn charakteristische Schaffensmuster gehalten: Umsichtige Planung, Übertragung vorgefundener Situationen in deutlich größere Maßstäbe, Offenheit und Durchlässigkeit, aber auch die Kombination aus vorgefertigten Elementen mit edlen Materialien und klassischen Chiffren der Architekturgeschichte sind dabei Eigenschaften, die auch seine deutschen Museumsbauten wie das Essener Museum Folkwang oder das Marbacher Literaturmuseum auszeichnen. Lediglich beim Verbindungsgang unter dem Heimplatz, der den Neubauflügel mit dem historischen Moser-Bau von 1910 zusammenfügt, dominiert wegen einer durchlaufenden Marmorbank eine gesteigerte Enge, die auch Olafur Eliassons künstlerische Intervention nicht mildern kann.

Zu den besonderen Herausforderungen gehörte die Konzeption von Räumlichkeiten mit großer Flexibilität, um künftigen Anforderungen an veränderte Präsentationsmuster und von hoher Diversität gekennzeichnete intermediale Schaffensprozesse gerecht zu werden. Zudem galt es besonders, privaten Kollektionen der Klassischen Moderne Räume zu bieten. Denn über 80 Prozent der Werke sind als Geschenke ins Haus gekommen. „Die Sammlung besteht im Grunde aus dem Eigentum fremder Leute“, bemerkte der Direktor Christoph Becker auf der Eröffnungspressekonferenz. Diese bunte Vielfalt von Eigentümerschaft musste in den Sälen zum Ausdruck gebracht und ein Auftritt vier Privatsammlungen ermöglicht werden, was einen chronologischen Parcours ausschließt.

Besonders in der Kollektion von Emil Georg Bührle kommt die Vorliebe der Schweizer Sammler für französische Kunst zum Ausdruck. Kern der rund 170 Gemälde und Skulpturen bilden der französische Impressionismus und seine nachfolgenden Strömungen, darunter weltberühmte Werke wie „Das Mohnblumenfeld bei Vétheuil“ von Claude Monet, „Der Sämann bei Sonnenuntergang“ von Vincent van Gogh oder „Der Knabe mit der roten Weste“ von Paul Cézanne. Ein eigener Raum ist der Vergangenheit der Sammlung und der Vita des 1890 in Pforzheim geborenen und 1956 in Zürich verstorbenen Rüstungsindustriellen vorbehalten, der sich engagiert und finanziell enorm in der Züricher Kunstgesellschaft einbrachte. Die überragende Qualität der Privatsammlung geriet auch während der Eröffnung des Erweiterungsbaus aufgrund der Verflechtung von Bührle als Weltkriegsprofiteur, der unter anderem auch Zwangsarbeiter beschäftigte, ebenso in den Hintergrund wie der Neubau und seine architektonische Beschaffenheit.

Aber auch andere unbelastete Sammlung haben im Neubau Platz gefunden, etwa die von Gabriele und Werner Merzbacher mit Arbeiten von Künstlern des Blauen Reiters und der russischen Konstruktivisten. Dazu treten die Sammlung Hubert Looser mit Dauerleihgaben aus den Bereichen Abstrakter Expressionismus, Minimal Art und Arte Povera von David Smith, Donald Judd oder Willem de Kooning sowie die Sammlung von Karin und Ferdinand Knecht mit dem Fokus auf holländischer und flämischer Barockmalerei. Die Kabinettstücke von Jan Brueghel d.Ä., Hendrick Avercamp, Adriaen Coorte oder Aert van der Neer haben Aufstellung im Altbau gefunden. Durch den freigewordenen Platz konnte hier zudem die Präsentation bedeutender Werke von Alberto Giacometti verstärkt werden.

„Earth Beats. Naturbild im Wandel“ heißt die erste Präsentation im neuen Ausstellungssaal. Sie versammelt in einem assoziativen wie sinnlichen Rundgang 120 interdisziplinäre Exponate von 46 Künstlern aus mehreren Jahrhunderten mit aktuellen Fragestellungen zum Klimaschutz. Ausgehend von den Elementen Erde, Luft, Wasser und Feuer inszenierten die Kuratorinnen Sandra Gianfreda und Cathérine Hug einen Appell zum Schutz der Erde und ihrer natürlichen Ressourcen. Auch dies mag vielleicht ähnlich wie bei der Sammlung Bührle zu erregten Diskursen führen, die mehr Lauterkeit hinter den Vorhängen aus Lisenen und Messingstangen bringen, vor allem aber das Haus als lebendiges Zentrum des Austausches etablieren mögen.

Das Kunsthaus Zürich hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr sowie mittwochs und donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 23 Franken, ermäßigt 18 Franken; für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre ist er frei.

Kontakt:

Kunsthaus Zürich

Heimplatz 1

CH-8024 Zürich

Telefax:+41 (044) 253 84 33

Telefon:+41 (044) 253 84 84

E-Mail: info@kunsthaus.ch



11.10.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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