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Sinn und Sinnlichkeit - das Flämische Stillleben in der Villa Hügel

Mehr Tatort Malerei als alte Schinken



Peter Paul Rubens und Mitarbeiter, Der Träumende Silen, um 1610-12

Peter Paul Rubens und Mitarbeiter, Der Träumende Silen, um 1610-12

Was fällt einem zum Thema Stilleben ein? Die einen mögen an Staub und Langeweile, andere wiederum an spannende Seherlebnisse denken. Die aktuelle Ausstellung in der Essener Villa Hügel bietet die Gelegenheit der Überprüfung jedermanns Einstellung anhand einer hochkarätigen Auswahl. Und siehe da: Alle können erleben, wie Stillleben Geschichten erzählen. Um die vielschichtigen Gedanken und aufregenden Einblicke in das bewegte Zeitalter ihrer Entstehung einigermaßen erfassen zu können, sollte man zweierlei zur Ausstellung mitbringen: Konzentration und Zeit. Die Exponate sind nichts für den flüchtigen Blick und schon gar nicht als simple, ausschließliche Wanddekoration konzipiert und zu verstehen.



Schon nach den ersten Bildern wird klar, dass die flämischen Stilleben durch eine starke Ambivalenz gekennzeichnet sind zwischen deutlicher Sinnesfreude auf der einen und Vanitas, dem Gedanken an die Vergänglichkeit auf der anderen Seite. Kein noch so prachtvoller Blumenstrauß aus dem Atelier Jacques de Gheyns, Roelant Saverys oder Ambrosius Bosschaerts, an dessen Blättern oder Blüten nicht welke Stellen zu entdecken sind, keine Obstkörbe von der Hand Jacob van Hulsdoncks oder Frans Snyders, mit ausschließlich makellosen Früchten. Leben und Tod sind untrennbar miteinander verbunden: Hier gemahnt noch eine erloschene Kerze an die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz, dort erinnert eine Sanduhr an das unaufhaltsame Verrinnen der eigenen Zeit. Gleichzeitig finden sich auf vielen Gemälden auch erotische Symbole, aufgeplatzte, saftige Feigen etwa oder aphrodisierend wirkende Austern, die das so typisch flämisch erscheinende Schwanken zwischen Daseinsfreude und Vanitas offenkundig werden lassen. Doch wurden die vielfältigen Blumen-, Jagd-, Früchte- oder Prunkstilleben, die diese einzigartige Ausstellung versammelt, nicht nur zur bloßen moralischen Belehrung oder religiös motivierten Meditation gemalt, sie waren Zeichen für Bildungsbeflissenheit, Repräsentation und Symbole der Zugehörigkeit zum Großbürgertum gleichermaßen.

Die Präsentation ist in zehn Abteilungen gegliedert. Gattungen und Grenzen werden zuerst aufgezeigt. Die angeschlossene Darstellung von regungslosen Gegenständen, so die Definition von Stilleben, entstand durch Wegnahme dieverser Dinge aus ihrer angestammten Umgebung. Ihrem Zweck entrückt, werden sie zu einem neuen ästhetischen Ganzen inszeniert. Neben gestalterischen Gesichtspunkten sind inhaltliche Bedeutungen dabei maßgebend. Auch sind Kombinationen mit anderen Bildgattungen wie Landschaftsbildern oder Historienszenen anzutreffen.

Naturstudien und Kammerstücke ermöglichen bislang ungeahnte Einsichten in Mikrokosmen, die durch neue Instrumente wie das Mikroskop sichtbar werden. Zu den mit Abstand zeitintensivsten Themen gehören die Blumenstilleben. Das äußerst exakte Studium der blühenden Vorbilder erforderte viel Zeit bei der Herstellung und gehörten daher zu den begehrtesten und teuersten Sammelobjekten der damaligen Zeit. In der Abteilung: „Täuschung und Ent-Täuschung - Das Stilleben und die Nachahmung der Natur“ rückt der Illusionismus in den Vordergrund. Er resultiert aus dem Bestreben der Maler, sich ihrem Vorbild möglichst weit anzunähern und ein bis ins Detail getreues Abbild auf der Leinwand zu erschaffen. Stets versuchten die Künstler, die unterschiedlichen Oberflächen der dargestellten Materialien in ihren optischen wie scheinbar greifbaren Qualitäten mit Pinsel und Farbe zu imitieren: gemaltes Metall muss glänzen, gemaltes Fell zum Darüberstreichen einladen.

In den Vanitas-Stilleben offenbart sich die wichtigste Botschaft der Gattung, nämlich der Hinweis auf die Nichtigkeit allen irdischen Strebens. Die Jagd- und Tierstillleben erfreuten sich einer besonderen Blüte. Die Jagd war ausdrücklich aristokratisch besetzt, die Darstellung von Waidgerät und seiner Beute hoch elitär. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelte sich das Markt- und Küchenstück. Themen sind hier die Darstellung von Lebensmitteln in szenischer Einbettung, oftmals in Verbindung mit Märkten, Vorratskammern, oder Küchen. Aber mit der Vorstellung von Stillleben verbunden ist wohl kein anderes Thema so eng wie das des gedeckten Tisches. Viele der auf den gedeckten Tischen zu identifizierenden Kombinationen von Lebensmitteln hatten für den Menschen des frühen 17. Jahrhunderts besondere Bedeutungen. So galten Austern als appetitanregend. Ähnlich der Artischocke oder der Quitte schätzte man sie außerdem als vielversprechendes Aphrodisiakum. Der Zitrone hingegen sagte man, ebenso wie der Olive oder der Rosine, mäßigende Eigenschaften nach.

Das Prunkstilleben gilt als innovativste Weiterentwicklung des gedeckten Tisches. Komplexe Kompositionen mit vielfälitig tiefengestapelten Kostbarkeiten zeichnen sie aus. Die „Geistlichen Stilleben - Blumen, Kränze, Girlanden“ bilden den Abschluss der Ausstellung. Sie stehen in maßgeblichen Zusammenhang mit den religiösen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten in den Niederlanden im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert.

An Stelle vermuteter "alter Schinken" begegnen einem über 100 mit handwerklicher Perfektion geschaffene zeitlos schöne Gemälde. Sie demonstrieren die eindrucksvolle Beherrschung der Spiele von Licht und Schatten flämischer Barockmaler. Künstler von Brueghel bis Rubens griffen tiefsinnige Gedanken auf und vermitteln mit ihren Geschichten vielfältige Einblicke in das Zeitalter ihrer Entstehung. Im Jahre 2003 findet die Präsentation mit flämischer Landscshaftsmalerei ihre Fortsetzung.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 8. Dezember. Geöffnet ist täglich von 10 bis 19 Uhr, dienstags und freitags bis 21 Uhr. Der Eintritt kostet 7,50 Euro, ermäßigt 5,50 Euro. Der Katalog ist für 30 Euro erhältlich.

Kontakt:

Kulturruhrstiftung Ruhr - Villa Hügel Essen

Hügel 15

DE-45133 Essen

Telefon:+49 (0201) 61 62 90

Telefax:+49 (0201) 61 62 911

E-Mail: office@villahuegel.de

Startseite: www.villahuegel.de



19.09.2002

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Osias Beert d.Ä., Stillleben mit Austern, Konfekt und Früchten

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Adriaen van Utrecht, Fischbude

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Adriaen van Nieulandt, Vanitasstillleben mit Blumen und Totenkopf, 1636

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Frans Francken d.J., Kunstkammer, 1618

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