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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Lübeck entdeckt das Werk seines führenden Reformationsmalers Hans Kemmer. Erstmals stellt eine Soloschau den Cranach-Schüler vor

Im Sog von Meistern, Macht und Motiven



Hans Kemmer, Die Liebesgabe, um 1530

Hans Kemmer, Die Liebesgabe, um 1530

In einer weiten Hügellandschaft mit wehrhafter Burg überreicht vor einem Baum ein vornehm gewandeter Herr einer modisch gekleideten, ebenfalls sitzenden Dame den Verlobungsring. Der private Augenblick zeigt einerseits das Aufgebot des Lübecker Kaufmanns Johann Wigerinck mit seiner zweiten Ehefrau Agneta Kerckring im Jahr 1529, andererseits ist das Sujet als mahnender Hinweis auf das sechste Gebot zu verstehen: Du sollst nicht ehebrechen. Das virtuose Verlobungsbild von Hans Kemmer konnten die Lübecker Museen 2018 bei Sotheby’s in London für netto 160.000 Pfund erwerben. Das Spitzenwerk offenbart zugleich kompositorische wie motivische Details aus der Werkstatt seines Lehrherrn Lucas Cranachs d.Ä. Neben dem versatzartigen Bildaufbau, der Farbgebung oder den Figurentypen ist dies besonders bei dem hinter dem Baum hervorlugenden Pferd offensichtlich, einer verschiedentlich von Lucas Cranach verwendete Chiffre.


Bislang weitgehend unbeachtet, rückt nun erstmals eine Einzelausstellung Werkschaffen und Biografie Hans Kemmers in den Fokus. 29 Arbeiten können ihm mittlerweile zugewiesen werden, davon sechs nicht mit definitiver Sicherheit. Das Lübecker St. Annen-Museum vereint nun 22, darunter fünf erstmals öffentlich präsentierte Werke. Die Kuratorin und Museumsleiterin Dagmar Täube arrangierte dies in einem insgesamt 64 Werke umfassenden Parcours, der Kemmer einbettet in einen Dialog mit Zeitgenossen, allen voran seinem Lehrmeister Lucas Cranach, von dem rund 20 Werke stammen.

Viele Details über Hans Kemmer liegen noch im Dunkeln. Vermutlich um 1495 in Lübeck geboren, absolvierte er zwischen 1515 und 1520 in der Wittenberger Kunstmanufaktur von Lucas Cranach d.Ä. die Gesellenzeit. Der neben Albrecht Dürer berühmteste deutsche Renaissancekünstler unterhielt eine schlagkräftige Kunstproduktion mit bis zu zwölf Mitarbeitern, die vor allem für politisch aussagekräftige Werke für deutsche Höfe und neue Bildformeln im Zuge der Reformation berühmt wurde. Spätestens seit der Eheschließung mit der Malerwitwe Anneke Wickhorst im September 1522 war Kemmer wieder in Lübeck tätig und übernahm die Werkstatt. Bereits am 9. Oktober 1522 ereilte ihn der Auftrag für einen Altar der Bergenfahrer-Kapelle in der Marienkirche, ein 1942 beim Luftangriff verbranntes Werk. Kemmers enge Kontakte zur Führungselite der Stadt begünstigten seinen Aufstieg zum führenden Maler der Reformation Lübecks. Alsbald konnte er sich ein Haus in einem vornehmen Quartier leisten. Er starb am 2. August 1561 in Lübeck und wurde in der Katharinenkirche beigesetzt.

Wie hat sich Kemmer in den allgemein gültigen Kanon des Cranachschen Stils eingefügt? Welche Impulse empfing er darüber hinaus? Welche eigenständigen Ideen setzte er unter der 1531 in Lübeck per Ratsbeschluss eingeführten Reformation in neuen Bildthemen um? Diese Fragen versucht die Ausstellung in acht Abschnitten zu erhellen. Ein entscheidender Faktor war dabei der Einsatz der Infrarotreflektografie zur Enthüllung von Unterzeichnungen. Mit ihrer Hilfe wurden Entwürfe auf dem Malgrund enthüllt und Hans Kemmer als souveräner, schwungvoller Zeichner ermittelt, der die Sujets durch mehrfaches Überzeichnen präzisierte und letztendlich den Farbauftrag auflegte. Durch Analyse von Arbeitsprozessen und Charakteristika seiner Handschrift gelang es, unter den Bildern der Cranach-Werkstatt eine neue Werkgruppe von frühen Arbeiten Kemmers während seiner Gesellenzeit zu identifizieren. Dazu gehört ein um 1515 datiertes Bildnis Kaiser Heinrichs II., eine beidseitig mit der „Heiligen Dreifaltigkeit“ bemalte Tafel aus der Chemnitzer Schlosskirche und insbesondere die in Schwäbisch-Hall verwahrte „Kreuztragung Christi“. Eng verwandtes Kolorit oder übereinstimmende Details, wie die gleichförmige Laubdarstellung, röhrenförmige Pferdeohren und speziell die Hakennasen, verweisen eindeutig auf Kemmers Anteil an den bislang dem Atelier Cranachs zugeschriebenen Werken. Trotz des verbindlichen Werkstattstils besaßen die Gesellen auch begrenzte Freiheiten.

Später kombinierte Hans Kemmer eigene Einfälle mit Merkmalen fremder, aber auch aus Cranachs Malbetrieb stammender Einflüsse. Hinzu kam der Druck, in Folge der Reformation alte Bildformen weiter zu entwickeln und ihnen durch Umdeutung neue Geltung zu verleihen. Spielte im Mittelalter die Jenseitserwartung bei den Aufträgen für kostbare Heiligenbilder und Erlösungsgeschichten eine wichtige Rolle und sorgte für eine gute Auslastung der Maler, fielen die Vorkehrungen für das Leben nach dem Tod im Zuge der Reformation weitgehend weg. Vielmehr stand jetzt das Wort Gottes in didaktisch angelegten Bildern ohne Kultstatus im Fokus. Bezeichnend dafür sind zwei Varianten der „Ehebrecherin“ von Hans Kemmer. Sie wird hier nach reformatorischer Auslegung zur Beispielfigur von Luthers Rechtfertigungslehre: Die Ehebrecherin wird erlöst, da sie glaubt, signalisiert durch betende Hände. Dieser lehrhafte Charakter ist ganz im Sinne von Martin Luthers Bildverständnis.

Immer wieder begegnen dem Betrachter Parallelen zum Schaffen Cranachs. Aber auch eigene Motivvarianten fügte Kemmer hinzu, etwa bei der „Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers“. Auf den ersten Blick scheint Kemmers Gemälde mit einer fünf Jahre zuvor entstandenen Version Cranachs zum Verwechseln ähnlich. Doch besonders Kemmers Freude am kostbaren Schmuck und erlesenen Brokatstickereien markiert dessen eigene künstlerische Stärke. Kemmer griff hier Anregungen aus Lübeck auf, einer Drehscheibe hanseatischen Tuchhandels im 16. und 17. Jahrhundert. Die Eleganz mehrfarbig gewebter und detailfreudig illustrierter Stoffe und Brokatmuster ordnete Kemmer allerdings der kompositorischen Harmonie unter. Gerne verwendete er zudem individuelle Charakterköpfe mit Hakennasen. Ein beidseitig ausgearbeitetes Blatt mit männlichen Kopfstudien, unter anderem als „Singende Pfaffen“, betont humorvoll die zeichnerischen Qualitäten. Neben den Motiverfahrungen aus Cranachs Werkstatt ließ sich Kemmer zudem von flämischen Vorbildern leiten.

Ab 1530 reduzierte sich in Kemmers Arbeiten die Pracht, ohne dass er das lebendige Farbenspiel aufgab. Andachtsbilder als wichtige Einnahmequelle fielen weg. Aus devoten Stifterbildnissen erwuchs das selbstbewusste Porträt, in Auftrag gegeben von vermögenden Kaufleuten oder Würdenträgern. Aber auch Konterfeis der Reformatoren oder Schmerzensmänner beherrschten nach der Reformation die Bildinhalte, die sich Kemmer als wichtige Auftragszweige erschloss. Sein letztes Bild im Ausstellungsrundgang, das 1552 gemalte „Epitaph Wittinghoff“, wurde von seinen entstellenden Übermalungen befreit, um den ursprünglichen Kemmer wieder sichtbar werden zu lassen und seiner Qualität auf die Spur zu kommen. Diese beweist, dass der Lübecker Maler zu Unrecht über eine lange Zeit vergessen wurde.

Die Ausstellung „Cranach – Kemmer – Lübeck. Meistermaler zwischen Renaissance und Reformation“ ist bis zum 6. Februar 2022 zu sehen. Das St. Annen-Museum hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, von Januar an ab 11 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt an Heiligabend, 1. Weihnachtstag, Silvester und Neujahr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, für Kinder und Jugendliche bis zu 18 Jahren 2,50 Euro. Der umfangreiche Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet im Museum 39,90 Euro, im Buchhandel 49,90 Euro.

Kontakt:

St. Annen-Museum

St. Annen-Str. 15

DE-23552 Lübeck

Telefon:+49 (0451) 122 41 37

Telefax:+49 (0451) 122 41 83

E-Mail: museen@luebeck.de

Startseite: www.die-luebecker-museen.de



26.10.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


24.10.2021, Cranach – Kemmer – Lübeck. Meistermaler zwischen Renaissance und Reformation

Bei:


Die Lübecker Museen - Kulturstiftung Hansestadt Lübeck

Kunstsparte:


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Hans Kemmer, Christus und die Ehebrecherin

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Lucas Cranach d.Ä., Detail aus „Christus und Maria“, 1516/20

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Lucas Cranach d.Ä., Gesetz und Gnade, 1529

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Hans Kemmer, Totenbild der Hermann Bonnus, 1548

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Hans Kemmer, Entwurf für ein Portraitmedaillon, 1520/40

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Hans Kemmer, Timmermann’sche Hochzeitsschüssel, 1540

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Hans Kemmer, Männliche Kopfstudien (Singende Pfaffen), 1547

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Dagmar Täube hat in Lübeck die erste Ausstellung zu Hans Kemmer kuratiert

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Lucas Cranach d.Ä., Porträt Philipp Melanchthon, 1543

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Hans Kemmer, Epitaph Wittinghoff, 1552

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