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Das Potsdam Museum zeigt zum zehnten Todestag von Bernhard Heisig das Spätwerk des Malers

Im Kontext deutscher Geschichte



Bernhard Heisig, Der Tod des Weißclowns, 1991

Bernhard Heisig, Der Tod des Weißclowns, 1991

Künstlerische Arbeiten können sich durch eine enge Verknüpfung mit der Politik auszeichnen. Kunst wird einerseits von ihr gebraucht und missbraucht, andererseits kommentiert und spiegelt die schöpferische Kraft allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen. Dies war bei Bernhard Heisig offensichtlich und gilt insbesondere für sein Spätwerk, in dem sich die Erscheinungen der Zeit deutlich artikulieren. Künstler müssen dabei zuweilen im Spannungsfeld von Systemen agieren. Die damit verbundene seelische Zerrissenheit wird in Heisigs Bildern besonders offenbar. Das Titelbild „Der Tod des Weißclowns“ verweist in seiner aktuellen Schau im Potsdam Museum gleich zu Beginn darauf.


Hinter dem sich schminkenden Clown warten Musikanten und der Tod als Knochenmann auf den letzten Auftritt. Das emotionsgeladene Stimmungsbild entstand 1991 zur explosiven Zeit eines deutschen Bilderstreits, in dessen Verlauf zahlreiche Maler der ehemaligen DDR als Staatskünstler diskreditiert wurden und Heisig sich entnervt in das kleine Dorf Strodehne im Havelland zurückzog. Die Nachwendejahre waren für den Künstler ein schwerer Abschnitt. Er ist als alter Ego und als Clown zu sehen, der bei Blasmusik dem Tode entgegengeht. Partiell als Collage ausgeführt, sind Textilien in die Partien aus Öl eingelassen. Heisigs Serie der Clownbilder steht dabei in der Tradition von Max Beckmanns Visionen eines Welttheaters.

Passend zu dieser Situation Heisigs haben Museumsdirektorin Jutta Götzmann und Kuratorin Hendrikje Warmt den Auftakt der Schau in Form eines kabinettartigen Gemäldeensembles arrangiert, bei dem „Der Tod des Weißclowns“ und das zeitgleiche Diptychon „Zirkus“ in leuchtenden Farben ein festliches Spektakel zwischen Glück, Musik und Trauer entfachen. Die künstlerischen Rollenspiele vervollständigen das 1997 geschaffen Werk „Nachts kommen die Puppen“. Das bekannte Sujet aus der Kunst der Moderne löst hier aber Unbehagen aus. Die Puppen verströmen eine Stimmung von Angst und Unsicherheit und fügen sich mitnichten in eine passive Rolle. Der Künstler lotet das Verhältnis von Mensch und Figur aus, von Führung und Fügung, von Macht und Unterlegenheit. Die Frage, wie frei der Wille heute ist, drängt sich auf.

Die insgesamt 48 Gemälde untergliederten die beiden Kuratorinnen in fünf thematische Kapitel, unter denen das Porträt in Hinsicht auf Vielzahl und künstlerische Relevanz eine herausgehobene Stellung einnimmt. Wie in Auflösung begriffen wirkt das 1998 gemalte helle, skizzenhafte Selbstbildnis, das emotional aufwühlend und ruhelos Heisigs Gefühle in einer schweren Zeit spiegelt. Dagegen wirkt das aus dem Jahr 1973 stammende Künstlerselbstbildnis mit erhobener Hand vor dunklem Hintergrund traditionell und verweist auf die Erfolgsjahre voller Anerkennung und Selbstbestätigung. Die Trompete war für Bernhard Heisig ein beliebtes signalhaftes Symbol, das immer wieder Eingang in seine Porträts fand, wie in dem 2010, ein Jahr vor dem Tod gemalten „Selbstbildnis mit Trompete“ – unweigerlich eine Konfrontation mit dem eigenen Ende.

Ein eigenes kleines Segment widmet sich dem 1997 von der Kunstkommission des Deutschen Bundestages erteilten Auftrag zur Anfertigung eines Gemäldes für das Berliner Reichstagegebäude. Die Einladung zur Ausführung des Bildes „Zeit und Leben“ für die dortige Kantine, von dem Heisigs Entwurf die Ausstellung bereichert, thematisiert die zahllosen Debatten, die teils vehement für und gegen die Hängung geführt wurden. Im Jahr 2011 fand es einen neuen Platz in der Präsenzbibliothek des Parlaments.

Zu den frappantesten Dialogen der Schau gehören zwei Fensterbilder von 1989 und 2008. So offensichtlich wie sonst an keiner Stelle wird hier der Stimmungswandel nachvollziehbar: Kraftvoll und enthusiastisch streckt Bernhard Heisig sein Gesicht in der älteren Fassung der Außenwelt entgegen, seinen Mund weit zu einem Freudenschrei geöffnet. Beinahe zehn Jahre später zeichnet sich das Subjekt durch eine wenig begeisterte Haltung aus. Der pastose Pindelduktus bleibt bestehen, die Farbgesten werden allerdings schwungvoller und expressiver.

Fast 20 Jahre lang beschäftigte sich Heisig abseits vom quirligen Kulturleben und jedweder Lehrtätigkeit in zunehmender Weise mit der Geschichte Brandenburgs und Preußens. Friedrich der Große oder Fontane bekommen ein Gesicht in vielen Motivvariationen, die aktuelle und geschichtliche Ereignisse verarbeiten. Die Tafel zwei des 1974 für die SED-Bezirksleitung geschaffenen, aus fünf Wandgemälden bestehenden Zyklus „Gestern und in unserer Zeit“ übermalte er 2005 und transferierte sie damit in die Jetztzeit.

Das vorletzte Kapitel widmet sich emotional aufgeladenen Sinnbildern. In Motiven wie dem Turmbau zu Babel, venezianischen Maskeraden, den Trompetenbäumen und dem Flug des Ikarus setzt sich Bernhard Heisig mit menschlichen Ab- und Umstürzen auseinander. Mit expressivem Duktus baut er Scheitern und Verwirrungen zu gleichnisartigen Bildräumen aus. Das letzte Kapitel entführt in die ländliche Umgebung seines Domizils im Havelland. Die vom Licht umwobenen Idyllen fing Heisig skizzenhaft-melancholisch ein, etwa in den Gemälden „Birkenalleen in Brandenburg“, „Alter Mann im Dorf“, „Verregnete Dorfansichten“, und hob sie deutlich von bedeutungsschweren Motiven ab. Schwungvoll-emotionale Gesten prägen den aufgedunsenen Farbauftrag, der noch einmal seinen Gefühlserguss zur Geltung bringt.

Die Ausstellung „Bernhard Heisig. Menschheitsträume. Das malerische Spätwerk“ ist bis zum 2. Januar 2022 zu besichtigen. Das Potsdam Museum hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog zum Museumspreis von 16 Euro erschienen.

Kontakt:

Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte

Am Alten Markt 9

DE-14467 Potsdam

Telefon:+49 (0331) 289 68 68

Telefax:+49 (0331) 289 68 08

Startseite: www.potsdam.de/potsdam-museum

www.potsdam-museum.de



02.11.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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