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Brandung bei Knokke, 1895 / Max Schlichting

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Mit ihren Serpentinen- und Schleiertänzen wurde Loïe Fuller um 1900 weltberühmt. Deren Ästhetik und Widerhall in den bildenden Künsten untersucht nun eine intermediale Schau im Clemens-Sels-Museum in Neuss

Entgrenzung des Körpers



François-Raoul Larche, Tischlampe „Tänzerin Loïe Fuller“, um 1900

François-Raoul Larche, Tischlampe „Tänzerin Loïe Fuller“, um 1900

Heftig säuselt das lange Gewand der jungen Frau wie im Sturm nach vorn. Als wäre sie im Begriff, sich noch eine Montur überzuziehen, hält sie einen im Wind wirbelnden Stoff in ihren Armen über dem Kopf. Hierin verbirgt sich – ganz profan – die Glühbirne einer Leuchte. Das vergoldete, knapp 34 Zentimeter hohe Modell der Tischlampe „Tänzerin Loïe Fuller“ von François-Raoul Larche aus der Zeit um 1900 ist bei Jugendstilauktionen ein begehrtes Objekt und wird mit Preisen bis zu 40.000 Euro umworben. Sie ist charakteristisch für das Fin de Siècle und die Belle Époque. Alles stand unter den Vorzeichen des aufkommenden elektrischen Lichts, technischer Innovationen und neuer Formen der Darstellung in Filmen, Plakaten und Performances. Zu den gefeierten und spartenübergreifend einflussreichsten Stars gehörte Loïe Fuller, ein überall anwesendes, nur nicht greifbares Phantom, ähnlich den Influencern von heute.


Schon als Kind trat die im Januar 1862 als Marie Louise Fuller nahe Chicago geborene Künstlerin im Theater auf. Nachdem sie 1891 im Rahmen einer Hypnoseszene im Grand Opera House zu Boston mit ihrem wallenden Rock schwingende Tanzbewegungen unter Farblicht ausführte und das Publikum begeisterte, feierte sie im Folgejahr in Paris ihr Debut und wurde quasi über Nacht zu einem Weltstar. Wie konnte dies geschehen?

Loïe Fuller hatte nie eine klassische Tanzausbildung erfahren und verzichtete auf übliche Normen wie Bühnenbild oder erzählende Choreografien. Scheinbar aus dem Nichts, aus dem Nachtschwarz des Bühnenraumes, präsentierte sie einfache, körperlich jedoch herausfordernde Tanzschritte, bei denen sie leichte Gewänder aus seidenen Stoffbahnen in weiten Bögen durch den Raum wirbelte. Mittels Stöcken verlängerte sie die Arme auf bis zu sechs Meter, was die visuellen Effekte der ausladenden Bewegungen samt Einsatz von Spiegeln um ein Vielfaches steigerte. Im farbigen Licht evozierte sie Schmetterlinge, Blumen oder organische Elemente. Diese Art des Tanzes entsprach der wachsenden Beliebtheit des Jugendstils. Die Grenzen zwischen Körper und Kostüm, Tänzerin und Bühnenraum schienen wie aufgelöst.

Ihre Choreografien standen hinsichtlich der Auflösung der Form und Bedeutung des Lichts grundlegenden Gestaltungskriterien der Impressionisten nahe. Symbolisten sahen in Fullers Tänzen die Verkörperung der absoluten Poesie. Auch Futuristen ließen sich durch die Verbindung von Licht und Mechanik anregen. Auf der Pariser Weltausstellung von 1900 hatte sich Loïe Fuller vom Architekten Henri Sauvage einen eigenen, von ihren Kostümen inspirierten Pavillon errichten lassen. Ganz in der Nähe des Pavillons des mit ihr befreundeten Bildhauers Auguste Rodin wurden ihre Tanzdarbietungen, allen voran der „Feuertanz“, zum absoluten Hit.

Auf der Höhe ihres Erfolges etablierte Fuller ihre eigene Tanztruppe. Gemeinsam mit dem japanischen Ensemble von Kawakami Otojiro und dessen Frau Sada Yacco präsentierte sie ihre Tänzerinnen erstmals 1902 im Berliner Wintergarten. Am Rande der „Exposition internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“ inszenierte sie 1925 noch einmal in Paris ein ambitioniertes Open Air-Spektakel: Auf der monumentalen Treppe des Grand Palais simulierten 75 Tänzerinnen auf 4000 Quadratmetern farbigen Seidentafts zur Musik von Claude Debussy rhythmische Bewegungen des Ozeans, farblich angestrahlt durch rotierende Lichtprojektoren.

Loïe Fuller war schon zu Lebzeiten ein unangepasster Superstar, war ehrgeizig, emanzipiert, bestimmte ihre Unternehmungen selbst und lebte offen homosexuell. Am 2. Januar 1928 starb sie an den Folgen ihrer 1925 diagnostizierten Erkrankung an Brustkrebs. Noch bis Mitte der 1950er Jahre trat ihre Theatergruppe unter Leitung ihrer Lebensgefährtin Gab Sorère auf. Das Clemens-Sels-Museum in Neuss lässt nun ihr Leben und Wirken wieder lebendig werden. Das gelingt der Kuratorin Anita Hachmann sublim und griffig, indem sie in der multimedial konzipierten Ausstellung rund 120 Exponate versammelt und den Niederschlag Fullers in Kunst und Design feiert.

Vor allem die Plakate stechen ins Auge, ein Sektor, der dank neuer technischer Verfahren seinerzeit eine ungeheure Blüte erlebte. Von Alfred Choubrac, Georges de Feure, Jules Chéret, Emil Pirchan bis hin zu Henri de Toulouse-Lautrec reicht der stattliche Korpus von Plakaten und Plakatentwürfen, die oft von eifrigen Sammlern von den Wänden entfernt und aufbewahrt wurden. Eine Reihe von Fotografien, Zeichnungen von Auguste Rodin, der sich bei seinen Untersuchungen von Licht und Schatten stark von Fuller anregen ließ, Porzellanfiguren und Kleinplastiken von Theodor Eichler oder Bernhard Hoetger, ein Relief mit tanzenden Musen Franz von Stucks oder Charles Robinson Sykes’ Kühlerfigur der noblen Automarke Rolls Royce führen die Bandbreite vor Augen, die Fuller mit ihrer Kunst inspirierte.

Bereits seit 1894 waren Serpentinen- und Schleiertänze in Kurzfilmen zu sehen. Das aus populären Unterhaltungstheatern hervorgegangene Genre filmischer Tanznummern bestand schon, als Loïe Fuller dieses Medium auch für sich entdeckte. Erst ins Jahr 1920 datiert mit „Le Lys de la vie“ ihre erste Filmproduktion, eine Adaption des gleichnamigen Märchens der mit ihr befreundeten Maria Königin von Rumänien. Als eine der ersten nutzte Fuller hier den Negativfilm als künstlerisches Gestaltungsmittel in Verbindung mit Zeitlupen für Traumsequenzen.

Fullers Beitrag zur bildenden Kunst besteht in der Wegweisung hin zu neuen künstlerischen Ausdrucksformen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hinsichtlich der Entmaterialisierung des Körperlichen mittels moderner Technik kann sie als richtungweisend für aktuelle Performance- und Medienkünste gelten, um, wie es der Dichter Stéphane Mallarmé einst über ihre Kunst formulierte, eine „körperliche Schrift im Raum“ zu werden. Aber auch die Reflexion gesellschaftlicher Themen, Diversität und Innovation hat die Tänzerin, Choreografin, Erfinderin und Geschäftsfrau vorangetrieben.

Die Ausstellung „Loïe Fuller Superstar. Tänzerin aus Licht und Farbe“ ist bis zum 30. Januar 2022 zu sehen. Das Clemens-Sels-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 24,90 Euro kostet.

Kontakt:

Clemens-Sels-Museum

Am Obertor

DE-41460 Neuss

Telefon:+49 (02131) 90 41 41

Telefax:+49 (02131) 90 24 72

E-Mail: service@clemens-sels-museum-neuss.de

Startseite: www.clemens-sels-museum-neuss.de



09.11.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Louis und Auguste Lumière, Serpentinentanz [II] (Cat. N° 765. 1.), F 1899

Louis und Auguste Lumière, Serpentinentanz [II] (Cat. N° 765. 1.), F 1899

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Louis und Auguste Lumière, Serpentinentanz [II] (Cat. N° 765. 1.), F 1899

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Louis und Auguste Lumière, Serpentinentanz [II] (Cat. N° 765. 1.), F 1899

Louis und Auguste Lumière, Serpentinentanz [II] (Cat. N° 765. 1.), F 1899

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Harry C. Ellis zugeschrieben, Loïe Fuller dansant, o. J.

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Henri de Toulouse-Lautrec, Loïe Fuller aux Folies Bergère, 1893

Henri de Toulouse-Lautrec, Loïe Fuller aux Folies Bergère, 1893

Bernhard Hoetger, La Tempête, um 1901

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Theodor Eichler, Tänzerin Loïe Fuller, 1911

Theodor Eichler, Tänzerin Loïe Fuller, 1911

Jules Chéret, Folies Bergère. La Loïe Fuller, 1893

Jules Chéret, Folies Bergère. La Loïe Fuller, 1893

Théophile Alexandre Steinlen, La Loïe Fuller, 1892

Théophile Alexandre Steinlen, La Loïe Fuller, 1892




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