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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Im Wiener Dorotheum liefert die Moderne die großen Namen, macht aber auch auf wenig geläufige Künstlernamen aufmerksam

Strahlende Winterfreuden



„…Es ist nicht gleichgültig, ob ein Künstler, der die Winterzeit nur daher kennt, daß er in dicken Pelzen hie und da einen Blick hinwirft auf die erstarrte Winterlandschaft und so ‚Winterbilder‘ malt, oder ob ein den Abenteuern von Eis und Schnee hingebender Mensch all die tausend Erlebnisse künstlerisch festhält. Nur so ein Künstler, der ganz in diesen Dingen aufgegangen ist, vermag uns den Begriff ‚Winter‘ auch seelisch nahezubringen….“ Mit diesen Worten rühmte der Wiener Feuilletonist Fritz Karpfen 1924 die Kunst Alfons Waldes. Schaut man sich Waldes „Wilden Kaiser mit Bauernhof im Winter“ an, kann man Karpfens Eloge auf den Tiroler Maler verstehen. Dort liegt bei strahlendem Sonnenschein das Bauernhaus vor dem markanten Bergrücken in dicken Schneemassen fast begraben. Kein Mensch ist zu sehen. Auch auf den Dächern türmt sich die weiße Pracht und scheint die Höfe fast zu erdrücken. Das Urwüchsige der Natur fängt Walde mit einem kräftig-pastosen Pinselstrich und einem reduzierten Kolorit ein, das sich auf Blau, Weiß, Braun und Grau beschränkt. Bei Sammlern stehen diese alpinen sonnenüberströmten Winterlandschaften Waldes hoch im Kurs. Daher ist es nicht verwunderlich, dass das Dorotheum und der tschechische Einlieferer für diese um 1930 entstandenen Winterfreuden 280.000 bis 450.000 Euro sehen wollen.


Wem dies zu teuer ist, darf sich am 30. November im Wiener Auktionshaus nach Alfred Poell umsehen, der 1922 seinen Blick in ein winterliches Waldtal zwar nicht so erhaben wie Walde, dafür aber koloristisch reicher gestaltet hat. Seine Schneefelder gehen von einem Weiß über ein helles Gelb und verschiedene Blautöne bis zu einem Violett für die tief verschatteten Partien über (Taxe 10.000 bis 18.000 EUR). Max Kahrer baute 1910 seine abendliche Winterlandschaft erzählerischer auf, indem er sie an einem konkreten Ort, dem mächtigen Stift Klosterneuburg vor den Toren Wiens, ansiedelte und mit einem Bauern samt Pferdeschlitten beim Holzholen anreicherte (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Eher winterliche Tristesse spricht dann aus Josef Dobrowskys grau übertönter verschneiter Dorfstraße mit zwei Passanten aus dem Jahr 1926 (Taxe 4.000 bis 7.000 EUR). Landschaftlich geht es mit Ferdinand Brunners stimmungsvollem Gemälde „Die alte Mühle“ von 1906 samt einsamem Schafhirten bei Sonnenuntergang (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR) und Friedrich Königs stilisiertem Birkenwald aus dem Jahr 1900 weiter, der dort eine traurige Prinzessin und einen bekrönten Lindwurm integriert und die Natur zu einer Märchenwelt ausformuliert hat (Taxe 7.000 bis 12.000 EUR).

Einer der Protagonisten der österreichischen Moderne war Albin Egger-Lienz, der mit seinen autochthonen Werken aus dem bäuerlichen Leben Grundfragen des Menschen behandelte. Die weite Ackerlandschaft mit einem einsamen Sämann vor schwarzem Himmel und die Aquarellstudie mit dem Kopf des ersten Bauern zu seinem Gemälde „Totentanz 1809“ gibt es jeweils ab 40.000 Euro, für seine statische, seltsam untröstliche „Auferstehung“ von 1923 mit Christus zwischen vier bäuerlichen Gestalten und einem Wickelkind muss der Käufer mit 300.000 bis 450.000 Euro kalkulieren. Im religiösen Kontext bleibt es mit Werner Bergs Darstellung „Zwei Betende“ von 1975 in ruhiger innerer Versunkenheit, aber in einem spannenden Farbklang (Taxe 130.000 bis 180.000 EUR). Anschmiegsamer hat da Norbertine Bresslern-Roth ihre zwei zusammengekauert schlafenden Akte bei der „Rast I“ zwischen Hund, Esel und Schweinen gemalt (Taxe 170.000 bis 220.000 EUR).

Mittelpunkt der Kunstwelt: Frankreich

Ins Zentrum des mit rund 130 Positionen bestückten Moderne-Katalogs hat das Dorotheum Kunst französischer Provenienz gerückt. Die großen Namen sind darunter, etwa Amedeo Modigliani mit der blauen Zeichnung eines vornüber gebeugt sitzenden Akts in elegant gerundeten Formen von 1913/14 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) oder Pablo Picasso mit seinen „Deux femmes nues debout“ von 1925 in noch sparsamerer Linienführung (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Mehr Farbe kommt bei Fernand Léger ins Spiel, der um 1950 seine zwei Frauen unter den Titel „L’anniversaire“ mit markanten Tuschestrichen ausgearbeitet und die Blumengrüße mit Gouache bunt staffiert hat (Taxe 130.000 bis 180.000 EUR). Max Ernst tritt mit einem malerischen Spätwerk von 1961 an: Sein tiefblauer „Enseigne pour une école de moustiques“ widmet sich vor allem der Erforschung der Textur und erinnert mit muschelartigen Formen an eine abstrakte Unterwasserlandschaft (Taxe 250.000 bis 300.000 EUR). Mit einer V-förmigen Schlaufe und zwei Punkten auf drei diagonal verlaufenden Farbbahnen erging sich Hans Arp 1926 ebenfalls im Ungegenständlichen und will für „Fronde et nombrils“ nun 280.000 bis 360.000 Euro sehen.

Seine verspielten Naturwelten führte Joan Miró an seinem Lebensende mit „Oiseau sur une branche“ auch als Plastiker aus. Für seine grün patinierte Bronze „Vogel auf einem Zweig“ kombinierte er 1981 bekannte Versatzstücke aus seinem Atelier und der Natur und ließ sie insgesamt neunmal gießen (Taxe 120.000 bis 160.000 EUR). Daneben listet der Katalog Mirós 23teilige Grafikfolge „Constellations“, die der Spanier 1959 nach eigenen filigranen Gouache-Welten der frühen 1940er Jahre in 350 Exemplaren herausgab (Taxe 48.000 bis 55.000 EUR). In den Wintermonaten des Jahreswechsels 1904/05 teilten sich André Derain und Maurice de Vlaminck ein Atelier in Chatou und ließen die Umgebung in leuchtenden fauvistischen Farbwelten auf ihren Leinwänden entstehen, Derain in dieser Zeit etwa ein „Village campagnard“, der von unruhigen aufgerissenen Farbflächen in Rot und Orange dominiert wird (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Der Fauvismus hielt aber nur kurz an, was Vlamincks zurückhaltende Dorfansicht „L’église de Jouy-le-Comte“ von 1914/20 in deutlich abgemildertem Kolorit beweist (Taxe 90.000 bis 130.000 EUR).

Weit gereist

Einige wenig geläufige Künstlernamen hat das Dorotheum in die Auktion aufgenommen, unter anderem den Niederländer Jan Sluijters mit einem gelängten Rückenakt um 1955 beim Kämmen der Haare in ungewöhnlicher Farbstellung (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). 1893 in Sydney geboren, lebte Édouard Goerg später in Frankreich und orientierte sich hier an einem gemäßigten Expressionismus, so auch in seinem Bordellgemälde von 1927, auf dem sich ein Freier eben bei den „Callipyges“ umschaut (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Weit von seinem litauischen Geburtsort Kaunas entfernt, arbeitete auch Ben Shahn, der im Alter von acht Jahren mit seinen Eltern in die USA emigrierte. Hier gehörte er zu den Vertretern eines sozial geprägten Realismus und schuf in diesem Stil Mitte der 1950er Jahre seine humorvolle Persiflage auf die Filmindustrie in dem entsprechenden Breitformat „Cine metro rama Warner super vision D. D. D. vista vast confusion scope“ (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR).

Reich bestückt ist die Versteigerung wieder mit italienischer Kunst, der Höhepunkt hierbei Renato Guttusos farbfreudiges Spätwerk „L’atelier“ von 1975, in dem sich der Römer in einem Wald von Staffeleien dreimal simultan inszeniert: zweimal bei der Arbeit und einmal in einer Pause mit der unvermeidlichen Zigarette (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR). Ansonsten schicken die Italiener zahlreiche atmosphärische Landschaften nach Wien, etwa Carlo Carràs stillen Blick über das Wasser auf „San Lorenzo al mare“ an der ligurischen Küste von 1954 (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR), Antonio Donghis gelbgrünen „Grande Albero“ vor einer Häuserzeile aus den späten 1920er Jahren (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR) oder Ottone Rosais ebenso menschenleeren Weg zum „Convento dei Cappuccini“ von 1939 (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR). Frauen sind die bestimmenden Motive auf den Bildern deutscher Künstler. In Max Slevogts „Landschaft mit weißer Dame“, gemalt 1908 beim gemeinsamen Sommerurlaub mit Max Liebermann, Lovis Corinth und Paul Cassirer am Strand von Noordwijk, tritt sie noch klein, aber durch die helle Kleidung in der braungrünen Natur deutlich wahrnehmbar in Erscheinung (Taxe 90.000 bis 140.000 EUR). Bei Edward Cucuel sitzt sie um 1930 führend „Am Strand“ im Vordergrund, hat ihre Lektüre sinken lassen und lenkt den Blick des Betrachters über den sommerlichen See (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).

Die Versteigerung findet als Saalauktion, zu der aber nur Kunsthändler zugelassen sind, am 30. November um 18 Uhr statt. Interessenten haben die Möglichkeit, über die Internetplattform www.dorotheum.com live mitzubieten. Dort ist auch der digitale Katalog abrufbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



26.11.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Surrealismus

Bericht:


Nicht nur Waldes Winterwunder







Albin Egger-Lienz,  Auferstehung, 1923

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Taxe: 300.000 - 450.000 EURO

Losnummer: 3

Ferdinand Brunner,  Die alte Mühle, 1906

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Taxe: 25.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 45.000,- EURO

Losnummer: 94

Albin Egger-Lienz,  Ackerlandschaft mit Sämann

Albin Egger-Lienz, Ackerlandschaft mit Sämann

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Losnummer: 4

Albin Egger-Lienz,  Kopf des ersten Bauern aus dem Gemälde „Totentanz 1809“

Albin Egger-Lienz, Kopf des ersten Bauern aus dem Gemälde „Totentanz 1809“

Taxe: 40.000 - 55.000 EURO

Zuschlag: 54.000,- EURO

Losnummer: 5

Max Slevogt,  Landschaft mit Frau in Weiß, 1908

Max Slevogt, Landschaft mit Frau in Weiß, 1908

Taxe: 90.000 - 140.000 EURO

Losnummer: 39

Alfred Poell,  Winterlandschaft, 1922

Alfred Poell, Winterlandschaft, 1922

Taxe: 10.000 - 18.000 EURO

Zuschlag: 45.000,- EURO

Losnummer: 97

Max Kahrer,  Winterlandschaft bei Klosterneuburg, 1910

Max Kahrer, Winterlandschaft bei Klosterneuburg, 1910

Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 6.500,- EURO

Losnummer: 93

Friedrich König,  Prinzessin und Lindwurm, 1900

Friedrich König, Prinzessin und Lindwurm, 1900

Taxe: 7.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 20.000,- EURO

Losnummer: 19

Amedeo Modigliani,  Sitzender Akt, 1913/14

Amedeo Modigliani, Sitzender Akt, 1913/14

Taxe: 100.000 - 150.000 EURO

Zuschlag: 70.000,- EURO

Losnummer: 48




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