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Interieur – Dame im Salon auf Chaiselongue sitzend / Bruno Piglhein

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Blick aus dem Künstler-Atelier in Berlin. Kurfürstenstraße, 1927 / Ernst Oppler

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zugeschrieben, Pfauenbank / Peacock bench, Ende 19. Jahrhundert / Marcello Andrea Baccetti

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Ohne Titel, 2016 / Heinz Mack

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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Seit dieser Woche dürfen die Museen in Österreich nach dem dreiwöchigen Corona-Lockdown ihre Pforten öffnen. Nun ist auch Rebecca Horns Ausstellung im Bank Austria Kunstforum in Wien mit ikonischen Werken aus ihrem 50jährigen Schaffen wieder zu sehen

Es hängt alles zusammen



Rebecca Horn, Concerto dei Sospiri, 1997

Rebecca Horn, Concerto dei Sospiri, 1997

Aus den Kupfertrichtern flüstern Stimmen, klagen ihr Leid in vielen Sprachen. Der Jammer wird lauter, schwillt an, wird zum Beben, vermischt sich mit Geräuschen, wird leiser und versickert schließlich in einer Mure aus Bauschutt, Holzpaletten, Mauerresten und schwarzem Tuch. Verteilt auf die Ausstellungsräume des ehemaligen Bankgebäudes zeigt das Bank Austria Kunstforum Wien einen „ganzen Strom“ von jeweils verknüpften und miteinander Dialog führenden Werken einer der außergewöhnlichsten und vielseitigsten Künstlerinnen ihrer Generation: Rebecca Horn. Es sind für diesen besonderen Ort und Anlass – nämlich die erste umfassende Werkschau der Künstlerin seit knapp 30 Jahren in Österreich – bekannte und neu gestaltete Installationen, wie die bereits 1997 bei der Kunstbiennale von Venedig ausgestellte skulpturale Komposition „Concerto dei Sospiri“. Im „Konzert der Seufzer“ sind Stimmen zu vernehmen in unterschiedlichen Idiomen der Welt – italienische, englische, deutsche, spanische und französische, die die Künstlerin gesammelt hat und sich hier zu einem Klangteppich von Klagen vermischen.


Die chorale Installation bildet den Auftakt zu einer mit Filmen, Fotoübermalungen, Zeichnungen, Gouachen, mechanischen Skulpturen, Installationen und Gedichten reich bestückten Schau, die im Zusammenführen von Bildern, Klängen, Texten und Motorik den Fokus auf die Verflechtungen der bemerkenswert zahlreichen Ausdrucksformen legt, derer sich Rebecca Horn seit mittlerweile fünf Jahrzehnten bedient. Die Ausstellung selbst und die zugehörige Publikation illustrieren die unterschiedlichen Genres und fügen sich zu einer polymorphen Collage, die zentrale Werke dieses bildreichen und vielstimmigen Œuvres miteinander verklammert. Von frühen Werken wie „Überströmer“ aus dem Jahr 1970, eine aus Glas, Metall und Plastikschläuchen konstruierte Korsage, die die innere Bewegung des Blutkreislaufs nach außen verlegt, spannt die Ausstellung einen zeitlichen Bogen bis zu der 2018 entstandenen Installation „Jungfräuliche Empfängnis“. Es handelt sich hierbei um eine Konstruktion aus einem schwarzen Blasebalg und einer perlmuttweißen Meeresmuschel, die sich dank eines kleinen Motors und aufgespießt auf Stahlstangen langsam um sich selbst drehen, ohne dass es zu einer Verbindung der beiden Körper kommt.

Die unmögliche Berührung ist durchdrungen von feiner Ironie. Bereits bei „Blue Monday Strip“ von 1993 paart Rebecca Horn versteckten Spott und Melancholie zu einer paradoxen Konstellation, die einem als Spiel einer höheren Macht erscheint: an die Wand montiert, werden neun mechanische Schreibmaschinen, deren Tasten durch lange Metallstangen mittels eines Motor in Bewegung gesetzt werden, zu den Protagonistinnen eines skurrilen Konzerts. Zusätzlich spritzt blaue Tinte durch einen kleinen Trichter auf den Boden. Die Gleichförmigkeit und der einschläfernde Ton der Maschinen als Symbol der weiblichen Beschäftigungswelt rufen Assoziationen wie Eintönigkeit, Unterdrückung und Aufbegehren dagegen hervor.

Liebe und Erotik sind in Rebecca Horns Œuvre allgegenwärtig und präsentieren sich in vielen Schattierungen und mehr oder minder maskiert etwa als Angst, Schrecken, Hoffnung, Sehnsucht oder Erfüllung. Der „Dialog der Silberschaukeln“ von 1979 evoziert mit seinem sanften Hin- und Herschwingen einen Pas de deux ohne Anfang und Ende und wird zu einer Allegorie der Unmöglichkeit des Gleichklangs. „Thermomètre d’amour“ von 1985 zeigt mithilfe chemischer Prozesse und einer Text-Skala, deren Maßeinteilung von „s’abîmer“ – sich selbst ruinieren – bis „solitude“ – Einsamkeit – reicht, unterschiedliche Köper- und Seelenzustände an. Dualismen wie Subjekt/Objekt oder weiblich/männlich werden hier überschritten, ähnlich wie im „Raum der gegenseitigen Zerstörung“ von 1992: hier stehen sich zwei große Spiegel gegenüber, wobei vor jedem Spiegel eine Pistole montiert ist, die ihr Ziel im anderen Spiegel anpeilt. Das Zentrum dieses spannungsgeladenen Raums müssen die Betrachter*innen bei ihrem Weg durch die Ausstellung durchschreiten. Für einen kurzen Moment werden sie dabei selbst zum anvisierten Objekt und damit zu Protagonisten einer überaus komplexen Zone narzisstisches Sehens, die die Gefahren zwischenmenschlicher Beziehungen im Wechselbad aus sinnlicher Anziehung und tödlicher Entfremdung anklingen lässt.

„Es hängt alles zusammen“, sagt Rebecca Horn selbst: Eine Arbeit führt zur nächsten, entwickelt sich weiter, transformiert sich. Der große „Weiße Körperfächer“ etwa, den sie sich 1972 um den Körper schnallte, wird zur Prothese zweier halbkreisförmiger Flügel aus weißem Stoff, die sich durch Heben entfalten. Ein Film dokumentiert die von der Künstlerin mit diesem Körperinstrument vollführten Bewegungsexperimente: Das Öffnen und Schließen, die kontrollierte Kraftanstrengung im Wind, Formen des Versteckens und Enthüllens, aber auch das Flügelausbreiten. Es sind Bewegungsmuster, die Rebecca Horn in einer Reihe von Arbeiten weiterentwickelt hat, so etwa in der einen nackten Körper umhüllenden „Paradieswitwe“ (1975), in der balzenden „Pfauenmaschine“ (1981) oder „La Petite Veuve“ (1988).

Anhand von Gedichten, Zeichnungen, Fotocollagen und Film Stills dokumentiert die von Bettina M. Busse kuratierte Ausstellung, wie sich aus einer Idee eine Geschichte entwickelt, anschließend ein Text, der wiederum zur Skizze wird, dann zu einem Film und in der Folge die Skulpturen und Installationen entstehen. Unübersehbar sind auch die frühen Einflüsse, die Rebecca Horn bereits während ihres Studiums an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste zwischen 1963 und 1979 erhielt und ihr ausgeprägtes politisches Bewusstsein. Später kam der Einfluss von Joseph Beuys und der von Künstler*innen aus dem Umkreis von Fluxus und Arte Povera hinzu sowie die Eindrücke, die Rebecca Horn Anfang der 1970er Jahre zunächst in London und nach ihrer ersten Documenta-Beteiligung 1972 während ihrer zahlreichen Aufenthalte in New York erhielt. Wesentlich für die Entwicklung ihres facettenreichen Schaffens waren aber vor allem die Surrealisten, die mittels Collage und Montage Grenzüberschreitungen zur künstlerischen Methode erhoben.

Mit prothesenhaften Verlängerungen der Extremitäten, die an Handschuhen befestigt wurden, und Gesichtsmasken aus Federn und Bleistiften schuf Rebecca Horn bereits in der 1970er Jahren sensible Körpererweiterungen, mittels derer sie das Verhältnis von Köper, Skulptur und Raum erkundete. Später wurden aus den Mensch-Objekt-Symbiosen kinetische Objekte, denen – wenn auch ohne direkte körperliche Beteiligung – eine starke Verbindung zum Humanen innewohnt. Die von kleinen Motoren betriebenen Gebilde verhalten sich atypisch für Maschinen: sie kratzen, streicheln, schlagen, bohren, hauen, stechen, hämmern und ritzen. Augenfällig ist stets die emotionale Erfahrung, die die mitunter nervösen oder unvermittelt innehaltenden Gebilde vermitteln, nicht deren technische Perfektion. Mit Werken wie „Floating Souls“ (1994) oder „Cutting Through the Past“ (1993) betont die sorgfältig erfolgte Auswahl der Exponate zudem eine Melancholie, von der viele Arbeiten erfüllt sind, und einen tiefgründigen Ernst, der im ersten Moment durch irritierende und verblüffende Verwandlung verborgen wird.

Nach Wien kam Rebecca Horn, die nach einem Schlaganfall 2015 zurückgezogen in ihrer Heimatregion Odenwald lebt, während ihrer mittlerweile seit fünf Jahrzehnten andauernden Tätigkeit immer wieder: nicht nur wegen der Beteiligung an wichtigen Ausstellungen und Einzelpräsentationen, wie 1994 in der Kunsthalle Wien, sondern auch um ihre Werke in ungewöhnlichen Räumen zu präsentieren. 1986 zeigte sie beispielsweise auf Einladung der Wiener Festwochen gemeinsam mit Jannis Kounellis im Theater am Steinhof, einer psychiatrischen Klinik, mehrere Werke, bei denen die Patient*innen einbezogen waren. 1994 errichtete sie im Treppenhaus eines Gründerzeithauses am Naschmarkt den legendären „Turm der Namenlosen“ aus aufeinander getürmten Obstleitern mit darauf installierten mechanischen Geigen – eine Installation, die letzten Sommer in der Galerie Thomas Schulte in Berlin zu sehen war.

Das klagende „Spiel der Namenlosen“, das den Flüchtlingen des damaligen Jugoslawien-Krieges gewidmet war und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit an einem geschützten Ort suggerierte, ist in der Wiener Ausstellung leider nicht zu hören. Mit „Concert for Anarchy“ von 1990 unterbreitet die aktuelle Schau allerdings eine Arbeit, die angesichts der jüngsten Entwicklungen von frappanter Aktualität ist: ein rätselhafter schwarzer Konzertflügel, der kopfüber von der Decke hängt und sich nach längeren Phasen schweigenden Verharrens plötzlich öffnet, um unvermittelt und geräuschvoll die Tasten aus ihrer Verankerung stürzen zu lassen, die kurz darauf mit einem harfenartigen Laut wieder zurückgezogen werden. Es ist ein Ausbruch, der als Akt der Verzweiflung und der Befreiung ebenso überrascht und schockiert.

Die Ausstellung „Rebecca Horn“ ist bis zum 23. Januar 2022 zu sehen. Das Bank Austria Kunstforum Wien hat unter den aktuell geltenden Hygiene- und Abstandsregeln täglich von 10 bis 19 Uhr, freitags bis 21 Uhr, an Heiligabend von 10 bis 15 Uhr, an Silvester von 10 bis 16 Uhr und an Neujahr von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 11 Euro, für Senioren 8,50 Euro und für 17- bis 27jährige 6 Euro, darunter 4 Euro. Der Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet 32 Euro.

Kontakt:

Bank Austria Kunstforum

Freyung 8

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 557 33 26

Telefax:+43 (01) 557 33 27

E-Mail: office@kunstforumwien.at

Startseite: www.kunstforumwien.at



15.12.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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28.09.2021, Rebecca Horn

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Bank Austria Kunstforum

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Kunstsparte:


Film und Video

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Stilrichtung:


Nachkriegskunst







Rebecca Horn, Die Pfauenmaschine, 1981

Rebecca Horn, Die Pfauenmaschine, 1981

Rebecca Horn, High Moon, 1991

Rebecca Horn, High Moon, 1991

in der Ausstellung „Rebecca Horn“

in der Ausstellung „Rebecca Horn“

Rebecca Horn, Blue Monday Strip, 1993

Rebecca Horn, Blue Monday Strip, 1993

in der Ausstellung „Rebecca Horn“

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Rebecca Horn

Rebecca Horn

Rebecca Horn, Performances 2. Dokumentation von 9 Performances, 1973

Rebecca Horn, Performances 2. Dokumentation von 9 Performances, 1973

Rebecca Horn, Handschuhfinger, 1972

Rebecca Horn, Handschuhfinger, 1972

Rebecca Horn, Thermomètre d’amour, 1985

Rebecca Horn, Thermomètre d’amour, 1985

Rebecca Horn neben ihrem „Concerto dei Sospiri“ bei der Biennale di Venezia, 1997

Rebecca Horn neben ihrem „Concerto dei Sospiri“ bei der Biennale di Venezia, 1997

in der Ausstellung „Rebecca Horn“

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Rebecca Horn, Bleistiftmaske, 1972

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Rebecca Horn, Einhorn, 1970

Rebecca Horn, Einhorn, 1970




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