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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Trotz Corona und Lockdown in Österreich: Eine hohe Abnahmequote und satte Preise bestimmten das Auktionsgeschehen bei der modernen Kunst im Dorotheum. Untypische Werke blieben aber liegen

Nicht nur Waldes Winterwunder



Tief verschneite Matten, strahlender Sonnenschein und schroffe Berge – das sind die Zutaten, die die Sammler bei Alfons Walde schätzen. Sein um 1930 entstandenes Gemälde „Wilder Kaiser mit Bauernhof im Winter“ kann genau mit diesen Ingredienzien aufwarten. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass Waldes Winterwunderwelt bei der Auktion „Moderne Kunst“ im Wiener Dorotheum heiß begehrt war. Minutenlang stritten sich einige Bieter an den Telefonen um das bisher in einer tschechischen Privatsammlung beheimatete Tiroler Motiv. Am Ende standen dann nicht die mindestens erwarteten 280.000 Euro auf der Rechnung, sondern 630.000 Euro. Damit hat das Dorotheum zwar seinen hauseigenen Rekord in Höhe von 800.000 Euro für den „Aufstieg der Schifahrer“ vom Sommer nicht gebrochen, belegt aber nun auch den zweiten Platz im Auktionsranking des Österreichers.


Auch Schneelandschaften anderer Künstler standen auf der Einkaufsliste des Publikums, vor allem die von Alfred Poell. Sein winterliches Waldtal ließ er 1922 koloristisch reich von weißen Schneefeldern über ein helles Gelb und verschiedene Blautöne bis zu einem Violett für die tief verschatteten Partien übergehen und nahm dafür nun den Rekordbetrag von 45.000 Euro ein (Taxe 10.000 bis 18.000 EUR). Max Kahrer fügte dem eine abendliche verschneite Landschaft vor dem mächtigen Stift Klosterneuburg mit einem Bauern samt Pferdeschlitten für 6.500 Euro hinzu (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Deutlich über der Schätzung von 25.000 bis 30.000 Euro platzierte sich Ferdinand Brunners atmosphärischer Abend „Die alte Mühle“ von 1906 mit einsamem Schafhirten bei 45.000 Euro, ebenso Friedrich Königs märchenhafter Birkenwald aus dem Jahr 1900 mit trauriger Prinzessin und einen bekrönten Lindwurm bei 20.000 Euro (Taxe 7.000 bis 12.000 EUR).

Für Gerhild Diesners formreduzierte Landschaft „Herbstfarben“ aus der Mitte der 1970er Jahre waren 28.000 Euro fällig (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR), für die ebenfalls weit ins 20. Jahrhundert hineinreichende, bunt stilisierte Hügelformation „I due soli“ des kroatischen Naiven Ivan Rabuzin von 1961 dann 22.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Der Phantastische Realismus aus Wien hatte in Arik Brauers surrealer Landschaft „Geh mir aus dem Weg“ von 1970 bei 62.000 Euro (Taxe 22.000 bis 38.000 EUR) und in Helmut Leherbs vieldeutigem Aktbild „L’après – midi d’une jeune fille“ von 1963 bei 26.000 Euro seine würdigen Vertreter (Taxe 14.000 bis 20.000 EUR). In den Fotorealismus ging es mit Franz Zadrazils signifikantem Ausschnitt einer Wiener Häuserfassade. Sein Querformat „Colosseum Kino – Optische Werkstätte Nussdorferstr. 541“ brachte es auf gute 40.000 Euro (Taxe 22.000 bis 35.000 EUR).

Die losbezogene Verkaufsrate der Moderne-Auktion vom 30. November in Höhe von 87,4 Prozent ließ wenig zu wünschen übrig, eher schon einige Ausfälle im sechsstelligen Bereich, etwa Norbertine Bresslern-Roths zusammengekauert schlafende Akte bei der „Rast I“ mit Hund, Esel und Schweinen (Taxe 170.000 bis 220.000 EUR) oder Albin Egger-Lienz’ dezidiert religiöse „Auferstehung“ Christi in bäuerlichem Ambiente, ein eher ausgefallenes Thema im Schaffen des Tiroler Künstlers (Taxe 300.000 bis 450.000 EUR). Bei Egger-Lienz’ stieß ein bekannteres Motiv auf deutliche Gegenliebe: die Aquarellstudie mit dem Kopf des ersten Bauern zu seinem Gemälde „Totentanz 1809“ bei 54.000 Euro (Taxe 40.000 bis 55.000 EUR). Werner Bergs Darstellung „Zwei Betende“ von 1975 in ruhiger innerer Versunkenheit, aber in einem spannenden Farbklang platzierte sich bei 130.000 Euro gleichfalls im Schätzrahmen, ebenso wie Josef Flochs still-melancholische „Geschwister“ von 1923/24 bei 30.000 Euro oder Wilhelm Thönys noch trostlosere „Arbeiterkammer“ von 1925 mit Arbeitslosen vor einem Fabrikgebäude bei 26.000 Euro.

Rege Nachfrage herrschte bei der Kunst aus Italien. Kaum eines der Gemälde von dort musste wieder den Heimweg antreten. Gesucht waren etwa Carlo Carràs stiller Blick über das Wasser auf „San Lorenzo al mare“ an der ligurischen Küste von 1954 bei 55.000 Euro (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR), Giorgio de Chiricos neobarocke „Due cavalli“ in dunkler Landschaft von 1938 bei 60.000 Euro (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR) oder Marino Marinis motivverwandte Temperastudie „Cavallo e cavaliere“ von 1949 bei 45.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Auch die Futuristen reüssierten, etwa Roberto Marcello Baldessaris von Lichtkegeln und Leuchtreklame kubistisch zerlegte „Strada – Notte“ von 1920 bei 65.000 Euro (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR) oder Giulio D’Annas charakteristische Landschaft „Simultaneità di paesaggio + treno“ um 1927 mit dahinrauschendem Zug bei 20.000 Euro (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR). Auch wenn Renato Guttusos farbfreudiges Spätwerk „L’atelier“, in dem sich der Römer in einem Wald von Staffeleien dreimal simultan inszenierte, einen leichten Abschlag auf 110.000 Euro hinnehmen musste, war die realistische Leinwand aus dem Jahr 1975 dennoch der preisliche Höhepunkt bei den Italienern (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR). Dafür rückte Alberto Magnellis sprossenartig rhythmisierte Abstraktion „Mesures Illimitées n. 3“ von 1951 mit 100.000 Euro in die Sechsstelligkeit auf (Taxe 65.000 bis 85.000 EUR).

Die Kunst der Moderne aus Deutschland war nicht so reichhaltig besetzt. Ein Maler ragte aber heraus: Edward Cucuel mit seinen Frauenporträts in lichtdurchfluteten sommerlichen Uferlandschaften. So bezirzte seine nachdenklich mit Buch „Am Strand“ Sitzende von etwa 1930 die Sammler zu 100.000 Euro (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR), seine rund zehn Jahre ältere Frühjahrsstimmung „Apfelblüten“ zu 90.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) und die ebenfalls weiß gekleidete Schöne „Unter dem Goldregen“ zu 110.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Cucuels Scholle-Kollege Leo Putz gab seine drei nackt im Wasser eines Sees „Badenden“ um 1920 erst an der oberen Schätzgrenze von 70.000 Euro ab. Wenig bekannt ist der aus dem Rheinland stammende Maler Josse Goossens und mit seinen koloristisch kühnen leuchtenden Farbenmosaiken, wie dem nun 14.000 Euro teuren „Interiéur de cafe“, eher ein Einzelgänger in der Kunst der Moderne (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Ernst Ludwig Kirchners Kinderakt „Fränzi vor geschnitztem Stuhl“, mit wenigen Strichen 1910 in schwarzer Kreide gezeichnet, kam nicht über die unteren anvisierten 30.000 Euro hinaus, während Lyonel Feiningers prismatisch zerlegtes Segel- und Dampfschiff in „Schwerer See“ von 1933 erst bei 34.000 Euro davonschipperte (Taxe 18.000 bis 26.000 EUR).

Auch die französischen Maler beteiligten sich zunächst erfolgreich am Auktionsgeschehen. Los ging es mit Gustave Caillebottes dunklem farbintensivem Blumenstillleben „Le rosier fleuri“, gemalt um 1884/85 wohl in seinem Jardin du Petit Gennevilliers, für unerwartete 100.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) und Emile Othon Friesz’ von Braun- und Grautönen bestimmten „Port normand“ am einen tristen Tag um 1900 für 48.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Auch André Derains fauvistisches Farbfeuer „Village campagnard“ um 1905 ließ mit hohen 250.000 Euro keine Wünsche offen (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR), ebenso Maurice de Vlamincks gemäßigte Dorfansicht „L’église de Jouy-le-Comte“ von 1914/20 bei 130.000 Euro (Taxe 90.000 bis 130.000 EUR) oder Maurice Utrillos Paris-Vedute „Montmartre. Café de la Tourelle“ um 1935 in genauso abgemildertem Kolorit bei 85.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Dann mussten aber Hans Arps ungegenständliche Komposition „Fronde et nombrils“ von 1926, die nach der Juni-Auktion 2020 bei Van Ham nun mit leicht reduzierter Schätzung von 280.000 bis 360.000 Euro zum zweiten Mal aus der Sammlung des ehemaligen Bankhauses Sal Oppenheim antrat, und Joan Mirós grün patinierte Bronze „Oiseau sur une branche“ aus seinem Spätwerk von 1981 bei 120.000 bis 160.000 Euro passen. Mit einem Abschlag auf 230.000 Euro hatte Max Ernsts tiefblaue Texturerforschung „Enseigne pour une école de moustiques“ von 1961 zu kämpfen (Taxe 250.000 bis 300.000 EUR), ebenso Amedeo Modiglianis in Blau 1913/14 gezeichneter, vornüber gebeugt sitzender Akts in elegant gerundeten Formen auf 70.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Da hatte Pablo Picasso mit seinem linienbetonten Tuscheblatt „Deux femmes nues debout“ von 1925 bei 65.000 Euro mehr Glück (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), und bei Fernand Légers zwei Frauen unter den Titel „L’anniversaire“ in markanten Tuschestrichen und flächigem Kolorit ging es mit 250.000 Euro nochmals hoch hinaus (Taxe 130.000 bis 180.000 EUR). Auf niedrigerem Niveau tat es ihm der Russe Georgy Nissky mit seiner schemenhaften Moskau-Vedute samt Blick auf das Gebäude des Außenministeriums bei 100.000 Euro gleich (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



24.12.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 6.500,- EURO

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