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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Das Ausgefallene gesucht: Bei Bassenge in Berlin stießen mehrere unbekannte Künstlerinnen der Moderne auf regen Zuspruch

Die Elfe und die Sonnenblume



Sulamith Wülfing war einer feingeistigen, mystischen und spirituellen Welt zugetan. Angeregt durch eine persönliche Begegnung mit dem indischen Philosophen Jiddu Krishnamurti, stand die 1901 in Elberfeld geborene Künstlerin und Illustratorin, die unter anderem mit und für Christian Morgenstern, Rainer Maria Rilke oder Heinrich Vogeler arbeitete, der Theosophie nahe und entdeckte überall in Natur das Wirken Gottes. Von dieser pantheistischen Haltung zeugt auch ihre Zeichnung einer „Sonnenblumenelfe“: Aus den unzähligen kleinen Samenkörnern der Blüte wächst eine kleine zarte Fee heraus, die gedankenversonnen im Rund des Fruchtstands sitzt und mit der Sonnenblume eine Symbiose eingeht. Gesucht in esoterischen Kreisen, avancierte Wülfings feinsinniges sensibles Blatt bei Bassenge zu einem der begehrtesten Werke in der Auktion „Moderne und zeitgenössische Kunst“. Da Wülfings Kunst nicht allzu häufig auf dem Markt auftaucht, hatte der Berliner Versteigerer sich bei seiner Bewertung an den bisherigen hauseigenen Preisen im dreistelligen und unteren vierstelligen Euro-Bereich orientiert und die Zeichnung aus dem Jahr 1932 mit 1.800 Euro veranschlagt. Der Hammer fiel aber erst bei 16fachen der Schätzung zum Rekordwert von 29.000 Euro.


Weitere Künstlerinnen der Moderne überzeugten das Publikum am 4. Dezember bei Bassenge, etwa Erika Giovanna Klien. Die Hauptvertreterin des Wiener Kinetismus stellte eine zwölfteilige Linolschnittfolge zur Verfügung, in der sie zwischen 1933 und 1935 ihre konstruktiv abstrakten Ansichten zur Bewegung des Menschen, zum Vogelflug oder zur Brechung des Lichts formulierte. Die posthum 1986 von der Münchner Galerie Michael Pabst in 50 Exemplaren edierten schwarz-weißen Drucke spielten nun 7.000 Euro ein (Taxe 2.200 EUR). Freuen darf sich auch Emy Roeder. Ihre leicht kubistisch angelegte, goldbraun patinierte und harmonisch geschlossene Bronzegruppe „Stute und Fohlen“ von 1919, die als erste Tierskulptur im Schaffen der gebürtigen Würzburgerin gilt, kletterte von 24.000 Euro auf 53.000 Euro. Taxkonform kam dann Anita Rées neusachliches Bildnis einer „Spanierin“ mit fast scheuem Blick und entblößter Brust von 1930 bei 30.000 Euro ins Ziel. Bei einer flott skizzierten und locker aquarellierten Bleistiftzeichnung Jeanne Mammens um 1910/14 mit zwei Frauen an einem Tisch griffen die Bieter wieder beherzt zu und hoben den Preis von 1.500 Euro auf 6.500 Euro. Auch Lou Albert-Lasard fuhr mit ihrem gemäßigt expressionistischen, stimmungsvollen Ölgemälde „Menschen am Teich“ einträgliche 3.000 Euro ein (Taxe 1.800 EUR), ebenso Lotte Laserstein mit dem späten leisen Portrait ihrer Freundin Traute Rose 7.000 Euro (Taxe 5.000 EUR).

Wie erwartet, setze sich Max Liebermann an die Spitze der Moderne-Auktion bei Bassenge. Seine strenge und unaufgeregte impressionistische Ölstudie eines Tennisplatzes an der holländischen Nordseeküste von 1901 verlangte 100.000 Euro (Taxe 75.000 EUR). Andere Maler der Moderne hatten nicht soviel Glück, etwa Willi Geiger. Während sein von Pfeilen durchbohrter, in einer Straßenschlucht leidender „Sankt Sebastian“ von 1914 in beunruhigendem Kolorit wenigstens noch auf 12.000 Euro kam, erlitt sein sechs Jahre später entstandenes Bildnis einer „Frau in Rosa“ in unduldsamer Frontalansicht Schiffbruch (Taxe 10.000 EUR). Auf keine Gegenliebe stieß ebenfalls William Wauers „Portraitstudie Lu“ von 1922 bei 20.000 Euro. Dafür reüssierte Stanislaus Stückgolds Bildnis des Anthroposophen Albert Steffen um 1915 in ungewöhnlich fahlem ätherischem Kolorit bei 7.500 Euro (Taxe 1.000 EUR). Heinrich Nauens um 1931 vollendetes, abgeklärtes Gemälde „Madonna mit den Tieren“ musste sich dann wieder mit 14.250 Euro zufriedengeben (Taxe 20.000 EUR).

Schwarzweiße Grafik im Aufwind

Gut bestückt war das Angebot mit grafischen Arbeiten der Moderne, angeführt von Edvard Munchs Kaltnadelradierung „Der Tag danach“ aus der Mitte der 1890er Jahre mit einer vom Rausch völlig erschöpft auf dem Bett niedergestreckten jungen Frau für 38.000 Euro (Taxe 30.000 EUR). Aus dem frühen, noch nicht expressionistischen Schaffen Emil Noldes stammt die seltene Radierung „Unterhaltung“ einer Personengruppe am Strand von 1906, die mit 12.000 Euro das Vierfache der Schätzung einfuhr. In dieser Preisregion platzierten sich zudem die teils mit karikaturhaften Figuren ausgestatteten Blätter Lyonel Feiningers von 1910/11: Die Straßenszene „Die Arbeiter“ bei 12.000 Euro (Taxe 10.000 EUR), die „Figures on a Cliff“ vor weiter See bei 12.500 Euro (Taxe 8.000 EUR) und „Am Strande der Ostsee“ mit einigen Badehütten bei 11.000 Euro (Taxe 7.000 EUR). Otto Mueller gesellte sich mit seiner Akt-Lithografie „Sitzende, von Blattwerk umgeben“ aus dem Jahr 1923 bei 10.000 Euro hinzu (Taxe 10.000 EUR).

Auch bei den niedrigeren Preisen gab es einige schöne Entwicklungen, etwa bei Gerd Arntz’ sozialkritischem Holzschnitt „Arbeitslose“ aus dem Jahr 1931 von 500 Euro auf 1.100 Euro oder bei Johannes Molzahns fantastischer, technoid-mechanischer Vision „Mysterium“ aus dem Jahr 1920 von 1.500 Euro auf 2.200 Euro. Bei Max Oppenheimers ausdrucksstark erfasstem Portrait der Schweizer Sammlerin Jenny Brown von 1917 sprangen 1.300 Euro heraus (Taxe 900 EUR). Im österreichischen Kulturkreis blieb es mit Gustav Klimts „Ex Libris der Vereinigung bildender Künstler Österreichs Secession“, das er 1898 mit einem Konterfei der Göttin Pallas Athene zierte, für 2.200 Euro (Taxe 1.000 EUR) und mit Bertold Löfflers ebenfalls dem Jugendstil verpflichteter aquarellierter Kostümzeichnung einer Tänzerin für 2.600 Euro (Taxe 1.500 EUR).

Für Christian Rohlfs’ Kohlezeichnung eines sinnlichen weiblichen Rückenakts im Kontrapost von 1911 blieben dann nur 13.000 Euro übrig (Taxe 18.000 EUR). Den Verlust konnten Fritz Schwimbecks unheimliches Trugbild „Schatten“ in Bleistift und schwarzer Tusche mit 1.200 Euro (Taxe 900 EUR) oder zwei zurückhaltende weibliche Aktdarstellungen Dorothea Maetzel-Johannsens für jeweils 2.700 Euro nicht Wett machen (Taxe je 2.000 EUR), eher schon Richard Müllers humorvolle sinnbildliche Darstellung des Buchstaben Q. Dafür zeichnete er 1938 mit Grafit und schwarzer Kreide eine große Kuh auf der Weide in fotorealistischer Manier und erntete dafür nun 4.400 Euro (Taxe 800 EUR). Alfred Kubins dicht schraffiertes Blatt „Böser Traum“ mit einer arglos im Bett schlafenden nackten Frau, auf die sich eine gewaltige Schlange geräuschlos zubewegt, regte die Käufer zu 7.500 Euro an (Taxe 5.000 EUR).

Lost Places

Aus der Nachkriegszeit pickten sich die Kunden zwei Stillleben gewinnbringend heraus: Helmut Wellschmidts spätkubistisches Exemplar „Blaue Flasche“ von 1956 für 4.800 Euro (Taxe 1.500 EUR) und Horst Strempels reduziertes Arrangement von vier Früchten in einer Schale von 1955 für 2.200 Euro (Taxe 1.000 EUR). Fred Thielers informelles Gewölk in Schwarz, Weiß und Blau aus dem Jahr 1959 musste indes einen Abschlag von 10.000 Euro auf 6.500 Euro hinnehmen. Auf der Habenseite standen dann wieder Joan Mirós lustige Lithografie „L’Abella somniadora“ einer ulkigen verträumten Biene von 1979 bei 7.000 Euro (Taxe 3.500 EUR) oder Johannes Grützkes farbige Kreidearbeit eines in sich versunkenen lächelnden männlichen Halbakts von 1976 bei 6.000 Euro (Taxe 5.000 EUR). Auch sein ironisches Portrait des ehemaligen Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit nach langer durchwachter Nacht mit schläfrigem Blick und roter Nase gab sich bei 5.500 Euro siegessicher (Taxe 3.000 EUR).

Peter Nagels dem „Neuen Realismus“ verpflichtetes Gemälde „Lauter Ballons II“ von 1971 mit einem kleinen Buben in Untersicht und schwebenden hellen Blasen verharrte dagegen bei niedrigen 10.000 Euro (Taxe 15.000 EUR), und bei Hans Peter Zimmers eher fratzenhaften drei Grazien „Under the lemon Tree“ von 1986 muss es noch der Nachverkauf richten (Taxe 10.000 EUR), ebenso bei Marwans „Suite der Köpfe“ mit 99 Radierungen von 1997/98 (Taxe 30.000 EUR). Einen Kaufimpuls löste wenigstens Jörg Immendorffs Gemälde „Selbst mit Muse“ von 1994 aus; das rot-gelbe Interieur mit dem sitzenden Künstler, der eine bewusstlose Nackte in den Armen hält, lief untertourig bei 30.000 Euro (Taxe 40.000 EUR). Vorteilhafter entwickelte sich die Situation bei Robert Natkins lyrischer Abstraktion „Bern Series, Nr. 27“. Die Papiermalerei mit geometrischen Formen in einer bunten Netzstruktur entstand 1979 nach einem Besuch des Amerikaners in der Berner Paul Klee Stiftung, erinnert in ihrer poetischen Art an den großen Künstler der Moderne und kletterte nun von 900 Euro auf 4.600 Euro.

Bei dem Leipziger Maler Stefan Thomas Wagner und seiner frühen Leinwand „Das Pferd“ von 1984 fiel der Anstieg nicht ganz so extrem aus. Die überdimensionierte Konstruktion eines Holzpferdes mit einem puppenhaften Reiter, unter der sich einige Spielzeugsoldaten bekriegen, verließ das Auktionshaus bei 6.400 Euro (Taxe 5.000 EUR). Die Stadt- und Industrielandschaften des 2020 verstorbenen Berliner Malers Fritz Kreidt wecken in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit bei den Sammlern; diesmal war es eine winterlich vereiste „Ruinenlandschaft“ von 1991/93 mit verlassenen Förderanlagen aus dem Bergbau der ehemaligen DDR für 6.500 Euro (Taxe 4.000 EUR). Bei Andy Warhol entwickelten drei Fotos diesmal einige Strahlkraft, allen voran das farbige Polaroid „Fiesta Pig“ von 1978/79 mit Warhols Hausschwein „Baby Jane“, das er zudem in einer Serigrafie verewigte, bei 6.500 Euro (Taxe 2.000 EUR), gefolgt von einem Portrait des rauchenden Ex-Bundeskanzlers Willy Brandt von 1976 bei 5.000 Euro (Taxe 3.500 EUR). Eine der jüngsten Arbeiten der Auktion war Edgar Hofschens „Modifikation W 27“ von 2009. Auch mit diesem Ölgemälde untersucht der Vertreter der Analytischen Malerei die Grundlangen der Kunst und trug auf schwarzem Grund einen kaum helleren Kreis auf, was nun eine Verdreifachung der Schätzung auf 2.400 Euro zur Folge hatte. Insgesamt konnte Bassenge losbezogen gut 82 Prozent der 268 Lose vermitteln und nahm damit brutto etwas über 1,07 Millionen Euro ein.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com

Startseite: www.bassenge.com



04.01.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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