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Interieur – Dame im Salon auf Chaiselongue sitzend / Bruno Piglhein

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Blick aus dem Künstler-Atelier in Berlin. Kurfürstenstraße, 1927 / Ernst Oppler

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zugeschrieben, Pfauenbank / Peacock bench, Ende 19. Jahrhundert / Marcello Andrea Baccetti

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Das Kunstmuseum Basel widmet sich in einer Retrospektive dem Impressionisten Camille Pissarro und seinem Austausch mit befreundeten Kollegen

Den Menschen im Blick



Camille Pissarro, Femme au fichu vert, 1893

Camille Pissarro, Femme au fichu vert, 1893

In mehrfacher Hinsicht nahm Camille Pissarro in der Gruppe der Impressionisten eine Sonderstellung ein. Schon allein biografisch bedingt, war seine Persönlichkeit auf Offenheit und Pluralität, Teilhabe und Gleichberechtigung, Innovation und Zukunftsorientiertheit ausgerichtet. Als Sohn einer praktizierenden jüdischen, aus Portugal stammenden und inquisitionsbedingt nach Bordeaux geflohenen Händlerfamilie wurde er am 10. Juli 1830 auf Saint Thomas geboren. Denn 1824 wanderten seine Eltern auf die seinerzeit zu Dänemark gehörenden Antilleninseln, die heutigen US-amerikanischen Jungferninseln aus, wo in der Hauptstadt Charlotte Amalie der Vater eine Eisenwarenhandlung betrieb. Im Alter von zwölf Jahren schickten die Eltern den jungen Camille in ein Internat bei Paris, wo er bereits zu zeichnen begann. Da er das elterliche Unternehmen übernehmen sollte, musste er 1847 zurückkehren und betrieb zeitweise zusammen mit dem dänischen Maler Fritz Melbye ein Atelier in Caracas in Venezuela.


Im Jahr 1855 zog Camille Pissarro dann endgültig nach Paris, die Eltern folgten zwei Jahre später. In der französischen Metropole nahm er Unterreicht bei Professoren der École des Beaux-Arts und lernte bedeutende Weggefährten wie Jean-Baptiste Camille Corot, Gustave Courbet, Eugène Delacroix, Claude Monet oder Paul Cézanne kennen. Als einziger unter den Impressionisten wuchs er auf zwei Kontinenten auf, beherrschte mit Französisch, Englisch und Spanisch drei Fremdsprachen und lernte schon von klein auf ethnische und kulturelle Vielfalt kennen. Der Hang zum Austausch, zu künstlerischen Experimenten und neuen Darstellungsformen sowie seine große Neugier waren durch diese nomadische Lebensweise bedingt. Hinzu kamen seine offen kommunizierte Neigung für anarchistisches Gedankengut und die Missbilligung ungleich verteilter Ressourcen. Auch wenn Pissarro seine Arbeiten nie als Programmbilder verstand, symbolisiert seine revolutionäre Malweise das Streben nach Freiheit und Autonomie gegen alle Widerstände.

Für die nach über 60 Jahren erste Soloschau Pissarros in der Schweiz trugen die Kuratoren Christophe Duvivier und Josef Helfenstein im Kunstmuseum Basel rund 180 hochkarätige Gemälde zusammen, darunter acht Gemälde aus dem eigenen Bestand. Neben der Chronologie thematisiert der Parcours speziell die Zusammenarbeit und Inspiration mit Künstlerfreunden. Als einziger Impressionist war Camille Pissarro auf allen acht Impressionistenausstellungen vertreten. Bereits auf der ersten, 1874 veranstalteten Gruppenschau wurden seine Bilder beanstandet. Sein im Vorjahr entstandenes Gemälde „Das Kohlfeld“ wurde von der Kunstkritik verspottet, da das einfache Küchengemüse nicht als bildwürdiges Motiv galt. Auch das Sujet eines von klobigen Furchen durchzogenen Feldes im „Raureif“, so der Titel eines weiteren Gemäldes von 1873, zog beißende Häme auf sich.

Schon bei diesen frühen Werken zeigt sich, wie sehr der Maler jeder Ästhetisierung abgeneigt war. Effekthascherei und Pracht, etwa eine Spezialität Claude Monets, lehnte Camille Pissarro ab. Diesem Umstand war es wohl geschuldet, dass er zeitlebens unter monetären Problemen und mangelndem kommerziellem Erfolg litt. Pissarro sah es als Pflicht des Künstlers, politische, gesellschaftliche und ökonomische Zustände kritisch zu reflektieren. So war er beispielsweise der einzige Impressionist, der Landschaften und Menschen gleichermaßen Geltung verlieh. Erst 1892 konnte er in Folge einer Retrospektive des Kunsthändlers Paul Durand-Ruel einen gewissen Durchbruch verbuchen.

Die Baseler Schau hebt besonders auf das Zusammenwirken mit Paul Gauguin und Paul Cézanne ab. Zunächst imitierte Gauguin Pissarros technische Finessen bei unterschiedlicher Herangehensweise an das Motiv. Während Pissarro bei Porträts etwa den individuellen Charakter betont, stellt Gauguin seine Modelle in einen vielsagenden Kontext. Aufgrund Gauguins Streben nach Anerkennung und finanziellen Erfolgen kühlte das Verhältnis der Maler ab. Gauguins zunehmenden Symbolismus lehnte Pissarro ab, da er eine gefährliche Rückkehr von Religiosität in Verbindung mit einer von der katholischen Kirche beeinflussten reaktionären Politik vermutete. Besonders verbunden fühlte sich Pissarro mit Paul Cézanne. Mit niemanden arbeitete er so eng zusammen. Bis 1885 tauschten sie sich über theoretische und technische Aspekte aus, malten Seite an Seite und versuchten sich an gleichen Motiven. Fast zum Verwechseln ähnlich erscheinen beider Interpretationen der bewaldeten Hänge „Die Côte des Bœufs in L’Hermitage“ bei Pontoise, wobei Pissarro im Gegensatz zu Cézanne immer auch Menschen mit abbildete.

Just in dem Moment, als der lange umstrittene Impressionismus mehr Zustimmung erzielte, wandte sich Camille Pissarro ab 1880 der neuen, radikaleren Malweise des Neoimpressionismus zu. Eine Folge von Gemälden aus schwirrenden punktartigen Pinselstrichen in einem brillant leuchtenden Kolorit bereichert die Auswahl in Basel. Selbstbewusste Arbeiterinnen bei der Ährenlese, Landleute bei der Apfelernte, Marktszenen oder Holzfäller zeigen Pissarros Verbundenheit mit der arbeitenden einfachen Bevölkerung. Auf der achten und letzten Impressionistenschau in 1886 musste er zusammen mit weiteren Pointillisten in einem eigenen Raum ausstellen. Doch schon in den 1890er Jahren wandte sich der Maler von diesem Stil ab, da er dem Einfangen spontaner Empfindungen Grenzen setzte.

In den letzten Lebensjahren entstanden viele Stadt- und Hafenansichten, die Sichtweisen von gemieteten Wohnungen und Hotelzimmern festhalten. So mietete Pissarro 1897 ein Zimmer im Pariser Hotel de Russie und ließ in 14 Gemälden seinen Blick von oben über den belebten Boulevard Montmartre bei unterschiedlicher Lichtstimmungen schweifen. Seit 1884 lebte er mit seiner Familie in Éragny-sur-Epte, einem kleinen Ort in der Picardie weit entfernt vom Pariser Kulturbetrieb. Die Schau schließt mit einem Selbstporträt, das ihn kurz vor seinem Tod, in Schwarz gekleidet, mit weißem Rauschebart vor einem offenen Fenster über den Straßen von Paris zeigt. Nach diesem letzten Bild verstarb er am 13. November 1903 an den Folgen einer schweren Prostataentzündung. Die Kritiken am Zeitgeschehen und das Revolutionäre in seinen Bildern erschließen sich heute erst auf den zweiten Blick, der vom schönen Schein einer vermeintlich guten alten Zeit überstrahlt wird.

Die Ausstellung „Camille Pissarro. Das Atelier der Moderne“ ist noch bis zum 23. Januar zu besichtigen. Das Kunstmuseum Basel hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr unter Maßgabe der 2G-Regel geöffnet. Der Eintritt beträgt 26 Franken, ermäßigt 18 Franken, 13 Franken bzw. 8 Franken. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 59 Franken kostet.

Kontakt:

Kunstmuseum Basel | Neubau

St. Alban Graben 20

CH-4010 Basel

Telefax:+41 (061) 206 62 52

Telefon:+41 (061) 206 62 62

E-Mail: info@kunstmuseumbasel.ch



04.01.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Camille Pissarro







Camille Pissarro, Un coin de l’Hermitage, Pontoise, 1878

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Camille Pissarro, Côte des Bœufs. Pontoise, 1877

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Paul Cézanne, La côte Saint-Denis à Pontoise, 1877

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Paul Cézanne, Pissarro vu de dos par Cézanne, 1874/77

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Camille Pissarro, Paul Cézanne, Lucien Pissarro und andere Künstler im Garten in Auvers, 1873

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Antonin Personnaz, Pissarro mit Familie an seiner mobilen Staffelei, Éragny, 1901

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Paul Gauguin, Intérieur avec Aline, 1881

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Camille Pissarro, Les Glaneuses, 1889

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Camille Pissarro, Portrait de Félix Pissarro, 1881

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Camille Pissarro auf einer Bank in Garten seines Hauses in Pontoise, um 1874

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Camille Pissarro, Le Champ de choux. Pontoise, 1873

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Camille Pissarro, Cueillette de pommes, 1887/88

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Camille Pissarro, Le jardinier, 1899

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