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Wayne Thiebaud verstorben

Ein Grandseigneur der amerikanischen Malerei ist tot: Am Weihnachtstag starb Wayne Thiebaud im Alter von 101 Jahren im kalifornischen Sacramento. Bekannt war der Künstler für seine nüchtern komponierten Stillleben, die er mit knalligen Farben auf die Leinwand brachte. Sahnetortenstücke, Lippenstifte, Eiswaffeln und Hot-Dogs bilden einen Schwerpunkt seiner Bildmotive, weshalb er vielen als Vertreter der Pop Art und gleichzeitig als Nachfolger Edward Hoppers gilt. Thiebaud selbst sah sich nie als Teil dieser Kunstströmung um Roy Lichtenstein und Andy Warhol; letzterem warf er vor, „flache“ und „mechanische“ Werke zu produzieren. Dennoch darf Thiebauds Einfluss auf seine amerikanischen Kollegen nicht unterschätzt werden, und so sind seine Werke weiterhin sehr begehrt. Erst letzten Sommer entfachte seine Tennisspielerin „Toweling Off“ aus dem Jahr 1968 ein Bietergefecht und brachte während des „21st Century Evening Sale“ bei Christie’s in New York mit 7,1 Millionen US-Dollar das Siebenfache der Schätzung ein. Den Spitzenplatz in seinem Auktionsranking belegen die der amerikanischen Alltagkultur entlehnten Flipperautomaten: Die strenge Anordnung der „Four Pinball Machines“ im menschenleeren Raum kam im Juli 2020 bei Christie’s auf netto 17,5 Millionen Dollar.

Am 15. November 1920 in Arizona geboren, zog Wayne Thiebauds Familie bald an die US-amerikanische Westküste. Zwischen 1938 und 1949 arbeitete er als Karikaturist und Designer und studierte anschließend bis 1952 an der Sacramento State University. Ab 1960 lehrte Thiebaud an der University of California, der er auch nach seiner Emeritierung 1991 treu blieb. Bereits vor seinem Antritt als Dozent freundete er sich mit Willem de Kooning und seiner Frau an und lies sich von deren Umfeld zu ersten Werken inspirieren, die seinen Stil begründen. 1960 bestritt er seine erste Einzelausstellung in San Francisco. Als der wichtige Kunsthändler Sidney Janis zwei Jahre später Thiebauds Bilder in seiner New Yorker Galerie ausstellte, wurde der Maler international bekannt. Seitdem war Allan Stone für den Verkauf der Werke zuständig. Der Kunsthändler charakterisierte Thiebaud folgendermaßen: „Ich habe das Glück gehabt, mit einem komplexen und talentierten Mann Freundschaft zu knüpfen; ein grandioser Lehrer und Koch, der beste Geschichtenerzähler aus dem Westen, der einen Aufschlag mit Spin kann, und ein großartiger Maler, dessen magisches Fingerspitzengefühl nur noch von seiner aufrichtigen Bescheidenheit und seiner Anständigkeit übertroffen wird. Thiebauds Hingabe zur Malerei und sein Streben nach Exzellenz regen alle an, die das Glück haben, mit ihm in Kontakt zu kommen.“

Wayne Thiebaud wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem der prestigeträchtigen National Medal of Arts, die der amerikanische Kongress an Künstler und Mäzene verleiht. In vielen Ausstellungen vertreten, nahm Tiebaud beispielsweise an der fünften Ausgabe der Documenta in Kassel teil. Seine Alltagsgegenstände von zum Teil absurder Banalität mit beinahe plastisch geformter Intensität und leuchtender Farbkraft stellte er vor allem in den USA aus, etwa im Los Angeles County Museum of Art, im Whitney Museum of American Art oder im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden. Das Crocker Art Museum im heimatlichen Sacramento richtete Wayne Thiebaud anlässlich seines 100. Geburtstags im Jahr 2020 die letzte Retrospektive aus.

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Jörg Berghammer

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