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Interieur – Dame im Salon auf Chaiselongue sitzend / Bruno Piglhein

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Blick aus dem Künstler-Atelier in Berlin. Kurfürstenstraße, 1927 / Ernst Oppler

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zugeschrieben, Pfauenbank / Peacock bench, Ende 19. Jahrhundert / Marcello Andrea Baccetti

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Ohne Titel, 2016 / Heinz Mack

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Wien erforscht seine Kunstpolitik unter dem NS-Regime

in der Ausstellung „Auf Linie. NS-Kunstpolitik in Wien“

Der Fund von rund 3000 Mitgliederakten Wiener Kunstschaffender in der Reichskammer der bildenden Künste hat das Wien Museum zum Anlass genommen, sich genauer der Kunstpolitik in der Donaumetropole zwischen 1938 und 1945 zu widmen und die Akten erstmals wissenschaftlich auszuwerten. Herausgekommen ist nun die aufschlussreiche Ausstellung „Auf Linie. NS-Kunstpolitik in Wien“, die Einblicke in Machtstrukturen, Netzwerke, bürokratische Abläufe sowie künstlerische Haltungen der Entscheidungsträger offenlegt.

Mit dem „Anschluss“ Österreichs vom 12. März 1938 gingen die Einführung deutscher Reichsgesetzte und die Auflösung von Künstlervereinigungen einher. Die Wiener Außenstelle der Berliner Reichskammer der bildenden Künste übernahm alle Mitglieder. Die Zugehörigkeit war Voraussetzung für die Berufsausübung. Strenge Aufnahmeverfahren bewirkten nunmehr politische Zuverlässigkeit aller Kunstschaffenden. Auf diese Weise erfolgte die Kontrolle der Kunstproduktion nach ideologischen und rassistischen Vorstellungen. Anhand zahlreicher Dokumente, Objekte, Fotografien und Bilder stellt die Schau die Rolle des Wiener Kulturamtes als Initiator und Auftraggeber maßgeblicher Einrichtungen, Ausstellungen oder Ausstattungen vor und beleuchtet Biografien ausgewählter Künstler. Viele noch nie erfasste oder publizierte Werke wurden dafür erstmals aus Depots entliehen. Um den schwierigen offenen Fragen nach dem weiteren Umgang Bedeutung zu verleihen, entschieden sich die Kuratorinnen Ingrid Holzschuh und Sabine Plakolm-Forsthuber zu einem magazinähnlichen Arrangement, auch um den eingegrenzten ästhetischen Anspruch der Exponate zu unterstreichen.

Gleich zu Beginn steht der Besucher vor einem Schlüsselwerk: Igo Pötsch schuf 1940 im Auftrag des Kulturamtes das vielfach reproduzierte und daher überaus bekannte Bild von der „Fahrt des Führers zur Proklamation am 15. März 1938“, in dem Ringstraße, Burgtor und Heldenplatz über und über von jubelnden Massen besetzt und mit roten Hakenkreuzfahnen behangen sind. In der Folge stellt die Schau dann Aufbau und Biografien führender Leitungspersonen und Referenten der Reichskammer vor, umgeben von Schriftstücken und klobig-schweren Dekor- und Einrichtungsgegenständen, die im Sinne einer völkisch-bodenständigen NS-Ästhetik gehalten sind. Vieles von dem wurde in einer Entwurfs- und Versuchsstätte für das Kunsthandwerk ersonnen, die immerhin der renommierte Jugendstil-Entwerfer Josef Hoffmann leitete.

Ein Kapitel widmet sich den wirtschaftlich bedingten Bestrebungen, Wien zur deutschen Modestadt zu katapultieren. Zentrale Rolle kam dabei einem neu etablierten „Haus der Mode“ zu. Plakate, Denkmäler, Porträts oder die Kunst am Bau waren weitere Sparten einer propagandistisch angestachelten „Bilderbogenkunst“, dessen Schöpfer nach 1945 zumeist unbeschwert und hoch geehrt ihr Schaffen fortsetzen konnten.

Die Ausstellung „Auf Linie. NS-Kunstpolitik in Wien“ ist bis zum 24. April zu sehen. Das Wien Museum MUSA hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 34 Euro kostet.

Wien Museum MUSA
Felderstraße 6-8
A-1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 – 4000 85169


12.01.2022

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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