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Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther

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Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach

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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Heinz Mack, Ohne Titel (N 9471), 2021 / Heinz Mack

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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Die Malerrevolutionäre des Blauen Reiters und der Brücke begegnen sich in Wuppertal zu einem vergleichenden Diskurs. Als Inkarnation des deutschen Expressionismus wagten sie den Start in die Moderne

Über sinnliche Erfahrungen hinaus



Unversehens gerät man in ein Duell. Gabriele Münter platziert ihren Malerfreund Wassily Kandinsky hinter einem Tisch, verschwommen, mit weit geöffnetem Hemd, distanziert in einer intellektuellen Aura und gegen Etikette der Bildnismalerei gerichtet. Ebenfalls um 1910 porträtierte Erich Heckel seinen Malerkollegen Hermann Max Pechstein völlig entspannt. Unter Ausfüllung des Bildformats in einem Liegestuhl schlafend, illustriert in kräftig leuchtendem Rot und mit überlangen schnittigen Gliedmaßen betont das Heranrücken an den Betrachter Pechsteins physische Präsenz. Beide Gemälde erscheinen aufgrund der ihnen innewohnenden Spannung rätselhaft. Was unterscheidet das Arbeiten der beiden deutschen Künstlergruppen „Blauer Reiter“ und „Brücke“, die wie kaum eine andere Bewegung von globaler Wirkung für die Kunst vor 1914 stehen? Wie haben sie sich zueinander verhalten? Wo gibt es Gemeinsamkeiten?


Dies war vor 25 Jahren letztmalig dem Museum am Ostwall in Dortmund unter dem Titel „Von der Brücke zum Blauen Reiter“ eine Präsentation wert. Nun fanden sich das Buchheim Museum in Bernried am Starnberger See, die Kunstsammlungen Chemnitz und das Wuppertaler Von der Heydt-Museum zu einem neuen Ansatz zusammen. Bedacht auf Nachhaltigkeit und Synergie, stellten die drei Partner aus ihrem jeweiligen Fundus die dialogisch angelegte Schau zusammen, bei der 80 Prozent der 160 Exponate eigene Bestände sind. Einige hochkarätige Leihgaben kommen ergänzend hinzu. Die 90 Ölgemälde und 70 Grafiken stammen von 31 Künstlern. Auch ohne die Einbeziehung von weiteren Häusern mit erstrangigen Werken des Expressionismus zeigt die Auswahl griffig den breiten Spannungsbogen der Bewegung auf, was bereits beim Prolog im ersten von neun Sälen des Von der Heydt-Museums deutlich wird.

Unisono zeugen alle Bilder trotz stilistischer Bandbreite vom Bestreben ihrer Schöpfer, vormalige Konzepte durch flächige Formen und eine kräftige Farbigkeit zu überwinden. Dabei nahmen Maler der Fauves wie Henri Matisse, vor allem aber Vincent van Gogh mit seinem strahlenden Kolorit und der bewegten Bildrhetorik sowie exotische Anleihen eines Paul Gauguin eine Vorbildfunktion ein. Töne und Formen klarer zu vereinzeln, standen bei den Franzosen im Fokus. Aggressive scharfkantige Umrisse zeichnen eher die Maler der Brücke aus, während Vertreter des Blauen Reiters Formen mit Mitteln der Farbe verflüssigen.

Auch in der Motivwahl zeigen sich Unterschiede: Die Künstler der am 7. Juni 1905 in Dresden gegründeten und im Mai 1913 wieder aufgelösten Brücke verbildlichten Landschaften aus dem Norden, um Berlin, Dresden oder von der Ostseeküste. Die Mitstreiter des 1911 als lose Redaktionsgemeinschaft für einen Almanach etablierten Blauen Reiters bevorzugten Berge des Voralpenlandes. Dessen heterogene Truppe erträumte sich eine neue Welt in einer sehnsüchtigen, expressiv-geistigen, spirituell angehauchten Ausdrucksweise. Dabei bezogen sie auch russische und bayerische Volkskunst wie die Hinterglasmalerei ein. Bei beiden Gruppen weist eine Beschäftigung mit exotischen Objekten aus Afrika, Ozeanien oder Asien, die den Schritt zur Abstraktion befördern sollte, auf interkulturelle Ansätze hin. Dies artikulierte sich speziell bei den Figurenbildern der Brücke-Maler: Der nackte menschliche Körper, idealerweise in freier Natur, oder Bewegungsmotive wie die Badenden waren deren prägendes Sujet.

Roland Mönig, Kurator der ersten Ausstellungsstation in Wuppertal, hat evidente Einzelaspekte ins Zentrum gerückt. Die bestechende Klarheit schwarzweißer Holzschnitte verdeutlicht die Rolle grafischer Techniken bei der Hinwendung zu klar konturierten, vereinfachten Formfindungen. Neben Farbholzschnitten Gabriele Münters oder Wassily Kandinskys wird die Bedeutung der Grafik besonders bei den Brücke-Künstlern offenbar, die sich vom schönlinigen Jugendstil durch Schärfungen von Konturen und motivische Zerstückelungen in Blöcke absetzten. Besonders packend ist ein Saal mit Werken aus der ersten Phase der Brücke arrangiert, als die enge Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Gruppenstil vonstattenging. Die Wende hin zum dramatisch gesteigerten Kolorit und zu vereinfachten, verfestigten, blockartigen Formen lässt sich besonders an der 1911 entstandenen „Norwegischen Landschaft“ von Karl Schmidt-Rottluff nachvollziehen, wo sich das rote Gebirge bedrohlich vor Baukastenhäusern auftürmt und die Sicht verschließt.

Während des „Murnauer Malsommers“ im Jahr 1908 entfalten Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky eine ähnliche Dynamik. Die Strahlkraft ihrer Palette steigerte die Wirkung der Farben, wobei plakativ von der Fläche her der Bildaufbau organisiert wurde und sich nicht mehr räumlich ausrichtete. Teilweise fassten die Maler*innen die Formen mit kräftigen Umrisslinien ein. Ihr Ziel war nicht die realistische Echtheit. Sie wollten vielmehr die Farbe freisetzen, sie von festen Formen lösen und findig orchestrieren, was die Motive kaum noch figürlich lesbar machte. Stimmungsgeladene Landschaften pendeln zwischen Beschaulichkeit und virtuosem Strudel. Am Ende stand dann der unausweichliche Schritt in die Ungegenständlichkeit, den wohl am konsequentesten Wassily Kandinsky verfolgte. Er löste das Eigenleben der Farbe von der gegenstandsbezogenen Linie, wie seine „Improvisation Sintflut“ von 1913 augenscheinlich darlegt: Wirbelnde wogende Farbtöne schildern Zerstörung und Aufruhr.

Im Herbst 1911 war die nach Berlin gewechselte Brücke mit der dynamischen Situation in der Großstadt konfrontiert. Eindringlich wird dies anhand schematischer, kantiger, härterer Umrisse deutlich, die sich im Gegensatz zum Blauen Reiter nicht von der Realität abwenden. Symptomatisch steht dafür am Schluss Ernst Ludwig Kirchners um 1914 gemalte Berliner Straßenszene. Mit zugespitzten Formen, berauschten Farben und zitterndem Pinselstrich illustrierte er Prostituierte, die sich Freiern anbieten.

Unter dem schon 1910 von Kunsthistorikern eingeführten Terminus des „Expressionismus“ rückte nach 1949 die Kunst jener Zeit zum Aushängeschild der Bundesrepublik auf, während in der DDR die Wertung zwischen Begeisterung und Ablehnung pendelte. Wie im freien Westen der Expressionismus im Informel oder dem Abstrakten Expressionismus neu aufblühte, demonstriert sinnigerweise im Nachklang eine Werkauswahl im großen Oberlichtsaal mit Arbeiten von Ernst Wilhelm Nay, Jackson Pollock, Georges Mathieu und anderen Meistern jener Nachkriegsepoche.

Die Ausstellung „Brücke und Blauer Reiter“ ist noch bis zum 27. Februar in Wuppertal zu besichtigen. Das Von der Heydt-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr unter Einhaltung der 2G-Regel geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Begleitband erschienen, der im Museum 29 Euro kostet.

Kontakt:

Von der Heydt-Museum

Turmhof 8

DE-42103 Wuppertal

Telefon:+49 (0202) 56 36 23 1

Telefax:+49 (0202) 56 38 09 1

E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de

Startseite: www.von-der-heydt-museum.de



19.01.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


21.11.2021, Brücke und Blauer Reiter

Bei:


Von der Heydt-Museum

Kunstsparte:


Malerei

Kunstsparte:


Grafik

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Stilrichtung:


Expressionismus

Bericht:


„Brücke“ vom Feinsten

Bericht:


Eine Brücke zur Zukunft

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Von märchenhaften Fantasien zu abstrakten Klängen







Ernst Ludwig Kirchner, Akt auf blauem Grund, 1911

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Marianne von Werefkin, Artisten, 1909

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Wassily Kandinsky, Riegsee – Dorfkirche, 1908

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Wassily Kandinsky, Murnau-Untermarkt, 1908

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Alexej von Jawlensky, Messalina, 1912

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Alexej von Jawlensky, Mädchen mit Pfingstrosen, 1909

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Alexej von Jawlensky, Die schwarzen Augen, 1912

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Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Dodo im Atelier, 1910/11

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Ernst Ludwig Kirchner, Frauen auf der Straße, um 1914

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Ernst Ludwig Kirchner, Bildnis Gerda, 1914

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Wassily Kandinsky, Improvisation Sintflut, 1913

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Franz Marc, Die gelbe Kuh, 1911

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