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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Mit einer gewohnt hohen Abnahmequote und Wertsteigerungen schloss das Irene Lehr in Berlin ihre Auktion mit Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ab. Ausschlaggebend war nicht zuletzt eine moderate Preisgestaltung

In Opposition zur staatlichen Doktrin



Zu den Höhepunkten im Berliner Auktionshaus Lehr zählt regelmäßig das Schaffen von Hermann Glöckner. Der gebürtige Dresdner war einer der wenigen Künstler in der DDR, der sich mit abstrakten Positionen beschäftigte, die nach der offiziellen Kunstdoktrin des Staates als formalistisch gebrandmarkt wurden. Seine Papierfaltungen legten schon vor dem Zweiten Weltkrieg den Grundstein für seine geometrisch-konstruktiven Kompositionen. Bei Lehr war nun ein frühes zweiseitiges Tafelwerk in Altrosa, Gold und Schwarz aus der Zeit um 1933 zu haben, das den Krieg unbeschadet überstanden hatte. Der gefaltete Streifen aus Japanpapier auf Gold, der auf der Rückseite quasi als Negativ vor schwarzem Grund seine Bahnen zieht, hatte es den Bietern besonders angetan. Von Irene Lehr mit einer Schätzung von 90.000 Euro schon als Favorit des Tages marktgerecht bewertet, kämpften einige um die Arbeit, mit der Glöckner die zweidimensionale Starre der traditionellen Malerei überwinden wollte, bis der Hammer bis 120.000 Euro fiel. Das ist zwar kein neuer Auktionsrekord für Glöckner, liegt aber nur 10.000 Euro unter der hauseigenen Messlatte.


Dass man Hermann Glöckner als „Hauskünstler“ bei Lehr ansprechen kann, bewiesen die 25 Positionen mit seinen Schöpfungen, die alle einen Abnehmer fanden. Los ging es mit der Zeichnung eines Frauenkopfes mit Hut, den Glöckner um 1928 mit konstruktiven Schraffuren und frei schwingenden Linien überlagert hatte: Der Preis kletterte von 2.200 Euro auf 5.500 Euro. Den Wert für andere frühe Papierarbeiten, wie das lockere „Selbstbildnis nach rechts“ von 1929 (Taxe 4.000 EUR) oder den collagierten „Mädchenkopf“ von 1923 (Taxe 5.000 EUR), korrigierten die Käufer auf jeweils 3.000 Euro nach unten; bei den fast schon zu geometrischen Farbflächen abstrahierten „Thiemes Scheunen (Fürstenau)“ von 1936/37 langten sie mit 20.000 Euro kräftig zu (Taxe 12.000 EUR). Aus der Sammlung Werner Schmidts, des ehemaligen Direktors des Dresdner Kupferstichkabinetts, stammten die beiden Collagen „Bühnenaufbau mit farbigen Flächen“ und „Räumliche Faltung, schwarzweiß vor violett“ aus den späten 1960er Jahren, die sich jeweils um 1.000 Euro auf 21.000 Euro respektive 26.000 Euro verbesserten. Auch Glöckners mit Tempera- und Silberfarbe auf braunem Papier aufgebrachte „Schwarze Schwünge auf Silbergrund“ von 1957 oder die wiederum beidseitig angelegte, beinahe lapidare Farbkreidezeichnung „Schwung in Braun nach rechts“ von 1983 ließen sich mit 6.500 Euro und 4.600 Euro nicht lumpen (Taxe 3.500 EUR bzw. 2.000 EUR).

Eine sichere Bank ist für gewöhnlich Irene Lehrs zweiter Stammgast Gerhard Altenbourg. Auch diesmal wurden alle sieben Arbeiten aus seiner poetisch verschrobenen Weltsicht mitgenommen, zumeist aber unter den Schätzungen. Vor allem bei den höher angesetzten aquarellierten Zeichnungen „Vegetation“ von 1956 für 16.000 Euro (Taxe 18.000 EUR), „Heb den Pfötchen, Tier“ von 1976 für 19.000 Euro (Taxe 22.000 EUR) und dem gleichaltrigen Blatt „Auf dem Bussteppich“ für 18.000 Euro wollte keine rechte Kauflaune aufkommen (Taxe 20.000 EUR). Dafür legte Altenbourgs Künstlerbuch „Wund-Denkmale“ von 1982 in der Ausgabe der Galerie Brusberg, angereichert mit einem Aquarell und 28 Farbholzschnitten, von 5.000 Euro auf 9.000 Euro zu. Mit anderen Künstlern aus der DDR konnte Irene Lehr dann wieder gute Ergebnisse erzielen, darunter mit Bernhard Heisigs bunt flirrender Medienkritik in der Studie „Der kleine Katastrophenfilm“ um 1977 bei 21.000 Euro (Taxe 15.000 EUR) oder Willi Sittes beliebtem DDR-Motiv „Strandabend“ an der Ostsee mit vielen nackten Leibern von 1979 bei 19.000 Euro (Taxe 9.000 EUR).

Nicht ganz so optimal ließ sich Wolfgang Mattheuers stille Landschaftsschilderung „Abend in der Rhön“ von 1974 mit 20.000 Euro an (Taxe 25.000 EUR). Diese Scharte wetzten dann aber Max Uhligs dichtes Liniengeflecht auf dem „Bildnis S.I. im Profil“ von 1984/85 mit 7.200 Euro (Taxe 5.000 EUR), Hans Tichas trostlose verschneite „Straße mit Frau in Gelb“ von 1968 mit 10.000 Euro (Taxe 9.000 EUR) und vor allem Horst Sagerts farbfrohe Gouache mit der Regenbogenlandschaft „Klein Kreutz an der Havel“ von 1961 bei 5.500 Euro wieder aus (Taxe 800 EUR). Auch die poetischen und heiteren kleinen Bildwelten von Albert Ebert aus dem Jahr 1964 waren gefragt: Seine lustigen „Herrschaften der Gesellschaft“ bei 9.000 Euro (Taxe 8.000 EUR) oder die junge Frau „Im Garten“ zur Zeit der Kirschblüte bei 6.500 Euro (Taxe 3.500 EUR). Auf Tendenzen der Neuen Sachlichkeit bezog sich ab den 1960er Jahren Ulrich Hachulla und schuf Menschenbilder, die oft von Distanz und Fremdheit erzählen, so bei seinem nun 9.500 Euro teuren „Matrosen“ von 1962 (Taxe 3.000 EUR). Noch direkter am Verismus eines Dix oder Grosz orientierte sich Clemens Gröszer bei seinen Portraits, von denen nun ein Selbstbildnis von 1995 mit 7.000 Euro und der blonde „Akt G.G.“ von 1993 mit 7.500 Euro umworben wurden (Taxe je 6.00 EUR).

In Ost und West

Im Osten geboren, siedelte Georg Baselitz mit 20 Jahren nach West-Berlin über und gehört heute nicht zuletzt wegen seiner auf dem Kopf stehenden Motive zu den weltweit gefeierten deutschen Künstlern. Daher war es kein Wunder, dass sein symbolträchtiger „Adler“, 1994 verkehrtherum mit leuchtend blauer Tinte auf Bütten gezeichnet, erst bei 70.000 Euro anstatt der vorgeschlagenen 15.000 Euro davonflog. Mit ihrer moderaten Preisgestaltung lockte Irene Lehr am 30. Oktober wieder zahlreiche Kunden an, was nicht nur in eine formidable losbezogene Zuschlagsquote von knapp 94 Prozent, sondern auch in zahlreiche Wertsteigerungen mündete, so etwa bei Gotthard Graubners rotbraun aquarelliertem Kissenbild von 1970 mit 16.000 Euro zum Doppelten der Schätzung. Mit 8.000 Euro war A.R. Pencks umrissbetonte visionäre Acrylmalerei von 1989 ebenfalls ein Schnäppchen: das Portrait des noch jugendlich aussehenden, späteren US-Präsidenten Donald Trump – Seite an Seite mit Nelson Rockefeller, Lenin und Stalin als Symbol des kapitalistischen Westens und seiner Antipoden des kommunistischen Ostens – kletterte auf 22.000 Euro.

Marwans fleischiger Berg auf dem Pastell „Gesicht V“ von 1973 freute sich über 11.000 Euro (Taxe 4.000 EUR), Walter Stöhrers gestische und skripturale Farb- und Linienwucherungen auf einer titellosen Arbeit von 1979 über 7.000 Euro (Taxe 5.500 EUR) und Werner Wittigs in Farbe und Form reduziertes Stillleben mit Äpfeln von 1973 über 5.400 Euro (Taxe 1.800 EUR). Der fast hundertjährig 1998 im Londoner Exil verstorbene Hans Feibusch stieß mit seinem koloristisch ungewöhnlichen Vanitas-Stillleben mit Büsten und Herbstlaub bei 12.000 Euro genauso auf Gegenliebe (Taxe 1.500 EUR), wie Klaus Fußmann mit seinem neoexpressiven Selbstbildnis im Spiegel bei Regen von 1979 oder Otto Möhwald mit seiner verschwommen Halle-Vedute „Häuserzeile hell“ von 1985 bei jeweils 8.500 Euro (Taxe 6.000 bzw. 3.500 EUR). Julius Bissiers fein austarierte, von asiatischer Ästhetik inspirierte Farbflächenkomposition von 1958 wurde mit 12.000 Euro hofiert (Taxe 7.500 EUR).

Den Ost-West-Austausch prägten noch Jacques de la Villeglé mit seinem bunten Plakatabriss „Avenue Genghis Khan“ von 1965 bei 28.000 Euro (Taxe 25.000 EUR), Albert Wigand mit seinem gegenständlichen, aber flächig ins Ornamentale gebrochenen „Herbststilleben in gelber Vase“ von 1955 bei 11.000 Euro (Taxe 7.000 EUR) und die beiden Tschechen Jan Kubicek und Karel Chaba mit. Während Kubicek, angeregt durch die Zeichenwelt des Prager Stadtraums, sich mit Konstruktionssystemen aus Buchstaben, Satzfragmenten und Ziffern beschäftigte, mit denen er auch die für 9.500 Euro veräußerte Leinwand von 1964 gestaltete (Taxe 5.000 EUR), konzentrierte sich der Autodidakt Chaba auf die Ecken und Winkel in Prag und erträumte sich eine bunte, etwas aus den Fugen geratene, meist menschenleere Kinderbuchwelt. Für sein Ölgemälde „Suchaneks Tatrawägelchen“ auf dem Fünfkirchenplatz von 1962 kamen 5.000 Euro zusammen (Taxe 1.500 EUR).

Die vielfältige Welt des frühen 20. Jahrhunderts

Mit ihrer Auswahl an Kunst der Moderne kam Irene Lehr beim Publikum ebenfalls gut an. Einer der Höhepunkte war für 58.000 Euro Hermann Max Pechsteins expressives Bildnis einer jungen Frau um 1918, bei der es sich vermutlich um Dora Steinbart, die Tochter des Berliner Sammlers Carl Steinbart, handelt (Taxe 40.000 EUR). In Gefilden des Expressionismus blieb es mit Max Schwimmers furiosem Aquarell einer Landschaft mit Häusern von 1920 für 4.800 Euro (Taxe 3.000 EUR), Rüdiger Berlits Stillleben eines Sommerblumenstraußes für 2.200 Euro (Taxe 800 EUR) oder Christian Rohlfs’ dunkler Bewegungsstudie einer „Tänzerin“ um 1918/20 für 6.000 Euro (Taxe 8.000 EUR). Im druckgrafischen Bereich reüssierten Erich Heckels Aktdarstellung „Drei Mädchen am Strand“ von 1919 bei 4.600 Euro (Taxe 3.000 EUR), Ernst Ludwig Kirchners stille Kaltnadelradierung „Frau mit zwei Knaben“ von 1921 bei 6.200 Euro (Taxe 4.000 EUR), Otto Muellers schwarzweiße Lithografie „Mädchen-Halbakt im Profil“ von 1922 bei 7.000 Euro (Taxe 4.000 EUR) und Paula Modersohn-Beckers dicht radiertes Blatt „Sitzende Alte“ von 1902 bei 3.200 Euro (Taxe 700 EUR).

Gut vertreten und erfolgreich waren Exponenten der Neuen Sachlichkeit, darunter August Wilhelm Dressler mit einer nachdenklichen Ballerina aus der Mitte der 1920er Jahre für 4.300 Euro (Taxe 3.000 EUR), Theo Champion mit einer verwunschenen neoromantischen Seelandschaft samt einsamem Boot von 1927 für 3.200 Euro (Taxe 750 EUR) oder Theodore Lux Feininger mit seinem charakteristischen Schiffsgemälde eines Viermast-Schoners von 1931 für 18.000 Euro (Taxe 12.000 EUR) sowie seiner kolorierten Tuschezeichnung „Angeln vor Sandy Hook“ aus dem Jahr 1929 für 6.500 Euro (Taxe 1.000 EUR). Ihr Augenmerk richteten die Kunden besonders auf Fritz Reuter und nahmen dessen traditionell orientierten Blick aus dem Düsseldorfer Atelier im Winter von 1935 für 5.200 Euro (Taxe 1.000 EUR) sowie vor allem seine kritische Selbstreflexion im Spiegel von 1925 für 11.000 Euro mit (Taxe 2.000 EUR).

Auch bei Willi Müller-Hufschmids frontalem Bildnis einer Zigeunerin um 1922 griffen sie mit 8.500 Euro beherzt zu (Taxe 1.500 EUR), ebenso bei Walter Schulz-Matans unwirklich nächtlichem und zugleich taghellem Städtchen von 1921 mit 7.000 Euro (Taxe 4.000 EUR), während sich Rudolf Schlichters 1954 aquarelliertes Portrait seiner Ehefrau „Speedy mit Katze“ mit 9.000 Euro begnügen musste (Taxe 10.000 EUR). Auch wenn sie in sich versunken ist und nicht mit dem Betrachter kommuniziert, setzte Werner Heuser 1929 bei seiner „Frau mit gelber Stola“ noch auf ein weibliches Schönheitsideal, für das sich der Wert nun auf 12.000 Euro vervierfachte. Davon ist bei Ernst Thoms’ nackter Frau im Zimmer bei der „Morgentoilette“ in der grobschlächtigen Malweise nur noch wenig zu spüren; dennoch ging es bei der kraftvollen Gouache von 1923 mit 16.000 Euro gleichfalls deutlich bergauf (Taxe 7.000 EUR).

Frauen bestimmten den Verlauf der Auktion

Einen nicht unerheblichen Anteil am guten Resultat der Versteigerung hatten einige Künstlerinnen der Moderne. Während Käthe Kollwitz mit ihrem für 4.500 Euro veräußerten, ausdrucksstarken Holzschnitt „Schlafende mit Kind“ zu den geläufigen Namen zählt, dürfte die 1941 in Hamburg verstorbene Malerin Paula Gans nur den wenigsten bekannt sein. Dennoch blieb ihre aquarellierte lockere Federzeichnung des ligurischen Küstenorts Arma di Taggia von 1936 mit 1.300 Euro nicht unbeachtet (Taxe 250 EUR). Positiv lief es zudem für Elisabeth Epsteins zartfarbiges Stillleben mit Früchten auf einem runden Tisch von 1945 mit 18.000 Euro (Taxe 15.000 EUR), Hedwig Marquardts stärker kubistisch aufgespaltenes Stillleben samt zentraler Vase mit 3.800 Euro (Taxe 2.500 EUR) oder Jeanne Mammens karikierendes Profilbildnis „La citoyenne Sorgue“ um 1910/14 mit 8.500 Euro (Taxe 4.000 EUR). Für Gerta Overbecks sozialkritisches Aquarell „Die Buckelige“ von 1922, die durch Häuserschluchten mit Stock dahinwankt, wurden 3.400 Euro bewilligt (Taxe 900 EUR), für Margarete Kubickas farbleuchtendes abstraktes Aquarell mit dem Titel „Der Blick in die Freiheit des Weges“ aus dem Jahr 1955 gute 10.500 Euro (Taxe 2.000 EUR). Hannah Höch steuerte dann noch ihre Tuschezeichnung „Frühling“ um 1931 für 7.000 Euro (Taxe 3.000 EUR) und das Aquarell „Flora“ aus dem Jahr 1942 in dadaistisch-surrealem Einschlag für 12.000 Euro bei (Taxe 2.000 EUR).

Bei den Skulpturen musste das Highlight, Georg Kolbes während des Zweiten Weltkriegs nur als Zinkguss ausgeführter Frauenakt „Jugend“, bei 50.000 Euro wieder die Heimreise antreten. Für Hermann Blumenthals von einem griechisch archaischen Formvokabular inspirierte Bronzen aus den 1930er Jahren war der Zuspruch geteilt: Sein „Schreitender mit Tuch“ begnügte sich mit 9.500 Euro (Taxe 12.000 EUR), während sein „Stehender mit erhobenen Armen“ seine Schätzung auf 10.000 Euro verdoppeln konnte. Einträglich waren wiederum die 6.000 Euro für Kurt Edzards lebendig-bewegten „Boxer Hans Breitensträter“ von 1924 (Taxe 2.000 EUR), die 9.000 Euro für Gustav Seitz’ in der Körpermitte betonte „Stehende“ (Taxe 7.000 EUR) oder die 3.200 Euro für Waldemar Grzimeks kleine Bronze „Badende (Variante II)“ von 1975 (Taxe 2.500 EUR). In die Abstraktion ging es dann mit Günter Haese und seinem filigranen kinetischen Drahtgebilde aus verlöteten Spiralen, Federn und Gitterkügelchen um 1981, das mit 16.000 Euro bei den Sammlern gut ankam (Taxe 10.000 EUR). Gefallen fanden die Kunden auch an den spielerischen materialreichen Schöpfungen des 2012 in Worpswede verstorbenen Heini Linkshänders, etwa an einer Kreuzform aus Holz mit applizierter Dose und roten Farbresten für 3.400 Euro oder an der aus Streichholzschachtel, Post- und Eintrittskarten sowie Wachs gestalteten Collage „Ich war bei Schwitters in Hannover“ um 2000 für 3.600 Euro (Taxe je 600 EUR).

Zu den jüngeren Kunstschaffenden zählte der eben mit einer Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle bedachte, 1954 geborene Werner Büttner, dessen ironisches Gemälde „Stillleben mit erregten Formen“ von 1985 im Stil der Neuen Wilden sich bei 25.000 Euro durchsetzte (Taxe 15.000 EUR). Nur zwei Jahr älter als Büttner, aber schon verstorben ist Günther Förg, dessen sechs schwarzweiße Architekturfotografien mit einem Blick für das Konstruktive an der Fassade oder in Innenräumen von 1995/96 bei 4.600 Euro überzeugten (Taxe 900 EUR). Katharina Grosse gesellte sich mit den vier Lithografien ihrer Mappe „Cokeypane“, auf denen sie 2011 amorphe Farbstrukturen suchte, für 8.600 Euro hinzu (Taxe 4.000 EUR). Fast komplett auf den Gehalt der Farbe setzte Raimer Jochims 2003 bei seiner tiefblauen, auf oval ausgeschnittener Pressholzplatte aufgebrachten Acrylmalerei „Andersheit“ und generierte damit 6.800 Euro (Taxe 4.000 EUR).

Wieder dem Figurativen, fast schon Altmeisterlichen haben sich Dieter Kraemer und Hans Reiser verschrieben. Kraemers technisch präzises und wohl geordnetes „Stillleben mit Kanne und Brokkoli-Gemüse“ von 1986 ging für 4.000 Euro weg (Taxe 1.000 EUR), sein ebenso von der Faszination für Alltagsdinge erfüllter „Tisch in der Villa Massimo“ von 1979 für 5.400 Euro (Taxe 3.000 EUR). Reiser arbeitet sich mit gleicher verblüffender Detailfreude an kunsthistorischen Vorbildern ab und kreiert geistreiche fantastische Bildräume, etwa sein Doppelportrait „Schattenmorellen“ vor einer Weltlandschaft von 1987 für 2.400 Euro oder die Leinwand „Der Kentaur“ als halbmechanisches Spielzeug von 1989 für 12.000 Euro (Taxe je 2.400 EUR). Titus Schade bevorzugt in seinem Bildrepertoire Häuser, allerdings sind es meist unbehauste Orte, die aus der Zeit gefallen sind, wie bei seinem Gemälde „Modellhaus Typ: Doppelhaus mit unterschiedlichen Hälften“ von 2012 mit steilen Dächern und Fachwerkanklängen, das nun 2.400 Euro verlangte (Taxe 1.500 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95

Startseite: www.lehr-kunstauktionen.de



27.01.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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