Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther

Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach

Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /
© Kunstmarkt Media


Anzeige

Heinz Mack, Ohne Titel (N 9471), 2021 / Heinz Mack

Heinz Mack, Ohne Titel (N 9471), 2021 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Ein hoher Absatz und manche Wertsteigerung bestimmten die Zeitgenossen-Auktion im Dorotheum. Doch auf einigen teuren Werken blieb der Wiener Versteigerer sitzen

Figuration schlägt Abstraktion



Es sollte ein Fest der ungegenständlichen Kunst seit 1945 werden, was das Dorotheum für seine Auktion Anfang Dezember zusammengetragen hatte. Doch dann setzte sich unerwartet Kenny Scharf mit seiner bunt wirbelnden Figuration „Sugar“ an die Spitze der Zuschlagsliste. Das Großformat von 2008/09, das von der Pop- und Comic-Ästhetik der New Yorker Kunstszene in den 1980er Jahren geprägt ist, in die Kenny Scharf damals abgetaucht war, ist von Zeitungs- und Werbungsausschnitten übersät. Darüber ziehen sich charakteristische wurm- und schlangenartige Fantasiewesen, entlehnt aus der quietschbunten Graffiti-Welt, und hinterlassen in ihrer freundlichen Art ein klebriges Kaugummi-Universum. An diesem „Pop Surrealism“, wie Scharf seine aus dem Unterbewussten gespeiste Kunst bezeichnet, biss sich nun ein Bieter am Telefon fest. Denn statt der anvisierten 90.000 Euro konnte er die Konkurrenz erst bei 340.000 Euro aus dem Rennen werfen.


Den Spitzenplatz hätten am 1. Dezember in Wien eigentlich die dichten, schwarzen Strichbündel auf der Leinwand „T 1959-5“ einnehmen sollen, mit denen Hans Hartung 1959 Licht und Schatten, Struktur, Textur und Luftigkeit untersuchte. Doch bei 350.000 bis 400.000 Euro wollte niemand zuschlagen. Auch sein Informel-Kollege Emilio Vedova hatte das Nachsehen: Sein energisches schwarz-weißes Strichgewitter „Visione Contemporanea“ blieb trotz seines Auftritt bei der venezianischen Biennale im Entstehungsjahr 1952 liegen; es hätte 280.000 bis 360.000 Euro einspielen sollen. Rang Zwei gebührte daher Georges Mathieu und seinem gestisch flott in Rot und Schwarz auf die Leinwand geworfenen „Uranus II“ von 1953 bei 280.000 Euro (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Aus Mathieus Spätwerk listete der Katalog die ebenso entschlossene, aus einem Zentrum sprühende Explosion „Flammes d’eau“ für gute 95.000 Euro (Taxe 65.000 bis 85.000 EUR), während seine frühe, eher ruhige und von einem breiten schwarzen Rahmen eingezwängte rote Farbschrift von 1960 bei 70.000 bis 100.000 Euro niemanden überzeugen konnte.

Trotz weiterer teurer Ausfälle, etwa noch Raoul De Keysers zwischen zwei Farbflächen und einer Landschaft changierende Leinwand „The Unanswered Question“ von 1972 (Taxe 130.000 bis 220.000 EUR) oder Otto Pienes rote Feuergouache mit schwarzem Brandfleck von 1967 (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR), konnte das Dorotheum mit einer hohen losbezogenen Verkaufsrate von 85,5 Prozent und einigen schönen Wertsteigerungen aufwarten. Diese gebührten einigen österreichischen Künstlern, unter anderem Hermann Nitsch. Sein drei Meter breites Schüttbild aus dem 6-Tage-Spiel auf Schloss Prinzendorf von 1998, auf dem Blut und rote Acrylfarbe vom oberen Rand herablaufen, verbesserte sich von 60.000 Euro auf 110.000 Euro, sein gleichfalls großformatiges, von roter Farbe und Pflastern übersätes „Reliktbild“ aus dem Jahr 1982 von 25.000 Euro auf 55.000 Euro. Jubilieren konnte auch Max Weiler, dessen abstrakte, noch von der Zeichnung geprägte Landschaftserinnerung „3 Blumen unter roter Wolke“ von 1989 ebenfalls 110.000 Euro einheimste (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR).

Gewinnbringend schlossen sich daran Otto Muehl mit dem Caravaggio nachempfundenen Gemälde „der kranke bacchus“ von 1986 in plakativer Pop Art-Manier bei 130.000 Euro (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR) und Martha Jungwirth mit einem unbetitelten Aquarell samt violetter Farbwolke und den dazu passenden Spritzern aus der 2005 entstandenen Serie „Kambodscha“ bei 70.000 Euro an (Taxe 37.000 bis 45.000 EUR). Taxgereicht platzierten sich Arnulf Rainers frühe, fast mystische „Schwarze Übermalung“ aus den Jahren 1953/54 bei 170.000 Euro, Hans Bischoffshausens mit gleicher Farbe, aber auch Goldlack agierendes hochrechteckiges Halbrelief von 1962 bei 45.000 Euro und Markus Prachenskys ebenfalls auf schwarzem Grund aufgebrachte Kreis- und Hackenform in Blau und Rot unter dem Titel „California revisited“ von 2001 bei 46.000 Euro.

Geheimnisvolle Botschaften

Mit Werten im sechsstelligen Bereich konnten noch einige weitere Abstrakte der Nachkriegsepoche glänzen, unter anderem Serge Poliakoff mit seinen um 1955 verzahnten Farbfeldern „Orange noir“ für 130.000 Euro (Taxe 110.000 bis 160.000 EUR). Darauf folgten Gerhard Hoehme mit seiner hellen Mischtechnik „Impuls und Empfängnis“ von 1962, auf der man Buchstaben und Ziffern zu erkennen meint, für 100.000 Euro (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR) und Tancredi mit seinen teils in die Farbe geritzten Kringelwelten in Rot, Weiß, Schwarz und Gelb auf einem Kästchenmuster von 1954 für untertourige 105.000 Euro (Taxe 120.000 bis 160.000 EUR). Auch Nicola de Maria griff auf Rechtecke zurück, um seine Leinwand zu strukturieren, setzte aber auch wenige farbige Kreise auf den gelben Grund und brachte darüber Stern- und Blattformen in Weiß auf. Schließlich gab der Vertreter der Transavanguardia seinem Gemälde noch den verschlüsselten poetischen Titel „Ascolta il suono e la musica del regno dei fiori“ – „Lausche dem Klang und der Musik des Blumenreichs“. 75.000 Euro waren nun sein Lohn (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR).

Bei den Italienern reüssierten noch Afro Basaldellas kreidig-wattiges Pastellblatt „Figura distesa“ von 1953 bei 40.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR), Carla Accardis rot umrandetes Formenpuzzle „Pieno Giorno“ von 1985 aus grünen Teilen mit schwarzem Rahmen bei 58.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) und vor allem Michelangelo Pistoletto. Zur venezianischen Biennale im Jahr 2003 präsentierte er seine Installation „Love Difference – Artistic Movement for an InterMediterranean Politic“ und dazu einen großen Spiegeltisch in Form des Mittelmeerbeckens, um den herum Stühle aus den Anrainerländer aufgestellt waren, um die Teilnahme und den gemeinsamen Dialog zu symbolisieren. Danach entstand das querrechteckige Achteck „Love Differnce“ aus Spiegelglas mit der Silhouette des Mittelmeers, das jetzt von 38.000 Euro auf 110.000 Euro schnellte.

Gefragt war im Dorotheum auch die Kunst von Karel Appel. Schon seine bunt-fröhliche Abstraktion eines Tieres, wohl einer Katze, aus dem Jahr 1951 legte auf 110.000 Euro zu. Noch besser lief es für seine ebenfalls flächigen, fidelen, aus knalligen Farben komponierten „Personnages“ von 1970 mit 130.000 Euro (Taxe je 50.000 bis 70.000 EUR). Bei den Amerikanern suchten die Kunden Köpfe und nahmen Andy Warhols Umrisszeichnung mit dem Konterfei Sigmund Freuds für 70.000 Euro (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR) und James Browns titelloses Gemälde einer rituellen Maske aus dem Vokabular indigener Völker von 1983 für 75.000 Euro mit (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Eher unbeschwert ging es auf der collagierten Entwurfsskizze „The Umbrellas (Project for Japan and Western USA)“ von Christo und Jeanne-Claude aus dem Jahr 1986 zu; die blaue Schirmschlange, die sie für Japan vorgesehen hatten, erreichte mit 100.000 Euro noch einmal die Sechsstelligkeit (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Nicht ganz soviel Glück hatten bei diesem Zuschlagswert Sigmar Polke und seine gleichaltrige, eher untypische Farbschmiererei mit zwei weißen Handabdrücken, für die mindestens 120.000 Euro vorgesehen waren. Mehr Engagement auf Sammlerseite rief Günther Förgs kleine titellose Holztafel von 1997 mit einer für ihn charakteristischen flimmernden Gitterstruktur bei 45.000 Euro hervor (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Bis zum Nachverkauf musste dann die Französin Fabienne Verdier warten, um ihr „Ligne espace – temps no. 5, polyptic (10)“ von 2009 an den Käufer zu bringen. Das großformatige Werk mit einer schwarzen Linie neben zwei riesigen, mit monströsen Malwerkzeugen aufgebrachten Pinselflatschen kam nur auf 95.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Humor und Antike sorgen für Zugkraft

Auch einige plastische Werke hatte das Dorotheum in seinen ersten Teil der Versteigerung mit Gegenwartskunst aufgenommen, die fast durchweg einen Abnehmer fanden. Erwin Wurms humorvoller silbriger Aluminiumguss „Hint“ von 2012 mit einem verzogen dastehenden VW-Bus ging bei 55.000 Euro weg, Césars zu einem bunten Quader kompakt gepresste Metallkanister von 1991 für gute 64.000 Euro (Taxe je 40.000 bis 60.000 EUR) und Pablo Atchugarrys weiße, kühl unnahbare Marmorfaltung von 2016 für 55.000 Euro (Taxe 38.000 bis 55.000 EUR). Auf antike Vorbilder bezogen sich Igor Mitoraj bei seinem für 60.000 Euro an der oberen Schätzgrenze veräußerten Bronzefragment des überdimensionierten Kussmunds „Bocca di Eros“ von 1999 und Arman bei seiner Venus-Gestalt von 1997. Den Bronzeguss hatte er wie üblich gespalten und mit zahlreichen geschweißten Eisenschlössern à la Dalí überzogen. Die „Bien Gardè / J’ai un Secret“ darf nun der neue Besitzer bei 55.000 Euro gut hüten (Taxe 38.000 bis 50.000 EUR). Einen unscheinbaren Büroangestellten mit Aktentasche goss der Belgier Jean-Michel Folon in seinem Todesjahr 2005 in Bronze und nahm für seinen „Homme sans bagage“ gute 50.000 Euro ein (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Das erfreuliche Abschneiden Folons setzte sich einen Tag später im Dorotheum bei den günstiger bewerteten Arbeiten des zweiten Auktionsteils fort, der sich mit Dreivierteln übernommener Positionen wiederum gut schlug. Seine überlange Stele „Oiseau“ von 1992 stieß bei 22.000 Euro auf Anklang (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), seine ebenfalls reduzierte Bronzegestalt „L’homme et son ombre“ von 2005 bei 32.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Die Grenze von 100.000 Euro überschritt hier noch Andy Warhol mit dem unikaten Probeabzug seines bekannten Siebdrucks „Red Lenin“ von 1987 bei einer Verdoppelung der Schätzung auf 110.000 Euro. Auch die Italienerin Carla Accardi tat sich hier ein weiteres Mal hervor und setzte ihre optisch flirrenden Schriftzeichenbahnen in der titelgebenden Farbstellung „Verderosso“ von 1975 bei gewinnbringenden 50.000 Euro ab (Taxe 22.000 bis 32.000 EUR). Über diesen Preis für ihre lustige Glasskulptur „Pineapple Head“ von 1995 durfte sich Kiki Kogelnik gleichfalls freuen (Taxe 14.000 bis 22.000 EUR). Einträglich waren zudem die 34.000 Euro für Ernst Wilhelm Nays locker schwebende Farbscheiben auf einem Aquarell von 1959 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), die 22.000 Euro für Luciano Castellis 2002 flott in Schwarz skizzierten, erotischen Frauenakt (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR) oder die 32.000 Euro für Maria Lassnigs seltsame Körperformen auf dem Aquarell „Mann und Frau“ am Strand von 1991 (Taxe 16.000 bis 28.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



11.02.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 10

Seiten: 1  •  2

Events (1)Adressen (1)Kunstsparten (4)Stilrichtungen (3)Berichte (1)

Veranstaltung vom:


01.12.2021, Zeitgenössische Kunst I + I

Bei:


Dorotheum

Kunstsparte:


Malerei

Kunstsparte:


Skulptur

Kunstsparte:


Zeichnung

Kunstsparte:


Arbeiten auf Papier

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Stilrichtung:


Abstrakte Kunst










Copyright © '99-'2022
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce