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Der Würzburg Kulturspeicher entdeckt einen frühen deutschen Impressionisten und zeigt vergessene Meisterwerke Ludwig von Gleichen-Rußwurms

Ebenbürtig



Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft bei Bonnland im Frühsommer, 1893

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft bei Bonnland im Frühsommer, 1893

Vielleicht lag es an seinem frühen Tod im Jahr 1901, als sich der Impressionismus in Deutschland erst so richtig behauptete, vielleicht auch an der Tatsache, dass er nicht zum Gelderwerb und für einen Kunstmarkt produzieren musste, dass Ludwig von Gleichen-Rußwurm neben Liebermann, Slevogt oder Corinth bis heute eher ein Schattendasein führt. Dabei gehörte er zu den innovativen deutschen Künstlern, die sich ab Mitte der 1870er Jahren einer von Frankreich inspirierten realistischen Freilichtmalerei zuwandten, in den 1880er Jahren ihre Palette nochmals aufhellten und damit dem Impressionismus in Deutschland zum Durchbruch verhalfen. Die Präsentation seines Werks in Einzelausstellungen seit dem Zweiten Weltkrieg ist eher dürftig: 1957 gab es in Würzburg eine Gedächtnisausstellung, der 1983/84 eine weitere folgte; als Enkel Friedrich Schillers veranstaltete 1995 dann das Deutsche Literaturarchiv in Marbach für Gleichen-Rußwurm eine Personale, da ein Teil seines Nachlasses im Bestand des Archivs aufbewahrt wird. Das war’s!


Dabei hob schon um 1900 der einflussreiche Kunstkritiker Julius Meier-Graefe die Pionierrolle Ludwig von Gleichen-Rußwurms hervor: Er sei der derjenige, der zuerst ganz allein den Impressionismus in die deutsche Malerei eingeführt habe. Nach einer ersten Station in Weimar im vergangenen Jahr unternimmt nun Würzburg einen weiteren Anlauf, das Schaffen Gleichen-Rußwurms seinem Rang entsprechend zu würdigen. Mit der Ausstellung „Landschaften im Licht“ legt das Museum im Kulturspeicher eine umfassende Retrospektive für den Maler mit über 100 Werken vor, mit der Kuratorin Henrike Holsing dem Künstler eine neue Aufmerksamkeit verleihen möchte. Dabei kann sie sich zu einem großen Teil auf den eigenen Bestand stützen; denn Gleichen-Rußwurms Sohn Alexander verkaufte der Stadt Würzburg um 1944/45 Kunstwerke aus seinem Erbe gegen eine Leibrente. Ein weiterer bedeutender Teil des Nachlasses gehört heute zur Klassik Stiftung Weimar; der Künstler selbst hatte ab 1872 eigene Bilder, vor allem grafische Arbeiten, dem damaligen Großherzoglichen Museum in Weimar geschenkt. Nach seinem Tod kam dann noch ein Gros seiner Skizzenbücher dazu. Das übrige lagert im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Gegenüber dem Impressionisten Dreigestirn Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth tauchen Gleichen-Rußwurms Arbeiten nur sporadisch auf dem Kunstmarkt auf und werden bei weitem nicht so hoch gehandelt, wie die seiner bekannteren Kollegen.

Der einzige Enkel Friedrich Schillers kam 1836 auf Schloss Greifenstein bei Bonnland nahe der unterfränkischen Stadt Hammelburg zur Welt. Seine Mutter Emilie war die jüngste Tochter des großen Dichters, sein Vater Adalbert bayrischer Kammerherr. Die Rolle als Landedelmann war Ludwig von Gleichen-Rußwurm daher vorherbestimmt. Doch schon in seiner Schulzeit zeigte sich sein zeichnerisches Talent. Nach dem Abitur studierte er in Jena, Heidelberg und Genf und absolvierte die Landwirtschaftliche Akademie in Stuttgart-Hohenheim, um später das väterliche Gut zu leiten. 1859 heiratete er die holsteinische Baronin Elisabeth von Thienen-Adlerflycht. Das frisch vermählte Paar zog nach Schloss Greifenstein und half bei der Verwaltung des Gutes. Im November 1865 wurde sein Sohn Alexander geboren. Nur einen Monat später starb seine junge Ehefrau.

Dieser schmerzliche Verlust veranlasste Gleichen-Rußwurm, seinem Leben eine neue Richtung zu geben: Er wandte sich wieder verstärkt der Kunst zu. Ab 1869 studierte er dann an der Kunstschule in Weimar bei Max Schmidt und ab 1871 bei Theodor Hagen, der ihn mit der Freilichtmalerei der Schule von Barbizon vertraut machte. Mit einer Auswahl von 25 Gemälden und über 80 Arbeiten auf Papier begleitet die Ausstellung in Würzburg ihre Besucher*innen durch die künstlerische Entwicklung des Aristokraten, angefangen bei der realistischen Auffassung der Weimarer Malerschule zu der Hellfarbigkeit und Lichtfülle des Impressionismus. Dabei war die Begegnung mit dem Schaffen Claude Monets ein Erweckungserlebnis. Zu Beginn des Jahres 1889 sah er bei einer Vortragsreihe des Hamburger Kunstkritikers und Sammlers Emil Heilbut über die französische Kunst im 19. Jahrhundert in Weimar drei Gemälde Montes im Original. Das schlug sich noch im selben Jahr in seiner Kunst nieder. Ludwig von Gleichen-Rußwurm hellte sein Kolorit weiter auf, setzte neue Schwerpunkte auf der Lichtwirkung und gestaltete mit einem freieren Pinselstrich, etwa bei seinem Gemälde „Die große Bleiche“, das mit einem Zuschlag von 44.000 Euro bei Van Ham seit 2018 die Spitzenposition in seinem Auktionsranking besetzt.

Ebenso rückte er verstärkt von den bäuerlichen Sujets des früheren, von der seiner Tätigkeit als Landbesitzer geprägten Schaffens ab. Stand bei seinen „Bäuerinnen auf dem Weg zur Feldarbeit“ von 1873 und bei der gleichaltrigen „Kartoffelernte“ noch die rurale Lebenswelt der Menschen im schwermütigen Stil des Realismus im Mittelpunkt, ersetzte er in der „Landschaft bei Bonnland im Frühsommer“ von 1896 die Landarbeiter durch eine vornehm in Weiß gekleidete Spaziergängerin mit rotem Sonnenschirm. Ein direkter Reflex auf Claude Monet scheint in der Wahl der Farben und des Motivs sowie im unmittelbaren Eindruck sein um 1890 entstandenes Gemälde „Auf der Klippe von Helgoland“ zu sein. Die Natur als Erholungs- und nicht als Arbeitsort aufgefasst, war sowohl für Gleichen-Rußwurms Werke, als auch für die Kunstwelt im Allgemeinen revolutionär; denn nach den Industrialisierungsprozessen, die 1896 schon fortgeschritten waren, gab es erstmals Menschen, die von Erwerbstätigkeiten weitgehend freigestellt waren.

Dennoch blieb die unterfränkische Landschaft um Bonnland eine Konstante im Schaffen Gleichen-Rußwurms, etwa bei seiner lichtdurchfluteten „Heuernte“ oder bei seinem pastelligen „Herbstfeuer“ von 1889. Den hier entstandenen Eindrücken einer landwirtschaftlich geprägten Kultur stellte er jedoch vor allem in seinen Aquarellen und Radierungen auch Bilder des modernen Lebens gegenüber. So kommt er schon mit seinem Aquarell des Strands von Trouville aus dem Jahr 1881 dem mondänen Leben der höheren Gesellschaft in Eugène Boudins Gemälden nahe, mit seinen Radierungen „Regnerische Vorstadtstraße“ von 1878 und „Kutsche im Regen“ von 1888 aus Paris gelingen ihm die gleichen Licht- und Schattenreflexe auf nassen Straßen wie in Lesser Urys Berliner Veduten. Den Schlossgarten in Bonnland verewigte er 1897 malerisch mit einem Dach aus dichten Blättern, unter dem im Hintergrund klein eine weibliche Gestalt sitzt und in ihre Lektüre vertieft ist.

Gleichen-Rußwurms Vorreiterrolle wurde noch zu Lebzeiten gewürdigt, etwa durch die Teilnahme an den progressiven Sezessions-Ausstellungen in Berlin und München. Der Berliner Kunstsalon von Bruno und Paul Cassirer, der eine maßgebliche Rolle bei der Propagierung des Impressionismus in Deutschland spielte, widmete ihm im Winter 1900/01 eine umfangreiche Retrospektive, ergänzt mit Bildern Camille Pissarros und Alfred Sisleys. Nach Gleichen-Rußwurms Tod im Juli 1901 organisierte Theodor Hagen aus dem künstlerischen Nachlass eine große Überblicksschau in Weimar. Das dortige Großherzogliche Museum richtete ihm 1910 und 1918 umfangreiche Retrospektiven aus. Dann wurde es aber recht still um Gleichen-Rußwurm. Sein letztes, schon expressiv gestaltetes Gemälde „Landschaft mit Windmühle“ von 1901 ist nun ebenfalls in Würzburg zu sehen und macht deutlich, dass Gleichen-Rußwurm in mehrfacher Hinsicht an der Schwelle zur Moderne stand – ein weiterer Faktor, diesen Künstler wiederzuentdecken.

Die Ausstellung „Landschaften im Licht. Der Impressionist Ludwig von Gleichen-Rußwurm“ läuft bis zum 15. Mai. Das Museum im Kulturspeicher hat dienstags von 13 bis 18 Uhr, mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro und ist für Kinder bis 6 Jahre frei, ebenso für alle am ersten Sonntag im Monat. Der Katalog aus dem Sandstein Verlag kostet an der Museumskasse 30 Euro.

Kontakt:

Museum im Kulturspeicher

Oskar-Laredo-Platz 1

DE-97080 Würzburg

Telefon:+49 (0931) 322 250

Telefax:+49 (0931) 322 25 18



16.03.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Felice Ernst

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05.02.2022, Landschaften im Licht. Der Impressionist Ludwig von Gleichen-Rußwurm

Bei:


Museum im Kulturspreicher Würzburg

Kunstsparte:


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Malerei

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Stilrichtung:


Impressionismus

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Das Flüchtige formen

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Ein Sommer von und für Liebermann

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Berlin feiert Max Liebermann







Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft mit Windmühle, 1901

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Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Schnitterinnen bei der Ernte, 1879

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Schnitterinnen bei der Ernte, 1879

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Am Strand auf Norderney, 1890

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Am Strand auf Norderney, 1890

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Kutsche im Regen (Paris), 1888

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Kutsche im Regen (Paris), 1888

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Kartoffelernte, 1873

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Kartoffelernte, 1873

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Heuernte, 1889

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Heuernte, 1889

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Herbstfeuer, 1889

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Ludwig von Gleichen-Rußwurm, In der Gärtnerei, 1892

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, In der Gärtnerei, 1892

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Bäuerinnen auf dem Weg zur Feldarbeit, 1873

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Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Strand von Trouville, 1881

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Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Die große Bleiche, 1889

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Die große Bleiche, 1889

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Auf der Klippe von Helgoland, um 1890

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Auf der Klippe von Helgoland, um 1890




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