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Die Albertina lässt in Wien über 60 Werke Edvard Munchs auf sieben Positionen der Gegenwartskunst treffen und sucht nach dem Einfluss des norwegischen Existenzialisten auf die jüngeren Generationen

Dialogischer Schrei



Edvard Munch, Das kranke Kind, 1907

Edvard Munch, Das kranke Kind, 1907

Edvard Munch war schon zu Lebzeiten ein Künstler, der für seine Modernität, seine verhaltene Farbigkeit, den fließenden Pinselstrich, aber vor allem wegen seiner Themen und Motive bewundert wurde, dem andererseits aber immer wieder auch starke Ablehnung entgegenschlug. Der 1863 im norwegischen Løten geborene Maler und Grafiker gilt als Wegbereiter der Moderne, als radikaler Maler und Vertreter des Symbolismus und Expressionismus. Mit seinen ikonischen Darstellungen von verlorenen Paaren in weiten Landschaften und düsteren Augenblicken stand er bis zu seinem Tod 1944 für den Existenzialismus in der Kunst. Munchs Auseinandersetzung mit den tiefsten menschlichen Gefühlen wie der Einsamkeit und der Liebe ebenso wie seine Beschäftigung mit dem Tod sind schonungslos und eindringlich. Die eigene Lebenseinsamkeit war ihm Last und Stimulans zugleich: Schwermut, Verzweiflung, Stille, Leidenschaft und Sehnen sind seine Themen, die er in teils dramatischen Visionen zur Darstellung brachte.


Für seine existenziellen Themen fand er radikal neue Formen des Ausdrucks. Konsequent überschritt er die historischen Gattungsgrenzen zwischen Malerei und Druckgrafik, und ein unkonventioneller Umgang mit Motiv und Material eröffnete bereits zur Jahrhundertwende einen Ausblick ins fortgeschrittene 20. Jahrhundert. Die Malerei von Edvard Munch war revolutionär, und die Spuren der künstlerischen Beschäftigung mit seinem Werk sind bis heute auszumachen. Was junge Künstlerinnen und Künstler an Munch fasziniert, wurde bereits mehrfach in den Ausstellungen „Munch after Munch“ 1996 in Amsterdam und Oslo, „Echoes of the Scream“ 2001 im Arken Museum für moderne Kunst bei Kopenhagen oder 2005 in den Dortmunder Museen am Ostwall und für Kunst und Kulturgeschichte mit „Munch revisted“ wirkungsgeschichtlich anschaulich dargeboten.

Nun startet die Albertina in Wien einen erneuten Versuch und stellt in einer umfangreichen Schau vor allem das Spätwerk von Edvard Munch in einen Dialog mit sieben Künstlerinnen und Künstlern, um aus der Perspektive von heute rückzublicken und zu klären, was an Munch noch immer umtreibt und inspiriert. Großzügig und über viele Säle breitet sich die Präsentation im zweiten Stock aus: die Arbeiten von Edvard Munch sind zeitlich chronologisch angeordnet, unterbrochen von sieben Räumen, die sich mit Werken von Tracey Emin, Miriam Cahn, Marlene Dumas sowie Andy Warhol, Jasper Johns, Georg Baselitz und Peter Doig je einer zeitgenössischen Position widmen.

Beginnend bei Munchs frühen Landschaften, Aktbildern und Schlüsselwerken wie „Das kranke Kind“, in dem Munch den frühen Tod der Schwester verarbeitete, führt der Ausstellungsparcour zunächst zu den großformatigen zwischen 1993 und 2019 entstanden Zeichnungen und Gemälden von Miriam Cahn. Durch ihre Mimik und Gestik bringen die entpersonalisierten Figuren, die scheinbar schwerelos in einem undefinierbaren Raum schweben, in ohnmächtiger Verzweiflung und zugleich zügelloser Aggression ihre Angst zum Ausdruck. Sie verkörpern Einsamkeit und Ausgeliefertsein, kommunizieren stark über ihre Gestik und erinnern in ihrer Entindividualisierung an das geschlechtslose Wesen, das in Munchs Schrei mit erschrockenem Gesichtsausdruck und weit aufgerissenem Mund sein Entsetzen über die Erkenntnis bekundet, dass der Mensch letzten Endes auf sich allein gestellt ist. Durch die Zurücknahme des Individuellen bei Cahn ebenso wie bei Munch werden die Personen auf den Bildern zu Stellvertretern der Menschheit schlechthin.

Sehr verschieden dagegen ist die Auseinandersetzung der beiden Künstler mit Themen wie Liebe und dem Verhältnis der Geschlechter. Während bei Miriam Cahn der Aspekt der Sexualität starke Präsenz besitzt und offen angesprochen wird, rückt er bei Munch in den Hintergrund. In den Werken der Schweizerin richtet sich eine kraftvolle Weiblichkeit mit Vehemenz gegen eine männliche Vorrangstellung, Zorn und Wut sind dabei wesentliche Katalysatoren. Munchs Männerbild, das zumeist in enger Verbindung zur eigenen Person steht, präsentiert sich melancholisch, sentimental und verletzlich. Bei Cahn dominiert hingegen ein starker feministischer Ansatz, der von einer männlichen Prädominanz ausgeht, gegen die es anzukämpfen gilt.

Existentielle Themen verbinden nicht nur Cahns Œuvre, sondern auch dasjenige von Marlene Dumas mit Edvard Munch. Die 1953 in Kapstadt geborene Künstlerin beschäftigt sich mit Grundfragen des menschlichen Daseins, rückt Themen wie Liebe, Identität, Tod und Trauer ins Zentrum und schließt damit an die inhaltlichen Schwerpunkte Munchs an. Während Dumas Fotos, Zeitungsausschnitte und Filmstandbilder als Quellenmaterial verwendet, nutzte Munch seine experimentellen Fotografien als Inspirationsquellen und maß ihnen präfigurativen Charakter zu. Seine motivischen und thematischen Auseinandersetzungen mit dem Thema des Verschwindens bilden eine weitere Verbindung zum Schaffen Dumas’. Vergleichbar zu Munch finden sich in ihren Gemälden und Aquarellen radikale Bildausschnitte, Farb- und Formverschmelzungen, Experimente mit dem Farbauftrag, Transparenz und Unvollendetes.

Auch die Bedeutung und Macht von Werktiteln reflektiert Dumas, änderte Munch doch im Laufe der Zeit Titel wie jenen des berühmten Themas des Vampirs von „Liebe und Schmerz“ zu „Vampir“ und merkte Jahrzehnte später an: „In Wirklichkeit ist es nur eine Frau, die einen Mann auf den Nacken küsst.“ Auf einen wesentlichen Unterschied ihrer künstlerischen Praxis zu der Munchs hat Dumas selbst verwiesen: „Munch hat die Natur nicht nachgeahmt, aber er hat sie stärker genutzt als ich es tue. Er sagte: Ich male nicht, was ich sehe, sondern das, was ich gesehen habe. Ich sage, ich male nicht, was ich gesehen habe, sondern was das Gemälde mich sehen lassen will.“ Die FAZ-Redakteurin Rose-Maria Gropp nannte Dumas 2015 „einen Augenöffner erster Klasse“. Wem diese Erkenntnis bisher nicht bewusst war, dem wird sie mit Arbeiten wie „The Trophy“ oder „Nuclear Family“, beide aus dem Jahr 2013, unweigerlich zuteil.

Von den vier männlichen Positionen gelingt es vor allem dem schottischen Maler Peter Doig, mit seinen verrätselten Bildfindungen zu überzeugen. Während Georg Baselitz Munch als großes Idol und sein Werk als prägend für die eigene künstlerische Entwicklung bezeichnet und sich hinsichtlich Maltechnik und der Vorliebe für Serie und Variation eine Verbindung im Schaffen beider Künstler ausmachen lässt, fragt man sich angesichts der „After Munch“-Reihe von Andy Warhol, die Nachzeichnungen mit Fotografien der Originale verbindet, und Jasper Johns’ Variationen eines Deckenmusters, das Munch in seinem „Selbstportrait zwischen Uhr und Bett“ von 1940/43 beschreibt, welche Auseinandersetzung über diese recht formalen Zugänge die Schau leistet.

Umso mehr überzeugt die üppige Zusammenstellung großformatiger Gemälde von Peter Doig, die zwischen 1990 und 2019 entstanden: in Werken wie „100 Years Ago“ von 2001 zeigt Doig den Menschen als verlorenes Individuum, die Natur wird zur Metapher der Einsamkeit. In Anlehnung an Edvard Munch ist es für den Schotten von Bedeutung, sich mit dem Nicht-Sichtbaren auseinanderzusetzen und in seinen Bildern die Ambiguität des formal Dargestellten in den Mittelpunkt zu rücken. In „Echo Lake“ von 1998 bezieht sich Doig unmittelbar auf Munch und dessen Arbeit „Asche“ aus dem Jahr 1895. Die Landschaft und die Verbindung von Mensch und Natur stellen einen direkten Konnex zwischen den beiden Gemälden her. Hinsichtlich ihres Kolorits und ihrer Komposition ähneln sich die Bilder auf formaler Ebene, ebenso weisen sie inhaltliche Affinitäten auf. Doig zitiert Munchs Komposition der weiß gekleideten Frau, die verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, und paraphrasiert sie in der Figur eines Polizisten. In beiden Werken findet sich zudem das Motiv der Spiegelung, das für Doig als Desorientierungsstrategie von großer Bedeutung ist.

Innovative Sichtung und eigenwillige Interpretation bestimmen auch die Position von Tracey Enim, deren Kunstschaffen jenem Munchs vergleichbar, von einer starken persönlichen Komponente ausgehend, tiefe menschliche Emotionen auf die Leinwand bringt. In der Erkundung der eigenen Befindlichkeit und dem Nach-Außen-Kehren der innersten Gefühlswelt bestehen Parallelen zu Munch, dessen Bilder ebenfalls stark autobiografische Züge tragen. Enim geht in ihrem Diskurs noch einen Schritt weiter und hebt die zeitgenössische Rezeption von Munchs Œuvre mit ihrer Arbeit „Hommage to Edvard Munch and All My Dead Children“, gedreht an jenem Pier in Åsgårdstrand, der auch die Szenerie für Munchs „Schrei“ bildet, auf eine neue Ebene. In Emins einminütigem Film, in dem sich die Künstlerin nackt, auf einem Badesteg liegend kauert, wird die bedrückend-erdrückende Stummheit Munchscher Figuren mit einem Male laut. Kaum zu ertragen, hallt der Schrei der Künstlerin noch weit entfernt vom filmischen Bild durch die anliegenden Ausstellungsräume. Enims Hommage entstand 1998 als Reaktion auf eine Abtreibung. Kann der „Dialog mit Edvard Munch“ sechzig Jahre nach seinem Tod aktueller und erschütternder wirken?

Die Ausstellung „Edvard Munch im Dialog“ ist bis zum 19. Juni zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags zusätzlich bis 21 Uhr unter den geltenden Abstands- und Hygieneregeln geöffnet. Der Eintritt beträgt 17,90 Euro, ermäßigt 13,90 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei. Der Ausstellungskatalog kostet 32,90 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 534 83 199

Telefon:+43 (01) 53 48 30

Startseite: www.albertina.at



20.04.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Edvard Munch, Straße in Åsgårdstrand, 1901

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