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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Anlässlich des 150. Geburtstags von Josef Hoffmann zeigt das Wiener Museum für Angewandte Kunst eine überbordende Retrospektive

Die Schaffenssumme eines nationalen Großtalents



in der Ausstellung „Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit“

in der Ausstellung „Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit“

Josef Hoffmann gilt als Pionier und Protagonist der Wiener Moderne. Beispiellos produktiv und kreativ, umtriebig und charismatisch hinterließ er als Architekt, Raum- und Ausstellungsgestalter, Designer von Gebrauchsgegenständen, Lehrer und Funktionär prägende Spuren wie kaum ein zweiter seiner Generation. Ausdauernd verfolgte er das Ideal eines vom wohlgestalteten Purismus beseelten Gesamtkunstwerks. Vom Tafelbesteck über Möbel, Textilien, Keramik, Glas-, Papier- oder Lederarbeiten bis hin zur Architektur oder städtebaulichen Projekten umfasst sein in rund 60 Jahren geschaffenes Œuvre alle gestalterischen Disziplinen. So verwundert es nicht, dass allein der gewaltigen Fülle wegen Lücken in der Forschung bestanden. Sie zu schließen und in die bislang umfassendste Retrospektive zu Josef Hoffmann einmünden zu lassen, war das Bestreben des Kuratorenteams aus Rainald Franz, Matthias Boeckl und Christian Witt-Dörring. Ihre Bestandsaufnahme durchflutet derzeit das Museum für Angewandte Kunst in Wien.


Über 1000 Exponate, speziell Modelle, Pläne, Fotografien, Objekte unterschiedlichster Art bis hin zu Schriftstücken und Installationen, vereint die Ausstellungshalle des Museums. Bislang weniger behandelte Teilbereiche wie etwa die revolutionäre Frühphase oder das Spätwerk konnten die Kuratoren dank erschöpfender Auswertung der Archivbestände nun angemessen berücksichtigen. Trotz der Menge lässt der Parcours keine verwirrende Flatterhaftigkeit aufkommen. Denn entlang eines Zeitstrahls im ringförmigen Umgang chronologisch gegliedert, verschmelzen Lebensstationen mit zeitgleichen Ereignissen und davor präsentierten Arbeiten auf kongeniale Weise. Im Mittelsaal sind Hoffmanns Hauptwerke, das zum UNESCO-Welterbe avancierte Brüsseler Palais Stoclet oder das Sanatorium Westend in Purkersdorf, sowie Kernthemen seiner Entwurfsarbeit samt einer 1:1-Rekonstruktion des berühmten „Boudoir d’une grande vedette“ von 1937 versammelt.

Schon am Anfang der 20 Kapitel werden die abwechslungsreichen Tätigkeiten und Stationen des im Dezember 1870 im mährischen Pirnitz geborenen Bürgermeistersohns deutlich. Das Studium an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Otto Wagner und die zeitweise Mitarbeit in dessen Büro bei Pavillongestaltungen für die Stadtbahn dürften für die ersten eigenen Aufträge zu Ausstellungs- und Raumgestaltungen förderlich gewesen sein. Bereits 1899 wurde Josef Hoffmann zum Professor für Architektur an die Wiener Kunstgewerbeschule berufen, eine Passion, die er bis zur Emeritierung im Jahr 1936 wahrnahm.

Als Gründungsmitglied der Vereinigung bildender Künstler Österreichs, der Secession im Jahr 1897, entwarf er sogleich eine Ausstellungshalle, die dann allerdings nach Plänen von Joseph Maria Olbrich realisiert wurde. Die für Secessionsmitglieder gedachte Künstlerkolonie Hohe Warte konnte Olbrich allerdings aufgrund seines Weggangs nach Düsseldorf nicht mehr ausführen. Hoffmann sprang ein und errichtete ab 1900 seine ersten städtischen Wohnhäuser quasi als Referenzbauten. Gut promotet, trugen die von der englischen Arts & Crafts-Bewegung sowie italienischen Einflüssen inspirierten Häuser zum Start in seine Karriere zwischen 1902 und 1906 bei. Zahlreiche Aufträge für Villen und Innenraumarrangements ereilten ihn nun.

Hoffmanns modernster Bau war das Sanatorium Westend in Purkersdorf vor den Toren Wiens, das heute in seiner Klarheit, formalen Reduktion und innovativen Eisenkonstruktion samt passender Einrichtung als Schlüsselwerk der Architektur gilt. Weiße Rauputzfassaden lassen die Anlage als geschlossenes Volumen erscheinen, wobei dezente Rahmungen auch eine Lesbarkeit als Einzelflächen gestatten. Im Folgejahr 1905 erhielt Josef Hoffmann vom Bankier Adolphe Stoclet den Auftrag zu einem Palais in Brüssel. In dem bis 1911 ausgeführten Bau ordnet sich alles dem Prinzip des Gesamtkunstwerks unter. Die Ausstattung dieses Highlights der Architekturgeschichte bewerkstelligte die von Josef Hoffmann zusammen mit Koloman Moser und Fritz Waerndorfer 1903 zur Reform des Kunsthandwerks gegründete Wiener Werkstätte. Zur Umsetzung einer Flächenkunst im Sinne der Secession kooperierte Hoffmann eng mit Firmen. Für die Textilfirma Johann Backhausen & Söhne etwa entwarf er Wandbespannungen, Teppiche oder Möbelstoffe.

Um 1910 verstärkten sich seine Neigungen zur klassischen Formenwelt und biedermeierlichen Ornamentik. Zum Ausdruck kommt dies bei den 1912 erstellten Entwürfen für den österreichischen Biennale-Pavillon in Venedig, der aber erst um 1934 auf den venezianischen Giardini errichtet wurde. Die letzten Jahre der Monarchie dominierten Interieurs und Ausstellungspavillons, allen voran das Österreich-Haus auf der Kölner Werkbundausstellung von 1914. Bereits 1907 trat Hoffmann als Mitbegründer des Deutschen Werkbundes auf und 1912 als des österreichischen Ablegers. Patriotische Kriegsgräber, Soldatenfriedhöfe oder Ordensentwürfe standen am Ende der Kaiserzeit.

Strenge Strukturen lösen sich in der Folgezeit in einen mehr malerisch-zeichnerischen Duktus auf. Eine freistehende Kommode mit spitzwinklig ausgebuchteten Profilen macht expressionistische Gewichtungen deutlich. Das Möbel schuf Hoffmann 1925 für den österreichischen Pavillon auf der internationalen Kunstgewerbeausstellung in Paris. In Wien vorgefertigt und an der Seine zusammengesetzt, sorgte das Gebäude durch seine konkav-konvexen, horizontalen Lotschnitte an den Fassaden rasch für Aufsehen. Die Kunst- und Architekturkritik feierte den Beitrag als eine der originellsten Schöpfungen auf der „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“. Gekrönt wurde der internationale Erfolg Hoffmanns mit dem Orden der französischen Ehrenlegion.

Private Aufträge waren in den 1920er Jahren rar. Daher gestaltete Hoffmann mehrere hundert Einheiten umfassende Wohnhausbauten für die Gemeinde Wien als großvolumige Kuben mit klassischem Vokabular wie Giebeln, Gesimsen und Torbögen. Bemerkenswert sind darüber hinaus die Anlage eines Prototyps für ein Stahlhaus sowie Innenausstattungen für österreichische Bundesbahnen. 1932, im Jahr des Konkurses der Wiener Werkstätte, konnte er noch vier Reihenhäuser in der von Josef Frank konzipierten Wiener Werkbundsiedlung errichten. Selbst Spiegel und silberne Verkleidungen können kaum von der Wucht seines 1937 für die Pariser Weltausstellung entworfenes „Boudoir d’une grande vedette“ ablenken. Bezeichnend führt die Rauminstallation die Verblendung der Zeit vor Augen, der auch Hoffmann nicht widerstehen konnte.

Obgleich sein Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP nach dem Anschluss Österreichs 1938 abgelehnt wurde, avancierte Hoffmann zum „Sonderbeauftragten des Kulturamtes für die Weiterbildung des Wiener Kunsthandwerkes“. Klobig schwere Vasen oder Schatullen mit einschlägiger Symbolik zeigen, dass er sich der neuen Linie nicht verweigerte. Das Palais Lobkowitz baute er zu einem „Haus der Mode“ um und die alte deutsche Botschaft durfte er zum „Haus der Wehrmacht“ mit gesinnungskonformen Emblemen adaptieren. Als geehrtes, angesehenes Mitglied der Reichskammer der Bildenden Künste konnte er noch 1939 die schwülstig überladene Dekoration des letzten Wiener Opernballs vor Kriegsausbruch inszenieren.

Ungebrochen meisterte Josef Hoffmann nach 1945 Wiederaufbauprojekte, Interieurs und Produktdesigns, führte Wohnhausbauten für die Stadt Wien aus. Bis zu seinem Ableben am 7. Mai 1956 engagierte er sich als Präsident und Ausschussmitglied bei der Wiener Secession oder als Generalkommissar der österreichischen Biennale in Venedig. Was bleibt, sind seine Verdienste um neue Formgebungen. Bis heute finden seine farbigen Flächengestaltungen aus elementargeometrischen Formen ihren Nachhall im aktuellen Design. Auf Hoffmanns Schöpfungen basiert das gängige Auflösen klassischer Muster in endlos erweiterbare Modelle als Hüllen für alle nur denkbaren Gegenstände. Das Spiel mit künstlichen und künstlerischen Identitäten, eine seiner Errungenschaften, agiert als selbstverständliches Kommunikationselement urbaner Gesellschaften.

Die Ausstellung „Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit“ ist bis zum 19. Juni zu sehen. Das Museum für Angewandte Kunst hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, dienstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei. Das umfangreiche Katalog-Handbuch kostet im Museum 69,95 Euro.

Kontakt:

Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Stubenring 5

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 711 360

Telefax:+43 (01) 713 10 26

E-Mail: office@mak.at

Startseite: www.mak.at



29.04.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


15.12.2021, Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit

Bei:


Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Kunstsparte:


Silber

Kunstsparte:


Architektur

Kunstsparte:


Design

Kunstsparte:


Möbel

Stilrichtung:


Art Déco

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Stilrichtung:


Jugendstil







Josef Hoffmann, Fassade des Palais Stoclet in Brüssel, 1914

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in der Ausstellung „Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit“

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Josef Hoffmann, Aufsatz mit zwei Henkeln für die Wiener Werkstätte, 1924

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Josef Hoffmann, Fauteuil aus dem Cabaret Fledermaus, 1907

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Josef Hoffmann, Gürtelschließe für die Wiener Werkstätte, 1905

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Josef Hoffmann, Henkelkorb für die Wiener Werkstätte, 1906

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Josef Hoffmann, Sessel aus dem Speisesaal des Sanatoriums Westend in Purkersdorf, 1904

Josef Hoffmann, Sessel aus dem Speisesaal des Sanatoriums Westend in Purkersdorf, 1904

in der Ausstellung „Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit“

in der Ausstellung „Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit“

in der Ausstellung „Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit“

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Josef Hoffmann, Silberbesteck für Fritz und Lili Waerndorfer, 1904–1908

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Josef Hoffmann, Wien, nach 1945

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Josef Hoffmann, Österreichischer Pavillon der Biennale von Venedig bei seiner Eröffnung, 1934

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