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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Die Kunsthalle Krems widmet Helen Frankenthaler die erste Personale in Österreich und präsentiert die Künstlerin als Vorreiterin der Farbfeldmalerei

Im Fluss der Farbe



Helen Frankenthaler, Beginnings, 1994

Helen Frankenthaler, Beginnings, 1994

Eine junge Frau sitzt auf dem Boden inmitten großformatiger, abstrakter Werke, gekleidet in einen weißen Rock und eine orangefarbene Bluse. Sie ist barfüßig, die bloßen Beine sind angewinkelt, mit zwei Fingern stützt sie ihr Kinn und schaut den Betrachter direkt an. Die berühmte Aufnahme von Helen Frankenthaler, die der Fotograf Gordon Parks – immerhin der erste schwarze Fotoreporter des Life Magazine – im Rahmen eines Fotoessays über eine neue Generation von Künstlerinnen 1956 für die Zeitschrift anfertigte, zeigt die Künstlerin in ihrem New Yorker Studio. Statt sich wie Willem de Kooning selbstbewusst im Studio stehend oder wie Jackson Pollock im aktionsreichen Malprozess ablichten zu lassen, verharrt Frankenthaler auf Parks’ Foto in einer ungewöhnlich traditionellen und weibliche Klischees bestätigenden Pose. Es verwundert, dass die Kunsthalle Krems auf ihrer aktuellen Einladungskarte ausgerechnet mit diesem Motiv für eine retrospektiv angelegte Ausstellung von Helen Frankenthaler wirbt, die ihr malerisches Werk nun erstmals in Österreich in einer monografischen Schau präsentiert.


Einerseits Frau, andererseits Künstlerin – 1956 ein Kraftakt für die damals erst 28jährige und aus wohlhabender jüdischer Familie stammende Malerin, der es im Laufe ihrer Karriere gelang, sich aus dem überwiegend männlich besetzten Künstlerkreis des Abstrakten Expressionismus zu befreien und zur Doyenne der Farbfeldmalerei zu avancieren. Vier Jahre zuvor hatte Frankenthaler mit dem Gemälde „Mountain and Sea“ Pionierarbeit geleistet und dafür eine neue Technik entwickelt, die sie „Soak-Stain“ nannte. Ausgehend von Materialexperimenten auf Papier arbeitete sie mit verdünnten Öl- und Acrylfarben auf unbehandelten Leinwänden. Die nicht bemalten, sondern farbengetränkten Malgründe, die sich am ehesten als fließenden Landschaften ähnelnde Formationen beschreiben lassen, wurden zu ihrem Markenzeichen. Helen Frankenthaler brachte Farbe in den Fluss, führte die Malerei zur größtmöglichen Transparenz. Wie Jackson Pollock, den sie durch ihren früheren Partner, den Kunstkritiker Clement Greenberg Anfang der 1950er Jahre kennengelernt hatte, arbeitete sie auf dem Boden, malte mit dem ganzen Körper, um nicht auf, sondern in der Leinwand zu sein.

Mit der Arbeit „Mountain and Sea“, die sich heute in der National Gallery in Washington befindet, wurde Helen Frankenthaler bekannt. Im selben Jahr schien sie in der Gründungsausstellung des Abstrakten Expressionismus auf, als eine von nur gut zehn Frauen unter 72 Künstlern in der legendären „9th Street Show“ im Erdgeschoß eines heruntergekommenen Geschäftsgebäudes. Willem de Kooning, Jackson Pollock, Philip Guston, alle waren sie dabei, genau wie Joan Mitchell, Lee Krasner und eben Helen Frankenthaler. Diese Malerinnen wurden gefeiert, hatten ähnlich schnellen Erfolg: bereits Mitte der 1950er Jahre kaufte das Museum of Modern Art (MoMA) eine Arbeit Frankenthalers, 1959 stellte sie auf der Documenta in Kassel aus.

Trotz einiger wichtiger Ausstellungsbeteiligungen wie 1966 im US-Pavillon der Venedig-Biennale und 1969 im New Yorker Whitney Museum wurde es in der Folge ruhig um die Malerin. „Ab Ende der 1950er-Jahre änderte sich die Situation der Künstlerinnen zum Schlechteren“, stellte die Kunsthistorikerin Joan Marter fest: „Weniger Verkaufsmöglichkeiten, weniger Galerien, Abwesenheit bei Gruppenausstellungen.“ An der vom MoMA organisierten Ausstellung „The New American Painting“ durfte als einzige Frau Grace Hartigan teilnehmen. Eine Entscheidung, die nachhaltig das männlich dominierte Bild des Abstrakten Expressionismus vor allem in Europa prägte. Hinzu kam, dass einige Künstlerinnen mit Kollegen liiert waren, etwa Lee Krasner mit Jackson Pollock, Elaine de Kooning mit Willem de Kooning. Und Helen Frankenthaler war von war 1958 bis 1971 mit dem Maler Robert Motherwell verheiratet. Diese Liaisons wirkten sich auf die Karriere der Malerinnen wenig vorteilhaft aus: Nach der Hochzeit war Frankenthaler plötzlich in der „tödlichen Kategorie“ der „Ehefrau, die auch malt“, angelangt, stellte Mary Gabriel in ihrer Biografie über die Künstlerin fest.

Zwei Maler, auf die Frankenthalers „Soak-Stain-Technik“ großen Einfluss hatte, waren Morris Louis und Kenneth Noland. In den 1960er Jahren wurden sie als Vorreiter der Farbfeldmalerei gefeiert. Frankenthaler erhielt nie die gleiche Anerkennung wie die „Colour-Field-Männer“, obwohl diese ihre Ideen verwendeten. Der New Yorker Kunsthändler André Emmerich erklärte die fehlende Anerkennung damit, dass, sie „als weibliche Malerin gesehen wurde und daher nicht ganz in der selben Liga wie die männlichen Schwergewichte ihrer Generation“.

Trotz kontinuierlicher Präsentationen und Ausstellungsbeteiligungen, vor allem in den USA, wurde die Malerei der 2011 verstorbene Künstlerin im deutschsprachigen Raum bisher erst wenig wahrgenommen. Die Kunsthalle Krems setzt nun in der gemeinsam mit der New Yorker Helen Frankenthaler Foundation erarbeiteten Schau ihren seit zwei Jahren bestehenden Schwerpunkt zeitgenössischer Künstlerinnen unterschiedlicher Stilrichtungen fort. Gezeigt werden rund 80 Gemälde und Arbeiten auf Papier, von den späten 1940er bis in die frühen 2000er Jahre.

Über rund sechs Jahrzehnte deklinierte Helen Frankenthaler – das zeigt die Ausstellung in Krems – ein breites malerisches Spektrum durch. Angefangen bei frühen, vom Kubismus inspirierten Arbeiten bis zu späten nahezu monochromen Werken, in sich denen Natur und Landschaft als Anregung nur mehr erahnen lassen. Chromatisch dichte Farbfelder mit punktuellen Einsprengseln und abstrakt-strukturelle Schüttungen und Markierungen kennzeichnen diese noch kurz vor ihrem Tod entstandenen Malereien. „Southern Exposure“ von 2002 ist ein Beispiel für die helle, warme Farbskala im monumentalen Gemäldeformat und ein Beweis, dass Helen Frankenthaler den Arbeiten auf Papier einen besondere Stellenwert einräumte. In ihrem späten Werken tritt an die Stelle der pastellig-stumpfen Töne eine leuchtende Farbigkeit, die die imaginären Räume bestimmt: Arbeiten, die schön sind, heiter und manchmal etwas fade – somit zeitlos modern.

Dass die Schau in der Kunsthalle Frankenthalers Doppelrolle als Frau und Künstlerin kaum thematisiert, ist eine verpasste Gelegenheit. Den Bogen schlug vor einigen Jahren Dominique Gonzalez-Foerster, die mit ihrem Entwurf „Helen & Gordon“ für den Eiserner Vorhang der Wiener Staatsoper 2015/16 Gordon Parks’ zuvor erwähnte Fotografie verwendete und zwei Menschen Aufmerksamkeit schenkte, die mit Vorurteilen gegenüber ihrer Hautfarbe und ihrem Geschlecht zu kämpfen hatten.

Wie Helen Frankenthaler jedoch schon als junge Künstlerin mit erstaunlicher Freiheit und malerischer Sicherheit auf Pinsel, Spachtel und Farbauftrag verzichtet hat, um nicht-malerische Färbetechniken und Tränkeffekte auszuprobieren und um Farben und Leinwand mehr den Zufällen und Eigenschaften des Materials zu überlassen als den Kunstgriffen der Pinselführung und Ölmalerei, lässt sich mittels Reproduktionen kaum erfassen. Man sollte ihren Arbeiten selbst gegenüberstehen. In Krems hat man dazu noch bis Ende Oktober die Gelegenheit. Anschließend wird die Ausstellung mit fast identer Werkauswahl im Museum Folkwang in Essen zu sehen sein.

Die Ausstellung „Helen Frankenthaler. Malerische Konstellationen“ läuft bis zum 30. Oktober. Die Kunsthalle Krems hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 9 Euro, für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren 3,50 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet in der Kunsthalle 29,80 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Krems

Museumsplatz 5

AT-3500 Krems

Telefon:+43 (02732) 90 80 10

Telefax:+43 (02732) 90 80 11

E-Mail: office@kunsthalle.at

Startseite: www.kunsthalle.at



18.05.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


23.04.2022, Helen Frankenthaler. Malerische Konstellationen

Bei:


Kunsthalle Krems

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Abstrakter Expressionismus

Stilrichtung:


Farbfeldmalerei

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Helen Frankenthaler, Billboard Study, 1966
Helen Frankenthaler, Billboard Study, 1966







Helen Frankenthaler, Billboard Study, 1966

Helen Frankenthaler, Billboard Study, 1966

in der Ausstellung „Helen Frankenthaler. Malerische Konstellationen“

in der Ausstellung „Helen Frankenthaler. Malerische Konstellationen“

in der Ausstellung „Helen Frankenthaler. Malerische Konstellationen“

in der Ausstellung „Helen Frankenthaler. Malerische Konstellationen“

in der Ausstellung „Helen Frankenthaler. Malerische Konstellationen“

in der Ausstellung „Helen Frankenthaler. Malerische Konstellationen“

Helen Frankenthaler, Untitled, 1981

Helen Frankenthaler, Untitled, 1981

Helen Frankenthaler, September, 1975

Helen Frankenthaler, September, 1975

Helen Frankenthaler, Santa Fe XIII, 1990

Helen Frankenthaler, Santa Fe XIII, 1990

Helen Frankenthaler, Fiesta, 1973

Helen Frankenthaler, Fiesta, 1973

Helen Frankenthaler, Viewpoint, 1974

Helen Frankenthaler, Viewpoint, 1974

Helen Frankenthaler, Southern Exposure, 2002

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Helen Frankenthaler, Hôtel du Quai Voltaire, 1956

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Gordon Parks, Untitled (Helen Frankenthaler surrounded by her paintings), New York 1957

Gordon Parks, Untitled (Helen Frankenthaler surrounded by her paintings), New York 1957




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