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Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther

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Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach

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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Heinz Mack, Ohne Titel (N 9471), 2021 / Heinz Mack

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Das Festival Düsseldorf Photo+ widmet sich mit über 50 Ausstellungen dem Medium Fotografie. Damit und mit anderen Neuerungen positioniert sich Düsseldorf als selbstbewusste Bewerberin für den inoffiziellen Titel deutsche Fotohauptstadt

Düsseldorf im Fotofieber – Teil II



Astrid Busch, Viking Venus #03, 2022

Astrid Busch, Viking Venus #03, 2022

Auch zahlreiche Galerien beteiligen sich an der Düsseldorfer Biennale Photo+, etwa die im Stadtteil Flingern gelegene Galerie Rupert Pfab, die mit zwei Ausstellungen aufwartet. So sind im Erdgeschoss in der Schau „Viking Venus“ Fotoarbeiten und Skulpturen von Astrid Busch, Jahrgang 1968, zu sehen. Aufnahmen, die sie während eines Stipendiums im Istanbuler Stadtraum von moderner und traditioneller Architektur sowie von Fundstücken gemacht hat, unterzieht Astrid Busch einem komplexen Transformationsprozess, der reale und künstlich erzeugte Bildebenen miteinander amalgamiert und die Endergebnisse nahezu wie Malerei erscheinen lässt oder diese sogar in dreidimensionale Formen (rück-)übersetzt. Als Bildträger dienen teils ungewöhnliche Materialien wie papierdünn ausgewalzte Weißgoldbleche oder Jacquardgewebe.


Kontrastprogramm im Untergeschoss: Hier zeigt Galerist Rupert Pfab schwarz-weiße Filmsetbilder, die der italienische Fotograf Angelo Novi (1930-1997) während der Dreharbeiten zu diversen Filmen von Sergio Leone, Bernardo Bertolucci oder Pier Paolo Pasolini von Filmgrößen wie etwa Marcello Mastroianni, Marlon Brando oder Maria Schneider gemacht hat. Das, was die bewegten Kinobilder verschweigen, die kleinen Begegnungen und Begebenheiten am Rande der Dreharbeiten, steht im Mittelpunkt dieser stillen Aufnahmen.

Ein paar Häuser weiter hat die Galerie Cosar ihre neuen Räumlichkeiten in einem ehemaligen Möbelgeschäft mit großen Schaufensterflächen bezogen. Dazu passen sehr gut die sequentiell gereihten Aufnahmen von Schaufenstern und Warenauslagen unter dem Titel „Window Shopping“ der estländischen Künstlerin Marge Monko, Jahrgang 1976, die sie in Antwerpen, New York oder ihrer Heimatstadt Tallinn gemacht hat. Doch es geht ihr keineswegs um eine hübsch affirmative Katalogisierung von Tendenzen der Warenpräsentation. Marge Monko konfrontiert diese Bilder mit verschütteten Erinnerungen in Form von Schwarz-Weiß-Fotos zerstörter Schaufenster, die sie im Internet erworben hat. Dieser Strategie geht ihre Beobachtung voraus, das Schaufenster im Zuge gesellschaftlicher Unruhen und Umstürze stets unter den ersten Angriffszielen sind. Kompiliert hat sie Aufnahmen mit klaren Bezügen zu konkreten geschichtlichen Ereignissen, etwa zum Estnischen Freiheitskrieg 1919 oder zur Reichspogromnacht 1938, aber auch solche, die nicht eindeutig zugeordnet werden können. Aus der Gesamtheit der selbsterzeugten und gefundenen Bilder entsteht ein fotografisches Narrativ mit Bezügen zur Psychoanalyse, zu feministischer Theorie und visuellen Traditionen der Schaufensterfotografie, etwa von Eugène Atget über Berenice Abbott und Andy Warhol bis hin zu Josephine Meckseper.

Noch etwas historischer sind die 26 Abzüge Man Rays aus dem von Mailänder Studio Marconi herausgegebenen Portfolio „Femmes“ der Jahre 1933 bis 1981, die Linn Lühn wenige Häuser weiter im Angebot hat. Auf den posthum vom Originalnegativ abgezogenen Aufnahmen sind unter anderen enge Weggefährtinnen und Musen Man Rays wie Kiki de Montparnasse, Meret Oppenheim oder Lee Miller versammelt. Das Spektrum der Fotografien umfasst eher puristische Akte, aber auch subtilere Inszenierungen und Porträts sowie auch Bilder mit Verfremdungseffekten, etwa mittels Solarisationen. Das Besondere daran: Die Frauen wirken dabei keineswegs als bloß dem männlichen Blick gegenüber verfügbare erotische Objekte, sondern nehmen, erkennbar an ihren Gesten, Tätigkeiten und Gesichtsausdrücken, gegenüber dem Fotografen und den Betrachter*innen eher selbstbewusste Haltungen ein.

Der Düsseldorfer Künstler Jan Albers, Jahrgang 1971, der in der von Daniela Steinfeld betriebenen Galerie Van Horn unter dem Titel „springbreak“ seine nunmehr sechste Einzelausstellung eingerichtet hat, ist nicht gerade als Fotograf, sondern vielmehr als Erschaffer von Reliefbildern mit partiell toxisch wirkenden Farbverläufen bekannt. Sein bevorzugtes Material ist Polystyrol, das er teils mit der Kettensäge oder ätzenden Chemikalien bearbeitet und anschließend mit Verläufen aus Sprühfarbe überzieht. Dabei kommen an dystopische Szenerien erinnernde Miniaturlandschaften heraus, die er meist unter Plexiglasboxen präsentiert. Albers zeigt nun allerdings erstmals neue, frei im Raum stehende Bronzeskulpturen mit glatten, überhaupt nicht zerklüfteten goldenen Oberflächen. Was das Ganze mit Fotografie zu tun hat? Albers hat seine Werke keineswegs im White Cube aufgestellt. Als Hintergrund verwendet er wandfüllende Fototapeten mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen eigener Ausstellungen in Institutionen oder auch eines Möbelensemble von Ludwig Mies van der Rohe. Wenn bildhauerisches Material ein Gedächtnis hat, so hat es die Fotografie erst recht. Das Aufeinandertreffen der beiden Medien in dieser Ausstellung führt insofern zu produktiven Synergieeffekten, die diskurserweiternd für beide Gattungen sind.

Am Anfang der Birkenstraße hat die Galerie Kadel Willborn vier Positionen aus ihrem Programm in der Schau „Is it true?“ zusammengeführt: Natalie Czech, Jan Paul Evers, Barbara Kasten und Kathrin Sonntag. Die seit seiner Erfindung über dem Medium Fotografie liegende Frage nach ihrem Wahrheitsgehalt dient hier als Klammer für unterschiedliche künstlerische Herangehensweisen. Czech „findet“ beziehungsweise komponiert einmal mehr Anagramme und Poeme aus Beschriftungen von profanen Gebrauchsgegenständen wie Bleistiften und Obstmessern oder arrangiert das Magnetband aus einer Audiokassette zu den Worten einer Songzeile, die wiederum auf dem Magnetband abgespeichert ist. In konzeptuellen Auswahl- und Rückkoppelungsakten macht sie so Unsichtbares sichtbar oder stellt Bedeutung aus scheinbar Bedeutungslosem her.

Jan Paul Evers, Jahrgang 1982, wiederum verbindet in seiner Praxis digitale Bildbearbeitungsmethoden mit klassisch-analoger Dunkelkammerarbeit. Dabei kommen Arbeiten wie das 175 auf 130 Zentimeter messende Unikat „Protest is part of our brand“ von 2017 heraus, ein Silbergelatine-Print auf Barytpapier. Evers hat hierbei Bilder unterschiedlicher politischer Demonstrationen zu einem scheinbar stimmigen Bild im Stil gängiger Agenturfotografie zusammengeführt. Bei genauem Hinschauen sieht man aber zum Beispiel, dass eine männliche Person gleich zweimal auftaucht.

Die US-Amerikanerin Barbara Kasten, Jahrgang 1936, seit den 1970er Jahren bekannt für ihre in der Regel buntfarbigen Arrangements unter Einsatz verschiedener industrieller Materialien, Filterfolien und Lichtquellen, ist bei Kadel Willborn mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus ihrer Serie „Double Negatives“ vertreten. Die Frage „Is it true?“ lässt sich hier ganz einfach mit „Nein“ beantworten, denn Barbara Kasten hat das klassische Dunkelkammerverfahren der Umkehrung, der Inversion, angewandt, bei dem das Negativ wie ein Diapositiv abgezogen wird. Das Resultat: Was in Wirklichkeit hell ist, erscheint hier dunkel und umgekehrt. Kathrin Sonntag, Jahrgang 1981, schließlich verknüpft in ihrer Serie „Sonntags Atlas“ von 2019/20 selbst produziertes und gefundenes visuelles Material zu rätselhaften Paarungen, die bei genauerer Betrachtung scheinbar Ähnliches als vollkommen Gegensätzliches, scheinbar Arrangiertes aber wiederum als Fundstück aus der Realität offenbaren.

An „Düsseldorf Photo+. Biennale for Visual and Sonic Media“ beteiligen sich 50 Ausstellungen in Institutionen, Galerien, Off Spaces und Projekträumen. Sie haben unterschiedliche Laufzeiten, überwiegend bis zum 19. Juni.

Galerie Rupert Pfab
Ackerstraße 71
D-40233 Düsseldorf
Telefon: +49 (0)211 – 13 16 66

Galerie Cosar
Birkenstraße 39
D-40233 Düsseldorf
Telefon: + 49 (0)211 – 32 97 35

Galerie Van Horn
Ackerstraße 99
D-40233 Düsseldorf
Telefon: +49 (0)211 – 500 86 54

Galerie Kadel Willborn
Birkenstraße 3
D-40233 Düsseldorf
Telefon: +49 (0)211 – 749 561 19

Galerie Linn Lühn
Birkenstraße 43
D-40233 Düsseldorf
Telefon: +49 (0)211 – 68 77 57 90

www.duesseldorfphotoplus.de



28.05.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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in der Ausstellung „Jan Albers – springbreak“
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Astrid Busch, Viking Venus #03, 2022
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Marge Monko, Antwerpen. Boon, 2014
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in der Ausstellung „Jan Albers – springbreak“

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Marge Monko, Antwerpen. Boon, 2014

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Angelo Novi, Standfoto mit Marlon Brando im Film „Der letzte Tango in Paris“, 1972

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Man Ray, Porträt aus der „Edition femmes“, 1933/1981

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Natalie Czech, A poet’s question by Charles Olson (What if I am more, am I? / aaa e f h iii mmm o r t w), 2019

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Barbara Kasten, Double Negative 1, 2012/16

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Kathrin Sonntag, Sonntags Atlas #11, 2019

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in der Ausstellung „Jan Albers – springbreak“

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Jan Paul Evers, Protest is part of our brand, 2017

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