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Dresden feiert den 300. Geburtstag Bernardo Bellottos, der mit seinen realistischen Veduten wie kaum ein anderer Maler das Bild der Stadt an der Elbe geprägt hat. Dabei bestürzen Bezüge zur aktuellen Weltpolitik

Zwischen Sachlichkeit und szenischer Inszenierung



Bernardo Bellotto, Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke, 1748

Bernardo Bellotto, Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke, 1748

Obgleich vor rund 250 Jahren entstanden, schlagen zwei Ansichten schlimmer Kriegszerstörungen auf erschütternde Weise den Bogen zur Gegenwart. Dresdens Pirnaische Vorstadt zeigt sich als Ruinenlandschaft. In Trümmern suchen Personen nach Habseligkeiten. Kulissenartig ragen brüchige Palaisfassaden empor, hinter denen sich gähnende Leere auftut. Auch bei der Illustration von Dresdens Kreuzkirchenruine nutzte Bernardo Bellotto geschickt wie makaber die Abendstimmung, um die Szenerie in braun-rötliches Licht zu tauchen, so dass man fast meint, einen Moderdunst zu wittern. Die trockene Exaktheit der ungeheuer detailreichen Schilderung lässt aber auch hoffen: Während hinten die brüchigen Turmreste abgetragen werden, beginnt bereits der Kirchenneubau. Mitten im Siebenjährigen Krieg setzten die Preußen Dresden schwerem Artilleriebombardement aus. Auch das Haus von Bellotto wurde getroffen und dabei auch Kupferplatten und Arbeiten zerstört. Der Maler selbst hatte sich da schon nach Wien abgesetzt.


Vor 300 Jahren, am 20. Mai 1722 in Venedig geboren, stieg Bernardo Bellotto rasch zum bedeutenden Vedutenmaler des Barock auf, dessen beachtliche Biografie durch mehrere europäische Kunstzentren verlief. Nach der Ausbildung bei Giovanni Antonio Canal, dem Bruder seiner Mutter und bekannten Maler für venezianische Stadtpanoramen, perfektionierte er auf Studienreisen in Italien sein Können. Dabei setzte er sich vom Duktus seines Onkels durch neues Kolorit, präzisere Darstellungen des Gesehenen, gewagte Perspektiven und dramatisierende Hell-Dunkel-Kontraste ab. Bereits um 1741 signierte er seine Werke unter Verweis auf seinen Lehrer mit „B.B. Canaletto“. Ausgangspunkt der Karriere an Europas Fürstenhöfen war ein königlicher Auftrag in Turin. Die genauen Umstände seines Weggangs von Venedig nach Dresden im Jahr 1747 sind jedoch unerschlossen.

Den runden Geburtstag haben nun die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zum Anlass für eine umfangreiche Bellotto-Retrospektive in der Gemäldegalerie Alte Meister am Zwinger genommen. Die von Stephan Koja und Iris Yvonne Wagner kuratierte Schau bietet 144 Exponate, darunter 69 großformatige Gemälde, aber auch Zeichnungen, Druckgrafiken und Archivalien. Der Parcours bewegt sich entlang der Lebensstationen Bellottos. Einbezogen sind die 36 hauseigenen Werke, der weltweit größte Korpus des Meisters. Unter Bewahrung der klassizistischen Rahmungen wurden anlässlich des Jubiläums zwölf Veduten restauriert und strahlen nun in ungewohnter Kühle und frischer brillanter Farbgebung.

Den Auftakt bilden großformatige Ölsujets prägender Bauten Dresdens, darunter des Zwingers, der Hofkirche, der Frauenkirche, und natürlich die Ansicht der Stadt vom rechten Elbufer aus, bekannt als „Canaletto-Blick“. Die 1748 gemalte, geradezu ikonenhafte Vedute Dresdens mit der eben vollendeten Augustusbrücke zieht durch die perspektivisch verkleinerte Kuppel der Frauenkirche den Blick nicht nur in die Ferne, sondern legt zugleich durch das Einfügen des damals noch nicht vollendeten Turmes der Hofkirche Rangfolgen offen. Sprichwörtlich ins Licht gerückt, ließ der Maler die fürstlichen Besitztümer seiner Mäzene in den 14 Panoramaansichten der Stadt besonders aufleuchten. Bellottos Intention, ihr segensreiches Wirken und den Glanz Dresdens mit der universellen und vom Hof geförderten Musik-, Kunst-, Theater- Literatur- und Wissenschaftsszene herauszustellen, ging auf: Mit 1750 Talern Entlohnung konnte er das höchste Gehalt unter seinen Künstlerkollegen am Dresdner Hof verbuchen. In diesem weit gespannten, distinguierten Umfeld hatte er es auch nie für nötig befunden, die deutsche Sprache zu erlernen.

Mit dem Beginn des Siebenjährigen Kriegs versiegten 1756 die Aufträge, und Bernardo Bellotto zog nach Wien. Für bekannte Adelige der Habsburger-Metropole schuf er Veduten, weiter sechs Ansichten barocker Kirchen und Prachtbauten sowie Bilder kaiserlicher Schlösser auf Bestellung Kaiserin Maria Theresias. Nach einer weiteren Zwischenstation in München um 1761, wo er Stadtpanoramen und Ansichten von Schloss Nymphenburg malte, kehrte er 1762 ins zerstörte Dresden zurück. Bereits im Folgejahr verstarben seine Förderer König August III. und der einflussreiche Premierminister Heinrich Graf von Brühl, für den er allein 21 Repliken anfertigte, die jener in seinen zahlreichen Residenzen, darunter auch in Lemberg, dem heutigen, in der Ukraine gelegenen Lwiw, verwahrte.

So blieb Bellotto nichts anderes übrig, als eine befristete Anstellung als Lehrer an der neu gegründeten Dresdener Kunstakademie anzutreten. Darüber hinaus versuchte er, durch Wiederholungen und Radierungen für sich zu werben und Einnahmen zu generieren. Für die zweite Dresdener Phase charakteristisch sind die in einem Exkurs vorgestellten Capricci. Mit den theatralisch ungleiche Architekturteile miteinander kombinierenden Phantasien kam er wieder auf Themen seiner Anfangsjahre in Italien zurück. 1767 lockte dann der polnische König Stanislaus II. August Poniatowski mit einem Auftrag zu einem vielteiligen Zyklus zur Übersiedlung nach Warschau, wo Bellotto am 17. Oktober 1780 verstarb. Diese Arbeiten wurden schließlich in die Wandvertäfelung des Senatorenvorzimmers im Warschauer Schloss eingelassen. Ein Segment daraus mit zehn Tafelbildern bildet den Abschluss der Schau im Sockelgeschoss.

Im zweiten Obergeschoss des Dresdner Semperbaus ergänzen informative Bilder von Pirna und der Festung Königstein die Auswahl. Im Jahr 1753 wurde Bernardo Bellotto per Dekret „die Fertigung derer Zeichnungen über die Situationes derer Gegenden um Pirna, und sonst“ aufgetragen. Die vom erhöhten Standpunkt aus illustrierte Ansicht des Marktplatzes von Pirna gilt als Meisterstück der von ihm eingesetzten Mittel kühner Perspektiven und harter Kontraste. Geschickt nutzte der Maler die Bodenplatten des Platzes zur Fixierung der Fluchtlinien, die er ähnlich wie schon bei Ansichten vom Zwinger in den Farbauftrag ritzte. Die so erzeugten Lichtkanten unterstützen das Hell-Dunkel, unterstreichen den einer exakten Konzeption entspringenden grafischen Charakter und lenken den Blick in die Tiefe.

Bei den elf Ansichten Pirnas und des über ihr liegenden Schlosses Sonnenstein wird besonders offenbar, wie Bellotto den Alltag in seinen Gemälden einbezog. Erzählerische Details wie Menschen und Tiere beleben die Szenerien, womit er an die Tradition der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts anknüpfte. Neben der in vielen Panoramen eingefügten fürstlichen Prachtkutsche als Zeichen der herrschaftlichen Volksnähe vermitteln viele kleinteilige Figuren wie Markthändler, Ausflügler, Fischer, Wäschefrauen oder ihre Notdurft verrichtende Männer das einfache banale Leben. In fünf großen Ansichten inszenierte Bellotto die Festung Königstein als wehrhaft kantige Anlage hoch auf einem massiven Felsen in einer imperialen Flusslandschaft. Hinweise auf eine hier benutzte „Bretterbude“ deuten anscheinend den Gebrauch einer Camera obscura als modernes Hilfsmittel an.

Keinesfalls auslassen sollte man einen Besuch der adretten Elbestadt Pirna vor den Toren Dresdens. Geradezu exzellent restauriert, präsentiert sich heute der 39.000 Einwohner starke Ort wie einst zu Bellottos Zeiten. Im Stadtmuseum breitet sich eine 130 Werke umfassende Schau aus, die neben zwei originalen Ölveduten mit Ansichten aus Rom und Venedig am Beispiel grafischer Blätter die Weiterentwicklung von Bellottos Radierstil in Form dichterer Linien, kleinteiligerer und dunklerer Wolken in Erwiderung auf die Silhouetten der Gebäude vor Augen führt. Zudem dokumentieren jüngere Werke die Ausstrahlung von Bellottos Schaffen auf Zeitgenossen und Nachfolger bis in die Gegenwart.

Die Ausstellung „Zauber des Realen. Bernardo Bellotto am sächsischen Hof“ ist bis zum 28. August zu sehen. Die Gemäldegalerie Alter Meister im Semperbau hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 10,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog im Sandstein Verlag erschienen, der sich in instruktiven Aufsätzen vertiefenden Aspekten widmet und im Museum 48 Euro kostet.

Die Ausstellung „Canalettos Blick. Bernardo Bellotto gen. Canaletto und seine Nachfolger in der sächsischen Kunst“ läuft bis zum 25. September im Stadtmuseum Pirna. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Stadtmuseum Pirna
Klosterhof 2
D-01796 Pirna
Telefon: +49 (0)3501 – 556 461

Kontakt:

Gemäldegalerie Alter Meister - Semperbau am Zwinger

Theaterplatz 1

DE-01067 Dresden

Telefax:+49 (0351) 49 14 616

Telefon:+49 (0351) 49 14 622

E-Mail: besucherservice@skd-dresden.de

Startseite: www.skd-dresden.de



08.06.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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