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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Die Internationalen Tage Ingelheim widmen sich heuer Edvard Munch und stellen den bekannten Norweger als Meister der Grafik vor

Tief empfunden



Edvard Munch, Madonna, 1895/1902

Edvard Munch, Madonna, 1895/1902

In Ingelheim am Rhein finden seit 1959 jährlich die Internationalen Tage statt, immer zwischen Mai und Juli. Diese Kulturinitiative ist dem Engagement der Firma Boehringer, eines weltweit agierenden Pharmaunternehmens, zu verdanken. Am Anfang stand die Idee, im Umfeld der international tätigen Firma Ausblicke auf Leben und Kultur anderer Nationen und Völker zu werfen: der Leitgedanke kultureller Offenheit und Fortbildung veranlasste 1959 Ernst Boehringer als Mitinhaber des Familienbetriebs, ein Kulturfestival auszurichten. Um japanische Farbholzschnitte und Masken der Südsee, Antiken aus Pergamon und Werke von Pablo Picasso, das Wiener Biedermeier oder den Geist der 1950er Jahre in Paris kennen zu lernen, sollte eine Fahrt zu den großen Museen der Welt nicht mehr nötig sein.


Seit über vier Jahrzehnten wird das Alte Rathaus in Ingelheim am Rhein alljährlich zum Schauplatz thematischer oder monografischer Ausstellungen. In diesem Jahr ist es der Norweger Edvard Munch, dessen Werk „Der Schrei“ von 1895 weltweit bekannt ist. Munch, geboren 1863, studierte für kurze Zeit Kunst in Christiana, der heutigen Hauptstadt Oslo. Doch 1889 zog es ihn nach Paris, wo er sich mit dem Symbolismus des ausgehenden Jahrhunderts auseinandersetzte. Zahlreiche persönliche Schicksalsschläge, aber auch unglückliche Frauenbeziehungen prägten schon früh seine Werke. Über 1.700 Gemälde sind bekannt, daneben fertigte er zahlreiche Zeichnungen und Grafiken an. Anhand von rund 90 oftmals farbigen Blättern – Radierungen, Lithografien, Holzschnitte und Hektografien – gibt Kurator Ulrich Luckhardt in Ingelheim einen Überblick über das grafische Schaffen von Edvard Munch.

Auf die Räumlichkeiten im Alten Rathaus zugeschnitten, entstanden fünf motivisch-thematisch ausgerichtete Sektionen. Es beginnt mit dem Geschlechterverhältnis zwischen Mann und Frau, wobei Männerfantasien ebenso eine Rolle spielen, wie die gegenseitige Annäherung oder die tiefe Liebe. Darüber hinaus spiegeln Trennung und Tod den Kreislauf des menschlichen Miteinanders. Mit dabei ist „Das Weib mit grünen Augen“ von 1901, auch „Die Sünde“ genannt, eine halbnackte Schönheit, deren starrer, fast lebloser Blick etwas anderes als gängige Verführung meint. Im Farbholzschnitt „Kopf bei Kopf (Mann und Weib sich küssend)“ von 1905 visualisiert Edvard Munch die enge Verbundenheit in der Liebe, eine für ihn nie erreichte Idealvorstellung.

Im Herbst 1889 hatte Munch eine große Einzelausstellung in Christiana. Der Erfolg dieser Schau verhalf ihm zu mehreren Auslandsstipendien. Paris war dabei sein bevorzugtes Ziel. Die Ergebnisse seines Frankreich-Aufenthaltes präsentierte er abermals in Christiana: Seine von Schwermut und Einsamkeit bestimmten Radierungen, die den Menschen oft vor leeren Meereslandschaften als Chiffre für das moderne Seelenleben abbilden. Durch die Vermittlung eines befreundeten Malers konnte Munch 1892 auf Einladung des Vereins Berliner Künstler seine Arbeiten in der deutschen Hauptstadt vorstellen. Doch die Schau geriet zum Skandal und wurde auf Betreiben des Direktors der Königlichen Hochschule für Bildende Künste nach einer Woche geschlossen. Das Publikum und die ältere Malergeneration fassten Munchs Bilder als anarchistische Provokation auf. Der Streit darüber eskalierte zwischen Kritikern und Künstlern und führte zur Gründung der „freien Vereinigung zur Veranstaltung von künstlerischen Ausstellungen“, der späteren Berliner Secession. Diese Kontroverse verhalf Munch zu einem gewissen Bekanntheitsgrad und er beschloss, zu bleiben.

In Berlin hielten sich zu dieser Zeit viele Intellektuelle auf, vor allem Skandinavier. Munch wurde in ihrem Kreis freudig aufgenommen. Er begann, Portraits von Strindberg und Ibsen, von Stéphane Mallarmé und anderen, vor allem auch einige Selbstportraits zu erstellen. Sie alle sind in einem Raum in Ingelheim vereint. Ein Selbstbildnis zeigt ihn, nachdem er eine Infektion überstanden hatte: Ein abgezehrter Munch schaut aus tiefliegenden Augen auf den Betrachter. Sein Ausspruch „Die Kunst ist eines Menschen Herzblut“, der von ihm als Zitat an der Wand steht, kündet von der Inbrunst, mit der sich Munch seiner Malerei widmete.

Ein zentraler Schwerpunkt seines Schaffens blieb die Melancholie. „Frauen am Meeresufer“ von 1898 oder die „Junge Frau am Strand“ von 1896, eine Schabkunstradierung, die Luckhardt in mehreren Farbvarianten präsentiert, zeigen Menschen, wie sie aufs Meer hinaus schauen. Meist sind sie als Rückenfiguren angelegt und greifen damit das Sehnsuchtsmotiv der Romantik auf. Schon 1891, nachdem sein Vater gestorben war, schrieb Munch in einer Zeit, als er sich dem Thema Melancholie verstärkt widmete: „Symbolismus – die Natur wird von einer Gemütsstimmung geformt.“ In jenen Jahren entstanden auch die ersten Skizzen zu seinem berühmtesten Werk „Der Schrei“; einige Variationen sind in Ingelheim zu sehen. Daneben gehört das auch das Motiv „Madonna“ von 1885/1902 zu seinen bekanntesten Arbeiten. Dazu kommt die Lithografie „Vampyr“, die Munch ursprünglich „Liebe und Schmerz“ nannte. Sie stellt ein weiteres Mal die Sehnsucht nach Vereinigung dar, gleichzeitig aber auch die zerstörerische Kraft der Anziehung.

Edvard Munch wandte sich in Paris den verschiedenen Techniken der Radierung zu, aber auch der Holzschnitt und die Farblithografie, reizten ihn. Dank seiner souveränen Beherrschung der Mittel und seiner großen künstlerischen Originalität genoss er bald den Ruf eines Klassikers der Grafik. Obwohl er hier sich autodidaktisch bildete, reizten ihn auch Experimente, unterschiedliche Druckverfahren miteinander zu kombinieren, was zu weiteren künstlerischen Höhepunkten führte. Ein Raum in Ingelheim ist dem schöpferischen Akt gewidmet. „Ich glaube nicht an die Kunst, die nicht aus dem Drang eines Menschen entstanden ist, sein Herz zu öffnen“, schrieb Munch. In dem Holzschnitt „Die Blume des Schmerzes“ von 1898 gibt eine männliche Figur ihr Blut einer Blume, damit sie wachsen kann. Die Harpyie ist in der antiken Mythologie ein Zwitterwesen, das den Tod bringt, aber auch die Seelen in Besitz nimmt. Sie wird bei Munch dadurch zur Metapher für die Kunst, die über das Leben hinaus Bestand hat. Nach Munch ist die Urne „Wiedergeburt – aus dem Unrat erhob sich ein Gesicht voller Trauer und Schönheit“, das das Neuerstehen der Kunst verkörpert. Für ihn war die ständige Erneuerung ein wichtiger Aspekt der modernen Kunst.

Munch starb 1944 in Norwegen. Posthum stellten Mediziner die Hypothese einer Borderline-Persönlichkeitsstörung auf. Dies würde zumindest erklären, warum Munchs Bilder den Menschen und seine wesentlichen emotionalen Erfahrungen von der Liebe bis zu Trauer und Tod als gegensätzliche Pole in hoher Intensität in den Mittelpunkt rücken. In ihnen verarbeitete Munch vor allem seine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse. Wichtige Motive malte der Künstler immer wieder neu in unterschiedlichen Versionen, die man in der Ingelheimer Ausstellung entdecken und bewundern kann.

Die Ausstellung „Edvard Munch. Meisterblätter“ läuft bis zum 10. Juli. Das Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus hat täglich außer montags von 11 bis 18:30 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre ist er frei. Der Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet 29,90 Euro.

Kontakt:

Altes Rathaus Ingelheim

DE-55218 Ingelheim am Rhein

Telefon:+49 (06132) 77 20 75

Telefax:+49 (06132) 77 44 56

E-Mail: info@internationale-tage.de

Startseite: www.internationale-tage.de



15.06.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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Veranstaltung vom:


01.05.2022, Edvard Munch. Meisterblätter

Bei:


Altes Rathaus Ingelheim

Kunstsparte:


Grafik

Stilrichtung:


Expressionismus

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Stilrichtung:


Symbolismus

Bericht:


Dialogischer Schrei

Bericht:


Zu schaffen mit Munch

Bericht:


Der Maler als Fotograf







Ulrich Luckhardt – Kurator der Ausstellung „Edvard Munch. Meisterblätter“

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Das Alte Rathaus ist Schauplatz der Internationalen Tage Ingelheim

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Edvard Munch, Vampyr II, 1895/1902

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Edvard Munch, Selbstbildnis nach links, 1912/13

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Edvard Munch, Der Schrei, 1895

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Edvard Munch, Mädchen auf der Brücke, 1920

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Edvard Munch, Kopf bei Kopf (Mann und Weib sich küssend), 1905

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Edvard Munch, Frauen am Meeresufer, 1898

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Edvard Munch, Weib mit grünen Augen. Die Sünde, 1901

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