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Passage II. Hommage à Watteau / Doris Ziegler

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Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther

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Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach

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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Isamu Noguchi ist in Europa noch einer der großen Unbekannten der Nachkriegskunst. Die letzte Ausstellung zu dem japanisch-amerikanischen Bildhauer liegt zwanzig Jahr zurück. Das Kölner Museum Ludwig zollt dem bisher wenig wahrgenommenen Künstler nun seine Aufmerksamkeit

Ohne klare Linie linientreu



in der Ausstellung „Isamu Noguchi“

in der Ausstellung „Isamu Noguchi“

An den Anfang ihrer Schau zu Isamu Noguchi im Kölner Museum Ludwig hat Kuratorin Rita Kersting sein Umfeld und seine Person gestellt. Sieben Büsten aus Holz, Terrakotta, Bronze oder Marmor zeigen seine Familienmitglieder und Freunde. In der Mitte steht ein Selbstporträt mit blauen Augen. Dazwischen reiht sich wie selbstverständlich ein abstraktes Gesicht aus Bakelit, das in die Folge klassischer realitätsnaher bildhauerischer Porträts nicht so recht passen will. Die schwarze „Radionurse“ von 1929, eine Art Krankenschwester in der Form eines Babyfons, signalisiert schon zu Beginn eine verwirrende sprunghafte Vielfalt und Intermedialität, die das Œuvre Noguchis auszeichnet. Traditionelle und atypische plastische Ausformungen dokumentieren nicht nur seine Experimentierfreude, sondern auch seine kosmopolitische Ausrichtung.


Isamu Noguchi kam 1904 als Sohn der amerikanischen Schriftstellerin Léonie Gilmour und des japanischen Dichters Noguchi Yonejiro in Los Angeles zur Welt. Schon vor der Geburt verließ der Vater die Familie. Dies nahm die Mutter 1907 zum Anlass, mit ihrem Kind nach Japan zu ziehen, wo der Vater inzwischen eine neue Beziehung aufgebaut hatte. Das Leben zwischen zwei Welten und das Bestreben, sich irgendwie zu verorten, waren Auslöser für Noguchis Oszillieren zwischen künstlerischen Disziplinen, Materialien und interkulturellen Charakteristika.

Zum Besuch der High School ging Noguchi in die USA zurück und studierte zunächst Medizin an der Columbia University in New York, besuchte aber ab 1924 schon Bildhauerkurse bei Onorio Ruotolo an der Leonardo da Vinci Art School. Ausgezeichnet mit dem Guggenheim Stipendium, arbeitete er 1927 für ein halbes Jahr in Paris als Assistent im Atelier des rumänischen Bildhauers Constantin Brancusi. Hier kam er mit der Holz- und Steinverarbeitung in Berührung. Als er 1929 nach New York zurückkehrte, konnte er sogleich eine erste Einzelausstellung bestreiten.

Isamu Noguchi reiste zeitlebens viel und lange durch unterschiedliche Länder Europas, Amerikas und Asiens, in denen er jeweilige Besonderheiten und Traditionen in sich aufsog. Stets bildete er sich weiter. 1930 ließ er sich in China vom Meister Qi Baishi in Tuschemalerei unterrichten, 1931 in Kyoto im Atelier von Jinmatsu Uno das Töpfern beibringen. Aus all dem ergab es sich, dass seine Arbeiten keinem einheitlichen Duktus folgen. Sie erscheinen gleichermaßen ästhetisch originell, aber auch naturverbunden und höchst politisch. In den Jahren 1959 und 1964 nahm Noguchi an den Documenta-Schauen in Kassel teil, 1986 vertrat er die USA auf der Biennale in Venedig. Zwei Jahre später starb er an Herzversagen in New York. Als singuläre Erscheinung im Kunstgeschehen und Wanderer zwischen merkantilem und rein ästhetischem Schaffen, Genres und Welten wurde er nie adäquat beachtet.

Das wollen nun das Museum Ludwig und Rita Kersting mit der deutschen Station einer europäischen Wanderretrospektive ändern und haben dazu rund 150 Arbeiten aus allen Schaffensphasen versammelt. Zu sehen sind Tuschezeichnungen, Skulpturen aus Stein, Holz, Gips, Stahl und Kunststoff, surrealistisch anmutende Plastiken, Werken für die Bühne wie fantastische Kostüme und minimalistische Bühnenbilder oder Arbeiten für den öffentlichen Raum. Fotografien machen auf Denkmäler der 1930er Jahre aufmerksam, darunter auch einige Mahnmale, die das Leben und Leiden der Arbeiter fokussieren oder die Pressefreiheit anmahnen, wie das Monumentalrelief „News“ über dem Eingang des New Yorker Associated Press Building von 1938/39, Noguchis erster großer Auftrag in den USA. In sozialistisch anmutender Dynamik zeigt es fünf Journalisten inmitten dem energieerfüllten Treiben einer Nachrichtenredaktion und ihrer weltweiten Vernetzung. Ein weiterer Abschnitt vereint einige „Interlocking Sculptures“. Die surrealistischen Plastiken aus den 1940er Jahren sind aus einzelnen Elementen zusammengesteckt, die an schlaffe Glieder oder Knochen erinnern und mal scherzhaft, mal verspielt wirken. Leicht transportabel und demontierbar ist auch sein ironisierendes Selbstporträt „Boy looking through Legs“ von 1933. Die nackte gymnastische Übung aus Holz schließt Genitalien und Gesäß offenherzig ein.

In den 1950er Jahren verbrachte Isamu Noguchi die Zeit aufgrund einer kurzen Ehe mit der Schauspielerin Yoshiko Yamaguchi vor allem in Japan. Hier beschäftigte er sich intensiv mit Keramik, arbeitete mit einheimischen Künstlern und Architekten wie Kenzo Tange zusammen. Dann machte er sich vor allem als Gestalter einen Namen. Ab 1951 kreierte er aus japanischem Washi-Papier und Bambusruten ausladende, aber leichte Lampenschirme, die in abgewandelter Form in die Produktpalette eines schwedischen Möbelhauses aufgenommen und in alle Welt exportiert wurden und aufgrund ihrer elegant-schwerelosen Erscheinung viele Liebhaber gewannen. Auch sein Entwurf des von der amerikanischen Miller-Kollektion in Serie gefertigten Coffeetable, einer auf Füßen liegenden Glasplatte, gilt heute als Ikone des Möbeldesigns.

Schon seit 1933 widmete sich Isamu Noguchi der Gestaltung von Spielplatzgeräten. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor internierten die Amerikaner 1941 alle Japaner. Noguchi begab sich als nicht betroffener amerikanischer Staatsbürger freiwillig in ein Internierungslager in Arizona und entwarf einen Erholungspark mit Spielplätzen zur Ausspannung und Erhebung. In der Ausstellung lädt die aufgeständerte schlangenartige Plastik „Play Sculpture“ von 1965 zum Spielen ein. An vielen Orten der Welt realisierte er diese zwischen hügeligen Rutschbahnen und Environments gestalteten Formationen, die Kindern ein Verhältnis zur Erde und zu Körpern geben und auf diese Weise neue Erfahrungen bereithalten sollen.

Entwürfe zu Gärten, Parks, Plätzen bis hin zu Land Art-Projekten, die zu einer Zeit entstanden, als diese künstlerische Sparte noch gar nicht existierte, bilden den Abschluss der Kölner Ausstellung. Im letzten großen Saal besticht der Entwurf zu „Sculpture to Be Seen from Mars (Memorial to Man)“. Die nie ausgeführte Arbeit stammt aus dem Jahr 1947, zwei Jahre nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki. Von einem außerirdischen Standpunkt lässt Isamu Noguchi in ein riesiges Gesicht auf der Erdoberfläche blicken. Es ist die Erinnerung an die Menschheit, abstrakt durch eine diamantförmige Nase, Noppenaugen, schwülstige Mundumrahmung und Plattbrettstirn in einer Sandwüste als Mahnmal realisiert. Was bleibt nach der Auslöschung der Menschheit durch Atombomben? Da sind wir schon wieder in der Gegenwart angelangt.

Die Ausstellung „Isamu Noguchi“ ist noch bis zum 31. Juli zu besichtigen. Das Museum Ludwig hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 35 Euro.

Kontakt:

Museum Ludwig Köln

Heinrich Böll Platz

DE-50667 Köln

Telefax:+49 (0221) 221 241 14

Telefon:+49 (0221) 221 261 65

Startseite: www.museenkoeln.de



29.06.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


26.03.2022, Isamu Noguchi

Bei:


Museum Ludwig Köln

Kunstsparte:


Skulptur

Kunstsparte:


Design

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Stilrichtung:


Surrealismus

Variabilder:

Isamu Noguchi, Radio Nurse and Guardian Ear, 1937
Isamu Noguchi, Radio Nurse and Guardian Ear, 1937

Variabilder:

Isamu Noguchi,
 The Queen, 1931
Isamu Noguchi, The Queen, 1931

Variabilder:

Isamu Noguchi, Modell für US-Pavillon Expo ’70 (Garden of the Moon), 1968
Isamu Noguchi, Modell für US-Pavillon Expo ’70 (Garden of the Moon), 1968







Isamu Noguchi, Radio Nurse and Guardian Ear, 1937

Isamu Noguchi, Radio Nurse and Guardian Ear, 1937

Isamu Noguchi, The Queen, 1931

Isamu Noguchi, The Queen, 1931

Isamu Noguchi, Modell für US-Pavillon Expo ’70 (Garden of the Moon), 1968

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Isamu Noguchi, Akari 25N, 1968

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Martha Graham with „Spider Dress“ and „Serpent for Cave of the Heart“, 1946

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Isamu Noguchi, Play Sculpture, 1965/2021

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Isamu Noguchi, Prismatic Table, 1957

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Isamu Noguchi, Trinity (Triple), 1945

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Isamu Noguchi mit „Study for Luminous Plastic Sculpture“, 1943

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Isamu Noguchi, Paris Abstraction, 1927/28

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Isamu Noguchi, Humpty Dumpty, 1946

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Isamu Noguchi, Boy Looking Through Legs (Morning Exercises), 1933

Isamu Noguchi, Boy Looking Through Legs (Morning Exercises), 1933




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