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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Mit der epochenübergreifende Schau „arm & reich“ will das Dom Museum Wien Finger auf Wunden legen, Sichtweisen verschieben und durch Kunstprojekte den von Armut Betroffenen eine Stimme verleihen

Am Ende der Kluft



David Hammons, Bliz-aard Ball Sale, 1983

David Hammons, Bliz-aard Ball Sale, 1983

Ende 2021 ließ der alljährliche Bericht zur weltweiten Ungleichheit, der World Inequality Report, mit der Meldung aufhorchen, dass während der Corona-Pandemie die Superreichen ihren Anteil am globalen Vermögen in Rekordgeschwindigkeit vergrößert haben. Seit 1995 sei das von den Milliardären dieser Welt gehaltene Kontingent an Vermögenswerten von ein Prozent auf drei Prozent gestiegen, hieß es in dem Bericht. Während der Besitz der Milliardäre um mehrere Billionen gewachsen sei, seien weitere hundert Millionen Menschen weltweit in die extreme Armut abgerutscht. In Österreich beispielsweise wird ein Drittel der Finanzvermögen von nur 320 Menschen gehalten, die jeweils über umgerechnet 100 Millionen Dollar verfügen. Nur wenig mehr, 36 Prozent der Finanzvermögen, halten 7,2 Millionen Österreicher mit jeweils weniger als 250.000 Dollar. Steigende Arbeitslosenzahlen, der Bedarf an Wohnbeihilfen, Sozialmärkten und Notschlafstellen sprechen eine erschütternde Sprache. In Österreich, der „Insel der Seligen“, sind aktuell 1,5 Millionen Menschen armutsgefährdet – 17,5 Prozent der Bevölkerung.


Dass das Thema Ungleichheit an Dringlichkeit gewonnen hat und erhöhte Aufmerksamkeit verdient, hat auch das Dom Museum Wien erkannt. „arm & reich“ lautet der lapidare Titel der aktuellen, von Museumsleiterin Johanna Schwanberg kuratierten Ausstellung. Der Anspruch der Schau: den Blick zu öffnen und auf Missstände hinzuweisen, namentlich auf sozioökonomische Ungleichheit und die Problematik der weltweit immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich.

Der weite Bogen der umfangreichen Schau spannt sich vom Mittelalter bis in die Gegenwart, von frühen Zeugnissen italienischer Malerei, liturgischen Schätzen, Fotografien und Videoarbeiten zu Projekten zeitgenössischer Künstler in Zusammenarbeit mit von Armut betroffenen Menschen. In den sechs Themenbereichen „Die große Schere“, „Gesichter und Geschichten“, „Kritik, Widerstand und Protest“, „Orte der Ungleichheit“, „Symbole, Materialien und Werte“ sowie „Teilen und Teilhabe“ werden Aspekte des Armseins in Wechselbeziehung zum Wohlstand gebracht, Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse verdeutlicht und Armut und Reichtum in teils drastischen Gegenüberstellungen dokumentiert. So treffen im ersten Raum eine spätmittelalterliche Darstellung des heiligen Martin um 1502, der sich entscheiden muss, welchen von zwei Bettlern er die Hälfte seines Mantels schenkt, und die aus Abfall gebaute Figur eines um Almosen bittenden „Sitzenden“ von Albrecht Wild aus dem Jahr 2008 auf Aufnahmen, die die Libanesin Lamia Maria Abillama von Frauen der brasilianischen Oligarchie und ihren Haushälterinnen gemacht hat. Dazu treten die Fotos des US-Amerikaners Jim Goldberg, der in seiner Serie „Rich and Poor“ Menschen an den entgegengesetzten Enden des American Dream portraitiert.

Armut hat viele Gründe und viele Gesichter. In den Antlitzen von Kindern ist die Tragik von Not und Elend besonders schwer zu ertragen: Biedermeierszenen wie Ferdinand Georg Waldmüllers „Bautagelöhner erhalten ihr Frühstück“ um 1859/60 und Peter Fendis „Frierender Brezelbub“ von 1828 verpackten Kinderarbeit noch in verklärend anrührenden Szenen. Ungleich drastischer sind neben Käthe Kollwitz’ grafischen Blättern „Städtisches Obdach“ von 1926 und „Ein Weberaufstand“ von 1897/98 vor allem die Arbeiten des spanischen Reportagefotografen Fernando Moleres. 1990 begann er in über 30 Ländern die brutalen Folgen von ausbeuterischer Kinderarbeit in seinem Langzeitprojekt „Child Labour Exploitation“ zu dokumentieren. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen beispielsweise zwei Buben, die auf ihren Köpfen aufeinandergestapelte Ziegelsteine tragen, oder ein Mädchen, das auf einer Müllhalde in Guatemala-Stadt einen riesigen Müllsack auf ihrem Rücken schleppt. Mit dem Verkauf des gesammelten Abfalls versucht die Kleine, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

In Iris Andrascheks Fotos der Serie „Piroska“ von 2010/11 geht es um die Beziehung einer in bescheidenen Verhältnissen lebenden alleinerziehenden Roma-Mutter zu ihren Töchtern. Hier wirkt die Wirklichkeit so unwirklich real, dass man glaubt, sie sei inszeniert. Die Farbfotografien, Interviews und Videos von Lauren Greenfield hingegen muten in der Gegenüberstellung mit den Armutszeugnissen schon beinahe zynisch an. Mit ihrem Projekt „Generation Wealth“, an dem Greenfield seit den 1990er Jahren arbeitet, gibt die Künstlerin Einblick in das Leben reicher Unternehmer und in eine Zeit des nie so dagewesenen Materialismus und nicht enden wollenden Strebens nach Reichtum, das die Künstlerin in den vergangenen Jahrzehnten beobachtet hat.

Dass die Kritik an politischen wie wirtschaftlichen Systemen, die zu ökonomischer Ungleichheit und sozialer Not führen, keine Erscheinung der Moderne ist, beweisen Rembrandt van Rijn mit seinem „Hundertguldenblatt“ von etwa 1649 und Pieter Bruegel d.Ä. mit dem „Mann mit dem Geldsack“ um 1568, der Münzen verteilt und dem die Schmeichler buchstäblich in den Hintern kriechen. Pionierinnen und Pioniere der politischen Collage von John Heartfield über die Wiener Designerin, Künstlerin und Architektin Friedl Dicker-Brandeis bis zu rezenten Positionen wie von Klaus Staeck nutzten vor allem das Plakat, um Einsichten in die Klassengesellschaft ins öffentliche Bewusstsein zu tragen.

Thomas Feuerstein und Johanna Kandl wiederum schreiben Motiven aus der medialen Berichterstattung, der täglichen Beobachtung oder der Kunstgeschichte pointierte Kommentare ein. So siedelt Kandl Namen von Superreichen wie Bill Gates, Steve Jobs, Paris Hilton, Donald Trump, Heidi Horten und Reinhold Würth in ihrem 2009 entstanden Gemälde „Bill, Paris und Donald sind umgezogen“ kurzerhand in einer Wohnwagensiedlung an. In Erinnerung bleibt auch die von Dawoud Bey fotografierte Performance des US-amerikanischen Künstlers David Hammons. Für seine Aktion „Bliz-aard Ball Sale“ stellte sich Hammons nach einem Schneesturm 1983 auf den Cooper Square in Manhattan und bot Schneebälle verschiedener Größe zum Verkauf an. Nichts ließ darauf schließen, dass es sich um eine Kunstaktion handelte. Inmitten des Prekariats des Straßenverkaufs schuf Hammons einen Ort der Begegnung, der die Menschen dazu anhielt, stehen zu bleiben und mit ihm ins Gespräch zu kommen.

Angesichts der zahlreichen sozialdokumentarischen Zeugnisse etwa von Hermann Drawe, dessen 1906 entstandene Fotoserie schonungslos „Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechens“ führt, der Aufnahmen von Moleres und Goldberg oder der 1972 entstandenen Offsetdrucken „Bettler“ von Sigmar Polke muss sich die Präsentation der schwierigen Frage stellen, ob mit der Zurschaustellung gegen ethische Richtlinien der Repräsentation verstoßen wird, indem das dargestellte Leid ästhetisiert wird. Fernando Moleres erklärte hierzu, dass Fotografie dazu dienen kann, das Bewusstsein für solche Missstände zu schärfen sowie Kampagnen zu initiieren und auf das Elend aufmerksam zu machen. Er sieht seine Werke als möglichen Anstoß für weitere politische und gesellschaftliche Veränderungen, um Kinderarbeit weltweit einzudämmen. Seit 2012 ist er Projektleiter der NGO Free Minor Africa, die inhaftierte Jugendliche in Sierra Leone mit Essen, Medizin und Geld versorgt und ihnen nach ihrer Entlassung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und Wohnsitz hilft.

Ein partizipatorisches Projekt mit Obdachlosen startete Thomas Struth 2004 in Düsseldorf. Insgesamt zwölf Menschen mit dem Lebensmittelpunkt Straße wurden im Rahmen des Projekts „Obdachlose fotografieren Passanten“ eingeladen, den passiven Zustand des Angestarrt- oder gar Übersehenswerdens zu verlassen, indem sie ihr Umfeld mittels kleiner Digitalkameras selbst dokumentierten. 2004 wurden die Fotografien in der Galerie fiftyfifty ausgestellt. Der Reinerlös aus dem Verkauf der Arbeiten kam der Obdachlosenhilfe zugute.

Die Idee zu einem weiteren Gemeinschaftsprojekt hatten zwei Brüder in der brasilianischen Favela Pereira da Silva in Rio de Janeiro. Gemeinsam mit andere Jugendlichen begannen sie, 1998 mit Alltagsmaterialien immer größere Favela-Modelle nachzubauen, bis das „Projeto Morrinho“ internationalen Kurator*innen auffiel und seither auf Kunstausstellungen gezeigt wurde, unter anderem 2007 auf der Biennale in Venedig. Aus der Initiative entstand eine verzweigte Kultur-NGO, die neben künstlerischen und filmischen Produktionen auch Jugendbildungsarbeit betreibt. Für die Gruppenausstellung „arm & reich“ im Dom Museum wurden drei Jugendliche des Favela-Kollektivs nach Wien eingeladen, um ein adaptiertes Modell des Armenviertels herzustellen: zwischen den bunt bemalten Häusern aus Ziegelsteinen steht dort nun auch eine Miniaturausgabe des temporären Ausstellungsortes.

Die Ausstellung „arm & reich“ ist bis zum 28. August zu sehen. Das Dom Museum Wien hat mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 7 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre 3 Euro.

Kontakt:

Dom Museum Wien

Stephansplatz 6

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 51552 5300



15.07.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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05.11.2021, arm & reich

Bei:


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