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Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther

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Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach

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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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In Kassel gibt es nicht nur die Documenta: Nach Jahrzehnten des Wiederaufbaus und der Restaurierung feiert die Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe die Wiedereröffnung

Von der Lust am Prahlen und Täuschen



Die mittelalterlich anmutende Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe

Die mittelalterlich anmutende Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe

Zu allen Zeiten haben sich Herrscher der Macht der Künste bedient, um ihre tatsächliche oder vermeintliche Stärke und Bedeutung zu unterstreichen. Auch der hessische Landgraf Wilhelm IX. meinte, zu diesem Mittel greifen zu müssen. Sein Ziel, die Verleihung der Kurwürde, erreichte er zwar 1803. Sie währte allerdings nur sehr kurz bis zur Ankunft Napoleons im Jahr 1806. Was bis heute bleibend davon zeugt, ist ein originelles Kleinod der Schlossbaukunst um 1800. Angelehnt an eine künstliche Ruine in seiner Residenz Schloss Wilhelmsburg bei Schmalkalden beauftragte der Landgraf nach seiner Inthronisierung 1785 den Architekten Heinrich Christoph Jussow mit dem Entwurf eines Ruinenturms als Landmarke mit frühromantischer Fernwirkung. Mit den Jahren weitete sich das ab 1793 begonnene Projekt zu einer geschlossenen, um einen Innenhof gruppierten, reich ausgestatteten Mehrflügelanlage aus: Der Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe.


Dem gegenüber liegenden kolossalen Nachbau eines römischen Aquädukts sollte die künstliche Burgruine das alte Deutschland repräsentieren, aber auch die Herkunft des Landgrafengeschlechtes wirkmächtig inszenieren. Äußerlich die Illusion einer Höhenburg vortäuschend, innen ein funktionierendes barockes Schloss, diente der Bau primär der Vorführung und Repräsentation, ab und an auch als privater Rückzugsort. Selten – wohl nur zwei Mal – hat der Fürst samt Gefolge hier genächtigt. Feste Wohnungen waren nur für den Burgvogt und den Kaplan eingeplant. Auch die unmittelbare Umgebung der Burg ließ der Fürst Inszenieren und einen altertümlich wirkenden Burggarten, einen Weinberg, einen Turnierplatz und einen Tiergarten anlegen. In Abweichung von der Tradition des Hauses Hessen, sich in der Stiftskirche St. Martin beisetzen zu lassen, konzipierte Wilhelm die Kapelle als seine Grablege. Hier wurde er nach seinem Ableben im Jahr 1821 nach mittelalterlichem Zeremoniell bestattet.

Im Zweiten Weltkrieg fiel der mächtige Bergfried dem Bombardement anheim, lediglich der angrenzende Treppenturm hielt stand. Dies verfälschte über Jahrzehnte die Wirkung des Gesamtbaus. Die fehlende Scharnierfunktion des Bergfrieds zwischen Damen- und Herrenbau führte zu einer Unterbrechung in der Raumfolge der fürstlichen Appartements in der Belletage. Zudem waren zentrale Gesellschaftsräume wie das Speisezimmer im Erdgeschoss, die Bibliothek samt Kunstkabinett im Obergeschoss und der darüber liegende Rittersaal verloren gegangen. Da das gesamte ausgelagerte Inventar den Krieg überstand, setzte schon 1953 die Behebung erster Schäden an Kirche, Rüstkammer und Damenbau ein.

Nach langen und intensiven Diskussionen in Fachkreisen der Denkmalpflege hat man sich um die Jahrtausendwende entschlossen, den Turm als Keimzelle der Anlage nach historischem Vorbild wieder zu errichten. 2016 begann das Aufmauern in künstlichem Tuffstein. Heute zeigt sich die Burg äußerlich im 1801 vollendeten Zustand. Ebenso konnte die Wiederherstellung der fürstlichen Wohnräume weitgehend abgeschlossen werden, während andere Räume wie der Rittersaal oder die Kirche noch der inneren Rekonstruktion und Restaurierung harren. Der Empfangssalon im Fürstenbau wurde zunächst nur partiell wiederhergestellt, um zu verdeutlichen, was künftig noch zu tun ist.

Eine Flut an Büchern, Kleinmöbeln, Bildern und kunstgewerblichen Artefakten füllt die wieder eingebauten Wandschränke im Rund der Bibliothek im ersten Obergeschoss des Bergfrieds. Von hier aus führt der Weg durch die mit wertvollen Gobelins bestückten Wände des Vor- und Arbeitszimmers ins Schlafzimmer des Hausherrn mit dem Bettalkoven. Über 90 Prozent der erhaltenen Porzellane, Möbel, Leuchter, Skulpturen, Vasen, Uhren und rund 100 Gemälde, darunter vor allem Porträts von Vorfahren, haben wieder den für sie angestammten Platz eingenommen. Über eine Galerie, bestückt mit einer kostbaren Goldledertapete, gelangt man in den Damenflügel mit Ritter-, Jagd- und Spielezimmer. Hier gipfelt die Tapetenkunst in einer meisterlichen Perltapete, die zu den kostbarsten Stücken zählt. 600.000 auf den karmesinroten Atlas genähte Perlen präsentierten in 104 Bildern Figurengruppen in höfischer Mode des 16. bis 18. Jahrhunderts. Für diese Applikationsstickerei wurden fast 80 verschiedene Seidengewebe verwendet. Gesichter und Hände bestehen aus aufgeklebtem bemaltem Pergament.

Vom Bergfried aus schweift der Blick über den Herkules und das Schloss Wilhelmshöhe bis weit über die Stadt Kassel hinaus. Rund 200 Millionen Euro hat das Land Hessen bisher in die Restaurierung der umgebenden Park- und Schlosslandschaft investiert; allein rund 40 Millionen Euro kosteten die Maßnahmen an der Löwenburg. Abschließend lohnt sich der Besuch der reich ausgestatteten Kapelle mit dem von Johann Christian Ruhl geschaffenen Kenotaph, unter dem sich eine Etage tiefer die Gruft mit dem eindrucksvollen klassizistischen Marmorsarg des Landgrafen befindet. Einige aus dem Spätmittelalter stammende, eingelagerte Glasfenster harren noch der Restaurierung. Nebenan in der Waffenhalle versammeln sich Kriegsgeräte und Rüstungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit dem „Schwarzen Ritter“ im Zentrum. Als neuer Bewohner und Pendant steht ihm der „Weiße Ritter“ zur Seite. Das zeitgenössische Kunstwerk einer zerbrechlichen Ritterrüstung aus Porzellan schuf der niederländische Künstler Hans van Houwelingen.

Die Löwenburg hat von April bis Oktober täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, von November bis März freitags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Eine Besichtigung ist ausschließlich zur vollen Stunde mit einer Führung möglich. Das Tagesticket „Wilhelmshöhe“ inklusive Schloss Wilhelmshöhe und Herkules kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Zutritt frei.

Kontakt:

Museumslandschaft Hessen Kassel - Löwenburg

Schlosspark 9

DE-34131 Kassel

Telefon:+49 (0561) 316 80 244

Telefon:+49 (0561) 316 80 123



18.07.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Das Schlafzimmer im Damenbau der Löwenburg
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die Waffenhalle mit dem „Schwarzen Ritter“
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der rekonstruierte Bergfried der Löwenburg

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bei der Restaurierung der Perltapete

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Beletage der Löwenburg mit dem Schreibkabinett

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das Arbeitszimmer des Landgrafen

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in der Kapelle der Löwenburg

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das Südtor der Löwenburg

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die Waffenhalle mit dem „Schwarzen Ritter“

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der Bergfried der Löwenburg von der Hangseite

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Das Schlafzimmer im Damenbau der Löwenburg

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der Fürstentrakt der Löwenburg

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der „Weiße Ritter“ aus Porzellan von Hans van Houwelingen

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das Spielezimmer im Damentrakt mit der Perltapete

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