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Passage II. Hommage à Watteau / Doris Ziegler

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Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther

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Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach

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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Aktuellzum Archiv:Museumsportrait

Die Stadt Luxemburg und Esch-sur-Alzette sind die beiden größten Orte des Großherzogtums Luxemburg. Das im Ausland noch weitgehend unbekannte Esch jedoch ist in diesem Jahr europäische Kulturhauptstadt und kann der Kapitale in mancherlei Hinsicht die Stirn bieten

Aufbruch im alten Stahlrevier – Teil I



Konschthal Esch ist ein zentraler Anlaufpunkt der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt Esch-sur-Alzette

Konschthal Esch ist ein zentraler Anlaufpunkt der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt Esch-sur-Alzette

Auf einem Werbeplakat am Flughafen Luxemburg steht: „Mit Luxemburger Stahl wurden die Wolkenkratzer in New York gebaut“. Heute ist es eher der Finanzsektor als die Stahlindustrie, der den Wohlstand des Großherzogtums ausmacht. Die idyllisch in einem Flusstal gelegene Hauptstadt Luxemburg platzt jedoch aus allen Nähten. Die Immobilienpreise und Mieten sind astronomisch hoch. Und viele der nach dem Brexit aus London abgewanderten Unternehmen aus der Finanzbranche haben sich wegen des Platzmangels in Frankfurt, Paris oder Dublin angesiedelt, statt, wie erhofft, in der Steueroase Luxemburg. Deshalb rückt jetzt die zweitgrößte Stadt des Landes in den Fokus: Esch-sur-Alzette, im Süden an der französischen Grenze gelegen. Esch ist eine der drei europäischen Kulturhauptstädte 2022. Ähnlich wie im Ruhrgebiet ist auch hier ein tiefgreifender Strukturwandel im Gange. Große Stahlwerke wurden geschlossen und stehen als Baudenkmäler am Rande bereits neu gegründeter oder gerade im Entstehen begriffener Stadtteile. Eine Universität in neuen Quartier Belval befindet sich neben einem Shoppingcenter mit trendigen Steakhäusern und Sushi-Restaurants. Nebenan wird zur Zeit das neue Luxemburger Nationalarchiv gebaut. Re-Urbanisierung lautet hier das Stichwort. Schöne neue Welt.


Und die Kunst? In Esch wurde im Oktober 2021 die Konschthal Esch eröffnet, ein ambitioniertes Ausstellungshaus im Multi-Kulti-Stadtteil Brill unter der Leitung des aus der Stadt stammenden Kunsthistorikers, Fotografen und Kurators Christian Mosar. Zu Eröffnung punktete man hier mit einer großen Gregor Schneider-Schau unter dem Titel „Ego-Tunnel“. Und in diesem Sommer setzt Mosar zusammen mit seinem Projektleiter Charles Wennig auf ein spektakuläres Kunstwerk, das erneut viele Besucher in die Konschthal locken soll. Der dänische Künstler Jeppe Hein hat in das Ausstellungshaus eine interaktive Kugelbahn mit dem Titel „Distance“ gebaut, die sich über drei Etagen erstreckt und nahezu jeden Winkel ausnutzt. Das ursprünglich aus dem Jahr 2004 stammende Werk war bereits in zahlreichen internationalen Museen zu Gast und wird dem jeweiligen Ausstellungsort entsprechend ortsspezifisch angepasst.

So auch in Esch. Alle Besucher*innen, die die Konschthal betreten, lösen per Bewegungssensoren den Lauf eines großen weißen PVC-Balls aus, der dann über Rampen, kleine Hebeanlagen und Spiralen hinweg lautstark durch das Gebäude saust. Die Gäste können versuchen, „ihrem“ Ball auf einem rund 800 Meter langen Rundkurs durch das Gebäude zu folgen, oder auch nur mit den Augen den Weg der anderen Kugeln nachvollziehen. Je nach Besucheraufkommen ist das entweder ein kontemplativer oder auch verwirrender Zeitvertreib. Auf jeden Fall werden Schwellenängste abgebaut und das Publikum lernt auf geradezu spielerische Art und Weise das Ausstellungshaus kennen. Jeppe Hein ist bekannt dafür, zusammen mit den Mitarbeiter*innen seines Berliner Studios spektakuläre und verblüffende Installationen für Museen, Parks und den öffentlichen Raum zu entwerfen. Ob interaktive Brunnen, wie von Geisterhand bewegte Besucherbänke im Museum oder Spiegellabyrinthe – die partizipatorische Kunst von Jeppe Hein ist zugänglich und nicht ohne Witz, gespickt mit Jahrmarktelementen, aber auch mit subtilen Verweisen auf die Minimal Art und einer wohldosierten Portion Nachdenklichkeit über das menschliche Sein und Miteinander.

Doch die Konschthal Esch hat in diesem Sommer nicht nur Heins Kugelbahn-Kunst zu bieten. Noch bis zum 4. September läuft parallel die Ausstellung „Metalworks – designing & making“, kuratiert von Georges Zigrand und Charlotte Masse. In dieser Schau geht es um die Verbindung von Kunst, Design und Produktion am Beispiel der Herstellung von Mobiliar und Wohnaccessoires aus Metall. Gleichzeitig wird aber auch der programmatische Rahmen der noch jungen Konschthal definiert, die sich neben bildender Kunst in Zukunft auch immer wieder mit benachbarten Kulturfeldern wie dem Design beschäftigen wird. Fast schon in lexikalischer Vollständigkeit zeigen Zigrand und Masse die wichtigsten Methoden der Metallbearbeitung vom Gießen über das Hämmern und Fräsen bis hin zum 3D-Druck auf. Der dezent brutalistische Sichtbetoncharme der Ausstellungsräume korrespondiert perfekt mit den metallenen Tischen, Bänken, Sesseln, Kleiderständern, Lampen und Hockern.

Zu den ältesten Exponaten der Schau zählt der 1986 entstandene „Well Tempered Chair“, ein kurvenreiches Sitzmöbel aus gehärtetem Stahl und zahlreichen Verschraubungen des israelischen Designers Ron Arad. Ein weiteres Referenzmodell für die jüngere Designgeschichte stellt der aus einer einzigen kurvig gebogenen und polierten Aluminiumplatte hergestellte Sessel „LC95A“ des belgischen Designers Maarten van Severen aus den frühen 1990er Jahren dar. Heutzutage dagegen kommen vermehrt auch auf Prinzipien des Recycling und der Nachhaltigkeit basierende Konzepte zum Einsatz. So entstehen etwa die „Can Stools“ des britisch-japanischen Kollektivs Studio Swine aus weggeworfenen Getränkedosen. In der brasilianischen Megacity São Paulo hat die Gruppe in mobilen Minigießereien einfache Hocker direkt auf der Straße hergestellt. Als kostenloser Energieträger für den Schmelzprozess diente ausgedientes Frittierfett aus benachbarten Lokalen. Gerade vor dem Hintergrund der langen Tradition der Stahl- und Eisenherstellung in Esch ist diese Präsentation in der Konschthal genau am richtigen Platz. Zudem befindet sich die Kunsthalle in den Räumlichkeiten eines früheren Möbelhauses. Was gäbe es also Passenderes, in einer der ersten Ausstellungen an diese Tradition anzuknüpfen?

Für den kommenden Herbst plant Konschthal-Direktor Christian Mosar noch eine umfangreiche Personale mit dem litauischen Künstler Deimantas Narkevicius sowie eine Schau mit fotografischen Porträts des für seine ebenso einfühlsamen wie repräsentativen fotografischen Gruppenporträts bekannten Künstlerduos Clegg & Guttmann. Die von der Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts beeinflussten konzeptuellen Fotokünstler zeigen in Esch eine besondere Auswahl ihres Schaffens: und zwar diejenigen Porträts, die von den Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik, Adel und Großbürgertum abgelehnt wurden – darunter wohl auch ein Bildnis des damaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin Klaus Wowereit. In Planung ist weiterhin eine thematische Gruppenausstellung zum Phänomen Eigenheim – auch keine schlechte Wahl für Luxemburg, wo das Thema Immobilien ja eine so wichtige Rolle spielt.

Nicht weit entfernt von der Konschthal befindet sich das historische Bridderhaus, ein 1878 errichtetes ehemaliges Krankenhaus für die Arbeiter eines Stahlwerks. Christian Mosar ist gerade dabei, den Komplex zu einem gut ausgestatteten Atelierhaus für 17 Stipendiat*innen auszubauen. Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten, Galerien, eine große Gemeinschaftsküche, ein Garten und ein Restaurant für besondere Anlässe werden demnächst zur Verfügung stehen.

In einem bereits fertig renovierten, kleinen Nebengebäude wohnt und arbeitet hier schon das unter dem Label „Mobile Radio“ operierende Duo Sarah Washington und Knut Aufermann. Die beiden sind sozusagen permanent auf Sendung. In Zusammenarbeit mit der Europäischen Kulturhauptstadt und der Documenta fifteen betreiben sie das 100tägige Radioprojekt „Radio Art Zone“, einen Radiosender, der 24 Stunden am Tag nonstop sendet – im Internet und auf UKW. Sie laden Künstler*innen aus der ganzen Welt ein, ausgedehnte Radiobeiträge zu liefern. Darüberhinaus produzieren sie jeden Mittag die zweistündige Sendung „À table“ aus den Privatküchen, Kantinen, Gärten und Picknickzonen von Esch und Umgebung, wo sie unterschiedliche Menschen beim Zubereiten ihres Mittagessens mit dem Mikrofon begleiten.

www.esch2022.lu
www.konschthal.lu

Kontakt:

Konschthal Esch

29-33 boulevard Prince Henri

LU-4280 Esch-sur-Alzette



25.07.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Thomas Heatherwick, Extrusion (Billet 6, Extrusion 3), 2016
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Thomas Heatherwick, Extrusion (Billet 6, Extrusion 3), 2016

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Jeppe Hein, Modified Social Bench #14, 2012

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Christian Mosar ist Direktor der Konschthal Esch

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in der Ausstellung „Metalworks – designing & making“

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in der Ausstellung „Jeppe Hein – Distance“

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Studio Swine, Can City, 2013

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in der Ausstellung „Jeppe Hein – Distance“

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Xavier Lust, Archiduchaise, 2004/07

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Max Lamb, Nanocrystalline Copper Chair, 2010

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in der Ausstellung „Jeppe Hein – Distance“

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