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Passage II. Hommage à Watteau / Doris Ziegler

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Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther

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Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach

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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Eine mehrteilige Schau in Trier dokumentiert mit herausragenden Artefakten, wie und warum das Römische Reich endete

Erbe eines Imperiums



in der Ausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“

in der Ausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“

Zu den wichtigsten Gütern in Roms Seehafen Ostia zählte Getreide aus Nordafrika. Als der Kriegsverband der Vandalen im Jahr 429 Teile der dortigen römischen Provinzen eroberten, entstanden erhebliche Engpässe; denn die Versorgung der Hauptstadtbewohner war von diesen Kornlieferungen abhängig. Eine Wandmalerei aus den Jahren um 250 n. Chr. verweist mit dem Umladen des wertvollen Gutes auf Flussschiffe darauf. Der in der Bootsmitte stehende Besitzer Arascantus prüft den Ladevorgang, während der Kapitän Farnaces schon abfahrbereit am Steuerruder steht. Die Szene erinnert an aktuelle Ereignisse in der Ukraine. Etwas weiter im 14 Säle umfassenden Parcours der großen Landesausstellung in Trier holt den Besucher abermals die Vergangenheit ein. Aus den Jahren um 530 n. Chr. stammt die älteste grafische Darstellung der Berechnung des Osterzyklus vom Mönch Dionysius Exiguus, der um 525 unsere heutige, mit der Geburt Christi beginnende Zeitrechnung festlegte. Lange brauchte es, bis sich diese durchsetzte. Doch der Streit um das Osterfest blieb letztlich mit Kalenderreform Papst Gregors XIII. im 1582 bestehen mit der Folge, dass noch heute katholische und orthodoxe Kirchen zu anderen Terminen Ostern feiern.


Erstmals nun beleuchtet eine breit angelegte, rund 5,7 Millionen Euro teure Blockbusterschau im Rheinischen Landesmuseum Trier, dem dortigen Museum am Dom und dem Stadtmuseum Simeonstift das Ende des römischen Großreiches. Hierzu gibt es weder einen Stichtag noch einen singulären Anlass. Bei dem Untergang Roms handelt sich um einen diffusen, langwierigen und fließenden Prozess über rund 150 Jahre hinweg, in den viele Personen, Ereignisse und religiöse Veränderungen hineinspielen. Herausragende Exponate helfen dabei, nicht nur diesen schwelenden Entwicklungsgang konkreter ins Bild zu rücken, sondern schlagen auch auf teils drastische Weise den Bogen in die Gegenwart. In der einstigen römischen Metropole und ältesten deutschen Stadt Trier fühlte man sich prädestiniert, unter Einbindung der hochkarätigen Fundstücke vor Ort die Abfolge von Begebenheiten, deren Konsequenzen sowie die bis heute spürbaren Auswirkungen zu vermitteln.

Der Hauptteil im Rheinischen Landesmuseum umfasst allein 250 Exponate und setzt mit einer hell inszenierten Bestandsaufnahme in den ersten drei Sälen ein. Die aus edlem Porphyr geschlagene große rote Statue eines Kaisers im Militärmantel mit Gewandspange, ein Flachrelief mit einer Gruppe von Staatsbeamten mit Zwiebelkopffibeln, ein als Geschenk für hohe Bedienstete des Kaiserhofes gefertigtes Diatretglas oder Treuemedaillons mit dem thronenden Herrscher geben Einblicke in den gut organisierten Staatsapparat. Doch dann wird die Zeit sprichwörtlich dunkler, was die mehr und mehr zurückgefahrene Raumausleuchtung probat inszeniert. Das Modell eines Patrouillenbootes erinnert an die zunehmenden Auseinandersetzungen etwa mit den Barbaren, die in einem Relief als verzweifelt Kämpfende vor einfachen Behausungen illustriert werden, damit sich die Römer ihrer eigenen Identität vergewissern können. Ab 406 müssen sich römische Soldaten von der Rhein-Grenze zurückziehen.

Innerstaatliche Aufstände und kriegerische Konflikte banden Ressourcen und evozierten ein selbstzerstörerisches Potential, das heute als Hauptgrund für den Untergang des seit 395 in ein Ost- und Westreich gespaltenen Landes gilt. Unerfahrene Kaiser überließen Heermeistern immer mehr Befugnisse. Deren Position entwickelte sich folglich zu einem „Regierungschef“. Das Elfenbeinrelief eines Schreibtäfelchens mit der Darstellung eines Heermeisters zeugt von dessen zentraler Stellung. Mit der Ermordung Kaiser Valentinians III. 455 durch rivalisierende Gruppen am Hof begann die Sterbephase des Reiches. Die zentrale Kontrolle über alle Landesteile löste sich auf. Mosaike zeigen die Aneignung von Villen und Gütern durch Eroberer. Als im Jahr 476 der letzte Kaiser Romulus Augustulus abgesetzt wurde, übernahm im Kerngebiet der König von Italien die Macht. Den Schlusspunkt der Schau bildet das leuchtende Goldmosaik mit dem Porträt des oströmischen Kaisers Justinians, der ab 535 vergeblich versuchte, Italien unter seine direkte Kontrolle zu stellen.

Museumsdirektor und Kurator Marcus Reuter beleuchtet in der zentralen Ausstellung die Rolle der Kirche eher ephemer. Im Kontext von Machtvakuen gelang es ihr, sich zu einer einflussreichen, in strikten Hierarchien segmentierten Institution zu entwickeln. Bischöfe standen an der Spitze regionaler Autoritätsabhängigkeiten. Im Westen konzentrierte sich alles auf den Bischof von Rom als Nachfolger des Apostels Petrus, der als erster Papst angesehen wurde. Der machtvolle politische Einfluss des römischen Bischofs signalisiert die Übernahme von Elementen kaiserlicher Repräsentation. Im vierten Jahrhundert etablierte sich das Kreuz als christliches Zeichen.

Die Rolle der Kirche und der Aufstieg des christlichen Glaubens lassen sich in der Region um Trier einprägsam nachvollziehen. Sie stehen im Fokus der von Markus Groß-Morgen kenntnisreich konzipierten Begleitschau „Im Zeichen des Kreuzes“ im Museum am Dom. In der ältesten deutschen Bischofsstadt ist man in der Lage, aus eigenen Beständen die Ausbreitung des Christentums von einer jüdischen Sekte zur Staatsreligion probat zu illustrieren. Viele Erkenntnisse aus Grabfunden des seit der Antike bis ins frühe Mittelalter ununterbrochen genutzten Begräbnisortes von St. Maximin geben Aufschlüsse über Kleidung, Gesundheitszustand, Ernährung bis hin zu kultischen Bräuchen.

Aktuelle Untersuchungen der körperlichen Überreste des zwischen 347 bis 358 amtierenden Trierer Bischofs Paulinus legen die Authentizität der Befunde nahe. Neben den forensisch-entomologischen Untersuchungsergebnissen einer in seiner Nasenhöhle entdeckten Fliege wird auch die neue Rekonstruktion seines Schreins vorgestellt. Zu den erlesenen rund 200 Exponaten gehört eine Elfenbeintafel, auf der eine vom Kaiserpaar angeführte Überführung von Reliquien zu sehen ist, was auf bemerkenswerte Weise die enge Verschränkung von Staat und Kirche offenbart. Ein weiterer Schwerpunkt sind der Bau und die Ausstattung der monumentalen Gebäudegruppe des Trierer Domes mit seinem von vier monolithischen Granitsäulen getragenen zentralen „Quadratbau“, mit dem zum Ende des vierten Jahrhunderts die Kathedrale vollendet wurde.

Last but noch least widmet sich das städtische Museum Simeonstift dem Fortleben des Römischen Reiches in der Kunst- und Kulturgeschichte. Dicht gedrängt vor roten Vorhängen mit bühnenartiger Anmutung versammeln sich thematisch und chronologisch arrangierte Gemälde, kunstgewerbliche Objekte und Dokumente mit teils skurrilem, persiflierendem Impetus zwischen Ablehnung und Bewunderung. Wie Visionen und Mythen das Kunstschaffen beherrschen, machen etwa die junge Bronze des „Gescheiterten Varus“ in Haltern am See von Wilfried Koch aus dem Jahr 2003 oder Joseph-Noël Sylvestres Historiengemälde von der Plünderung Roms durch die Barbaren von 1890 deutlich. Sagen wie jene um den britischen König Artus oder um die Nibelungen greifen die Epoche in erdichteter Form wieder auf.

Viele Exponate untermauern, wie Herrscher der Nachfolgereiche an das imperiale Machgehabe römischer Kaiser anknüpften. Als das oströmische, zum Byzantinischen Reich mutierte Herrschaftsgebiet 1453 mit dem Sieg der Osmanen und dem Fall Konstantinopels endete, sah sich der Eroberer Mehmed II. als Nachfolger römischer Kaiser. Auch der russische Zarentitel leitet sich von Caesar ab. Auf dem Gebiet des weströmischen Reiches etablierten Herrscher wie der Franke Karl der Große durch Einforderung der Kaiserkorne oder der Staufer Friedrich II. mittels Baupolitik oder Münzprägungen eine Art Nachfolge-Kaisertum, das bis 1806 existierte. Napoleon erkannte genau die Symbolkraft des Römischen Reiches und übernahm von ihm Zeichen wie Adler, Lorbeerkranz bis hin zum römischen Krönungsornat.

Den politischen Missbrauch antiker Sinnbilder während des Faschismus in Deutschland und Italien thematisiert das letzte Kapitel, bevor Anselm Kiefer in seiner Collage „Varus“ die Schlacht im Teutoburger Wald neu deutet und Markus Lüpertz mit der Grafik- und Weinedition „Indutiomarus“ ihr ein künstlerisches Denkmal setzt. Damit ist man wieder in der Gegenwart angekommen. Niemand sollte jedoch die reich illustrierten Aspekte des Römischen Reiches nutzen, erneut ein imperiales Machgehabe mit Gewalt zu erzwingen. Es zeigt sich, dass auch dies ein Intermezzo bleiben würde.

Die Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“ ist bis zum 27. November zu besichtigen. Alle drei Museen haben dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das Kombiticket kostet 22 Euro, ermäßigt 19 Euro. Zu allen Ausstellungseinheiten sind Kataloge erschienen.

Stadtmuseum Simeonstift Trier
Simeonstraße 60
D-54290 Trier
Telefon: +49 (0)651 – 718 14 59

Museum am Dom Trier
Bischof-Stein-Platz 1
D-54290 Trier
Telefon: +49 (0)651 – 71 05 255

Kontakt:

Rheinisches Landesmuseum Trier

Weimarer Allee 1

DE-54290 Trier

+49 (0651) 977 40

+49 (0651) 977 42 22

E-Mail: info@rlmtrier.de

Startseite: www.landesmuseum-trier.de

untergang-rom-ausstellung.de



29.07.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Metallbeschlag des Paulinus-Sarkophags, 4. Jahrhundert n. Chr.
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Metallbeschlag des Paulinus-Sarkophags, 4. Jahrhundert n. Chr.

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Silberplatte mit der Darstellung Kaiser Theodosius mit Mitkaisern und Leibwache, 4. Jahrhundert n. Chr

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