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Ein Blick auf die Kunst der Zukunft: Das „Forecast Forum Edition 7“ stellte jetzt im Radialsystem Berlin an drei abwechslungsreichen Abenden 18 Bewerber*innen für das internationale Mentorenprogramm und dann die Gewinner*innen vor

Mach, was du machen willst



Die „Forecast Forum Edition 7“ in Berlin

Die „Forecast Forum Edition 7“ in Berlin

Was haben der malawische Comedian Daliso Chaponda, die libanesische Investigativjournalistin Alia Ibrahim, die österreichische Choreografin Florentina Holzinger, die kolumbianisch-französische Filmregisseurin Laura Huertas Millán, die serbisch-amerikanische Künstlerin Ana Prvacki und der indonesische Vokalist Rully Shabara gemeinsam? Auf den ersten Blick vielleicht nicht viel, bei genauerem Hinschauen jedoch eine ganze Menge. Alle sechs nämlich fungieren in diesem Jahr als Mentor*innen bei Forecast, einem internationalen Mentorat, das weltweit seinesgleichen sucht. Forecast, gegründet 2015 von dem Regisseur Freo Majer, der bis heute auch als künstlerischer Direktor der Plattform fungiert, ist ein Programm des Vereins Skills e.V. für Wissenstransfer, das international und interdisziplinär angelegt ist. Es hat sich zum Ziel gesetzt, Kulturproduzent*innen aus den Bereichen Bildende Kunst, Architektur, Design, Musik, Tanz, Videokunst, Kuration, Theorie und neuerdings auch Journalismus und Unterhaltung mit anerkannten und etablierten Künstler*innen in Kontakt zu bringen.


Jedes Jahr sechs werden innovative Projekte mit einem Fokus an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet. Ziel von Forecast ist es, Talenten einen inhaltlichen Schub zu geben, um ihre Karriere weiter aufzubauen. Gleichzeitig wird ihnen der Zugang zu Netzwerken, Residencies, Stipendien, Projektförderungen u.a. durch staatliche Institutionen aber auch öffentliche oder private Stiftungen vermittelt. Die Förderung ist auf jeden Teilnehmer individuell zugeschnitten. Außerdem werden Räume, technisches Equipment und bei Bedarf Techniker zur Verfügung gestellt. Dabei wird Forecast mit Geldern aus dem Etat von Claudia Roth, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, unterstützt. Doch auch das Goethe-Institut sowie weitere nationale Kulturinstitute, etwa das British Council oder das Institut Français, zählen zu den langjährigen Förderern und Partnern. Somit steht Forecast für das nach wie vor weltoffene Förderklima des deutschen Kulturbetriebs.

Vor kurzem wurde das Radialsystem Berlin zum wiederholten Male zur großen Bühne für diejenigen unter den Bewerber*innen, die es in die Schlussrunde für die Saison 2022/23 geschafft haben. Jede/r der Mentor*innen konnte sich nämlich aus der hohen Zahl von mehr als 1.000 Bewerbungen jeweils drei Kandidat*innen auswählen. Diese wurden jetzt eingeladen, ihr Projekt auf den Bühnen, den Studios und dem Freigelände des Radialsystems dem Berliner Publikum vorzustellen. Den Publikumstagen ging eine mehrtägige interne Phase des Aufbaus, der Proben und vor allem des Get-together voraus, in deren Rahmen sich die jungen Künstler*innen und Mentor*innen bei Gruppenaktivitäten und Workshops besser untereinander kennenlernen sollten. Angesichts des gegenwärtig von Social Distancing und allgemeiner Verunsicherung geprägten gesellschaftlichen Klimas wurden für die Forecast Saison 2022/23 ganz bewusst Tutor*innen ausgewählt, deren Praxis stark von Körperlichkeit und unmittelbarer Erfahrung geprägt ist.

Der erste Abend wartete mit Präsentationen aus den Themenblöcken „Slapstick and Seduction“ sowie „Humor and Storytelling“ auf. Die Mentorin für „Slapstick & Seduction“ heißt in diesem Jahr Ana Prvacki. Sie ist eine international bekannte, interdisziplinär arbeitende Performance- und Installationskünstlerin mit serbischen Wurzeln, die seit einigen Jahren in Berlin lebt. Momentan ist sie mit einem innovativen digitalen Projekt im Berliner Gropiusbau vertreten. „Apis Gropius“, eine Augmented Reality Experience im Lichthof des Ausstellungshauses, nimmt die Besucher*innen auf eine imaginäre Reise durch das Gebäude mit, in der eine fiktive Bienenart mit den Nutzer*innen in einen ebenso humorvollen wie wissenschaftlich seriösen Dialog über das Verhältnis Mensch und Nutztier sowie andere ökologische Fragestellungen tritt.

Angesichts ihrer künstlerischen Praxis liegt es natürlich nahe, dass auch Ana Prvackis Nominees mit ihren Vorschlägen an den Schnittstellen von Kunst und Naturwissenschaft operieren. Die kroatische Künstlerin Mia Štark etwa stellte in ihrem performativen Kurzvortrag die eigentümlichen Fernsehgewohnheiten ihrer Großmutter vor und beschäftigte sich davon ausgehend mit der Frage, wie wir mediale Inhalte wahrnehmen und uns davon unbewusst beeinflussen lassen. Die in den Niederlanden lebende US-amerikanische Künstlerin Sasha Bergstrom-Katz thematisierte in ihrer perfekt inszenierten und kurzweiligen Performance Intelligenztest und Taschenspielertrick. Und die Spanierin Aïda Gómez, die leider nicht selbst anreisen konnte, befasste sich mit dem ubiquitären Phänomen des Baumstumpfs in Straßen und Parks. Stellvertretend für die Künstlerin führte ein Berliner Schauspieler das Publikum in den Außenbereich des Radialsystems, wo sich ein auf dem Rasen platzierter Baumstumpf schließlich als essbare Torte erwies, die an alle Teilnehmenden verteilt wurde.

An dieser Stelle würde es zu weit führen, alle 18 Projekte ausführlich zu beschreiben. Daher im Folgenden nur ein paar Stichworte, die das Spektrum dessen aufzeigen, was bei Forecast dargeboten wurde: Der junge pakistanische Filmemacher Hamza Baig präsentierte in der von dem mit großen Entertainerqualitäten ausgestatteten malawischen Komödianten Daliso Chaponda moderierten Sektion „Humor and Storytelling“ das Promovideo für eine geplante Webserie vor. In derselben Sektion las auch die im New Yorker Exil lebende queere ugandische Schriftstellerin Patricia Achiro Olwoch aus ihrem gerade entstehenden Debutroman „Sex or Slave“ einige Passagen vor. Und die kanadisch-französische Autorin und Comedienne Jo Güstin gab eine Kostprobe ihres mit schwarzem und queerem Humor gespickten Programms.

Am zweiten Abend standen unter dem Titel „Reworlding Stories“ zunächst Projektvorschläge im Fokus, die bei der französisch-kolumbianischen Filmemacherin Laura Huertas Millán eingereicht wurden. Die Bandbreite reichte von Erzähltraditionen in den bolivianischen Anden (Luciana Decker Orozco) über das verborgene Leben der Schlangen (Constantin Jopeck) bis hin zu den von der britischen Kolonialmacht in Pakistan errichteten Bergstädten, deren touristische Beliebtheit dazu führt, dass der ökologische Kollaps ihrer waldreichen Umgebung kurz bevorsteht (Hira Nabi). Im zweiten Teil des Abends unter dem Mentorat der libanesischen Journalistin Alia Ibrahim ging es um eine künstlerische Recherche zu tragischen Unfällen an Filmsets (Alexis Guillier), ein partizipatives Theaterexperiment (Siu Hei Chung) oder ein Filmprojekt über die politisch-religiösen Spannungen zwischen Irland und Nordirland (Yurika Higashikawa).

Am letzten Abend präsentierten der indonesische Vokalist und „Stimmenforscher“ Rully Shabara und die österreichische Choreografin und Performancekünstlerin Florentina Holzinger die von ihnen ausgewählten jungen Künstler*innen. Der erste Teil rankte sich um so unterschiedliche Themen wie die Dekonstruktion und Neuinterpretation der traditionellen Peking-Oper (Peny Chan), die Überlegenheit des Kommunikationsmittels Musik gegenüber dem der Sprache (Agustina Crespo) und die langsame Auslöschung indigener Dialekte im indischen Westbengalen (Pratyay Raha). Die Mentorin Florentina Holzinger ist für ihre extremen Inszenierungen bekannt, die mit einer Mischung aus Nacktheit, Stunts, Akrobatik und selbstverletzenden Handlungen an die Grenzen des Darstellbaren gehen. Da ist es nur verständlich, dass auch die von ihr Nominierten Konzepte der etwas provokanteren Art auftischten. Tom Cassani testete in einer Performance das Phänomen des Erbrechens künstlerisch aus, Cochon de Cauchemar hantierte in einer queer-feministischen Installationsperformance mit unkonventionellen Requisiten wie Sex-Toys, und Thaís Medeiros machte einen performativen Ausflug in den von Abholzung und Kapitalinteressen bedrohten brasilianischen Urwald, inspiriert von den Texten der jungen indigenen Aktivistin Shirley Krenak.

Einen Publikumspreis gibt es verständlicherweise nicht. Jede/r der Mentor*innen stand vor der Entscheidung, von den drei Kandidat*innen jeweils eine Person auszuwählen und diese ein Dreivierteljahr lang intensiv bei der Realisierung ihres künstlerischen Vorhabens zu begleiten und zu unterstützen. Ana Prvacki wird mit Mia Štark zusammenarbeiten: „Wir sprechen dieselbe Sprache und stammen beide aus dem soziopolitischen Kontext des früheren Jugoslawien, außerdem haben wir beide einen Sinn für Humor und Spiel. Daher bin ich sehr zuversichtlich, dass ich ihre weitere Entwicklung sehr nachhaltig unterstützen und nach außen kommunizieren kann.“

Daliso Chaponda wiederum hat sich für Hamza Baig entschieden: „Wir teilen ein ähnliches künstlerisches Ethos. Wir wollen gleichzeitig unterhaltsam sein, aber auch Elemente unserer Kultur mit anderen teilen. Ich denke, die Zusammenarbeit wird uns beide bereichern.“ Florentina Holzinger wird Tom Cassani unterstützen: „Was mir besonders an ihm gefällt, ist die Kombination aus einem sehr analytischen und anatomischen Ansatz, der dann wiederum mit mysteriösen und trügerischen Elementen zusammengeführt wird, um ein nahezu mystisches Erlebnis für ein denkendes Publikum zu kreieren.“

Rully Shabara wählte Peny Chan als Mentee aus: „Peny Chan lässt sich von den Gesangstechniken und -stilen der Pekingoper inspirieren, um ein viel moderneres Stück zu kreieren, welches viel besser zu dem von ihr bereits eingeschlagenen Weg als experimentelle Solo-Vokalistin passt.“ Laura Huertas Millán freut sich auf die Zusammenarbeit mit Luciana Decker Orozco: „Indem sie mit Vorstellungen von erweiterten Verwandtschaftsbeziehungen, Indigenität, Mestizität und Antikolonialismus arbeitet, wirft Orozco entscheidende Fragen nach der Souveränität, der ökologischen Nachhaltigkeit, des politischen Widerstands und des ‚Worldmaking‘ in einem Kontext auf, der von Ungleichheit und Gewalt geprägt ist.“

Alia Ibrahim schließlich hat sich auf das Projekt von Alexis Guillier festgelegt: „Meine Entscheidung für Alexis Guilliers Projekt wurde durch meine persönliche Neugier getrieben, Zugang zu einer faszinierenden Welt zu erhalten, in der Themen, welche auch für mich äußerst wichtig sind, aus einer mir ganz neuen Perspektive betrachtet werden.“ Zudem sei sie von der faszinierenden Spannbreite im Werk des Künstlers beeindruckt, die sich zwischen den Polen „global und hyperlokal, glatter Vordergründigkeit und Film Noir, Nostalgie und Zeitgenossenschaft“ bewege. Die dann realisierten Projekte der sechs Finalist*innen werden während des Forecast Festivals am 17. und 18. März 2023 im Berliner Radialsystem vorgestellt.

www.forecast-platform.com



12.08.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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 „Forecast Forum Edition 7“
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Daliso Chaponda, Mentor der Sektion „Humor and Storytelling“

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