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Die Stadt Luxemburg und Esch-sur-Alzette sind die beiden größten Orte des Großherzogtums Luxemburg. Das im Ausland noch weitgehend unbekannte Esch ist in diesem Jahr europäische Kulturhauptstadt und kann der Kapitale in mancherlei Hinsicht die Stirn bieten

Aufbruch im alten Stahlrevier – Teil III



Die alte Möllerei in Esch-sur-Alzette

Die alte Möllerei in Esch-sur-Alzette

Doch zurück nach Esch. Im Stadtteil Belval befindet sich unterhalb eines ehemaligen Stahlwerks die Möllerei, eine Ausstellungshalle, die bis heute den nach Kohle, Ruß und Maschinenöl riechenden Charme der Schwerindustrie verströmt. Im Rahmen der Kulturhauptstadt arbeitet man hier mit den Institutionen ZKM Karlsruhe, Haus der elektronischen Künste (HEK) Basel und dem Festival Ars Electronica in Linz zusammen. Bis vor kurzem war hier die vom HEK entwickelte Schau „Earthbound – Im Dialog mit der Natur“ mit innovativen Darstellungsweisen von Natur in den digitalen künstlerischen Medien zu sehen. Die von den Kurator*innen Sabine Himmelsbach und Boris Magrini zusammengestellte Schau versammelte 19 technisch herausfordernde internationale Positionen und fügte sich kongenial in das stark abgedunkelte Ambiente der Industriehalle ein.


Etliche interaktive Arbeiten machten die Schau für die Besucher*innen sinnlich erlebbar. In der Installation „The Intimate Earthquake Archive“ von Sissel Marie Tonn und Jonathan Reus wurden sie mit interaktiven Westen ausgestattet, die seismische Vibrationen simulieren, die in der nordholländischen Provinz Groningen durch die Bohrung nach Erdgas ausgelöst wurden. Die für die Arbeit verwendeten Datensätze stammen aus der Datenbank des niederländischen Erdbeben-Instituts. Das litauische Künstlerinnenduo Rasa Smite und Raitis Smits wiederum entführten die Betrachter*innen mittels VR-Brillen in einen digitalisierten Wald. Auf der Basis von wissenschaftlichen Daten simuliert ihre Arbeit mit visuellen und klanglichen Elementen die Atemaktivität der Bäume in einem Waldgebiet der Schweizer Alpen. Ein weiteres Highlight der Schau: Die Videoarbeit „Progress vs. Sunsets – Re-formulation the Nature Documentary“ der niederländischen Künstlerin Melanie Bonajo, die Kinder im Grundschulalter Tierbilder kommentieren lässt. Die Arbeit ist leichtgängig, entlarvend und witzig, ohne dabei voyeuristisch zu wirken. Gemütliche Sitzsäcke luden zum entspannten längeren Verweilen ein.

Allen Arbeiten von „Earthbound“ gemeinsam ist die künstlerische Beschäftigung mit drängenden Umweltproblemen wie dem Artensterben, dem Klimawandel, der Ressourcenknappheit und der Vermüllung der Ozeane. Durch den Einsatz digitaler Bildmedien sensibilisieren viele der Arbeiten das Publikum für sonst nur anhand von Zahlen, Statistiken und wissenschaftlichen Aufsätzen vermittelbaren Phänomenen.

Von Esch in die Stadt Luxemburg fährt man praktischerweise mit einem der in Luxemburg seit zwei Jahren für jedermann kostenlosen Züge. Die Entfernung ist schnell zu überbrücken, ob für Pendler oder für Kulturtouristen. In der Stadt Luxemburg eröffnete im Jahr 2006 das Musée d’Art Moderne Gran-Duc Jean, kurz MUDAM, auf dem Kirchberg-Plateau hoch über den Schluchten der Altstadt. Entworfen wurde das markante Gebäude mit rund 3.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche von dem chinesisch-amerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei. Das Haus begreift sich ausdrücklich als Museum der Gegenwart. Die ältesten Arbeiten der Sammlung stammen aus dem Jahr 1989. Die neue Generaldirektorin des in jeder Hinsicht gut aufgestellten Hauses ist Bettina Steinbrügge, die zuvor acht Jahre lang Direktorin des Kunstvereins in Hamburg war. Die aktuelle Ausstellung der in Berlin und Los Angeles lebenden britischen Künstlerin Tacita Dean hat jedoch noch ihre Vorgängerin, die Australierin Suzanne Cotter, gemeinsam mit dem Ausstellungsleiter Christophe Gallois kuratiert.

Die 1965 geborene Tacita Dean ist mit ihren stets analogen, selbst geschnittenen Filmen, aber auch mit Fotografien, Malerei, Zeichnungen, Bühnenbildern und Soundinstallationen auf zahlreichen Museumsausstellungen und Biennalen einem größeren internationalem Publikum bekannt geworden. Im Mittelpunkt ihrer Ausstellung im MUDAM steht jetzt ihr neuer über fünfzigminütiger Film „One Hundred and Fifty Years of Painting“ von 2021, der in einem eigens dafür entworfenen Pavillon gezeigt wird. Hier bringt sie zwei in die USA ausgewanderte Malerinnen zusammen, mit denen sie zuvor schon privat befreundet war, und die zufällig am selben Tag Geburtstag haben. Am 28. November 2020 ist die in Addis Abeba, Äthiopien geborene Julie Mehretu 50 Jahre alt geworden. Luchita Hurtado, die in Caracas geborene Mutter des Konzeptkünstlers Matt Mullican, wäre am selben Tag 100 Jahre alt geworden. Leider hat sie ihren 100. Geburtstag nicht mehr erlebt; Hurtado starb wenige Monate zuvor.

Tacita Dean filmte den Dialog der beiden Malerinnen im Januar 2020 im Apartment von Luchita Hurtado in Santa Monica in ruhigen Bildern und langen Einstellungen auf klassischem Celluloid-Film. Zustande gekommen ist ein berührendes Gespräch über Leben und Sterben, das Verlassen der ursprünglichen Heimat und das Ankommen in den Vereinigten Staaten, Mutterschaft, Klimawandel und selbstverständlich auch das Malen an sich. Zwei ausgewählte Gemälde der beiden, die auch Gegenstand des Dialogs sind, werden im Eingangsbereich des Pavillons präsentiert. Die Betrachter*innen können die besonnene, respektvolle Annäherung der jüngeren Malerin an die würdevolle 99jährige Grande Dame in bequemen Kinosesseln nachvollziehen.

Daneben bietet die Schau aber auch die Gelegenheit, anhand etlicher anderer Werkgruppen tiefer in den künstlerischen Kosmos von Tacita Dean einzutauchen. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten, die im Kontext ihrer Beauftragung für das Bühnenbild des Balletts „The Dante Project“ im Royal Opera House in London entstanden sind, darunter eine von Dantes Inferno inspirierte Bergdarstellung auf einer großen Schiefertafel in doppelter Brechung, nämlich auf dem Kopf stehend und als Negativbild dargestellt. Beeindruckend sind auch die großformatigen, auf analogen Fotografien basierenden Werke aus der Serie „Purgatory (Threshold)“ aus dem Jahr 2020 mit stark verfremdeten Ansichten von profanen Straßenszenen und blühenden Jacaranda-Bäumen in Los Angeles.

Es gibt also viele Gründe, in diesem Sommer oder Herbst nach Luxemburg zu fahren und zu erkunden, was sich in der gut aufgestellten Kunstszene tut. Der Kontrast zwischen Esch, der im Strukturwandel begriffenen Industriestadt, und der Stadt Luxemburg, der repräsentativen und Wohlstand verkörpernden Hauptstadt des Landes, ist groß. Die Entwicklung geht jedoch dahin, dass Esch in Zukunft wohl nicht nur zur Wohnstadt für zahlreiche Neubürger, sondern durch die vermehrte Ansiedlung von Dienstleistungsbetrieben, wissenschaftlichen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen auch zum zweiten wichtigen Player in der Luxemburger Kultur- und Wirtschaftslandschaft wird. Die internationale Aufmerksamkeit, die durch das Kulturhauptstadtjahr 2022 auf Esch gelenkt wird, dürfte den Standort auf Dauer attraktiv machen.

www.esch2022.lu
www.mudam.com

Kontakt:

Mudam Luxembourg - Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean

3, Park Dräi Eechelen

LU-1499 Luxemburg

Telefon:+352 () 453 78 51



23.08.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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in der Ausstellung „Earthbound – Im Dialog mit der Natur“

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Sissel Marie Tonn und Jonathan Reus, The Intimate Earthquake Archive, 2016-2022

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