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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Kaum Ausfälle und Wertsteigerungen bis zu neuen Rekordmarken bestimmten die Bilanz der Auktion mit zeitgenössischer Kunst im Wiener Dorotheum

Großer Künstler, unbekannte Dame



Die Versteigerung mit Kunst seit dem Zweiten Weltkrieg verlief für das Dorotheum in Wien zu großer Zufriedenheit. Die losbezogene Zuschlagsquote von 90 Prozent kann sich genauso sehen lassen wie einige herausragende Ergebnisse, etwa für Andy Warhol. 1973 besuchte er sein großes Vorbild, den Surrealisten und Dada-Künstler Man Ray in dessen Pariser Wohnung. Laut Aufzeichnungen bat Warhol den inzwischen 83jährigen seine Brille abzunehmen, seine Seemannsmütze aufzusetzen und mit einer Zigarre im Mund zu posieren. Zu Hause in New York verwandelte er das Foto dann in mehrere kleinformatige Grafikserien und sechs quadratische Siebdruck-Leinwände, die er mit Acrylfarbe überarbeitete. Seit 1975 in europäischen Privatbesitz beheimatet, schlug das Portrait mit rot-violetten und blauen Übermalungen nun erstmals auf dem Kunstmarkt auf, war mit mindestens 300.000 Euro veranschlagt und verdoppelte nun seinen Wert als Höhepunkt des Abends auf 600.000 Euro.


Andy Warhol war am 1. Juni weitere Male mit seinen Portraits im Dorotheum vertreten. Doch wer hinter dem Doppelbildnis „Ms. B und Yucca“ mit dem dominanten violetten Pudel, der seine Zunge heraushängen lässt, und der Frau mit kurz geschnittenen braunen Locken und dunkelroten Lippen genau steckt, ist nicht bekannt. Die Fotovorlage könnte Warhol 1981 anlässlich einer Cocktail-Party bei dem Düsseldorfer Galeristen Hans Mayer geschossen haben. Die ebenfalls mit Acryl übergangene Serigrafie aus ebendiesem Jahr, die im vergangenen Dezember bei Lempertz in Köln erfolglos für 300.000 bis 400.000 Euro ihren Auftritt hatte, ging diesmal zur reduzierten unteren Schätzung von 180.000 Euro weg. Besser hatte es da Warhols Kleinformat des Golfspielers Jack Nicklaus von 1977. Der Amerikaner, der als erfolgreichster Sportler seines Fachs gilt, kletterte von 40.000 Euro auf 75.000 Euro.

Viel Figuratives hatte der Katalog nicht zu bieten, so noch Kenny Scharfs bunte Farbwelt „Ghost of Judy“ von 1983, auf der sich lustige Fantasiewesen und Comicfiguren tummeln. Sie überstieg die Erwartung und 5.000 Euro und landete bei 85.000 Euro. Die Dorotheum-Premiere für den afrikanischen Shootingstar Aboudia lief bestens. Sein Gemälde „Deux amis noutchi“ von 2018/19, das an den Graffiti-Stil Jean-Michel Basquiats erinnert, legte auf 190.000 Euro zu (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Nicht ganz so hoch war der Anstieg bei James Brown und seiner von der sogenannten „primitiven Kunst“ inspirierten, maskenhaften Kopfgestalt „Head-Winter“ von 1983 auf 58.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Valerio Adami gesellte sich mit seiner schematisierten arabischen Palmenlandschaft „Marrakech“ in schwerem sommerlichem Kolorit bei 50.000 Euro hinzu (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Doch sonst bestimmte die Ungegenständlichkeit das Auktionsgeschehen. Schon die erste Position der Versteigerung, Antoni Tàpies’ mit Sand angereichertes Materialbild „Snake in a square“ von 1991, reüssierte bei 250.000 Euro (Taxe 160.000 bis 220.000 EUR). Hoch hinaus ging es für Hans Hartungs Abstraktion „T1982-R19“. Um das blau gesättigte Hochformat mit einem kleinen charakteristischen Strichbündel am oberen Bildrand kämpften 20 Bieter an den Telefonen, bis 290.000 Euro erreicht waren (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Bei Georges Mathieus energiegeladenem Tachismus war der Zuspruch geteilt. Während die vielfarbigen Schraffuren in „Ammomum“ von 1978 bei 100.000 bis 150.000 Euro liegenblieben, verabschiedete sich seine rot grundierte, noch wildere Schlacht „Mouvements ivres“ von 1987 bei taxgerechten 180.000 Euro.

Auch die Italiener beteiligten sich wieder einmal ansehnlich an der Auktion im Dorotheum. Als erster hatte Emilio Vedova mit seinem schwarzweißen Hochformat „Immagine del tempo ‘57–3, T“ von 1957, das an ein abstraktes Kampfgeschehen erinnert, bei 170.000 Euro seinen Auftritt (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR). Dahinter folgten Giuseppe Capogrossis Gemälde „Domenica d’estate Superficie 10“ von 1953 mit seinem häufig variierten Hauptmotiv eines Halbrunds mit vier Enden bei 140.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR), Carla Accardis ebenfalls archaische, schwarzweiße Zeichensprache „Labirinto negativo“ von 1955 bei 120.000 Euro (Taxe 65.000 bis 85.000 EUR) oder Piero Dorazios fast durchweg parallel gestaffelte Farbbahnen „From now on“ von 1965 bei 100.000 Euro (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Allerdings musste letzterer seine mosaikartig zusammengesetzte Balkenkonstruktion „Per la luce giusta I“ von 1973 mit dunkelblauen Unterbrechungen beim Einlieferer zurücklassen (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Die unteren anvisierten 170.000 Euro spielte Enrico Castellanis durch Nägel auf der Rückseite diagonal strukturierte Leinwand „Superficie Bianca“ von 1985 ein. Alberto Burri setzte bei „Cellotex“ von 1977 dagegen auf die Farbe Schwarz, unterteilt durch ihre Körnigkeit in zwei Bereiche, und nahm dafür 110.000 Euro ein (Taxe 120.000 bis 160.000 EUR). Entsprechend dem Titel „Terra chiusa“ verwendete Giuseppe Santomaso 1961 erdfarbene Töne, gepaart mit Schwarz, die er überlagernd mit dem Spachtel in gestisch-abstrakter Manier auf die Leinwand aufbrachte und damit nun 80.000 Euro an der unteren Schätzgrenze generierte. Bei Mario Schifano stand das tiefe Blau im Vordergrund, das er in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre auf seine Papiercollage „Milano“ auftrug und damit ein gut zehn Jahre älteres Werk in kleinerem Format wiederholte. Für seine Untersuchung der Farbbeschaffenheit erhielt er 58.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Ein weiterer Wiederholungstäter der Versteigerung war David Reeds in drei Feldern aufgeteilte Farbschlingenabstraktion „#500“ von 2000/03. Erst vor einem Jahr erzielte sie bei Van Ham in Köln den damals aktuellen Rekordwert von 55.000 Euro, den das Dorotheum nun auf 110.000 Euro verdoppelte (Taxe 90.000 bis 100.000 EUR). Bei den Amerikanern war Theodoros Stamos ebenfalls stark umworben. Sein Ölgemälde „Blue Swamp A“ von 1958/85 demonstrierte die Raffinesse in der Behandlung des Kolorits aus hauchdünnem, blau unterlegtem Weiß, das Stamos mit flammendem Rot, ozeanischem Blau, tiefem Grün und Violett sowie mildem Orange kombinierte und erst bei 95.000 Euro abgab (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Mit einem sechsstelligen Zuschlagswert bei 180.000 Euro konnte noch Sam Francis’ bunte, wild gespritzte Andreas-Kreuz-Struktur „Untitled – SFP89-40“ von 1989 aufwarten (Taxe 180.000 bis 250.000 EUR).

Herausragend aus österreichischer Sicht waren die 110.000 Euro für Wolfgang Holleghas bunte Farbverläufe auf einem titellosen Querformat von fast vier Metern Breite aus dem Jahr 1977. Sie liegen nur 10.000 Euro unter dem gültigen Hollegha-Rekord (Taxen 50.000 bis 80.000 EUR). Daran schlossen sich weitere Granden der österreichischen Kunst seit 1950 an, darunter Hermann Nitsch mit einem gleichfalls großformatigen Schüttbild in Blutrot, Braun, Grün und Schwarz samt Malhemd aus dem Jahr 2010 bei 90.000 Euro (Taxe 45.000 bis 65.000 EUR) oder Hubert Scheibl mit seiner dunklen Abstraktion „P. Semperviva“, in die er 1997/98 einige der halluzinative Zustände hervorrufenden Pilze geritzt hatte. Eine Verdreifachung der Wertvorgaben auf 60.000 Euro war nun sein Lohn. Vier Meter Breite erreichte dann auch Herbert Brandls titellose, rot glühende Feuersbrunst von 2005, die sich gewinnbringend bei 115.000 Euro platzierte (Taxe 60.000 bis 110.000 EUR). Einträglich waren zudem bei 38.000 Euro für Martha Jungwirths wässrig rote Aquarellmalerei „Griechenland“ von 2007 (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR).

Anklänge an ein Gesicht ließen sich auf Karel Appels farbfrohem Gemälde „See me again“ von 1964 in primitiver, kindlich-naiver Malweise ausmachen, das sich taxkonform bei 110.000 Euro schlug. Sein Kollege von der Kunstgruppe CoBrA Asger Jorn steuerte seine pastosen Farbballungen „Vizio Geologico“ von 1969 bei guten 100.000 Euro bei (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Einer der Überraschungssieger im Dorotheum war der Tscheche Zdenek Sýkora, dessen mit dem Computer generierte Abstraktionen seit einigen Jahren auf rege Nachfrage stoßen, so auch die „Colored Structure“ von 1967 bei 220.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Sein 1968 aus der Tschechoslowakei nach Deutschland geflüchteter Berufsgenosse Jirí Georg Dokoupil stand Sýkora in nichts nach, als sein unbetiteltes buntes Seifenblasenbild auf nachtblauem Grund von 2016/18 an der Reihe war: Aus 30.000 Euro wurde der neue Auktionsrekord von 210.000 Euro. Katharina Grosse konnte ihre querformatige Gitterstruktur von 2003, die sich zu konzentrischen Kreisen verändert, bei 70.000 Euro in der Mitte der Schätzungen veräußern. Uwe Lausen gesellschaftspolitische Malerei griff in den 1960er Jahren wieder figurative Elemente auf, so auch ein vor kurzem im süddeutschen Privatbesitz wiederentdecktes Werk, das neben einer psychedelischen Farb- und Rauchorgie einen Mann zeigt, der den Betrachter mit einem entschlossenen Fußtritt auf Distanz hält. Das Quadrat von 1966 kam auf 90.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



25.08.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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