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Das Zentrum für verfolgte Künste in Solingen durchleuchtet die Ursprünge der Documenta und geht Kanonisierungsprozessen in der Kunstwelt nach

Vergessene Vergangenheit



in der Ausstellung „1929/1955 – Die erste Documenta und das Vergessen einer Künstler:innengeneration“

in der Ausstellung „1929/1955 – Die erste Documenta und das Vergessen einer Künstler:innengeneration“

Seit Juni läuft sie wieder, die Documenta, und hat für einigen Wirbel gesorgt. Mit der Biennale in Venedig gehört sie zur Königsklasse der großen Ausstellungen. Die weltweit bedeutende Schau für zeitgenössische Kunst verhilft Teilnehmern dazu, einen Platz in der Kunstgeschichte zu ergattern, die Biografie um einen wichtigen Part zu erweitern. Wer zu der 100-Tage-Ausstellung nach Kassel eingeladen ist, hat eine große Chance, auch in Zukunft wahrgenommen zu werden. Schon im Vorfeld der Eröffnung hat die diesjährige Documenta fifteen von sich reden gemacht, schon im Vorfeld gab es wegen des Antisemitismus-Vorwurfs Einwände gegen die Veranstaltung. Als dann die Documenta-Verantwortlichen die für Mai geplanten drei Gesprächsrunden unter dem Titel „We need to talk! Art – Freedom – Solidarity“ über das „Grundrecht der Kunstfreiheit angesichts von steigendem Rassismus und Antisemitismus und zunehmender Islamophobie“ abgesagt hatten, wandte sich der Zentralrat der Juden direkt an Kulturstaatsministerin Claudia Roth und protestierte gegen die Protagonisten der Weltkunstschau.


Das Thema ist nicht neu. Kunstfreiheit und Politik trafen schon häufiger aufeinander. Verfemte Künstler mussten während der NS-Zeit von der Bildfläche verschwinden, weil man ihre Kunst auf einmal als „entartet“ betrachtete. In Frankfurt nahm die Schirn Kunsthalle unter dem Titel „Kunst für Keinen. 1933–1945“ heuer schon die Biografien von Künstlerinnen und Künstlern unter die Lupe, die unter dem Regime der Nationalsozialisten aus Deutschland geflohen sind, die Kunst aufgegeben haben oder nur noch im Verborgenen arbeiten konnten. Um geächtete Künstler und die Ursprünge der Documenta geht es derzeit auch in Solingen. In einem Gemeinschaftsprojekt haben das Documenta-Archiv in Kassel und das Solinger Zentrum für verfolgte Künste die Auswahl der Künstler für die erste Documenta 1955 aufgearbeitet. Anhand von zwei Ausstellungen in Kassel – der Vierten Großen Kunstausstellung 1929 und der ersten Documenta – wird die Rolle der Documenta als Richtschnur für die moderne Kunst beleuchtet. „1929/1955 – Die erste documenta und das Vergessen einer Künstler:innengeneration“ heißt die Schau mit 60 Werken, die nun in Solingen, anschließend in Krakau und 2023 in Kassel zu sehen ist.

Arnold Bode gilt als Erfinder der Documenta, die 1955 zum ersten Mal im Rahmen der Landesgartenschau in Kassel ihren Platz fand. Der am 23. Dezember 1900 geborene Bode war Maler, Zeichner, Raumkünstler, Kurator und Hochschullehrer. In der „Vierten Großen Kunstausstellung Kassel“, veranstaltet vom Kunstverein zu Kassel, kuratierte er 1929 zusammen mit dem Expressionisten Heinrich Dersch die Abteilung „Neue Kunst“. Jürgen Kaumkötter, Direktor des Zentrums für verfolgte Künste, hat anhand des damaligen Ausstellungskatalogs die Idee verfolgt, die Künstler dieser Ausstellung und ihre Werke wieder aufleben zu lassen, um dann den Blick auf die Documenta 1955 zu richten. Zwischen diesen beiden Großereignissen lag die Schreckensherrschaft Adolf Hitlers, in der es nicht nur den Juden an den Kragen ging, sondern allen Künstler*innen, die Hitler und seine Gefolgsleute als „entartet“ ansahen. So sollte ein Großteil der 1929 präsentierten Kunstschaffenden nach 1945 nicht wieder in der Kunstwelt auftauchen und wurde auch von der Documenta übergangen.

In Diagrammen haben die Kuratoren statistisch die „Struktur des Vergessens“ aufgearbeitet. Documenta-Initiator Bode tippte seine Künstlerliste auf Schreibmaschine. Blauer Reiter, Brücke, Kubismus, Surrealismus – alle wichtigen Kunstströmungen der Vorkriegsmoderne sind dort verzeichnet. Doch die meisten der Künstler, die in diesen Richtungen zu verorten sind, tauchten auf Bodes Documenta-Liste nicht mehr auf. „Es war ein gesellschaftliches Phänomen, dass man ein Land des Vergessens wurde. Man wollte an die Verbrechen oder das Ausgrenzen zwischen 1933 und 1945 in der Nachkriegszeit nicht erinnert werden“, so Kaumkötters Erklärung. Das Museum in Solingen bewahrt 1500 Werke von Künstlern aus der Zeit des Nationalsozialismus auf. 30 waren auf der Ausstellung des Jahres 1929 und sind in der aktuellen Solinger Schau vertreten, darunter Richard Seewald, Renée Sintenis, Felix Nussbaum, Josef Albers, Christian Rohlfs und Franz Xaver Fuhr. Nur die drei letztgenannten waren dann auch auf der ersten Documenta mit dabei. Doch wer kennt noch Hans Feibusch, Bruno Krauskopf, Anton Kerschbaumer, Emil Betzler, Werner Laves, Milly Steger oder César Klein?

Dann taucht auch noch Joachim Ringelnatz, dessen Verse man noch heute aufgrund ihres amüsanten Hintersinns zitiert, als Maler auf. Sein Bild „Eis und Meer“ zeigt, dass aus ihm was hätte werden können. In Solingen kann man anhand von Postkarten auf einem interaktiven Tisch die erst verfemten und dann vergessenen Künstler und ihre Netzwerke virtuell aufrufen. Zahlreiche Werke der Ausstellung von 1929 gelten heute als verschollen. In einem animierten Bilderrahmen werden die Titel der verschwundenen Werke aufgezählt.

Gerade hat mein Bild von Felix Nussbaum wiederentdeckt, das zur Restaurierung an der Technischen Hochschule Köln war. Sein Gemälde „Rue triste“, bisher datiert auf das Jahr 1928, wurde 1942 in Brüssel von dem im Exil lebenden Nussbaum bei einem Arzt versteckt. In den 1960er Jahren konnte es dann eine Cousine Nussbaums aufspüren und der Erbengemeinschaft zuführen. Doch der trostlose Straßenzug mit einer schwarzen Katze und leeren Fensterhöhlen, aus denen schwarze Fahnen hängen, barg ein Geheimnis. Nussbaum hatte ein anderes Motiv übermalt: als Reaktion auf die Pogromnacht vom November 1938 schuf er unmittelbar eine apokalyptische Ruinenlandschaft mit verstörten Gestalten. Das Thema ist brisant und vor der Kulisse der Documenta sicherlich eine gute Gelegenheit, der entschwundenen Vergangenheit der Kunst zu gedenken und den Prozess der Kanonisierung zu hinterfragen.

Die Ausstellung „1929/1955 – Die erste Documenta und das Vergessen einer Künstler:innengeneration“ ist noch bis zum 11. September zu sehen. Das Zentrum für verfolgte Künste hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Personen unter 18 Jahren kommen kostenlos in die Ausstellung.

Kontakt:

Zentrum für verfolgte Künste GmbH

Wuppertaler Straße 160

DE-42653 Solingen

Telefon:+49 (0212) 258 140



31.08.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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Veranstaltung vom:


08.05.2022, 1929/1955 – Die erste Documenta und das Vergessen einer Künstler:innengeneration

Bei:


Zentrum für verfolgte Künste

Kunstsparte:


Skulptur

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Bericht:


Allein im eigenen Land

Bericht:


Das Ende hehrer Illusionen

Bericht:


Weltkunsttreffpunkt Kassel







Röntgenaufnahme von Felix Nussbaums Gemälde „Rue triste“

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Infrarotreflektogramm von Felix Nussbaums Gemälde „Rue triste“

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in der Ausstellung „1929/1955 – Die erste Documenta und das Vergessen einer Künstler:innengeneration“

in der Ausstellung „1929/1955 – Die erste Documenta und das Vergessen einer Künstler:innengeneration“

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Felix Nussbaum, Die große Zerstörung, um 1939

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Emil Betzler, Frauenbad, 1924

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Anton Kerschbaumer, Stillleben mit Weihnachtsengel, um 1930

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Felix Nussbaum, Rue triste (Trostlose Straße), um 1938/39

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in der Ausstellung „1929/1955 – Die erste Documenta und das Vergessen einer Künstler:innengeneration“

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