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Das Wiener Museum für Angewandte Kunst nimmt die baukünstlerischen Projekte der Avantgardegruppe Missing Link unter die Lupe und stellt deren experimentelle architektonische Ideen aus den 1970er Jahren vor, die bis heute Gültigkeit besitzen

Im Feld des Nichtbauens



Missing Link, aus dem Film „16. November, Eine Utopie in 9 wirklichen Bildern“, 1972

Missing Link, aus dem Film „16. November, Eine Utopie in 9 wirklichen Bildern“, 1972

„Weiter wohnen wie gewohnt? Auf keinen Fall!“, lautete die Antwort von „Missing Link.“ Mit Rettungsringen um den Hals demonstrierte die Wiener Architektengruppe, dass der alltägliche Umgang mit Architektur noch großer Veränderungen bedurfte. 1970 fanden sich Angela Hareiter, Otto Kapfinger und Adolf Krischanitz zu dem Avantgardetrio zusammen. Die Gruppe verstand sich als kritische Ideenwerkstatt, die losgelöst von konkreten Bauaufgaben mit grenzüberschreitenden und interdisziplinären Projekten nach fehlenden Gliedern zwischen Mensch, Architektur, Urbanität, Kunst und sozialem Gefüge suchte.


Obwohl Missing Link in Österreich zu den wichtigsten Denkwerkstätten jener Zeit gehört, ist das visuelle Œuvre der Gruppe bislang wenig bekannt. Das wird sich nun ändern. Denn seit 2014 hat das Museum für Angewandte Kunst in Wien (MAK) fast den gesamten Vorlass der Gruppe angekauft und ihn durch weitere Erwerbungen und Schenkungen vergrößert. Für die aktuelle und beeindruckend vielfältige Ausstellung „Missing Link. Strategien einer Architektengruppe aus Wien (1970-1980)“ wurde das umfangreiche Werk des Trios nun erstmals vollständig aufgearbeitet. Der teils aus wiederverwendeten Versatzstücken anderer Präsentationen geschaffene Ausstellungsparcour hält sich chronologisch in zehn Kapiteln an die kurze Zeit, in der Missing Link zusammen auftraten. Denn Hareiter wechselte schon 1974 nach Linz zu ihrem Mann Laurids Ortner und wendete sich mehr der Ausstellungs- und Filmarchitektur zu. Kapfinger und Krischanitz arbeiteten bis 1980 zusammen. Erst 1980 gründete Krischanitz sein Architekturbüro, und Kapfinger arbeitete als Kritiker für „Die Presse“ und avancierte zum wichtigsten Architekturtheoretiker nach Friedrich Achleitner.

Bereits ab Ende der 1950er Jahre hatten Friedensreich Hundertwasser mit seinem 1958 veröffentlichten „Verschimmelungsmanifest“, Günther Feuerstein mit der Ausstellung „Urban Fiction“ und der britische Architekt und Autor Peter Cook mit dem Buch „Experimental Architecture“ von 1970 einen intellektuellen und experimentellen Nährboden geschaffen, der dazu aufforderte, die Architektur auch vom Bauen befreit zu denken. Darauf anknüpfend, begann die Zusammenarbeit von Missing Link. Die drei Student*innen hatten sich an der Technischen Hochschule – heute Technische Universität – in Wien kennengelernt. Mit performativen Mitteln loteten die auch publizistisch aktiven Mitglieder die Grenzen der Architektur aus.

Beim Rundgang durch die Ausstellung wird schnell klar: gebaute Projekte sind von Missing Link kaum zu erwarten, und wenig von dem, was die Gruppe in den zehn Jahren des Bestehens auf künstlerischer Ebene entwickelt hat, lässt sich eins zu eins auf die Realität übertragen. Allerdings sind viele der Themen, die die Schau anhand von Objekten, Zeichnungen, Plakaten, experimentellen Fernsehfilmen, stadtsoziologischen Studien und Videos von Performances und Aktionen dokumentiert, ausgesprochen fortschrittlich und zum Teil immer noch ungelöst: Fragen zu städtischer Infrastruktur, zur Wohnraumgestaltung und Lebensleistbarkeit, zu Verkehr, Stadtplanung, zum Umgang mit Grün- und Freiräumen und vor allem zur Bewältigung von Krisen und politischen Verwerfungen.

„Missing Link nimmt unter den Boygroups, die sich rund um 1968 formiert haben, eine sehr spezielle Position ein“, konstatiert Sebastian Hackenschmidt, der die Schau gemeinsam mit Anna Dabernig kuratiert hat. „Denn während Zünd-Up, Haus-Rucker-Co und Coop Himmelb(l)au die Popkultur imitiert und sich auf futuristische, zum Teil psychedelische Weise mit der Zukunft des Bauens, Wohnens und Arbeitens auseinandergesetzt haben, ist bei Missing Link die totale Abkehr von all diesen Utopien zu beobachten. Missing Link gibt sich mit dem Nichtbauen zufrieden, arbeitet im Low-Tech-Bereich und befasst sich jahrelang mit sehr grundsätzlichen Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.“

Das Spektrum der Ausstellung dokumentiert die zukunftsweisenden Gedanken einer sozialen Annäherung an Stadt, Raum, Habitat, soziale Codes und unterschiedliche Verhaltensweisen des Menschen in seinem jeweiligen Lebensumfeld: Angela Hareiter konzipierte mit „Kinderwolken“ von 1966/67 Ideen für zeittypische Wohnmodule zum flexiblen und partizipativen Wohnen in der Zukunft, Adolf Krischanitz stellte 1969 mit „Swimtainer“ ein Modell für schwimmende Wohnmodule vor. 1972 maß Missing Link auf den Grazer Hauptplatz mit „Stilleben Weltattrappe“ die Bezüge zwischen Raum und Mensch aus. 1973 folgte in Wiener Neustadt unter dem Titel „Die andere Seite“ eine Aktion, mittels der Orte urbaner Infrastruktur wie Gullydeckel, Kanalgitter und Hydranten mit Tüchern bedeckt, mit Kreide markiert und mit Schildern etikettiert wurden, um mit Schüler*innen die meist unsichtbaren Verläufe von Wasser, Abwasser und Energieversorgung zu untersuchen.

Während des von Coop Himmelb(l)au ausgerufenen „Super Sommer“ 1976 war am Wiener Naschmarkt im Hutobjekt „Asyleum“ die Sozialreportage des Fotografen Hermann Drawe untergebracht, in der er 1904 Wiener Elendsquartiere und Massenunterkünfte des Proletariats dokumentiert hatte. Adolf Krischanitz und Otto Kapfinger – Angela Hareiter hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits aus der Gruppe zurückgezogen – analysierten für das Projekt Wiener Menschen-, Häuser- und Straßentypen und beschäftigten sich mit der Geschichte der Strotter, jener Menschen, die um 1900 in der Wiener Kanalisation ein Zuhause gefunden hatten, das ihnen Schutz vor Wind und Kälte bot. Das temporäre Museum in Form eines überdimensionalen Hutes war zugleich eine der wenigen jemals baulich realisierten Arbeiten. Auch die Zeichen- und Malereipraxis der Gruppe überzeugt: Symbiosen von Architektur und Kleidung, wie der „Zugeknöpfte Turm“ von 1974 oder Fragmente von Flugzeugen, U-Booten und Zeppelinen, die sich teils als Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg oder dem Vietnamkrieg lesen lassen. Formale und inhaltliche Ergänzungen der Ausstellung zeigen weitere zeitgenössische Positionen, etwa von Archizoom und Haus-Rucker-Co, von Valie Export und Joseph Beuys oder Günter Brus.

„Missing Link is present where essential factors are overlooked“, beschrieb sich die Gruppe selbst. Ihre erweiterte Architektur nutzte den menschlichen Körper, den Raum, den ländlichen ebenso wie den urbanen. Die Beschäftigung mit Architektur, mit den Problemen der Umwelt, deren Entstehung, Wahrnehmung und Einfluss auf den Menschen als Gruppe und Individuum untersuchte Missing Link vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen in einer Zeit der Umbrüche. Ohne kritisches Verständnis der Wirkungsweisen, so eine ihrer Forderungen, würden die Planung für Bedürfnisse und die funktionelle ebenso wie die freie, reflektierende Gestaltung, deren gemeinsame Voraussetzung die grundlegende Kenntnis sozialer, ja mikrosozialer Mechanismen darstellt, nicht mehr auskommen. Eine Haltung – die nichts von ihrer Dringlichkeit verloren hat.

Die Ausstellung „Missing Link. Strategien einer Architekt*innengruppe aus Wien (1970-1980)“ läuft bis zum 2. Oktober. Das Museum für angewandte Kunst hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, dienstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Jeden Dienstag von 18 bis 21 Uhr kostet er nur 7 Euro und für Jugendliche unter 19 Jahre ist er immer frei. Begleitend erscheint ein Katalog für 42 Euro im Museumsshop mit einem Werkverzeichnis der Gruppe.

Kontakt:

Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Stubenring 5

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 711 360

Telefax:+43 (01) 713 10 26

E-Mail: office@mak.at

Startseite: www.mak.at



04.09.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


11.05.2022, Missing Link – Strategien einer Architekturgruppe aus Wien (1970–80)

Bei:


Österreichisches Museum für angewandte Kunst

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Design

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Missing Link, A New Wave of Austrian Architecture, New York, 1980

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Missing Link, Das Flaggschiff, 1978

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Missing Link, Luftschiff, 1974

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Missing Link, Perforation, 1975

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Missing Link, Die Gruppe mit Karl Schwanzer bei den Dreharbeiten zum Fernsehfilm „Die verstoßene Stadt“, 1974

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Missing Link, Tonne, 1972

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Missing Link, Treffen auf dem Feld, Trausdorf 1972

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Missing Link, Entwurf für eine Produktionsbox, 1971

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Missing Link, Treffen auf dem Feld, Trausdorf 1972

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Missing Link, Tropfenstiege, 1972

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Missing Link, Betonbrecher, 1971

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in der Ausstellung „Missing Link. Strategien einer Architekt*innengruppe aus Wien (1979-1980)“

in der Ausstellung „Missing Link. Strategien einer Architekt*innengruppe aus Wien (1979-1980)“




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