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Der wiederhergestellte Terrassengarten von Kloster Neuzelle südlich von Eisenhüttenstadt wirft ein Schlaglicht auf die Kunstlandschaft entlang der Oder

Ein himmlisches Theater



Der neu angelegte Terrassengarten von Kloster Neuzelle

Der neu angelegte Terrassengarten von Kloster Neuzelle

Als der preußische König Friedrich II. im Sommer 1740 am Niederrhein weilte, um auf Schloss Moyland seinen Freund Voltaire zu treffen, ließ er sich vom nahen Terrassengarten des Klosters Kamp für sein Projekt in Sanssouci anregen. Dies verlieh einer Strömung weiteren Schub, die schon einige Jahre in der Gartenkunst Fuß gefasst hatte. Bereits um 1730 wurden etwa der Prälatengarten im hessischen Kloster Eberbach oder der Garten von Schloss Wackerbarth bei Dresden als begrünter Stufenbau gestaltet. Fast zeitgleich mit Kloster Kamp dachte man auch im brandenburgischen Kloster Neuzelle über eine Erneuerung des Renaissancegartens nach und legte in der Mitte der 1750er Jahre nach barocken Gestaltungs- und Ordnungsprinzipien mit Sichtachsen, Wassersystemen, Parterre- und Terrassensystemen ein neues Gartenreich an, das im Gegensatz zu vergleichbaren Beispielen später nicht im Stil eines englischen Landschaftsgartens überformt wurde. Ab 1817 mit der Säkularisation des Klosters nicht mehr gepflegt und stark verwildert, begann 1998 die Sanierung und Rekonstruktion. Im Juni konnte nun das fünf Hektar große „Barockwunder Brandenburgs“ mit einem Festakt eingeweiht werden.


Von der oberen Kante eines Bergsporns schweift der Blick in die Niederung und Überschwemmungsebene der drei Kilometer entfernt vorbeifließenden Oder über das weitläufig in absolutistischer Manier geometrisch gezähmte Gelände. Fußend auf das genaue Aufmaß in einem 1760 angefertigten historischen Stiftsatlas sowie archäologischen Untersuchungen, wurden neben dem terrassierten, bis zu 15 Meter hohen Hang die Parterregärten am Fuß mit ihren Hecken, Obstwiesen, Brunnen und Wasserspielen samt Orangerie rekonstruiert, in der heute wieder die Kübelpflanzen überwintern. Gut kann man von der Höhe die Einteilung in ein großes Parkett nebst Beerenobstquartier und Küchengarten erkennen. Das Broderieparterre wird von Apfelschnurbäumchen eingefasst und zeigt sich nun ebenfalls nach historischem Vorbild neu erschaffen, wie die in Gittermodelloptik nachgebildeten alten Gartenpavillons. Seitlich schließt sich der einst nur den Mönchen vorbehaltene, abgeschottete Konventgarten an, ein Erholungsareal, in dem das Schweigegebot bestand. Östliche Grenze bildet heute die 1886 angelegte Eisenbahnlinie von Berlin nach Breslau.

Auch von Westen bietet die weitläufige, auf eine 1268 getätigte Stiftung des Markgrafen Heinrich III. von Meißen zurückgehende und ab 1300 im Stil der Backsteingotik errichtete Klosteranlage einen majestätischen Anblick. Erreichbar ist sie über einen alleebestandenen Damm, der das Flüsschen Dorche zu einem großen Fischteich aufstaut, in dem sich die Stiftskirche St. Mariä Himmelfahrt glitzernd spiegelt. Unter Abt Bernhard von Schrattenbach begann die rund 100 Jahre andauernde Umwandlung und Erweiterung der gotischen Bauten im Stil des Barock zu einem weitläufigen, um den geräumigen Klosterhof angeordneten Ensemble. In Verwerfung zisterziensischer Schlichtheit verwandelte er Neuzelle zu einem Vorposten des gegenreformatorischen Katholizismus. Das Kirchengewölbe wurde mit einer gewaltigen Bilderbibel ausgemalt und das dreischiffige Innere mit weiß stuckierten Säulen sowie Fruchtgehängen, Bändern, Girlanden und ausgreifenden Voluten an den Kapitellen im Rahmen eines geistlichen Gesamtprogramms überbordend barockisiert, was den Besucher aus dem Alltag in den Himmel führen sollte.

Direkt an die Kirche, die nach der Säkularisierung die Rolle einer Pfarrkirche übernahm und seit dem 13. Jahrhundert katholisch blieb, schließt sich die ehemalige Klausur an. Um den spätgotischen Kreuzgang aus den Jahren ab 1350 gruppieren sich die heute zum Museum umgestalteten Räume der Klosterbrüder. 1735 wurden 32 Mönchen, zwei Novizen und vier Konversen gezählt. Das 220 Quadratmeter große Refektorium unter einem 1520 eingebauten Netzgewölbe unterstreicht dessen herausgehobene Stellung. Auch im benachbarten Kalefaktorium wurden aufwendige Wandgliederungen mit Blendbögen und Nischen restauriert. Heute dienen die Räumlichkeiten Veranstaltungen und der Präsentation von liturgischen Gerätschaften oder ehemaligen Ausstattungsstücken.

Den Stiftsplatz rahmen die alten Wirtschaftsbauten. An die Klausur schließen sich das Amtshaus für Gäste und fürstliche Besucher, das barocke Klosterportal und die Stiftskanzlei an, in der ab 1817 eine Lehrerbildungsanstalt und zu Zeiten der DDR bis 1993 ein Priesterseminar nebst Lehrerausbildungsstätte logierten. Seit 1996 hat hier die neu gegründete öffentlich-rechtliche Landesstiftung Stift Neuzelle ihren Sitz, die die Klosteranlagen unterhält und bewirtschaftet, wofür seit 1993 über 50 Millionen Euro investiert wurden. Im Süden schließt der ehemalige Kutschenstall den Platz ab.

Heute ist hier und im rückseitigen Neubau ein Museum für eine weitere kunsthistorische Kostbarkeit eingerichtet. Das 1751 von Abt Gabriel Dubau in der Tradition Heiliger Gräber in Auftrag gegebene Neuzeller Passionstheater gilt als einzigartiges und monumentales Zeichen barocker Prachtentfaltung. Im Kern handelt es sich dabei um ein pädagogisches Programm, Menschen im gegenreformatorischen Sinne den Glauben zu erklären. Der böhmische Maler Joseph Felix Seyfried schuf dazu ein Theater in fünf Bühnenbildern mit 14 Passionsszenen und Auferstehungsszene, die die biblische Geschichte vom Sterben und Auferstehen Jesu Christi mitfühlend wie volksnah zur Betrachtung und Meditation inszeniert. Die rund 250 lebensgroßen Figuren und Gruppen illustrierte der Maler mit Leimfarben auf Leinwänden sowie bemalten Holztafeln. Zuletzt 1847 in der Kirche aufgestellt, können nun nach umfassender Restaurierung in einem Neubau konservatorisch adäquat die zwei Szenen „Judaskuss“ und „Kreuztragung Christi“ dauerhaft präsentiert werden.

Nicht versäumen sollte man einen Blick in die „Leutekirche“, eine ehemalige Pfortenkapelle am alten Haupteingang des ummauerten Klosterbezirks. Die barockisierte Kreuzkuppelkirche mit dreischiffigem Langhaus dient heute der evangelischen Gemeinde als Kirchenraum. Genau 200 Jahre nach Aufhebung des Klosters kehrten 2017 Zisterziensermönche nach Neuzelle zurück, und zwar als Priorat des Mutterklosters Stift Heiligenkreuz in Österreich. Derzeit bereichern sechs Ordensbrüder den Ort durch ihr spirituelles Leben.

Nördlich von Neuzelle breitet sich über 160 Quadratkilometer das bis Bad Freienwalde verlaufende Oderbruch aus. Nach der Trockenlegung gewannen die einstige Sumpflandschaft und der größte Flusspolder Deutschlands auch künstlerisch an Bedeutung. Von besonderer Bedeutung ist vor allem das heute als Hotel dienende Schloss Steinhöfel. Um 1795 ließ der Hofmarschall Valentin von Massow das Gut nach Plänen von David Gilly und seinem Sohn Friedrich im Sinne des Berliner Klassizismus umgestalten. Der streng axial gegliederte, kubische Bau steht inmitten eines weitläufigen Landschaftsgartens mit geschwungenen Wegen, Blickachsen und Kleinarchitekturen. Im ebenso anmutig gelegenen Barockschloss Altranft ist heute neben einigen historischen Räumen das Oderbruch Museum beheimatet. Im Zentrum der Ausstellung steht dabei ein raumgreifendes Gespinst von Antje Scholz. Über einer Landkarte hat sie in sinnlich-künstlerischer Weise Höhen und Tiefen des Gebietes mithilfe verknüpfter Fäden und Farben visualisiert, was einen informativen dreidimensionalen Einblick in die Landschaft gewährt.

Kontakt:

Stiftung Stift Neuzelle

Stiftsplatz 7

DE-15898 Neuzelle

Telefon:+49 (033652) 81 40

www.stift-neuzelle.de



11.09.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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in der Stiftskirche St. Mariä Himmelfahrt
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Schloss
 Steinhöfel
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Schloss
 Steinhöfel
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Schloss Altranft mit dem Oderbruch Museum
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Schloss Steinhöfel

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Die barocke Stiftskirche St. Mariä Himmelfahrt

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Kloster Neuzelle: Terrassengarten mit der Orangerie

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Terrassengarten von Kloster Neuzelle

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Die ehemalige Pfortenkapelle, heute evangelische Kirche

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Der ehemalige Mönchsgarten

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Schloss Altranft mit dem Oderbruch Museum

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Geländeplan von Kloster Neuzelle aus dem Jahr 1740

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Kloster Neuzelle mit dem Fischweiher

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Kloster Neuzelle: Torhaus mit Kirche

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Der „Judaskuss“ aus dem Himmlischen Theater

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in der Stiftskirche St. Mariä Himmelfahrt

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