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Kunstmuseum Wolfsburg: Wir alle sollten Feministen sein!

Laetitia Ky, pow’hair, 2022

Das Kunstmuseum Wolfsburg widmet sich seit letztem Wochenende dem weiblichen „Empowerment“. In der gleichnamigen Schau bieten etwa 100 künstlerische Positionen einen globalen Blick auf den Feminismus in der Kunst des 21. Jahrhunderts. Dazu haben die Kurator*innen Andreas Beitin, Katharina Koch und Uta Ruhkamp 96 Künstlerinnen und Künstler sowie Kollektive aus etwa 50 Ländern eingeladen, darunter Mehtap Baydu, Alexandra Bircken, h.arta group, Pixy Liao, Shilpa Gupta, Tanja Ostojic und Shevaun Wright, die unterschiedliche feministische Ansätze spiegeln. Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie fordert, dass wir alle Feministen sein sollten. Die Ausstellung will dazu alle Menschen ansprechen. Denn es geht darum, dass die Welt durch den Feminismus eine bessere wäre. Denn die feministischen Ansätze verstehen sich als progressive Methoden, um die Gesellschaften der Erde mit den Mitteln der Kunst zu analysieren und mögliche Wege aus den globalen Krisen aufzuzeigen.

Die Schau ist in sieben Themenfelder gegliedert, die sich auf weltweite Recherchen stützen: Protest & Empowerment, Gender & Identity, Herstories & Other Narratives, Desired & Violated Bodies, Labour of Care, Planetary Challenges und Feminist Futures. Diese Bereiche verbindet das Kuratorenteam mit den Kunstwerken und stellt unterschiedliche Fragen, darunter „Wie agieren Künstler*innen in der postkolonialen, digitalen Gegenwart aus ihrer jeweiligen Situation heraus?“, „Welches emanzipatorische Verständnis liegt ihrer Kunst zugrunde?“, „Wie weiten sie den Blick auf eine feministisch orientierte Zukunft?“ Hinzu kommen Fragen zu sozialer Ungleichheit, Sexismus, Rassismus, Migration, dem Verhältnis von Körpern, Technologie sowie ökologischen Anliegen.

Das „Empowerment“ fordert Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Die feministische Kunst will hierzu das Bewusstsein schärfen und nachhaltige Begegnungen ermöglichen. Gleichstellung bedeutet zudem den Einbezug der an den Rand gedrängten und diskriminierten Gruppen. Laetitia Ky nutzt zum Beispiel ihr Haar als skulpturales Medium. In ihren Instagram-Posts greift die 1996 in Abidjan geborene Künstlerin Themen auf, die sie als Foto verewigt. Ihre Dreadlocks bereichert sie mit weiteren Haar und bearbeitet es mit Metalldraht, um es entsprechend formen zu können. Daraus entstehen humorvolle Bilder von afrikanischen Masken, einem Revolver oder aus ihrem Haar herauswachsenden muskulösen Armen.

Die japanische Multimedia- und Fotokünstlerin Mari Katayama präsentiert sich in „You’re mine #0001“ von 2014 mit einer Bob-Frisur und hautfarbener Seidenunterwäsche in einem weißen Bett. Sie blickt den Betrachter an und zeigt selbstbewusst ihre fehlenden Unterbeine. Mari Katayama, die mit einer Schienbeinfehlbildung zur Welt kam und ihre Extremitäten amputieren lassen musste, greift das gängige Schönheitsideal einer Frau auf und unterläuft es zugleich. Obwohl sich in einigen Punkten Besserungen bei der Gleichberechtigung ergeben haben, kann auch im 21. Jahrhundert im Hinblick auf Frauen und LGBTQIA+-Communitys noch nicht von einer umfassenden Gleichstellung gesprochen werden, etwa bei der gleichen Bezahlung von Männer und Frauen oder der Honorierung häuslicher Arbeit. Diese Themen diskutieren die Kunstwerke der Schau.

Die Ausstellung „Empowerment“ läuft bis zum 8. Januar 2023. Das Kunstmuseum Wolfsburg hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet und bleibt am Heiligabend und Silvester geschlossen. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Die begleitende Publikation erscheint in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung, reicht über die Dokumentation der Ausstellung hinaus und kostet im Museumsshop 7 Euro. Das Thema wird in der Städtischen Galerie Wolfsburg mit der Schau „We are – Feminismus gehört uns allen“ und im Kunstverein Wolfsburg mit der Präsentation „Diverse Realities“ der US-amerikanischen Künstlerin Tamiko Thiel erweitert.

Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1
D-38440 Wolfsburg
Telefon: +49 (0)5361 – 266 90


13.09.2022

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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