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Documenta-Gesellschafter für Verzicht auf umstrittene Kunstwerke

Das Kuratorenkollektiv Ruangrupa will umstrittene Filme weiterhin zeigen

Die Documenta kommt auch kurz vor ihrem Ende nicht zur Ruhe. In der erneuten Auseinandersetzung um antisemitische und antiisraelische Kunstwerke haben sich nun die Gesellschafter der Kunstschau, das Land Hessen und die Stadt Kassel, dem Votum der fachwissenschaftlichen Begleitung angeschlossen und dafür ausgesprochen, die umstrittenen propalästinensischen Propagandafilme „Tokyo Reels“ des Kollektivs „Subversive Film“ aus den 1960er bis 1980er Jahren nicht mehr zu präsentieren, mindestens bis eine angemessene Kontextualisierung vorgenommen wurde. Die aktuelle Kommentierung der Filme sei dazu nicht geeignet, da sie die teils antisemitischen und terroristische Gewalt verherrlichenden Propagandafilme gerade nicht historisch einordnet.

Damit schlagen das Land Hessen und die Stadt Kassel einen anderen Kurs ein als die Documenta-Leitung. Laut Zeitschrift Monopol hätten das Kuratorenkollektiv Ruangrupa und die Geschäftsleitung der Documenta die Einschätzung des fachwissenschaftlichen Gremiums zur Kenntnis genommen. „Der Empfehlung einer vorübergehenden Entnahme der Arbeit ‚Tokyo Reels‘ von Subversive Film aus der Ausstellung möchte Ruangrupa, denen als Künstlerische Leitung der Documenta Fifteen die alleinige Entscheidung darüber zusteht, nicht nachkommen“, heißt es in der Mitteilung weiter. In einem offenen Brief, der auf der Plattform E-Flux publiziert wurde, sprechen Ruangrupa und andere Künstlerkollektive der Documenta davon, dass mit dem Bericht des Expertengremiums „eine neue Grenze überschritten sei“. Die Präsentation der „Tokyo Reels“ zu zensieren, sei ein bösartiger Versuch. Man sehe darin eine „rassistische Tendenz in einer schädlichen Struktur von Zensur“.

Neben unzähligen und problematischen Vorwürfen argumentiere der Bericht der fachwissenschaftlichen Begleitung, dass die schwerwiegenden Probleme der Documenta fifteen nicht nur in der Präsentation einzelner Werke mit antisemitischen Bildern und Aussagen bestehen, sondern auch in einem kuratorischen und organisatorischen strukturellen Umfeld, das eine antizionistische, antisemitische und antiisraelische Stimmung zugelassen habe, heißt es in dem Brief weiter. „Wir akzeptieren die Behauptungen ihres vorläufigen Berichts nicht, die schamlos schlecht recherchierte Stellungnahmen aus den Medien wiedergeben; ebenso fehlt es dem Bericht an wissenschaftlichen Beweisen, akademischen Referenzen, strenger Argumentation und Integrität.“


13.09.2022

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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