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Mona Hatoum in drei Berliner Häusern

Mona Hatoum, Hot Spot III, 2009

Zur Berlin Art Week bespielt Mona Hatoum gleich drei Häuser mit Ausstellungen: Das Georg-Kolbe-Museum, den Neuen Berliner Kunstverein und das Kindl – Zentrum für Zeitgenössische Kunst. Die 1952 in eine palästinensische Familie in Beirut geborene Künstlerin legt in ihren Performances, Videos, Fotografien, Skulpturen und Installationen einen Fokus auf die Auseinandersetzung mit Vertreibung, Marginalisierung und staatlicher Kontrolle und damit auf Themen, die auch in ihrer Biografie Schneisen hinterließen. Während Hatoum 1975 in London weilte, verhinderte der Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs ihre Rückkehr nach Beirut, so dass sie in der britischen Hauptstadt blieb und noch heute dort lebt.

„Hatoums Werke sind oft durch Widersprüche geprägt und können Faszination und Irritation gleichermaßen auslösen“, so die Kuratoren Marius Babias, Kathrin Becker und Julia Wallner. Ihre Formensprache ist klar und minimalistisch und setzt auf robuste Oberflächen und industrielle Materialien. Im Kindl ist Mona Hatoums raumgreifende, kinetische und ortsspezifische Installation im Kesselhaus zu sehen. Das Werk nutzt die Höhe des Raumes und besteht aus einer hohen, gerasterten Struktur, die an das Gerüst eines im Bau befindlichen Gebäudes erinnert. Hatoum will damit auf die Umwälzungen der Gegenwart und auf unsere prekäre und fragile Existenz hinweisen, etwa den Zusammenbruch von Systemen und die Versuche einer Erneuerung und Rekonstruktion.

Für das Georg-Kolbe-Museum schuf die Künstlerin die Installation „Tectonic“. Dafür hat Hatoum eine Weltkarte in die Oberfläche eines Gitters aus quadratischen Glasplatten gefräst. Das Werk schwebt wenige Zentimeter über dem Boden und wird nur von transparenten Glasmurmeln getragen. Die Glasplatten sind prekär ausbalanciert und können sich leicht verschieben, verrutschen oder aneinanderstoßen. Damit will Hatoum auf den Planeten Erde als zerbrechliches Konstrukt hinweisen. Zudem geben etwa 30 Arbeiten einen Überblick über ihr Schaffen seit den 1980er Jahren bis in die Gegenwart. In den „Performance Documents“, einem ihrer frühen Performance-Videos aus den späten 1980er Jahren, interagiert Mona Hatoum mit Passanten auf öffentlichen Plätzen. In einfachen, zumeist ritualisierten Handlungen schlagen alltägliche Routinen bedrohlich um und thematisieren die eigene Involviertheit und Fragen der Subjektivität von Wahrnehmung. Sowohl in frühen, als auch in jüngeren Arbeiten fungiert der Körper dabei als Bezugspunkt, etwa auch im „Cage for One“ von 2022, einer Skulptur, sie sich in ihren Proportionen am menschlichen Körper orientiert.

Im Neuen Berliner Kunstverein setzt sich die Künstlerin mit physischer und struktureller Gewalt auseinander, die sie sowohl im häuslichen Bereich, als auch auf globaler Ebene verortet. Ihre Arbeiten thematisieren Erfahrungen von Entwurzelung – ob als dissoziatives Moment, als Trauma oder als Ermächtigung. Ihr doppelbödiger Umgang mit Vorstellungen von Heimat und Heim, mit Geschlechterrollen sowie menschlicher Verletzlichkeit ist ein essentieller künstlerischer Beitrag zu drängenden Fragen der Gegenwart.

Die Ausstellung „Mona Hatoum“ läuft im Georg-Kolbe-Museum vom 15. September bis zum 8. Januar 2023 und hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 7 Euro, ermäßigt 5 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren ist er kostenlos.

Georg-Kolbe-Museum
Sensburger Allee 25
D-14055 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 30 42 144

Die Installation „All of a Quiver“ ist im Kindl vom 18. September bis zum 14. Mai 2023 mittwochs von 12 bis 20 Uhr, donnerstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunst
Am Sudhaus 3
D-12053 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 832 15 91 20

Der dritte Ausstellungsteil bespielt die Räume des Neuen Berliner Kunstvereins vom 15. September bis zum 13. November. Der Verein hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellungen begleitet eine Publikation.

Neuer Berliner Kunstverein
Chausseestraße 128/129
D-10115 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 280 70 20


13.09.2022

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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