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Lu Yangs Transhumanismus im Berliner Palais Populaire

Lu Yang, Doku Mind Matrix, 2022

Im Rahmen der heute eröffneten Berlin Art Week, in der die Metropole bis zum 18. September mit einem Programm aus rund 300 Ausstellungen und Events aufwartet, widmet sich das Palais Populaire der Deutschen Bank in diesem Jahr Überlegungen von Post- und Transhumanismus. Die diesjährige „Artist of the Year“-Preisträgerin Lu Yang hat für ihre multimediale Installation „Doku Experience Center“ sechs geschlechtsneutralen Avataren ihr Gesicht geliehen. Das Besondere an Lu Yangs Fortentwicklung menschlicher Möglichkeiten und Fähigkeiten durch aktuelle Technologien liegt darin, dass sie das Posthumane im Kontext buddhistischer und hinduistischer Kosmologien betrachtet. Die Abkürzung „Doku“ bezieht sich auf die japanische Weisheit „Dokusho Dokushi“, die mit „Allein sterben, allein geboren werden“ übersetzt werden kann, und spielt auf die virtuelle Reinkarnation an.

Die unterschiedlichen Charaktere Human, Heaven, Asura, Animal, Hungry Ghost und Hell verkörpern jeweils eine Version der sechs Wiedergeburten des karmischen Lebensrads, das den ewigen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt versinnbildlicht. Tänzer*innen führten die Gesichtsausdrücke und Bewegungsmuster aus, diese wurden anschließend mit Hilfe der Motion-Capture-Technologie digitalisiert und so 3D-Modelle der Avatare geschaffen. Die Kunstfiguren sind in der Ausstellung in Form des narrativen Films „Doku the Self“, der bereits bei der Biennale in Venedig gezeigt wurde, dem Musikvideo „Doku the Matrix“ und der Serie „Bardo #1“ vertreten.

Mit ihrer Kunst hinterfragt Lu Yang nicht nur Begriffe wie kulturelle Identität, Körper und Gender, sondern auch die Wahrnehmung unserer physischen Existenz, die wir als wirklich und real empfinden. „Der Idee einer festen Identität stellt Lu Yang eine digitale Existenz im Internet gegenüber, die keine Beschränkungen von Zeit und Raum, keine Grenzen, Nationen und Geschlechter kennt“, so Kuratorin Britta Färber, Leiterin des Kunstprogramms bei der Deutschen Bank.

Lu Yang wurde in 1984 Shanghai geboren, wo sie auch gegenwärtig lebt und arbeitet. Die Künstlerin ist Teil einer jungen, von Science-Fiction, Manga-, Gaming- und Technokultur inspirierten Kunstszene in China. Sie studierte an der China Academy of Arts in Hangzhou und nahm seit 2015 an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen teil. Aktuell sind ihre Arbeiten in der Schau „The Milk of Dreams“ auf der 59. Biennale in Venedig zu sehen. Bisherige Einzelpräsentation fanden unter anderem in Peking, Moskau und zuletzt in Aarhus und Erlangen statt. Ab Ende des Monats stellt Lu Yang in der Zabludowicz Collection in London aus. Neben der diesjährigen Auszeichnung als „Artist of the Year“ durch die Deutsche Bank erhielt die Künstlerin 2019 bereits den Preis der BMW Art Journey.

Die Ausstellung „Lu Yang: Doku Experience Center“ läuft bis zum 13. Februar 2023. Das Palais Populaire hat täglich außer dienstags von 11 bis 18 Uhr sowie donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos. Zur Ausstellung erscheint im kommenden Februar eine Publikation.

Palais Populaire
Unter den Linden 5
D-10117 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 20 20 930


14.09.2022

Quelle: Kunstmarkt.com/Amanda Bischoff

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