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Ida Ekblad, Nora Turato und Rinus van de Velde. Beim diesjährigen Art Weekend im Hotel Castell in Zuoz wurden drei spannende künstlerische Positionen vorgestellt, die sich auf unterschiedliche Art mit Bildern, Sprache und Zeichen beschäftigen

Drei, die es wissen wollen



Nora Turato, eeeexactlyyy my point., 2021

Nora Turato, eeeexactlyyy my point., 2021

Das Art Weekend im Hotel Castell im schweizerischen Zuoz ist für seine treuen Fans längst zu einer festen Institution am Beginn des Kunstherbstes geworden. Bereits seit 1993 lädt der Besitzer des Hotels, der Zürcher Künstler und Sammler Ruedi Bechtler, einmal im Jahr unter verschiedenen Mottos zur Begegnung mit Kunst, Künstler*innen, Kurator*innen, Theoretiker*innen und Sammler*innen ein. Während anfangs eher ereignishafte Formate, etwa spektakuläre Sprengaktionen des St. Gallener Konzeptkünstlers Roman Signer, im Fokus standen, hat sich in den letzten Jahren das Format des sogenannten Art Weekends etabliert. Eingeladen werden jeweils zwei bis drei Künstler*innen sowie mit deren Werk vertraute Museumsdirektor*innen oder Kunsthistoriker*innen.


Am vergangenen Wochenende fand das Art Weekend nach einer pandemiebedingten Zwangspause im vergangenen Jahr nun wieder unter den gewohnten Konditionen statt. Eingeladen hatte Ruedi Bechtler dieses Mal drei Teilnehmer*innen. „Three great artists“, so lautete die Devise der diesjährigen, international ausgerichteten Veranstaltung. Zu Gast waren die Norwegerin Ida Ekblad, Jahrgang 1980, die in Amsterdam lebende kroatische Künstlerin Nora Turato, Jahrgang 1991, und der Belgier Rinus van de Velde, Jahrgang 1983. Allen dreien gemeinsam ist im weitesten Sinne das Arbeiten im Medium der Malerei. Dass darunter heute jedoch weitaus mehr zu verstehen ist als das bloße Bemalen rechteckiger Leinwände mit Öl- oder Acrylfarbe, wurde während dieses Wochenendes deutlich.

Rund 50 Interessierte aus der gesamten Schweiz waren bereits am Freitag ins Engadin gereist. Mit dem Skyspace Piz Uter von James Turrell verfügt das Hotel Castell über einen idealen Ort, um sich auf die intensive Begegnung mit Kunst einzustimmen. Und so begab man sich am ersten Abend zu Beginn der Dämmerung dorthin, um die Interaktion zwischen künstlichem und natürlichem Licht gemeinsam zu erleben und sich untereinander kennenzulernen.

Inhaltlich ging es dann am nächsten Morgen mit einem ausführlichen Gespräch zwischen Rinus van de Velde und Fanni Fetzer, der Direktorin des Kunstmuseums Luzern, weiter. Unter dem Titel „I’d rather stay at home,…“ hatte Fanni Fetzer dort im Frühjahr 2021 die bisher größte Einzelausstellung des Antwerpener Künstlers unter Einbeziehung aller Medien ausgerichtet, in denen er bisher gearbeitet hat. Das Spektrum umfasste Zeichnungen, Skulpturen und Filme. Dass der Titel der Schau nicht ganz ohne Grund ausgewählt war, wurde von Rinus van de Velde im Gespräch immer wieder bestätigt. Der Belgier berichtete davon, dass er noch nie gern auf Reisen unterwegs gewesen sei. Er unterstrich sein Desinteresse am Unterwegssein mit einer Anekdote aus seiner Jugend: Seine Eltern hatten eine große USA-Fahrt organisiert. Für seinen Vater stellte der Grand Canyon den Höhepunkt dieser Grand Tour dar. Doch einmal dort angekommen, bestand der junge Rinus darauf, im Auto sitzen zu bleiben. Van de Velde gab sich fest davon überzeugt, dass David Hockneys gemalte Ansichten vom Grand Canyon doch viel besser als die Wirklichkeit seien.

Sein Interesse am Reisen hält sich bis heute stark in Grenzen. Eines seiner Vorbilder, so berichtet Van de Velde, sei dabei der portugiesische Schriftsteller Fernando Pessoa. Auch der sei nicht gereist, habe aber intensiv Tourismusbroschüren gesammelt. Ganz ähnlich verfährt auch Rinus van de Velde. Nachdem er fünf bis zehn Jahre lang in seinem Studio eher frei gezeichnet hatte, fühlte er eine gewisse Langeweile und hat dann damit angefangen, nach Found Footage-Bildern, zum Beispiel aus Magazinen wie National Geographic, zu arbeiten. Viele dieser gefundenen Bilder hat er an die Studiowand gepinnt. Aus diesem visuellen Overflow entwickelten sich dann neue Strukturen und Narrative.

Mit Pappwelten gegen die Langeweile

Im Zentrum seiner Arbeit stehe immer die zentrale Frage: Wie der Langeweile des Studios entkommen? Seine Antwort darauf: Tagträumereien, der Fantasie freien Lauf lassen, das Erfinden vieler Fake-Biografien, der Kunstgriff, sich selbst als Romanfigur zu sehen oder als eine Art Schauspieler mit wechselnden Rollen. Die Welt, die er nicht bereist, holt sich Rinus van de Velde einfach ins Atelier, indem er sie zusammen mit seinem Team von Assistent*innen aus bemaltem Papier, Pappe und Baumarktmaterialien nachbaut. Palmen, das Floß eines Schiffbrüchigen, eine Computerzentrale, eine nächtliche Tankstelle, Berglandschaften, eine Flugzeugkabine, diverse Autos, Boote, eine Unterwasserlandschaft mit bunten Korallen oder ein liebevoll mit Details ausgestatteter Diner – Van de Velde benutzt diese Art von Settings, um sie in einem zweiten Schritt abzufotografieren und dann in großformatige Zeichnungen mit Holzkohle umzusetzen, bisweilen aber auch, um direkt darin zu agieren. Mit seinen großformatigen Holzkohlezeichnungen auf Leinwand von bis zu 3 auf 6 Metern ist er in den letzten Jahren im internationalen Kunstbetrieb mehr und mehr bekannt geworden.

Integraler Bestandteil dieser Zeichnungen sind immer auch handgeschriebene englische Texte, die, ähnlich den Untertiteln beim Stummfilm, ganz unten auf den Bildern zu finden sind: „Die sind ein sehr wertvolles Werkzeug, um Geschichten zu erzählen“, sagt er. Nach sechs bis sieben Stunden Zeichentätigkeit fügt er diese den Bildern als letztes Element hinzu. „Das fällt mir dann ganz leicht. Der Zeichenprozess findet praktisch ohne Nachdenken statt. Währenddessen werden eine Menge anderer Dinge freigesetzt.“ Die Protagonisten seiner Zeichnungen und auch seiner Filme sind fast ausschließlich männliche, irgendwie gescheiterte, einsame, desorientierte, gestrandete Gestalten, die oft genug auch dem Tabak und dem Alkohol verfallen sind. Auf eines legt er jedoch Wert. Auch wenn er selbst immer mal wieder auf seinen Zeichnungen auftauche, so habe der Inhalt jedoch nur wenig mit seinem echten Leben zu tun. „Viele meiner Protagonisten sind superweit von dem entfernt, wie ich in Wirklichkeit bin.“

Als Werbemotiv für eine Galerieausstellung inszenierte Rinus van de Velde sich, in einer Badewanne liegend, mit Rotwein und Zigarette. Und genau dieses Motiv war es auch, das sofort Fanni Fetzers Interesse an diesem ihr bis dahin unbekannten, rätselhaften Künstler aus Belgien weckte. Schnell war ein Studiobesuch in Antwerpen vereinbart, und die Vorbereitungen für die große Ausstellung in Luzern nahmen ihren Lauf.

Szenenwechsel. Der an der ETH Zürich lehrende australische Kunsthistoriker Adam Jasper stieg im Gespräch mit der Künstlerin Nora Turato streckenweise tief in zeichentheoretische Diskurse ein, was das Publikum mit Gewinn zur Kenntnis nahm. Doch zunächst berichtete auch er von seiner ersten Begegnung mit der Künstlerin. Während der Biennale Venedig 2015 besuchte Jasper die Eröffnung des litauischen Pavillons. Er stand mit vielen anderen für Getränke an, als er plötzlich wahrnahm, wie eine junge Frau immer lauter geredet und schließlich hysterisch geschrien hat, fast so, als stünde sie kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Was er zunächst für Realität hielt, entpuppte sich als eine Performance von Nora Turato. Schnell bildete sich ein Kreis um die Performerin. Jaspers Interesse war geweckt. Weitere Begegnungen fanden dann in Amsterdam und Liechtenstein statt.

Zwischen Grafikdesign und stringenter Performance

Mittlerweile gehört Nora Turato zu den gefragtesten Spoken Word-Performerinnen der Kunstszene. Im März 2022 war sie mit ihrem aus einer Performance und einem Buch bestehenden Projekt „pool 5“ im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) zu Gast. Turato ist eine virtuose Grenzgängerin zwischen Grafikdesign, textbasierten Arbeiten auf großen Emaille-Panels, der Produktion von Künstlerbüchern und Spoken Word-Performances. Im Gespräch mit Adam Jasper berichtete sie, dass sie bereits mit 18 Jahren von Kroatien in die Niederlande gezogen war, um dort bei der renommierten Professorin Linda van Deursen Grafikdesign zu studieren. Turato hatte damals noch eine Band und war mehr an singbaren Texten als an Inhalten interessiert. Schon als Kind hatte sie englischsprachige Bücher aus dem Regal ihrer Eltern als Quelle für Songtexte benutzt.

Bis heute ist sie eine geradezu besessene Sammlerin von Texten und Sätzen aus den unterschiedlichsten Quellen: Büchern, Werbeanzeigen, Songs, Zeitungsschlagzeilen, dem Internet, Titeln von YouTube-Videos, Unterhaltungen mit Freunden, Produktnamen und ihren eigenen Gedanken. Turatos Weg vom Grafikdesign in die bildende Kunst war keineswegs vorgezeichnet, noch entsprang er einer bewussten Strategie. „Die Dinge sind eher aus einer Art Flow heraus entstanden, indem ich immer wieder neue Menschen kennengelernt habe.“ Eher zufällig kam es im September 2013 auch zu ihrer ersten Performance. „Das war eine extracurriculare Arbeit mit ein paar Freunden an einem coolen Ort“, erinnert sie sich. Was ihr zu Gute kam: Genau zu der Zeit begannen Museen und andere Kunstorte damit, sich zunehmend für Spoken Word-Performances zu interessieren. Sie nahm Einladungen an, fühlte sich jedoch unwohl damit, oft schlecht oder gar nicht bezahlt und schlecht untergebracht zu werden.

Ein finanziell gut ausgestattetes, zweijähriges Stipendium an der renommierten Rijksakademie in Amsterdam kam da gerade recht. „Das gab mir die Zeit, mich auf meine eigenen Arbeiten zu konzentrieren und diese weiterzuentwickeln“, so Turato. Unmittelbares Anschauungsmaterial in Form einer Emaille-Arbeit hatten die Teilnehmer*innen des Art Weekends im Treppenhaus des Hotels Castell. Die aus zwei in Schwarz, Weiß und Rot gehaltenen Emailleplatten bestehende Arbeit trägt den Satz „What is dead may never die“. Manchen kommt der Satz vielleicht als ein Episodentitel aus der Fantasy-TV-Serie „Game of Thrones“ bekannt vor. Doch auf derart eindeutige Bezüge legt Nora Turato eigentlich keinen Wert. Vielmehr betont sie die generelle Offenheit ihrer Arbeiten. Die Sätze weiter aufzufüllen, das sei die Aufgabe der Betrachter*innen. Sie wolle diesen mit ihren Arbeiten lediglich einen kleinen Schubs geben, um eigene Lesarten zu entwickeln.

Im zweiten Teil des Gesprächs, der am Nachmittag stattfand, wurden dann zunehmend die Verbindungslinien zwischen Typografie und Performance deutlich. Die Buchstaben stellen sich bei Turato selbst zur Schau. So sind sie am Ende nicht mehr nur Zeichen, sondern erhalten durch ihre grafische Umsetzung auch eine durchaus tänzerische Qualität zwischen Momenten der Beschleunigung und des Abbremsens. Ein „O“ etwa kann sowohl als Ei wahrgenommen werden, als auch als Münze oder Persönlichkeit. Insgesamt vermittelte das tiefschürfende Gespräch zwischen Adam Jasper und Nora Turato das Bild einer analytisch und präzise arbeitenden jungen Künstlerin, die die modernistische Typografie italienischer Tankstellen oder Reifenmarken ebenso in ihre Arbeiten mit einfließen lässt wie Erkenntnisse, die sie im Dialog mit Astrophysiker*innen oder Neurowissenschaftler*innen gewonnen hat.

Am Samstagnachmittag stand dann wieder ein neues Künstlerinnen-Kuratorenduo im Fokus. Und wieder diente der Bericht von einer ungewöhnlichen Erstbegegnung als Einstieg in einen spannenden Dialog: In der Konversation mit Ida Ekblad erinnerte sich Daniel Baumann, Direktor der Kunsthalle Zürich, an sein erstes Treffen mit der in Oslo lebenden Künstlerin. Als einer der Mitgründer des Basler Projektraums New Jerseyy war Baumann 2009 auf die alternative Kunstmesse „Dark Fair“ im Kölnischen Kunstverein eingeladen. Man war mit dem Aufbau bereits fertig. Gleich nebenan hatte das „Institutt for Degenerert Kunst“, ein norwegisches Künstlerkollektiv, seine Koje. Was Baumann jedoch wunderte, war, dass die Skandinavier bis kurz vor der Eröffnung noch keine Kunstwerke an den Stand gebracht hatten. Doch kurze Zeit später kamen sie mit einem Einkaufswagen voller Sperrmüllobjekte, die das Kollektiv in einer leerstehenden Villa gefunden hatte, an und präsentierten diese selbstbewusst als Kunstwerke.

Meine Hände sehnen sich nach Abwechslung

Solcherlei von dem dänischen Künstler Asger Jorn und anderen situationistischen Kunstschaffenden abgeschaute und variierte Strategien des „Détournement“, also des Entführens von Alltagsobjekten in den Kunstbetrieb, kennzeichnen bis heute das vielfältig aufgefächerte Werk von Ida Ekblad. Daniel Baumann nötigte diese Chuzpe Respekt ab. Schon zwei Monate später stellte er Ida Ekblad erstmals in Basel aus. Von nun an verfolgte er interessiert die weitere Karriere der Künstlerin. Der vorläufige Höhepunkt: Im Sommer 2019 präsentierte Daniel Baumann die Malerin, Bildhauerin, Autorin, Herausgeberin, Plattenproduzentin und Designerin in der Einzelausstellung „Fra Åre Til Oven“ in der Kunsthalle Zürich.

Kunst, so Daniel Baumann, sei für ihn stets weniger ein perfektes Objekt als ein „Lebensgefühl“. Im Gespräch mit Ida Ekblad ging es dann unter anderem um ihre Vergangenheit als Graffiti-Künstlerin, die ihre spontane und farbenfrohe Malweise bis heute beeinflusst. Ida Ekblad betonte ihre Freude an den unterschiedlichen Medien und Materialien wie Malerei, Skulptur, Poesie, Aquarell, Lehm, Bronze und vielen anderen. „Meine Hände sehnen sich nach Abwechslung“, sagt sie.

Neben meist großformatigen Gemälden, die sie zum Beispiel in der Zürcher Ausstellung durch die temporäre Gruppierung in Dreier- oder Vierergruppen zu neuen Arbeiten verdichtete, entstehen nach wie vor auch aktionistische Werke mit dem Spirit der Situationisten. So hat sie etwa 2019 im Rahmen ihrer großen Ausstellung im Museo Tamayo in Mexiko-Stadt rechteckige Boxen mit Gießbeton anfüllen lassen. In den rund 45 Minuten, die dieser benötigte, um auszuhärten, sammelte Ida Ekblad mit einem erstaunlichen Sinn für Formbewusstsein und Komposition Schrottobjekte und Zivilisationsmüll, die sie in der Umgebung des Museums fand, um diese dann dauerhaft einzubetonieren.

Einer ähnlichen Strategie entspringen auch ihre mit Fundstücken aufgefüllten Einkaufswagen, die sie in ihrer Ausstellung 2013 im Osloer Nationalmuseum im kruden Kontrast zu den mit Stuck und Gold verzierten Museumsräumen präsentierte. Einzelne modifizierte Einkaufswagen hat sie zudem mit einer Farbwalze ausgestattet, um diese als unkonventionelle Malwerkzeuge für die Herstellung von Linoldrucken zu benutzen.

Auch bei Ida Ekblad bot das Hotel Castell die Gelegenheit, über die Powerpoint-Präsentation hinaus zwei ihrer Arbeiten im Original zu sehen. So befindet sich im Speisesaal des Hotels das farbenfrohe, großformatige und mit unorthodoxen Malmitteln, wie der aus dem T-Shirtdruck bekannten Plusterfarbe, ausgeführte Gemälde „The Light of the Eye was Dark Red“ aus dem Jahr 2019. Im Außenraum des Hotels wiederum ist eines ihrer „Kraken Möbel“ ausgestellt, in diesem Fall eine in Blau gehaltene, benutzbare Bank mit schwarzen, bizarr geformten, gusseisernen Füßen und einer hölzernen Sitzfläche.

Studiert hat Ida Ekblad in London, Oslo und Los Angeles. Zu den Markenzeichen ihrer Kunst gehört das nicht zielgerichtete Sich-Treibenlassen, die Lust an der Umleitung, am Experiment, am Unfertigen, ihr Interesse an Folk Art und alten skandinavischen Handwerkstechniken, Do-it-yourself-Praktiken, die Bevorzugung des Zufalls gegenüber der Routine und der gelegentliche Rückgriff auf Kindheitserinnerungen. Daniel Baumann gestand zum Ende des Gesprächs ein, dass er den künstlerischen Kosmos von Ida Ekblad trotz seiner intensiven Beschäftigung damit noch immer nicht ganz durchdrungen habe. Aber genau das fasziniere ihn auch daran. „Ich mag Dinge, die ich nicht verstehe“, so Baumann.

Am Sonntagvormittag wurde dann das Kino des Hotels zum Hauptschauplatz des Art Weekends. Zu sehen gab es zunächst einen Mitschnitt der Performance Nora Turatos im MoMA, der noch einmal besonders deutlich zeigte, mit welch präzisem Gespür für leere Marketingfloskeln, Politik- und Werbesprache Turato Sprache komprimiert, seziert, intoniert und rhythmisiert. Anschließend liefen die zwei ersten Kurzfilme Rinus van de Veldes – ein dritter ist bereits in Arbeit und kommt im September nächsten Jahres heraus. Die nur im Studio des Künstlers entstandenen Filme boten den Teilnehmer*innen des Art Weekends nochmals die Möglichkeit, tiefer in die allein aus Pappe, Papier, Sperrholz und Styropor gebauten Fantasiewelten des Künstlers einzutauchen und vielleicht besser zu verstehen, dass der visuelle Kosmos eines Nicht-Reisenden so unendlich viel größer sein kann als der eines Pauschaltouristen, der permanent auf Achse ist – vorausgesetzt, man hat eine so überbordende Fantasie wie Rinus van de Velde.

Das nächste Art Weekend im Hotel Castell läuft vom 22. bis 24.September 2023.

www.hotelcastell.ch



29.09.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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