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Goslarer Kaiserring 2022: Mit dem Briten Isaac Julien wird ein international bedeutender Künstler geehrt, der zu den Pionieren der Queer und der Black Art zählt. Das Mönchehaus Museum präsentiert dazu noch bis Januar zwei seiner filmischen Schlüsselwerke und zahlreiche Fotoarbeiten

Bilder zwischen Schönheit und Schrecken



Isaac Julien, Pas de Deux No. 2, 1989/2016

Isaac Julien, Pas de Deux No. 2, 1989/2016

Er ist Künstler, Filmproduzent und Hochschullehrer mit Wohnsitzen in London und im kalifornischen Santa Cruz. Der 1960 in East-London als Sohn karibischer Einwanderer aus Saint Lucia geborene Brite Isaac Julien gehört zu den wohl weltweit renommiertesten Künstlern, die in den Medien Film, Fotografie und Installationskunst arbeiten. Noch während seines Studiums am Central Saint Martins College of Art and Design in London gründete er 1983 vor dem Hintergrund starker gesellschaftlicher Konflikte und rassistischer Vorfälle zusammen mit anderen Studierenden das Sankofa Film and Video Collective, eine Filmproduktionsgesellschaft, die sich die Entwicklung einer eigenständigen schwarzen Filmkultur in Großbritannien auf die Fahnen geschrieben hatte.


Julien, der es wie kaum ein anderer versteht, brisante gesellschaftliche Themen wie Migration, Postkolonialismus, Rassismus, Sexismus oder Queer-Feindlichkeit in sinnlich-visuelle Narrative zu übersetzen, nahm Lehraufträge an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts, und am Londoner Goldsmiths College wahr. Von 2009 bis 2015 war er als Professor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe tätig. Und im Jahr 2018 trat er seine derzeitige Professur an der University of California in Santa Cruz an. Noch im Frühjahr 2022 wurde er von Queen Elizabeth II. für seine Verdienste auf den Feldern Diversität und Inklusion in den Ritterstand erhoben. Im Oktober ist ihm in der Goslarer Kaiserpfalz nun der diesjährige Kaiserring und damit eine der wichtigsten internationalen Auszeichnungen im Bereich der bildenden Kunst verliehen worden.

Zwei seiner wichtigsten Produktionen werden jetzt in der vom Künstler zusammen mit Bettina Ruhrberg, der Direktorin des Mönchehaus Museums, und ihrem Team kuratierten Preisträgerschau in Goslar vorgestellt. Bei beiden Arbeiten hat Isaac Julien, der als Perfektionist gilt, klassisches 16 mm beziehungsweise 35 mm Filmmaterial verwendet. Sie verfügen daher über spezifisch filmische Qualitäten, die im Medium Video so nicht erreicht werden. Aufgrund der beengten räumlichen Bedingungen im Mönchehaus Museum sind jedoch leider keine Multiscreen-Projektionen wie in anderen Ausstellungen zuvor möglich, sondern Monoscreen-Präsentationen in allerdings eigens dafür eingerichteten Räumen. Der Intensität, Perfektion und Poesie seiner Filme tut das keinen Abbruch. Die Betrachter*innen können auch in Goslar in Isaac Juliens bis ins kleinste Detail durchinszenierte Filmarbeiten eintauchen und ihre Wahrnehmung dem meditativen Fluss von Bildern und Handlung überlassen.

Zu sehen sind der bereits 1989 entstandene, als Schlüsselwerk geltende, rund 45 Minuten lange Schwarz-Weiß-Film „Looking for Langston“ und der aus dem Jahr 2019 stammende, 26minütige Farbfilm „Lessons of the Hour“. In beiden Arbeiten beschäftigt sich Isaac Julien mit historischen Persönlichkeiten, die in der langen und immer wieder von Rückschlägen geprägten Geschichte der Emanzipation der Schwarzen beziehungsweise Homosexuellen eine zentrale Rolle gespielt haben. „Looking for Langston“ rückt den New Yorker Langston Hughes (1901-1967), den queeren Gründer der sogenannten Harlem Renaissance, des künstlerischen und soziokulturellen Aufbruchs afroamerikanischer Autor*innen und bildender Künstler*innen zwischen 1920 und 1930, in den Fokus. Der farbige Schriftsteller und Aktivist Langston Hughes gilt als Erfinder der Jazz Poetry. In seinem Film fängt Julien die einzigartige Atmosphäre in den prachtvoll im Art Déco-Stil ausgestatteten queeren Jazz-Clubs im Harlem der 1920er Jahre ein. Seine elegant gekleideten, sowohl schwarzen als auch weißen männlichen Protagonisten trinken Champagner, sie mustern sich gegenseitig und flirten und tanzen miteinander. Das mondäne Geschehen wird von einer Reihe von wächtergleichen Männern mit Engelsflügeln aufmerksam beobachtet. Dokumentarisches Filmmaterial aus den 1920er Jahren ist an mehreren Stellen zwischen die sorgsam inszenierten Szenen geschnitten.

Immer wieder bricht der Kamerablick jedoch aus dem allgemeinen Geschehen aus und fokussiert einzelne Darsteller in intimeren Szenen. Diese die klassische Schönheit männlicher Körper feiernden Bilder sind unter anderem unterlegt mit poetischen Texten der Dichter Essex Hemphill und Richard Bruce Nugent. Stilistische Ähnlichkeiten etwa mit den männlichen Aktfotografien von Herbert List oder Robert Mapplethorpe verorten den Film zudem innerhalb einer langen Geschichte queerer Körperdarstellungen. Doch was zunächst euphorisch und ausschweifend beginnt, kippt zunehmend ins Elegische um. Eine zweite, immer wiederkehrende Szene fängt eine Trauergesellschaft ein, die sich offenbar um den Sarg des verstorbenen Langston Hughes herum versammelt hat. Zudem wird das schwelgerisch-exzessive Geschehen durch in der Gegenwart der späten 1980er Jahre angesiedelte filmische Einschübe unterbrochen, in denen in teils stark sexualisierter Sprache die Themen Cruising, Promiskuität und AIDS angesprochen werden. Eine Razzia der Polizei und das Eindringen rechter Schläger in den Club beenden schließlich die anfänglich so unbeschwerte Soiree.

Mit diesem Film, der zahlreiche Preise gewonnen hat und unter anderem ein Beitrag bei der Berlinale war, gelang Isaac Julien bereits Ende der 1980er Jahre der internationale Durchbruch. Seitdem waren seine Werke etwa auf der Biennale in Venedig, der von Okwui Enwezor kuratierten Documenta 11 im Jahr 2002 sowie in nahezu allen wichtigen Museen, darunter dem MoMA in New York, der Tate Modern in London oder dem Pariser Centre Pompidou, zu Gast. Julien ist aber nicht nur im Kunstbetrieb sondern auch in der Filmwelt äußerst anerkannt und bespielt die großen Festivals ebenso wie die Arthouse-Kinos rund um den Globus.

Im Mittelpunkt von „Lessons of the Hour“ aus dem Jahr 2019 steht der befreite Sklave und Abolitionist Frederick Douglass (1818-1895), der als einflussreichster Afroamerikaner des 19. Jahrhunderts betrachtet wird. Abgeschnitten von normalen Bildungswegen, hatte sich Douglass von weißen Kindern das Lesen und Schreiben beibringen lassen. Im Alter von 20 Jahren gelang ihm die Flucht aus den Südstaaten nach New York, wo die Sklaverei zu der Zeit bereits abgeschafft war. Douglass begann, schriftstellerisch tätig zu werden, hielt zahlreiche Vorträge und wurde zu einem der prominentesten Protagonisten für die Beendigung der Sklaverei.

Isaac Julien konzentriert sich in seinem sorgfältig ausgestatteten Film auf Douglass’ Vortragsreise nach Großbritannien und Irland im Jahr 1845. In opulenten, an aufwändige Hollywood-Produktionen erinnernden Bildern begleitet die Kamera den Protagonisten bei seinen Zugfahrten durch Schottland, sie zeigt ihn im Hörsaal einer Universität, in feinen Salons, beim Zusammentreffen mit wichtigen Persönlichkeiten oder beim Ausritt am Strand. Eine zentrale Rolle nimmt auch die Darstellung einer Reihe von Frauen ein, die Douglass’ Leben entscheidend beeinflusst haben, darunter seine beiden Ehefrauen, aber auch seine deutsche Übersetzerin und zwei britische Quäkerinnen, die das nötige Geld für ihn einsammelten, um sich endgültig aus der Sklaverei freizukaufen.

Die im Stil von farbprächtigen Tableaux vivants inszenierten filmischen Bilder hat Julien mit Auszügen aus den zentralen Redetexten Douglass’ unterlegt, aber auch mit seinen Reflexionen über die Bedeutung des Bildermachens selbst am Beispiel des gerade erst neu erfundenen Mediums Fotografie. Doch gegen Ende des Films mischen sich in den ruhigen Fluss der historischen Darstellung zunehmend hochtechnoide, offenbar mit Nachtsichttechnologie vom Helikopter aus aufgenommene Bilder von brutalen Polizeieinsätzen gegen schwarze Demonstranten in amerikanischen Großstädten unserer Zeit. Isaac Julien führt so eindrucksvoll vor Augen, dass Douglass’ Mission auch 127 Jahre nach seinem Tod nicht beendet ist und in Zeiten der Black Lives Matter-Bewegung von anderen fortgeführt werden muss.

Die beiden Filme bilden auch die Grundlage für eine Reihe von Fotoarbeiten, die ebenfalls im Mönchehaus Museum zu sehen sind. Ausgewählt sind großformatige, an den beiden Filmsets entstandene Aufnahmen, bei denen Körper, Interieurs und Landschaften im Vordergrund stehen. Aber im Falle von „Lessons of the Hour“ auch kleinformatige, aufwändig produzierte Kollodium-Nassplattenabzüge von Porträts der Hauptdarsteller*innen, die in historisierenden Holzrahmen gezeigt werden. In diesem Fall hat Isaac Julien mit dem britischen Fotografen Rob Ball zusammengearbeitet.

In der Jurybegründung für den Kaiserring 2022 wird Isaac Julien ausdrücklich „für sein einzigartiges Werk, das den künstlerischen Diskursen um Migration, Rassismus und Diversität wegweisende Impulse gegeben hat“ geehrt. Dabei habe seine, so heißt es weiter, „in höchstem Maße sinnliche und poetische Bildsprache den Kanon der herkömmlichen Ästhetik reformuliert und erweitert“. Die Kaiserring-Jury kam anlässlich der Preisverleihung an Isaac Julien übrigens zum letzten Male unter der Leitung ihres langjährigen Vorsitzenden Wulf Herzogenrath zusammen. In Zukunft wird das siebenköpfige, international besetzte Fachgremium von Marion Ackermann, der Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, geleitet.

Die Ausstellung „Isaac Julien. Kaiserring der Stadt Goslar 2022“ läuft bis zum 29. Januar 2023. Das Mönchehaus Museum Goslar hat dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet 25 Euro.

Kontakt:

Mönchehaus Museum für moderne Kunst Goslar

Mönchestraße 1

DE-38640 Goslar

Telefax:+49 (05321) 42 199

Telefon:+49 (05321) 29 570



11.11.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


08.10.2022, Isaac Julien - Kaiserring der Stadt Goslar 2022

Bei:


Mönchehaus Museum Goslar

Kunstsparte:


Film und Video

Kunstsparte:


Fotografie

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Bericht:


Kaiserring für Isaac Julien

Variabilder:

Isaac Julien, Lyrics of Sunshine and Shadow (After Frederick Douglass
 I), 2019
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Variabilder:

Isaac Julien präsentiert den Kaiserring
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Variabilder:

Isaac Julien, Portrait, 1989/2016
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Isaac Julien, Lyrics of Sunshine and Shadow (After Frederick Douglass I), 2019

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Isaac Julien präsentiert den Kaiserring

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Isaac Julien trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Goslar ein

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Isaac Julien, Looking for Langston, 1989

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Isaac Julien, Lessons of the Hour, 2019

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Isaac Julien, The Lady of the Lake, 2019

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Isaac Julien, North Star, 2019

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Isaac Julien, Lessons of the Hour, 2019

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Isaac Julien, The Last Angel of History, 1989/2016

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