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Die Holländerin Jennifer Tee macht sich mit ihrer Kunst auf die Suche nach ihren Ursprüngen in Indonesien und erkundet mit ihrem kulturellen Austausch zwischen Ost und West auch Themen wie Handelsbeziehungen, Wandlung und Spiritualität

Immer noch unterwegs



in der Ausstellung „Jennifer Tee. Still Shifting, Mother Field“

in der Ausstellung „Jennifer Tee. Still Shifting, Mother Field“

In ihren Skulpturen, Installationen, Performances, Fotografien und Collagen untersucht Jennifer Tee Fragen nach Verortung, Spiritualität und Transzendenz. Seit 2016 entwickelt die holländische Künstlerin Collagen aus gepressten Tulpenblütenblättern, die sie pflückt, trocknet und später zu figürlichen Motiven und Mustern schneidet und arrangiert. Da die Tulpenblätter durch Licht und Verwitterung ihre Leuchtkraft verlieren, scannt Tee die Collagen, um die ursprüngliche Farbe der Blütenblätter zu „konservieren“. Anschließend werden die sie mittels Piezografie, einer Form von Inkjetdruck, zu Auflagen von jeweils drei Exemplaren vervielfältigt.


Mit dieser „Tampan Tulips“ genannten Werkserie war sie bis vor kurzem im Hauptraum der Wiener Secession vertreten. Die Motive und gemusterten Anordnungen der großformatigen, quadratischen Collagen – emblematische Darstellungen von Figuren, Tieren, Häusern und Schiffen – verweisen auf indonesische Tampan- und Palepai-Webereien aus der Region Lampung in Süd-Sumatra: Die zeremoniellen Textilien waren jahrhundertelang Teil von Tauschriten, die auf einer der wichtigsten Handelsrouten im Süden der indonesischen Insel stattgefunden haben. Die Tücher sollten bei Zeremonien und Übergangsriten die materielle und die geistige Welt miteinander verbinden.

Tampans wurden besessen und verwendet, um rituelle Anlässe zu weihen und die Einzelnen auf ihren Wegen durch die Zeremonien zu begleiten, die die verschiedenen Lebensabschnitte kennzeichnen. Die kleinen quadratischen Tücher wurden sowohl bei der Geburt als auch beim Tod, bei Eheschließungen, Beschneidungen und bei Feierlichkeiten, die den Wechsel des sozialen Ranges markierten, gezeigt oder ausgetauscht. Sie dienten als Mittelpunkt für zeremonielle Mahlzeiten, als Sitz für die Ältesten, die das traditionelle Recht überwachten, und wurden an die Firstpfosten neu errichteter Häuser gebunden. Sie waren eine heilige Kraft, die die Gesellschaft zusammenhielt.

Jennifer Tee knüpft in ihren Collagen unmittelbar an den Motivkanon der kunstvoll gewebten Tampans an. In der 2022 entstandenen Collage „Tampan Sessile Beings, Sacred Shrine“ erscheint beispielsweise am oberen und am unteren Bildrand ein abstrahiertes Schiff. Es ist ein Motiv, das häufig für die sogenannten „Tampan Pasisir“, Webereien von den Küstenregionen Sumatras, gewählt wurde. Bei Jennifer Tees Collage verzweigt sich als verbindendes Element ein zentral in der Bildmitte montierter Mast zu einem Lebensbaum, dessen Krone sich symmetrisch zu den Wurzeln auffächert. Die Symbole für Behausung, Ursprung und Abstammung werden hier aufs Engste mit jenen für Aufbruch, Bewegung und Veränderung verwoben.

In ihrer Werkserie der Tulpencollagen verknüpft Jennifer Tee den kulturgeschichtlichen Hintergrund der holländischen Nationalblume mit der Tradition der Tampans auf Sumatra und der eigenen Familiengeschichte: ihre chinesisch-indonesischen Vorfahren migrierten in den 1950er Jahren in die Niederlande, ihr Großvater mütterlicherseits arbeitete als Exporteur von Blumenzwiebeln. Die aus den Bergen Zentralasiens stammende, zuerst in Persien und der Türkei kultivierte Tulpe, deren Farbreichtum Jennifer Tee in den Collagen vorführt, gilt sowohl als Symbol der Liebe als auch der Vergänglichkeit. In den Niederlanden wurde ihre Schönheit im 17. Jahrhundert in zahlreichen Stillleben festgehalten. Zu dieser Zeit befand sich der „Tulpenwahn“, als die Blumenzwiebeln für horrende Preise die Besitzer wechselten, auf dem Höhepunkt. Die von der Niederländischen Ostindien-Kompanie forcierten Handelswege hatten eine enorme Anhäufung von Reichtum und Kapital erzeugt, die es ermöglichte, dass die Bewunderung für die Tulpe in Gier und exzessive Spekulation mit den Blumenzwiebeln umschlug, die 1637 im ersten Börsencrash mündete und viele Menschen ruiniert zurückließ.

Bei der emblematischen Gestaltung der Collagen bleibt die Künstlerin formal nah bei ihren Vorbildern. Überraschend sind bei genauem Hinschauen die Vielzahl der Muster und der Variantenreichtum der Blütenblätter, die neben und übereinandergeschichtet und zu Figuren und Mustern geschnitten werden. Die einzelnen, häufig mehrfach wiederholten oder gespiegelten Motive bezieht Tee aufeinander. Figuren, Tiere und immer wieder das Motiv des Schiffs als Symbol eines Zustands des Übergangs oder des Unterwegsseins spielen eine zentrale Rolle. Mit den darauf befindlichen Lebewesen und den pflanzenartigen Formen macht es sich zu einer Reise auf, zu einem Weg in eine – wie die Künstlerin erklärt – „andere Welt“. Diesem Ansatz folgend, erklärt sie auch die geometrischen, oft spiegelsymmetrisch, wie auf einem Teppich angeordneten Muster als Verbildlichungen von „sozialen ebenso wie universalen Ordnungen“, die sie „als Portal von der materiellen in die spirituelle Welt“ versteht.

Solcherart geballte Esoterik verschleiert allerdings, dass die durch persönlich und kulturgeschichtlich motivierten Montagen ein Angebot an neuen Erzählungen evozieren: von globalen Netzwerken und den damit einhergehenden Austausch und Transfer von Kultur, Natur und Waren ebenso wie von Migration und interkulturellen Identitäten. Beispielhaft für den spirituellen Aspekt, der sich durch Tees Ausstellung „Still Shifting, Mother Field“ in der Secession zog, ist auch die Installation „Tao Magic“: farbige Halbkugeln aus Keramik evozieren die Form eines Sternbildes, die Glasuren in matten Erdtönen deuten wiederum auf Monde hin. In der Installation bezieht Tee sich auf den Taoismus, in dessen Lehre sich das Universum ständig neu erschafft.

Die auf niedrigen Podesten ausgebreiteten „Shrouds“ von 2022, für deren Produktion ein neuartiges Gewebe aus Ananasresten und recyceltem Büffelleder verwendet wurde, zeichnen wie Leichentücher schemenhaft die Umrisse menschlicher Körper nach und beschreiben als leere Hüllen den Moment oder Prozess ihres Entschwindens. Das Potenzial, das die Hüllen für Körper und Seele eröffnen können, wird in Performances, die Tee gemeinsam mit der Choreografin Miri Lee entwickelt, aktiviert. Tänzer*innen interagieren dabei mit den Textilskulpturen. Der schwebende Moment des Einschlafens, der Zustand des Übergangs, der Schutz eines Kokons und die Metamorphose einer sich häutenden Schlange sind nur einige der visuellen Assoziationen, die dabei verhandelt werden.

Kontakt:

Secession

Friedrichstraße 12

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 587 53 07

Telefax:+43 (01) 587 53 07 34

E-Mail: office@secession.at

Startseite: www.secession.at



16.11.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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16.09.2022, Jennifer Tee - Still Shifting, Mother Field

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in der Ausstellung „Jennifer Tee. Still Shifting, Mother Field“
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